Joyail Winckel mails sämtliche Werke. Einzige vollständige Ausgabe; dabei Porträt, Facsimile und ausführliche Biographie des Autors; unter dem Torte die fru> Hern und viele neuen Citate und Noten; die allerwärtS gesammelten Briefe nach der Zeitordnung, Fragmente, Abbildungen und vierfacher Index. Von Joseph Eiselein. Zweiter Band. D o n a u ö s ch i n g e n, im Verlage deutscher C l a f < < r « r, 18 2 5. Aiese Briefe/ welche dem Publicum blos in Auszügen mtt- < e'heilt worden/ sind von Wiuckelmaii in den Jahren j?5S bis ^76Z an den Hofrath Bianeoni/ damalige» königlichen Leibarzt in Dresden, in i ta l i ä n i sch er Sv r a ch e geschrieben/ und zwar in der Ablicht/ die darin mitgetheilten antiguarifchcn Notizen dem Kurprinzen Friedrich Christian und dessen Gemahlin mitzutheilen. Als später- hin Biauconi kursächsischer Resident am päbstlichen Hofe in Rom ward/ ließ er diese Briefe im Jahre 477? in die ^ntvlogis Kornana einrücken, nachdem vorher alles/ was das Publicum nicht iuterefsiren/ oder was für andere Gelehrte beleidigend sein koiite/ von ihm gestrichen/ uud die verschiedenen in den Briefen zerstreuten Materien unter gewisse Abschnitte geordnet worden. Aus dem Italiänischen wurden sie sodan von dem Bibliothekar Daßdorf zu Dresden in's Deutsche übersezt/ und aus dem Deutschen in's Franzosische. Der Abate Fea hatte späterhin Gelegenheit die in der tolvAia Iio,i>!»>!> abgedrukteu Briefe mit den Srigiualbriefcii/ die sich in den Händen des Abate Amaduzzi befände»/ zu vergleichen/ und manche kleine Fehler, die sich dort einge- fchlichen hatten/ zu berichtigen. Eben so haben wir die iiberfezung Daßdorfs mit dem Abdruk des Originalauszugcs dieser Briefe von Fea, im dritten Theile seiner überfezmig der Schriften Winckelmans genau Verglichen und an mehreren Stellen berichtigt. Fernow. sDer Inhalt dieser Briefe mu!> .nit Winckelmans spätern Schriften über die nämlichen Gegenstände/ mit seinem Sendschreiben ic. und den Nachrichten ic. verglichen werden/ wie dazu die beigesügte» Weisungen anleitend Briefe an V i a n c o n i, Kurfürstlich sächsischen Hofrath und Residenten am päbstlichen Hofe. (Nachrichten von den alten Handschristen, die sich in dem königlichen Museum zu Portici befinden,) §. Aus den Ruinen vonHereulanum sind mehr als achthundert alte Handschriften hervorgezogen worden/^) die man alle in einem kleinen Zimmer eines Landhauses'/ unter dem Garten derbar- fnßer Augustiner zu Portici/ gefunden hat. In diesem Zimmer befinden sich ringsherum Schränke/ von ein wenig mehr als ManneShöhe/ um die Schriften bequem heraus nehmen zu können; und in der Mitte theilte das Zimmer eine Reihe Schränke von der nämlichen Höhe/ wobei auf beiden Seiten ein freier Gang geblieben war. Die Handschriften haben beinahe das Ansehen von Schmiedekohlen; aber nur wenige sind rund; der größte Theil derselben ist mehr oder weniger platt gedrnket; viele sind runzelicht und krnm gebogen wie Ziegenhörner. Ihre gewöhnliche Länge beträget einen Palm. Die Dike ist verschieden; einige darunter aber sind nur einen halben Palm lang. An beiden äussere» Ende»/ 'die versteinertem Holze gleichen/ siehet man/ wie die Handschriften über einander gewikelt sind. Aber man muß sich hier mit dem PhädruS beklagvn: — — — sccl salo iovicko ut ajuni., tiicSÄinc, iQvcnimus. 2) i) Martorelli (60 reg. t, 1. x. 40,) sagt sechshundert. Fea. ?.) 1^. 2, kad. ö. v. 2 — L. 8 Briefe üb. d. §. 2. Je mehr die Rollen von gleicher Schwärze/ und je mehr sie denSchmiedekohlen ähnlich sind/ desio leichter können sie anfgewikelt werden: wo sich aberFlcken zeigen/ die kastanienbraun aussehen / da ist eS ein Zeichen/ daß sie von der unterirdischen Feuchtigkeit gelitten habe» / und halb vermodert sind. Ich bemerkte an der Nolle/ die mau eben aufzuwi- kcln bemühet war/ daß sich eine Ader von schwarzer Erde hindurchgczogeu hatte/ die vermuthlich vermittelst der Feuchtigkeit hineingedrungen war. Die Materie der Schriftrollen bestehet aus Papyrus oder ägyptischem Schilfe/ das' überaus zart und dün ist/ von den Griechen genennet wird/ und seiner Dünne wegen nur auseiner Seite beschrieben ist. In verschiedenen Bibliotheken findet man ganze Rollen von Schilf. Hn der vatikanischen Bibliothek, und in dem Archive der Theatiner zu S. Apostoli in Neapel habe ich einige Blätter mit Uncial - und Cursivbuchstaben gesehen; da aber das Schilf dik ist/ so scheinet eS kein ägyptisches/ sondern von der Art zusein/ das an andern Orten/ alS/ nach derAuSsage des PliniuS/l) znRavenna wuchs. Drei Rollen sind entwikelt; die erste handelt von derTonkunst/ die zweite von der Redekunst/ und die dritte vitiis et virtutikus. Die zweite ist das zweite Buch einer ganzen Abhandlung; und die dritte enthält das dritte Buch des obgenanten Werkes. Hn diesen drei auf einander folgenden Rollen finden sich die Arbeiten eines und desselben Verfassers/ nämlich des PbilodcmnS/ eines epikurischen Philosophen und Zeitgenossen des Cicero/ dessen Fa- 1) Pl intus (I, >6. c> Z^.sect, 7»,) svricht von dem üdrpus, und dessen verschiedenem Gebrauche/ sagt aber nichts das> derselbe zum Schreibe» gedienet. Fea. ^ 2) Cicero »eilt ihn, (s viruz tum «Zoctis-ümos koniines etc. Daßdorf. 1) z, >, z, c, zz, x, 614. Strabo erwähnt ihn in seinem 17 Buche: v ^ «liÄ/k/cc Diogenes Laertius führt das li> Buch i-üx von ihm an; worüber man die Ausgabe des Menage (S-446.) nachlesen mag. Die Evigrammata, die von ihm in der griechischen Anthologie vorkommen, s-ud sehr schön. Daßdors. 2) lJn dem Sen d schrei b en ic.^! Z) Dieses Brustbild ist nachher c wm. >. IZi-on-,, 40 Briefe üb. d. K. 3. Diese Handschriften sind aus sechs Finger breiten Stüken zusammengesezt/ die so über einander liegen/ daß ihre Verbindung zwei Finger breit ist. Viele sind mn eine runde hoble Röhre gewi- ^ kclt/ die/ nach ihrer Dike zu urtheilen/ vielmehr von Knochen als von Rohr zu sein scheinet; aber die Materie lässet sich izo nicht mehr erkennen. Die Länge dieses Rohres ist der Länge der Handschrift gleich/ und ragete nicht über dieselbe hervor. In der Höhlung ward ein Stäbchen angebracht/ welches' dicnetc/ die Handschriften ab-und aufzuwikeln/ ohne daß man die Papyrusrollen zu berühren brauchte. Solche Stäbchen/ die sich erhalten haben/ findet man mitten in einigen Handschriften. Das Rohr befand sich also allezeit mitten in der zusammengerolleten Handschrift/ und die Höhlung desselben ist aller Wahrscheinlichkeit nach dasjenige/ was die Alten »mkilious nenneten; und wen das Rohr an beiden Enden einer Handschrift sichtbar war, so mußte man solches einen umliilicum ) pidturo il'IZrcoluno, t. 2, 1.2. Eine ähnliche Rolle halt eine weibliche Figur aus einem erhobenen Bildwerke in » der Villa Albani. Fea. L Man sehe die Abbildung Numero Briefe üb. d. Überdies war der Titel auf einem kleinen Zeddek bemerket/ der unten aus der Rolle heraushing/ wie man m den gedachten Gemälden siehet, Auf dem einen glaube ich folgende Buchstaben zu lesen: XX 5) Die aufgewikelten Handschriften sind in Columnen geschrieben: die von der Tonkunst bestehet aus' 39, die von der Redekunst aus 38; sie sind fünf Finger breit/ »nd enthalte«? 4o bis 44 Zeilen. Zwischen den Columnen ist ein Raum von einem Finger breit/ auch zuweilen noch mehr/ und die Schrift ist/ wie in vielen andern Handschriften, mit Linien umgeben. Diese Linie»/ die weiß aussehe»/ werden wohl roth gewesen/ und mit Wenig gezogen worden sein/ ihre Farbe aber im Feuer verloren haben. Die Rolle von der Tonkunst ist nach ihrer Entwikclung in 8 Stüke von 6 Columnen zerschnitte»/ und in Rahmen unter Glas gefasset worden. Die andern Rollen sollen in ihrer ganzen Länge aufgehangen werden. Die Schrift der Werke des PhilodemuS ist von der nämlichen Größe/ als die Schrift/ womit Johannes Las- karis Rhyndacenus einige seltene griechische Autoren/ den Kallimachus/ ApolloninS Rho- diuS/ die An tholo g i e tt. hat druken lassen. Ich glaubete die Form der Schrift älter zu finden; daher war ich beinahe überzeuget/ ich würde ein-rnn- Martorelli (I. c. in S(16itam. PNA. ) gibt eine Abbildung davon und versucht verschiede»? Erklärn»! gen dieser drei halben Wörter, welche aus dem Zed- delchen, eines über das andere, geschrieben sind. F e a. 2) Dieser Grieche, aus der Familie der orientalischen Kaiser entsprossen, hatte sich nach der Eroberung von Kon- siantinovel nach Italien gewendet. Er bat zuerst aus Münzen und andern Denkmälern des Altertums die Gestalt der großen griechischen Buchstaben ansgesncht und bekant gemacht, und ein Buch: Oe veris li- tüi-aruni l'oriuis vt causis, geschrieben. Daßdors. neuest, hemtl. Entdek. des e, ein das wie cm lateinisches e gestaltet wäre/ und daSN in der Bildung eines eursiven ^ finden / da man diese Buchstaben so gebildet aus der Aufschrift eines Gefäßes des Königs Mi th r ib a tes^) im Eampidoglio findet.^) Aber M sind vorgestellet durch — die man in den Aufschriften des ersten Jahrhunderts nicht findet. Ich gestehe es/ daß das ^ auf den ältesten Münzen der Stadt Caulo- nia, in Großgricchenland/ beinahe die nämliche Gestalt hat; den auf einer stehet^); auf ei- /l) Das cursive -- ist »euer als das Q, welches Simonides/ demPliuins (!.-?. c. 6ö. scct. zufolge ungefähr 500 Jahre vorChri sti Geburt erfunden hat. Anfangs bediente ma» sich statt desselben eines einfachen o, wie aus Plato tLrah'I. vpcr. t. 4>v. ) erhellet. Das G e s ä ß des M i t l> r i d at e s/ wo es die kursive Form hat/ ist kurz vor derzeit des Augustus verfertiget, den Mithridats Regirung fällt zwischen ltZ bis vor Christi Geburt / in welcher Zeit die Form der Buchstabe» / welche Winckelman anführt/ fehr allge- ^inein üblich war. Die Paläogravhen fezen den Anfang derfelben in die Zeit Alerande.rs des Große»/ wie man auf der Tafel des Span Heini (!. 92. p. 207.) init etwas veränderter Form der Buchstaben. Das Gefäß wnrde vom Konige Mithr, dates einem G»mnasio geschenkt/ wo dergleichen Gefäße zum Salben und zu anderem Gebrauche - diente». Fea. IG. t.. K. to B. ZK. lZ H.Z Z) swie man auf der diesem Bande angehängten Abbildung unter Numero l sehe» kan.Z Ä LS. ebendas. Numero 2,^1 Briefe üb. d. »er andern (mit dem umgekehrten <); aber die Linie/ die an dem ^ vorgehet/ machet den Unterschied/ und gibt ihm ein neueres Ansehen. In vielen lateinischen Inschriften von Hercnlanum/ (den griechische aufMarmor hat man nicht gefunden/) ist die Schrift von einer neuern Form/ die von der Schrift aus der Zeit der ersten Kaiser abweichet/ besonders aus zwei großen Marmortafeln/ welche Namen von Freigelassenen enthalten. Diese Inschriften geben keine sichere Anzeige der Zeit / in welcher sie können gemachet worden sein. Ich halte aber dafür/ daß sie nicht älter sind/ als die Schrift anzeiget: den die Gegend am Fuße des Vesuv ist erst nach der Verschüttung von Herculanum verwüstet worden. Dieses erhellet aus späteren Münzen/ und besonders aus einer goldenen des HadrianuS/ die in den Ruinen des HercnlanumS gefunden worden; wie auch aus einer andern Inschrift/ die bereits Fabretti bekant gemachet hat/2) und die eine Nachricht von i?x, auSgc- grabenen Bildsäulen enthält/ die zur Auszie- rung der Bäder des Kaisers SeveruS gebrauchet worden; durch welche verborgene Örter ich beinahe nichts anderes als die verschütteten Städte Hercnlanum/ Resina/ Stabiä/ Pompeji/ verstanden glaube. Diese Marmortafel ist von Poz- zuoli nach Portici gebracht worden. Auch auf dem j) sEbendas. Numero Z.) 2) Inscr, c. /,. n, x. 2gl>. ZZ Winckelman wiederholt diese Notiz in dem Send« schreiben über die herculanischen Entdekuw gen, §. 26. und er hat sie mit Anwendung der Jn> schrist aus des Martorelli Werk (I. c. x. ZZ,) genommen. Dieser fand die Inschrift bei einem Steinmez in Neapel, der sie aus Fregnano Piccolo, einem neuest, hereul. Emdek. ^5 dem schwarzen Papiere siebet man die Buchstaben der Handschrift noch deutlich; und dieses beweiset/ kleinen Fleken nahe bei Cavua, erhalten hatte, und schenkte sie dem Könige, der sie in dem Museo zu Por- tici anfbewahren ließ. Gern würde ich die gedachte Erklärung dieser Schriftsteller annehmen, weil nicht aus so vielen andern alten Inschriften und Documen- trn erhellete, daß die Worte ix »n-ins i.oc,s ,n einem allgemeiner» Sinne genommcn wurden , uud eine gewöhnliche Formul waren, um anzuzeigen, daß die Standbilder von wenig besuchten, also gleichsam verborgenen Örten weggenommen, und an einem besuchteren, angesehenern, edleren Srte zur Zierde ausgestellet worden. Der Canonicus und nachhe- rige Prälat De Vita hat dies bereits liiz. kenev, t. I. IZiss. IN. 2gn.) bemerkt, wo er eine Inschrift aus der Zeit des Theodosius mit derselben Formul anführt, und eine andere ähnlicher ?lrt (Zerie «lello l Lenevent^ne, p. 16. n. 9.) beibringt, in der es heißt: s^inivs otrscrirs V. cvn. n. I'. v?s. rx I.ocis VSVI X'ryvi: vxvir. Noch mehr Gewißheit hierüber gibt ein im Jahre Z65 Von den Kaifern Valcntinianus und Nalens erlassenes Gesez, 1'lieoilos. I. i5. tit. lle It-^. 14.) in welchem verboten wird, ans kleinen, gleichsam ab- gelegenen, oder verb org enen Landstädtchen, ab-i-la oppilla, die Standbilder wegzuführen, unter dem Verwände , die Hauptstadt oder andere angesehenere Städte damit zu zieren; zufolge eines anderen Gesezes, das zwei Jahre vorher, Z6Z, vom Kaiser Julian dem Abtrünnigen erlassen war, und verbot Standbilder und Säulen aus einer Provinz in die andere zu führen. deutlich genug, daß hier nicht von verschüttete» Srten, Briefe üb. d daß sie nicht mit Dinte geschrieben worden, deren vornehmster Bestandtheil Vitriol ist; wären sie damit geschrieben/ so hätte sich die Schwärze im Feuer verloren. Die Dinte/ wie wir solche heut zu Tage brauchen / und mit welcher die ältesten Handschriften des vierten Jahrhunderts und später geschrieben sind / würde zu solchen dünnen Blättern nicht tauglich gewesen sein; sie würde solche durchfressen und durchlöchert haben/ den ich habe angemerket/ daß die Buchstaben in den ältesten Handschriften etwas vertieft sind. Diese Bemerkung kan man an dem va- titanischen Virgil machen. Die herculanischen .Handschriften sind mit einer Art von schwarzer Farbe/ beinahe wie die chinesische Tusche/ geschrieben/ die mehr Körper hat/ als die gewöhnliche Dinte. noch von den im TM genanten Städte» die Rede ist! so wie auch Cicero nicht von ihnen sprach, der früher lebte und sich d e sse ll> eil Ausdruks bediente: (In Vci-r,->ct. islo retrusa, atcjue consistere ejus ammuin sine turore atque siucriU!» non sinunt. Dies stimmet Mit der Redensarten locoMerein, die sich «»-.einer andern Inschrift beim Fa b r e t t i c, 7, n, 4gg. p. ZZ4. findet. Die Inschrift/ von der im Text die Rede ist, bautet beim Mart 0 rel l i: siL«x rx xüviris i.ocis xvor?irivs 5^r»ii.^«vs V. c. cois eoivsriivii vxvie^»i v. ?. Auch Mazz 0 cchi Lamp. III a>Z6it> 170.) slihrt sie a»/ aus dem Fabretti covirt; und beide lesen irrig ) statt ce/eö/itale»!^, das auf dem Marmor sieht. Fea. neuest, hercul. Entdek. 17 Wen man die Schrift gegen das Licht anstehet/ so scheinet ste wirklich etwas erhoben / und die Dinte/ die man noch in einem der Schreibzeugs gefunden hat, ist davon ein stcherer Beweis. Ich glaube in einer Stelle beim Demostbenes gefunden zu haben, daß die Alten ihre Dinte zu Pulver gestoßen haben. Das Instrument/ womit die Alten schrieben/ war keine Feder/ sondern es war von Holz geschnitten/^) wie das auSgegrabcne ist/ oder vielleicht von einer anderen Materie/ aber »ach Art unserer Federn zugesvizt;^) welches mair gleichfalls an demjenigen Instrumente ersehen kan/ das auf einem alten Gemälde über einem Schreib- O Diese Stelle des Demosthenes stehet i» der Rede wo er dem Äsch in es vorwirft, daß er sich aus Armuth i» seiner Jugend gebrauchen lassen, die Schule auszukehren, die Bänke in derselben mit dem Schwämme abzuwaschen, und Dinte zu reibe». Der Ausdruk: i-r, zeiget also offenbar, daß man die Dinte zubereitet hat wie Farbe, und sie also nicht flüssig gewesen sei. Daßdors. 2) sSiehe darüber die Nachrichten ic. §. l02 — lvZ.Z Z) Sie bedienten sich einer Art von Binsen oder Z! o l> r, c->- I->»ius genaiit, welches aus Ägvvten, Gnidns, und einer Gegend Arm eniens kam. ( ?>in. I. 16. c. Z6. sect. 6/j. ''ers. Lau Z. V. I I. >2. Zllai'liül. I. 14. epigr. Z7. echt. Müller, -ilinz zg.) Der h. Jsidorus, der zu Ansai,.; des 7 Jahrhunderts lebte, svricht (Oig. I. 6. c. -Z.) von Federn der Vögel, die man in neueren Zeiten- gebraucht. ?S kan also die Eemme im königlichen sranzosi- schen Museo, (Miiüette, picri». t. 2. p>. 217 ) aus welcher man eine Siegesgöttin mit der Feder in der Hans in schreibender Stellung abgebildet sieht> nicht all sein, „nd die Maler und andere Künstler verstoßen wider das Costume, wen sie die Evangelisten, Pr0 vheten nnd andere Personen des Altertums mit Federn in der Hand, nach heutiger Sitte, abbilden. Der Abate N ea» e n n 0 irret, wen er c 17. p, 2vn ) schreibt, daß man ans den hereulanischen Eemäldcn Federn sehe. F ea. 1 ' Briefe üb. d. zeuge abgebildet ist; mit dem Unterschiede/ daß es von da an, wo der Schnitt angehet/ bis an die Spize/ die pyramidenförmig abnimt/ und die etwas ausgehöhlet ist/ anderthalb Zoll ausmachet/ nur daß die Spize/ oder das Ende, keine Spalte hat. l) Der Text der Handschriften ist nicht ganz vollständig und ohne Luken; bald fehlen einzelne Buchstaben/ bald ganze Wörter; deßwegen werden sie aber nicht als imbrauchbar verworfen/ wie manche zu thun pflegen. In einer Materie/ wie die der Handschrift von der Redekunst/ wären die Luken leicht zu ergänzen. Mittelst einer anhaltenden vierjährigen Arbeit hat man nicht mehr als neun und dreissig Columnen der Abhandlung von der Tonkunst abcopiren können/ und über zwanzig Columnen der Abhandlung von der Redekunst sind ein und ein halb Jahr verflossen. Pater Antonio Piaggi/ von dem Orden der Puristen/ der lateinischer Scrittore der vaticanischc» Bibliothek war/ besizet das Geheimniß und das ge- ^ hörige Phlegma/ die Handschriften abzurollen; als- dan zeichnet er die Buchstaben genau nach/ und überliefert diese Abschriften dem CanonicuS M a zz o c- chi/ der mit Ausschluß aller andern den Auftrag hat/ die Handschriften zu erklären. 5 K. 6. Das ägyptische Papier scheinet nicht allein zu den Zeiten des Philodemus/ sondern auch noch einige Jahrhunderte hernach/ der gewöhn« I» den Nachrichten ie. §. j 02. bat Winckelmaii be> merkt/ daß durch die Versteinerung die Spalte unsichtbar geworden sei» könne. Fea. 2) Es war es wenigstens bis zum Anfange des 6 Jahr« - Hunderts, de» Zeiten des Cassiodorns. ( !>>>> «vist. ZS.) der die Pflanze und die Bereitungsart des- neuest, hercul. Entdek. 19 lichste Schreibestof gewesen zu sein / weil es wahr» scheinlich wohlfeiler war/ als das Pergament. Ein geschriebener Codex des h. AugustinuS/ den Pe- tavius besaß/ enthielt wechfelweis Blätter von ägyptischem P a p i e r und von P e r g a m e n t/ nach MabillonS Angabe.^) Man weiß nicht/ wo diese Handschrift hingekommen ist. In der otto konischen Bibliothek/ die der vatikanischen einverleibet worden/ und die ehemals der Königin von Schweden gehörete/ die sie demPetaviuS abgekaufet/ findet sich solche nicht mehr. Die Muthmaßungen/ die man ans der Form der Buchstaben auf gewisse Zeitpunkte herleitet / sind nicht ganz ohne Grund. Zu den vorhergehenden will ich noch einige neue Betrachtungen hinzufügen. Die Form der Buchstaben in dem Namen des Künstlers/ der den Torso im Belvedere verfertigte/ läßt keinen Zweifel übrig/ daß dieses berühmte Fragment/ das in Ansehung des Ideals alle alteBild- hauerarbeit übertrift/ zu der Zeit verfertiget worden ist/ als die Kunst abzunehmen anfing; welches ohngefähr in der 160 Olympiade geschah. Zu aller Zeit haben sich aber glükliche Talente gefunden/ die sich bei dem allgemeinen Verfall/ durch ihre innere Geisteskraft/ emporgehoben. Die älteste Münze/ selben beschreibt, und sagt/ daß die Bücher von Wachstafeln ausser Gebrauch gekommen seien. Aus anderen Schriftstellern erhellet, daß es noch viel sväter im Gebrauch gewesen. M a ffei slstor. ciipiom. p. 77.) will, daß eS nachdem S Jahrhunderte nicht mehr gebraucht worden. Fea. ») AaliiUvn. - findet, ist die silberne Münze des pontischen Königs Polemon,^) mit der Umschrift: die sich im Mnseo der FraneiSeaner in San Bartolo- meo all' Jsola befindet. Wen man blos nach der Zierlichkeit der Buchstaben urtheilen will, tan man leicht irren. Ich habe im faucaultischen Museo zu Neapel sowohl als in dem Museo der Königin von Schweden, bei dem Herzog von Bracciano «!? Rom, Münzen der pontischen Könige gesehen, deren Schrift zierlich, aber die Zeichnung und das Garage mehr als barbarisch ist. In Ansehung der Zierlichkeit selbst könte man aber auch gewisse Negeln festsezen; z.E. die Punkte oderKügelchen am äussersten Ende der griechischen Buchstaben fangen zu den Zeiten Alexanders des Großen an, und vernrsacheten, daß die Schrift weniger zierlich ^ als vorher aussah. Wen mir Gott mein Leben fristet, bin ich gesonnen, eine Paläographie der Münzen zu schreiben. Ich verehre übrigens die großen Verdienste und die fruchtbare Feder des verstorbenen Marchefe Maffei, eines Mannes, der über alle ihm auf seiner Laufbahn aufstoßenden Schwierigkeiten siegete, und sich mit einem heroischen Muthe an die griechische Literatur wägete, an der er erst spät einen Geschmak zu finden anfing, worüber ich mündliche und schriftliche Zeugnisse anführen kan. „ Jeder Mensch hat nur einen Kopf," sagt Plato. 2) Doch lassen Sie uns wieder zu unserm Gegenstände zurükkehren. Bei der wenigen 5) Das Gelicht desselben ist jung und ohne Bort. ^ Er lebte zur Zeit des August us. Fe». Z) x> >o2t> eM. krancus.) neuest, hercul. Entdek. 21 Bequemlichkeit/ die ich genieße/ ist mir mein Entwurf über die Schriftrollen ab Handen gekommen; vielleicht findet er sich für ein andermal vor. Jzo will ich Ihnen etwas von der Art melde»/ wie man die Handschriften entwikelt/ wovon ich/ wie mir däuchet/ noch nichts erwähnet habe. §. 6. Die Maschine/auf welcher gearbeitet wird/ ist ein kleiner Tisch/ auf die Artgemachet/ wieeineHeft- lade der Buchbinder. Dieses Tischlein drehet sich auf einer hölzernen Schraube/ die ilimzum Fuße dienet; cs bestehet aus zwei Blättern; das unterste ist der Tisch/ worauf gearbeitet wird; das oberste,- welches schmäler und dünner ist/ hat fünf oder sechs schmale Einschnitte/ in Form eines Rostes. Durch diese Einschnitte werden sehr feine Fäden von ungezwirnter Seide in die Höhe gezogen/ und an hölzerne Wirbel befestigt/ um sie nachlassen und anspannen zu könne»/ wie die Saiten an einem musikalischen Instrumente; dieser Tisch ka»/ mittelst zweier hölzerner Schraube»/ in die Höhe gezogen und niedergelassen werde». An ein Stük der Handschrift werden ganz kleine Streifen Blase/ wie die Gold- schläger gebrauche»/ die aber noch einmal gespalten wird/ damit sie recht fein werde/ mit Leim angeklebet/ und mit Hülfe der seidene» Fäde»/ die eben so mit Leim daran befestiget und um die Wirbel gewunden sind/ und die nach und nach angezogen werde»/um einBlatt von dem andern zu trenne». Auf dem Tische sind zwei eiserne Stangen angebracht/ deren Obertheile wie ein halber Mond ausgehöhlet sind/ auf denen die Handschrift ruhet/ und die mit Baumwolle gefüttert sind/ damit sich solche nicht reibet und Schaden leidet. s. 7. Die Geschwindigkeit/ mit der ich so gern Ihre angenehme Zuschrift sogleich beantworte» will/ erlaubet mir nicht/ erst Bücher zu Rathe zu ziehe»/ 22 Briefe üb. d. und die Zweifel aufzulösen/ die Sie in Betref des uwKiUcii!. der herculanischen Handschriften auswerfen; den die Bibliothek des Cardinals Archint»/ die ^ sonst ganz reichlich versehen ist/ hat einen großen Mangel an alten Autoren. Aber/ wie mir dünket/ lind Gemälde/ die alte Handschriften vorstellen/ bessere Beweise/ als alle Nachrichten unserer Zeiten/ die von jenen zu weit entfernet lind. Ich will meine Meinung in Ansehung des d o p e lt e n umbilicus, der durch die beiden Röhren/ auf die der Anfang und das Ende der Handschrift gewikelt ward/ entstehet/ nicht hartnäkig verfechten/ ungeachtet die alten Gemälde solches einigermaßen wahrscheinlich machen. Erzeigen Sie mir aber doch den Gefallen/ und belehren Sie mich/ wo Sie die Nachricht hergenommen haben/ daß die Handschriften mit Knöpfchen sollten sein zugemachet worden. Ich stelle mir darunter solche Knöpfchen vor, wie man an den alten italiänischen Banden findet; es könte aber sein/ daß Sie sich hierunter eine andere Vorstellung macheten. Ln verschiedenen Gemälden mit alten j) Im vorhergehenden ersten Abschnitte §> 5. hat Winckel- nian richtiger gesagt, daß unter umliilicus duplei die Heiden Ende» des Rohres oder Stäbchens zu verlw lie» seien, an welche eine Art von Knovs geheftet wurde, der einem Nabel gleichen koüte. Ausser den verschiede, nen Schriftstellern, welche Winetelman i» dem Sendschreiben anführt, scheint von diesen Rohren oder Stäbchen, oder wenigstens von eine »i derselben mit se i> »en Knöpfen, auch Sidonius (>>ö> episl.uli.) zu spw chen, wo es heißt: I^eract!» promissio est; xorilia tuz, si coactni'iliii in memliranas in5piciat lituloruni, Martorelli hat den uwl>ilicuz nicht gesehen. F e a. neuest, hercul. Emdek. Handschriften hat der Maler alles genau vorgestellet, und auf einem siehet man sogar einen Zeddel mit dem Inhalt, überschrieben: k> ^X. XX. oder auf eine andere Art, wie ich Ihnen schon ein andermal ge- meldet zu haben glaube, t) daran herunter hangen; man siehet aber weder Knövfchen daran, noch sonst etwas, womit sie wären gebunden gewesen. Das Binden konte dem Papier seiner Dünne wegen schaden, und wen solches zusammengerollet war, blieb es, mittelst seiner Fibern, in diesem Zustande, ohne sich anfzuwikeln. Da ich nicht glaube, daß ich etwas übersehen haben sollte/ soweit die eifersüchtigen Aufseher nur irgend zu dringen erlaubeten: so kan ich Ihnen vielmehr versichern, daß ich nie die geringste Spur oder Merkmal eines Eindrukes wahrgenommen habe, welche ein solches Zusammenbinden hätte zurüklassen müßen; da man doch alle Falten und Brüche siehet, die daher entstanden/wen die Handschriften, die über einander gelegen, beschädiget worden/ und sich in einander verschoben hatten. Was soll man auch diesen Stäbchen oder Röhren für einen Namen beilegen? ich entsinne mich nicht/ solches irgendwo gesunden zu haben. Für izo kan ich mich in keine weiteren gelehrten Untersuchungen einlassen; ich halte mich blos an daS/ was ich gesehen habe. Übrigens bin ich willig und bereit/ sSben im 4 §. dieser Briese.l 2) Das Stäbchen hieß covlaclum, und war gewöhnlich von Holz, wie DuCange (Oloszar.-! beweiset; auch uindilici, wie oben im §. Z. gesagt worden; und vergebe»« bemüht sich Martorelli, Briefe üb. d. Ihnen alle Nachrichten mitzutheilen/ die ich habe auftreiben können/ und ich wünsche/ daß Sie davon einigen Gebrauch mögen machen können. Von den Verändcrungen / A u S st r e i ch u n g e n:e. die sich/ wie ich höre / oft in der Handschrift von der Redekunst finden/ will ich Ihnen in zwei Zeilen ein Beispiel mittheilen. §.6. Die Verbesserungen stehen zwischen d en Zeilen mit kleinen Buchstaben.^) Der punkti r- teRing über dem vierten Buchstaben der zweiten Linie ist eines weiteren Nachdenkens werth/ sowie die Punkte über und besonders' der Strich über OT'koT'N, der/ so zu sagen/ mehr ein Zeichen einer Modulation/ als ein Aeecnt ist. Dergleichen Striche findet man am Fußgesteile des vom Au- gustuS der Sonne errichteten Obeliskes/ derimCam- v o M a r z o auf der Erde lieget. Bandini redet davon in seinem Werkes') er hätte aber mehr davon sagen könne»/ wen er I5li-« cos vetei'es gelesen hätte. Solche kritische Zeichen findet man auf den Inschriften nach dem Jahrhunderte Augusts nicht mehr. 5) Noch erst heute reg. Hiecz, cal.im. 5, i. pnrci'g, e. 2. p. 24Z. sec>,) zu beweisen, daß unter coinu-> librorum die Eken der vier- ckigen Bücher, nicht der Rollschristen, gemeint seien. Fea. 1) sSiehe die Abbildung unter Numero 4 am Ende dieses Vandes.Z 2) Denselben Charakter habe» sie auch aus dn» angesülir- ten Gefäsze des Mithridates, Fea. Z) Dieser Obelisk stehet je;o aus dem Plaze des Monte Citvriv, wo P i u s VI. ihn durch den Baumeister E i o'o. Nntinoili errichten lassen. Fernow. Ä llelt' Obclisco t!i c. 10. x. L3. S) AuS den vou Vnitdini x Sg.) anzeführterrBei!- neuest, hercul. Eittdck. 2s morgen fand ich eine solche auf einem großen Steine/ die meines Wissens niemals ist bekant gemachet worden. Sie enthält das' Testament einer Mutter/ sviele» erhellet das Gegentheil, und es ließen sich noch viele andere Inschriften anführen, welche diese Be- touungszeichen haben, und gewiß aus späteren Zeiten sind. In dem Sendschreiben an den Graven Brühl, §>i24. sagt Winckel ma ii blos, daß sich Jn> schriften mit Betonungszeichen vom Au zu stus bis auf den Nero finde», und fuhrt des Fabretti Jnscriptionis an, welcher sie von der Zeit des Augusius anheben lässt. Fea. j) Oder vielmehr die L ob rede einer Tochter auf ihre Mutter. Eine ähnliche Lobrede eines Gatte» aus seine Gattin findet man in einer schönen und lange» Jnschrist in der Villa Alb ani, welche in der jener Villa (p. Z, >1,67, i>. 114) beigebracht ist. Der Abate Fea lt. 3. >>.202.) hat diese bis dahin noch nicht bekant gemachre Inschrift, fo weit sie »och vorfanden ist/ mitgetheilt. Sie lautet: donstitlt. in. live. sil«. i^zü. v>. a. pllrt.ntil^vs. Oißni». viris. 6at». lustriulvuill. »dsccjvio^ Winckelmaii. 2. 2 26 Briefe üb. d. und liehet in dem Keller des Marchese Rondinini: 5IVUVI^, 5k!I) ?N0?I^llS VINIVV8 ^Oi.xvk:i>,"r "r 0ÄlIVk:5 riiilos I'^oi'r I'.vn'ii'l'l0?.'x: ^?vi0k ^-rcinivvs 1-iuen.vkl eoivsi^r vii^o el.e. Ich habe solche nicht ganz abgeschrieben; auf Verlangen kau ich aber damit dienen. Diese Inschrift hat eine sehr alte Orthographie / die ich in verschiedenen Wörtern bemerket habe, z. B. »vo> «vo,i. Den Strich oder Accent findet I» der lcztc» Zeile fehlt ein Wort oder zwei; und auch das Ende fehlt ganz. Der Charakter der Schrift ist wohlgeformt. 7.F neuest, hercul. Entdek. 27 man gemeiniglich bei den A b l a t i v i S; er stehet aber auch in den Worten : I^voxnr^vn, r^nn^nvn, rr^cissi, ^^^lissvu, V^KI^I^T^L. Der Marchese/ der dieses Haus seit kurzem geerbet hat/ ist ein Man von Ge- schmak/und hat eine Menge von Bildsäulen/Büsten und Gemälden, woran seit zweihundert Jahren gesammelt worden/ auf seine nahe bei Rom gelegene Villa bringen lassen. Unter andern Stüken von großem Werthe befindet sich auch der Rumpf eines tanzenden Satyrs/ in mehr als Lebensgröße/ darunter/ der eine unnachahmliche Meisterhand verrath/ dem Laokoon an die Seite gesezet werden kaü/ und den Fann in der Tribune des Großherzogs von Toseana übertrift. Er verbirget solchen sorgfältig/ aus Furcht/ mein Maeen/ der Cardinal Alexander Albani möchte solchen zu besizen wünschen; mir aber/ als seinem Freunde/ zeigete er ihn/ und ich werde den Werth desselben in dem theoretischen Theile der » Geschichte der Kunst näher bekant machen. Dies war eine Abschweifung » die der Briefstyl erlaubet. Die Buchstaben der herculanischen Handschriften sind von der nämlichen Gestalt und Größe/ wie die in der berühmten griechischen Bibel der 70 Dolmetscher/ die sich in der vaticanischen Bibliothek befindet. ES sind aber auch Stüke darunter mir großen Buchstaben/ wie im Pi nd ar zu Oxford/ d. i. Handschriften/ die in der Mitte von einander geschnitten sind; den/ um sich die zu große Mihe zu ersparen/ jederman die ge- heimesten StM so seltener Überbleibsel vor Augen zu legen/ ist man auf das Mittel verfallen/ einige t) Daselbst wird von diesem Rumpfe nirgends gehandelt. , Die Antike» des Palastes Rondinini sind um das Jahr j772 verkaust worden. Fea. lMan vergleiche G-d. K. 5 B. I K. 5 §. Zu sa j.Z 28 Briefe üb. d. Handschriften mitten von einander zu schneiden; ein barbarisches' und unverzeihlich eigenmächtiges Verfahren ! Der Abate Martorelli, Professor der griechischen Sprache im Seminario/ hat sich die " Freiheit genommen/ wider alle Wahrscheinlichkeit vorzugeben/ alle bis izo aufgcwikclten Handschriften/ und die übrigen/seien nichts anderes als Contracte und Diplome/5) und daß die Alten sich zu ihre» Büchern der vierekigen Form bedieneten.^) Dieses ungereimte Vorgeben/ und tausend andere dergleichen/ bringet er in seinem Buche über ein altes Dintensaß im Museo zu Portici vor/ das in -Quart gedruket ist/ und aus mehr als 800 Seite» bestehet. I^> c> c> Z 277. — p> Zo 2) I-,. c. c. 1. p. 2Z6. Eigentlich sind seine Worte: „ er „ längne nicht, daß die?llten Nollschriften gehabt/ „ sondern blos/daß alle ihre Bücher/ auch die/ so aus > „ viele» Blättern bestanden/ geroll e t worden. " Fea. Z) lMan sehe darüber den /» §. des S e» d schr e ib enö an den GravenBriihl.^ neuest, hercul. Entdek. 29 (Nachricht von den Häuser» der Alten, und besonders denen zu Hereulanum.) §.9. HerculanuIN war/ nach desPliniuS und Anderer Anzeige,^) eine kleine Municip alllad tz folglich können die Häuser der Einwohner nicht kostbar und prächtig gewesen sei»/ einige Villen und Landhäuser der Römer ausgenommen. ES ist eine Villa entdeket worden, die mit großer Pracht ge- bauet gewesen, so viel sich aus den Überbleibseln urtheilen lässet, nämlich aus' dem Fußboden von Mu- sivarbeit, aus der übermäßigen, nicht mehr üblichen Weite und Höhe der Thüren, mit ihren marmornen Gewänden und Schwellen, und auS allem, was daselbst auSgegraben worden. Die schönsten Bildsäulen von Bronze, nämlich sechs ranzende weibliche Figuren in Lebensgröße, und alle marmornen Köpfe und Bildsäulen, die das Zimmer der Königin zieren, sind alle am nämlichen Orte gesunden worden. So lange man aber nicht die ganze Fläche der auS- zugrabenden Gegend übersehen kan, ist es unmöglich, sich einen deutlichen Begrif davon zu machen, da solche vom den gegrabenen Zugängen und krum- laufenden Höhlungen durchschnitten wird. Was aber die gewöhnlichen Wohnhäuser betrift, ohnerachtet keines ganz stehen geblieben ist, weil sie entweder bei dem Ausbruche verschüttet worden, oder nachher verfallen sind, so urtheile ich doch, daß das häusliche Leben der Alten überhaupt genommen spärlich eingerichtet, und ohne Pracht war, und daher die Häuser ganz einfach, und die Zimmer klein und niedrig waren. Was mich auf diese Vorstellung 1) Uist. nai. I. 3. c. 6. 9. 2) Lu-ak. I. ü. c. 4. vei'5. meä. p. ^Zg. Zcnec. cjli!L8t. I. 6. xrinc. Z) Horat. 1. 2. carm. i5. Siebelis. 3o Briefe üb. d. bringet/ ist die Vergleichung/ die ich mit dem Plane der Ruinen einer vor geraumer Zeit zu Frascati ent- dcketen Villa angestellet habe; auf welchen Ruinen jzo die Villa der Jesuiten/ Ruffinella genant/ gebauet ist. Stellen Sie sich Zimmer vor/ sowohl in den herculanischen Häusern/ als in dem Palast der alten tusculanischen Villa/ die wenig größer sind/ als Ihre Studirstube/ Ihren Alkoven abgerechnet; in einigen stand auch noch das Bette/ wie solches zu Frascati eine niedrige Nische anzeiget/ in welche das obere Theil des Bettes geschoben werden konte. Bei einigen tusculanischen Gemächern befand sich auch ein Vorzimmer/ welches nichts weiter als ein schmaler Gang ist/ wo derjenige sich aufhielt/ der die Leute bei dem Hausherrn anmeldete; es scheinet auch/ daß das innere Zimmer des Herrn ohne Thüren gewesen; den man findet weder Thürgewände/ noch andere Arten von Verschließungen; vielleicht hatte es einen bloßen Vorhang/ den die Alten vc- > lum »clmissionis nenncten. Diese einfache häusliche Lebensart der Alten erinnert mich an die Stelle des DemostheneS/ wo er saget: ThemistokleS und Cimon/ dieser sonst so prachtliebende Man/ hätten keine bessere Wohnung als ihre Nachbaren gehabt.^) Die herculanischen Häuser hatten auf die Straße heraus keine Fenster; solche befanden sich auf der anderen Seite nach dem Meere zu/ so daß man durch die Straßen gehen konte/ ohne jemanden am Fenster zu erbliken. Auf die nämliche Art sind die Häuser in Aleppo gebauet/ wie mir ein MissionariuS erzählet,!/ so daß- man auf den Straßen/ wie mitten in Festungswerken gehet/ wo man nichts als hohe Mauern erbliket. Wie bedaure ich das arme weibliche Geschlecht dieses Landes bei den Alten! Das Schlim- , i) Z. oxer. x. Zg. et Oe rexudl, vriUll. x. >27. neuest, hercul. Entdek. 3 t sie war/ daß die Bauart dcr Fenster eben so beschaffen ist/ wie in den Arbeitsstuben der Maler und Bildhauer/ die es nöthig haben/ daß das Licht von oben hereinfallt. K. Fenster/ die in einer solchen Höhe angebracht waren/ macheten es sehr beschwerlich / eine plözliche Neugierde zu befriedigen/ (doch/ was rede ich von den Fenstern in der mehrern Zahl/ da in jedem Zimmer nur eines war!) und wen man hinaus sehen wollte/ so mußte man/ wie die Kazen/ hinaufklettern.^) Überdies waren die Fenster mehr vier- ckig als läng licht/ wie man auf alten Gemälden flehet/ auf solchen nämlich/ welche Paläste und Tempel vorstellen; ^) einige waren überdies von aussen t) Nach dcm Geseze des Kaisers Zeno, welches im Coder des Justinian (lit. ,i2.) sieht, macktc man in Constantinopel zweierlei Art Fenster in den Häusern; eine, sechs griechische Fuß über das Pflaster, die andere kaum so hoch, daß einer, der am Fenster saß, dcr Aussicht desselben genieße» konte. Dies geschah, um den Nachbarn nicht lästig zu sein, und um die Aussicht aus daS Meer zu genießen, welche in jener Stadt so großen Reiz hat. Dieser Gebrauch wurde nachher vom Kaiser Justini an, in dem lezten Geseze jenes Titels, aus das ganze römische Reich ausgedehnt; besonders wurde es in Neapel eingeführt und unter die Gebräuche dieser Stadt ausgenommen, im ut. 21. §. 5. Vki wie der Ritter Niccolo Carletti in seiner Auslegung und Erklärung jenes Gesezes <)>i»Iis »k cxcelsa feiivstra Veuit iilkllinos sanAiiiriolent.i lacus. §. 42. Jener alte römische Baumeister/ der sich gegen einen vornehmen Römer erbot/ ihm sein HanS so zu bauen/ daß niemand von aussen hinein- Noni, welche, wie jeder weiß, »ach deni Muster der alte» heidnischen Basiliken erbauet waren, hatten die Form eines langen Viereks; und so sieht man sie auch in den Überresten einiger alten Gebäude und auf erhobenen Arbeiten. Fea. t> ?ropl>rt. l, lö. am Ende. Daß die Fenster aus die Straße lnnausqingen, scheint keines Beweises zu bedürfen, da Vitruvius, K. c so viele andere Schriftsteller, und vornehmlich die römische» Geseze in den Pandekten (I. 9. lit. I. De '!an. et l. til /j. Ol lii«!, <^UI ellucicriut ^ V«! ^ so oft derselben erwähnen. Fea, 2) 1^. 2. «leg. L. neuest, hercul. Entdek. ZZ sehen köntt!/ wollte solches vielleicht auf die nämliche/ ländliche/ municipalische und aleppische Art bewerkstelligen. Ob ferner die Alten in ihren Fenstern Glasscheiben gehabt haben/ öder nicht/ kau aus keinem Schriftsteller bewiesen werden. 2) Viele glaube», die Glasscheiben zu Fenstern i» einer Stelle des Plinius (I. 36. c. 2g. «oct, 66,) angedeutet zu finde», wo er, nachdem er die Stadt Sidon, die ihrer Glaswerkstätren wegen im Altertume berühmt war, anführt, und hinzufügt: üxsuidom etilliii üpecula cxcogita- vcrat, Salmasins tp!in. excrcit, in Snlinuni, t. 2. c, S2. s>, 77>>> ist der Meinung, daß das Wort 5p i»5l >'Utt>, leg,, I. et °!i K. 8l tainen 1. tf. <)uocl vi aut cls»>,) dieses Wort in seiner eigentliche» Bedeutung gebraucht habe, so wurde man sagen können, daß noch im Ansänge des dritten Jahrhunderts christlicher Zeitrechnung der Gebrauch des cul.iri'i, und nicht des Glases, dessen nicht besonders erwähnt wird, allgemein gewesen sei. Vielleicht hat ma» diese» Stei», als eine Art von Vergkr»stall, oder als ei»e» kostbarere» edleren und reineren Stos als das Glas, den, leztere» zur Zeit der Kaiser, wo der Lurus so herscheud war, eben so vorgezogen, wie nia» iezo das Kr»stallglas ienem vorzieht. Sonst ist es kaum glaublich, daß die Alten sich des Glases nicht sollte» bedie»et habe», das mehrere Jahrhunderte srnher schon so gemei»war, »nd dessen Eigenschaft!,'» ihiie» nicht unbekant sein konten. Sie be diente» stch ausserdem noch des Sveksteins, der Felle, Tafeln von Horn, und anderer Materie» dazu. Briefe üb. d. §. ^3. Alle Altertumsforscher verneinen solches einstimmig. Zu Portici habe ich aber unter andern alten Bruchstiiken grofie Stükc Glas in Tafeln oder in Scheiben gesehen/ die vielleicht zu Fenstern ge- dienet haben. K. ^l-^. Daß die GlaSmacherknnst bei den Römern ganz gemein / und das GlaS in sehr niedrigem Preise war/ beweisen eine Menge Flaschen zu verschiedenem Gebrauche. Die Ölflaschen sind auf die nämliche Art gemachet/ wie diejenigen/ worin das Provenceröl versandt wird. ES ward mir einmal von einem römischen Gelehrten eine Stelle aus des tlieol. pliilol. etc. t, 2. p. gZ>>) Fca. t) Es ist ein lateinischer Vries des I) Kixonii ^ngli I »I ko>lulpl,i»un> VxnuU elc. Vorhände»/ der im Lior- null? l> 17Z1Z, p. >6Z> aus's »eue abge- drukt steht/ nnd ein kurzer Auszug einer Dissertation desselben: I)e lakuiiN!, Ckinliicli viti'i c I 'uclei'i- I>UZ llvroul^ncis essos^iü, ist, welche in den Verhandlungen der Gesellschaft der Altertümer zu London eingc- rükt worden. Dieser Bries ist den Zl Juli l75? geschrieben/ und den l6 August 17Z8 schrieb Winckel- maii den vorliegenden Bries. Aber im Jahre 1772 fand man in einem aufgegrabenen Hause zu Poniveü', an der Mittagseite desselben in einer Mauer/ ein etwa drei Palm hohes vierekiges Fenster von sehr gutem Glase, das aus mehreren vierekigen Scheibe»/ jede ungefähr einen Palm groß, zusammengcsezt war/ aber nicht aus »nfere gewöhnliche Art mit Blei/ fondern auf englische Weise; den die Scheiben waren hinlänglich dik und hatten eine vollkommene Krystakklarheit, Diese Glasscheiben waren bis auf zwei ganz geblieben/ wahrscheinlich weil der Regen von kleinen Steinchen senkrecht gefallen war. Blos die Einfassung von Holz hatte sich gänzlich verzehrt und in Erde verwandelt. Diefe Nachricht theilte der Abate D. Mattia Zarillo/ Mitglied der herculanischen Akademie, einem Freunde des Abate Fea mit. Fernow. neuest, hercul. Emdek. 35 Juden Philo Werken angeführet/ die den Gebrauch der Glasfenster bei den Allen beweisen sollte/ und besonders' in dein Buche i-is genennet wurden/ weil sie iri sclverz» psite, auf der umgekehrten Seite des PapierS/ verzeichnet waren. Man gab auch dergleichen auf einer Seite >) ?Iin> jmi> I. Z> ö. Nachrichten v. d. beschriebenes Papier den Kindern/ um sich im Schreiben zu üben. Das Papier war/ wie Pli- niuS nebst dem AusoniuS und Cassiodorus meldet/ schneeweiß. Unter denen/welche irrig gla!« ben/ daß das Papier von dem Stamme eines Baums genommen worden/ ist auch Nitters- hausen. ß. t»9. Von dem Leime / mit welchem die Stüke Papier auf einander geleget wurden/ bat das vorderste der an einander geleimcten Blätter den Namen bekommen/ wo die Aufschrift eines Buchs gesczet war/ so wie das lezte Blatt eben daher hieß. Wen eine Rolle Schrift auf solche Art geleimet war/ wurde dieselbe beschnitten/ welches sich an den herculanischen Schriften nicht undeutlich entdeket. Das Werkzeug zum Beschneiden hieß sioil», und im Griechischen Z. tlo. So wie die Röhre/ oder das Stäbchen/ um welches eine Schrift gewikelt wurde/ weil es in der Mitten lag und hervorraget-/ der Nabel genennet wurde: eben so Karte diese Benennung die Erhobenheit auf dem Mittel der Schilder. 5) Z. m. Im Aufwikeln der Rollen Schriften pffegete man das eine Ende mit dem Kinne zu fassen und zu halten/6) aber man konte nicht zu gleicher Zeit lesen/ wie der angeführte Dichter hier 1) Horat. I. i. epist. 20. v. 17. 2) Obgerv. ad piissär! isk. p. 5o. 3) Lalinas. usur. 415. 4) H.uc!an. arlv. iiidoct. c. 3. 6) ZVonn. Olon^s. I. 40« p. I. 9. 6) Alarüal. I. 1. 67. neuest, hercul. Entdek. L97 verstanden wird. D^ii auf diese Art aufgewikelt, stand die Schrift allezeit in der Quere; sondern man hielt das eine Ende unter dem Kinne, um gerade aufznwikeln, und das Anfgewikelte hernach in seiner gehörigen Richtung zu lesen. Mit dem Papiere unter dem Kinne konte man weder die herculamschen Schriften lesen, welche colonnenweiS in der Breite des Papiers geschrieben sind, noch angezeigete Urkunden, deren Schrift in der Länge heruntergehet. §. 112. Die blinden Linien, welche gezogen wurden, um gerade zu schreiben, hießen wie uns HesychiuS lehret. In den Anmerkungen zu diesem Scribentcn wird dieses Wort erkläret : !-><:»- um inter sciilienclum in cers 8eu corNce 5>)Io exarütle, welches nicht die richtige Bedeutung des Worts «x°x5?, in der Schreiberei gebrauchet, sein kan, und auch dem ursprünglichen Sinne desselben, wo eS Furchen Heisset, zuwider ist. §. 113. Vom PhilodemuS, dessen Schriftey die ersten stnd, welche aufgewikelt worden, führet LaertiuS das zehente Buch von der Vereinigung der Welt weisen an. ES schrieb derselbe, wie sein Meister EpiknruS, von der Redekunst und von der Musik, als welcher sich wider diese erkläret«. Es untersagete derselbe alle Unterredung von der Musik über Tische, und räth den Königen, an ihren Tafeln lieber alle mögliche Possen zu dulden, als musikalische Untersuchungen. 2) K. 11-4. Wen wir von dem Werthe der philo- b einische n Schriften in Absicht der Schreibart, ans derjenigen, die dem Epikurus und dem Metro- doruS eigen war/ schließen können: so würde in i) 8ck>vai'2,. Oiss. ornam. likror. Z. »9. 2009. I. 25. H. Ltexli. iZ. 29« Nachrichten v. d. jenen nicht viel Zierlichkeit zu suchen sein. Den wir wissen/ daß Epikurus auf die Wahl/ Ordnung und Verbindung der Worte und der AuSdrüke gar nicht bedacht war/ und daß er gelehret habe: „ die Natur mache im Reden alles'/ und die Kunst „nichts;" daher derselbe die Zierlichkeit im Reden seinen Schülern untersagete/ so wie er mit Verachtung von den Wissenschaften allgemein soll geur- theilet haben. Die Rede vom Epikurus erinnert mich an folgende nicht bekant gemachete Inschrift in der Villa Albani/ welche wahrscheinlich von Personen/ dieser Secte zugethan/ abgefasset und gesezet worden: ossvä. nriQ roni-vwä. Li'c^vri-. 5IVI.5IS. vivr. virs r?. II0KX8. ?KV?NIVAI. I5L1. KIUII.. L^I.VIVL. ür. ri^os. väivr. §. iiL. Nach Anfwikelung der vier ersten Schriften/ nämlich des Philodemus'/ wurde Hand an die fünfte geleget/ an welcher sich der Anfang/ der an jenen mangelte/ erhalten hat/ und es entde- ket sich der Name des Scribenten welches entweder der Landsman des Theopbrastns Erefins und Mitschüler desselben sein kan/ der wie dieser/ über Pflanzen und Gewächse schrieb/ oder der stoi sche Philosoph und Schüler des Posi- donius/ welcher/ wie Laertius angibt/ geschrieben bat. Der Name von beiden aber findet sich anderwärts mit einem Hota/ und nicht/ wie hier/ mit einem ü geschrieben. Nach neuest, hercul. Entdek. 29s der Aufschrift oder dem Titel dieser Rolle ist das Papier in der Länge eines Palmö unbeschrieben. Die Schrift aber hat viel gelitten, und gibt einen muffigen Geruch von der Feuchtigkeit/ welche ein Blatt an das andere angeklebet hat; aus dieser Ursache wurde die Fortsezung der Entwikelung dieser Schrift untersaget/ und man hat sich an eine andere gemachet/ an welcher der Ansang mangelt; von derselben aber/ da sie noch nicht aufgewikclt ist/ kaii weder der Verfasser noch der Inhalt angegeben werden/ bis man an das Ende gelanget/ wo die Aufschrift pfleget wiederholet zu fein. §. 116. Die königliche Akademie der Gelehrten/ die zu Erklärung dieser Schriften und anderer Ent- dekungen gestiftet wurde/ ist izo ein Name ohne Bedeutung; es haben auch die Verfamlungen feit geraumer Zeit aufgehöret/ nachdem einige Mitglieder gestorben/ und andere abwesend sind. Die Erklärungen der Gemälde sind uberdem niemals unter die Akademisten ausgetheilet gewesen/ sondern es hat nur ein einziger Gelehrter/ Pafquale Car- cani/ königlicher Secretär/ daran gearbeitet/ welcher dafür eine Pension von zweihundert Scudi genießet. Seit der Abreise des Königs von Spanien aus Neapel hat derselbe alle Posttage etwas von seinen Erklärungen der Gemälde einzuschikcn/ welches auch der Aufseher des Musei thut/ wen etwaS/ es mag noch so klein sein/ entdeket wird/ nebst einer beigefügeten Zeichnung. §. 117. Izo werden die Statuen und Brustbilder gezeichnet/ und man glaubet/ es werden die noch übrigen Gemälde zurükbleiben/ um in dem fünften Bande bei den Statuen anzufangen. Die größte Erwartung aber gehet auf die Gefäße und Geräthe. 300 Nachrichten v. d. 8. 518. Der Reisende/ welcher diese Schäjc zum erstenmal siehet/ damit er betrachte/ und so oft er kan/ den Besuch des' Musei wiederhole/ soll hier/ wie nach jedesmaliger Betrachtung von Altertümern und Kunstwerken/ folgenden VerS der Py- thagoräer/ welchen sie sich alle Abend vorhielte^/ auch sich vorhalten: A n in e r k u n g e n über die Baukunst der alten Tempel zu Girgenti in Stritten. 17 6 9. Hlsgnilicas sedes, oxorozacjue visere tenip^ Oivlln8 ^oniinuM) aut 8acr^ marnior-i, rosve velU8w8, l'ra^uce materia, aut tctris per xroxima fatls durriinus: al^c^ue avi6i velerig menclac!^ kunkv ^ruimu8^ eunLta8^ue Iil>ed percurrele Aente8. Lok7.Ll.ms 8xvLkV5^ /^lna, v. 566. se^. A n in errungen über die Baukunst der alten Tempel zu Girgenti in Sicilien. §. Diese Anmerkungen werden denjenigen/die das große Werk des' Paters Pancrazi von den erklärten sicilianischen Alrertüinern kennen/ nicht überflüssig scheinen: weil er von der Baukunst der Tempel und Gebäude/ die er in Kupfer gegeben hat/ wenig oder gar nichts meldet. Die weisen Gelehrten treten nicht gern aus' ihrem Gleise; daher der Herr CanonicuSMazzoechi/ einer der ersten Gelehrten unserer Zeit / die Tempel zu Pesio/ welche nebst andern seiner Erläuterung der he- r akleischen Ta feln beigefüget ist/ ganz und gar mit Stillschweigen übergehet/ als' wen sie nicht in der Welt wären. §. 2. Der Pater Pancrazi/ Theatiner Ordens'/ lebet noch zu Kortona in Toscana/ seinem Vati Dieses Werk heißt: .^nticliit» Zicillims 5p!eg.ito so! c>,n wv. Der erste Theil enthalt die^ allgemeine Geschichte Siciliens, der andere die vv» der alten Stadt Agrigent. Fea. 2) Des Canonicus Mazzoechi Lspo^i^Iove äclle Isvole ist >754. herausgekomülen. Fea. Z) Im Jahre i75!>. Der Pater Pancrazi starb i» Floren; den 15 Jul. t760. Fea, Alte Tempel terlande/ ausser seinem Orden/ und von der Welt entfernet/ wegen Blödigkeit des Verstandes/ von welcher man die Ursache der mißlungenen Rechnung zuschreibet/ die er/ zu Bestreitung der Kosten zu seinem Werke/ auf die Freigebigkeit sonderlich derjenigen Engeländer gemachet hatte/ welchen er die Ku- pferplatten zugeschrieben hat; weil er den Begrif von dieser Nation und die Großmutli/ aus Mangel des Umgangs'/ für gleichbedeutende Worte genommen halte. Z. 3. Seine Absicht war/ ein großes weitläufiges Werk zu machen/ nnd zu diesem Ende ließ er die vermeinten Briefe deS PhalariS vollständig abdrukeil/ und legete sie zum Grunde der Geschichte von der Stadt Nkragas/ von den Römern genant Agrigentum/und izoGirgenti; er gründete sich auf Dod wellS Zeugniß/ welcher wider die größte Wahrscheinlichkeit diese Briefe für ächt annimt. Ich glaube nicht/ daß der Verfasser deS BentleyS lezte Abhandlung über diese Briefe/ im Englischen geschriebett/ lesen können; zumal da dieses Buch in Italien sehr selten ist: den ich weiß nicht/ ob man wider eine so gelehrte Untersuchung ferner etwas' einzuwenden finden könne. Z. ä. Ich bin nicht gesonnen eine Kritik der Altertümer von Sicilien zu schreiben/ sondern nur einige Nachrichten über die dorische Baukunst in den ältesten Zeiten zu geben/ sonderlich da VitruviuS/ und die nach ihm gekommen sind/ von der ältesten Art derselben i) Der Pater Panerazi ^rklävt/ Licili.ine, i. 2. p, >. c. >, p Z.) daß er die Briefe des Phalaris nicht siir acht halte, Mld erwähnt des Streites über dieselben zwischen Dodwell und Bentle». Seite preist er sie sogar an. Fea. zu Girgenti. 305 nichts lehren. Wcr bisher eine in der Kunst gegründete Geschichte der griechischen Baukunst hätte schreiben wollen/ würde mit demVitruviuS von der „ Nothwendigkeit, welche gelehret Hütten „ und Häuser zu baue»/" mit einmal einen Sprung bis auf die Zeiten der zierlichsten Baukunst haben thun müß.'n: zu Füllung dieser Lüke werde ich suche»/ einige Materialien beizubringen; ich muß mich aber auf solche einschränken/ die ohne Kupfer anzudeuten und zu verstehen und. ES haben meine Umstände »och nicht erlaubet/ die Altertümer zu Girgenti selbst zu sehe»/ und ich gründe meine Anmerkungen auf einige mir mitgetheilete Nachrichten eines schottländischen Liebhabers der Baukunst/ Herrn Roberts Mylee/ welcher die Überbleibsel der alten Gebäude in Sicilien mit Fleiß untersuchet hat/ und vor kurzer Zeit in sein Vaterland zurük- gekehret ist. §. s. Einige Maße/ welche ich angeben werde/ sind nach dem englischen Fuß genommen, welchen man leicht mit andern Maßen überschlagen kaii. Der englische Fuß ist kleiner als der alte griechische; aber der Unterschied ist sehr geringe: der englische Fuß, welcher zwölf Zolle hat, ist um oder um das zehntausendste achthundertste und fünf und sie- benzigste Theil eines Zolles kleiner als der griechische Fuß. Der pariser Fuß ist größer als der englische, und jener enthält mehr als dieser um ——, »der ioooo wn den achttausendsten hundert und sechzigsten/ zehn- tausendsten Theil eines seiner Zolle. Wen man den pariser Fuß in zehntauscnd Theile eintheilet/ so hat der griechische Fuß 9^3 t seiner Theile. Diese genaue Bestimmung hat mir Herr.Henry, Es- quire/ ein durch große Reisen bekanter Jrländer, 13 * 3(>6 Alte Tempel aus dem von ihm verbesserten Verhältniß der Masse in den Tafeln des Arbuthnots mitgetheilet. Dieser Herr lebet seit einigen Jahren zu Florenz. §.6. Der sogenante Tempel der Coneordia zu Girgenti ist ohne Zweifel eines der ältesten griechischen Gebäude in der Welt/ und hat sich von aussen unbeschädiget erhalten. Der Erklärer der sici- lianischen Altertümer gibt von demselben den Grundriß und die Aufrisse; in die Beschreibung derselben aber lässet er sich nicht ein; den diese hat sich derjenige/ dessen er sich zum Zeichnen bedienet, vorbehalten. Dieser aber/ welcher niemals die Baukunst getrieben/ wird Muhe haben/ etwas' an das Kicht zu geben. Z. 7. Dieser Tempel ist von dorischer Bauart/ und HexastyloS Peripteros/ d. i. der um und um aus einer Reihe freistehender Säu- len ruhet/ und deren sechs vorn und eben so viele hinten hat/ welche den PronaoS und Ovisthodo- mo 6/ 2) oder zwo freieHalleN/ beim Eingänge und hinten/ machen. Auf beiden Seiten sind eilf Säulen/ oder dreizehn/ wen die Eksäulen zweimal gezählet werden. ES ist dieser Tempel zween von den Tempeln zu P esto am salernitanischen Meerbusen vollkommen von aussen ähnlich/ und diese und jener scheinen von gleichem Altertume. Vo» dem Tempel zu Girgenti war Nachricht/ aber von denen zu Pesto hat man allererst angefangen vor zehen Jahren zu reden/ ohngeachtet dieselben niemals verschüttet/ soudern beständig in einer großen und ganz unbewohneten Fläche am Gestade des Mee- t) Auch Piranesi iil seinem Werke: IZ^IIa Koni. 22. HZ, 3 ) gibt eine Abbildung davon. F e a. 2) pollux . I. 1. c. I, sk>Am. 6. S cll ö p fl i n s.^Isalia illuslr, >, 6. sect. 6. c. 10. Z. 125.) erklärtes sehr Übel durch tns. F e a. zu Girgemi. so/ reS sichtbar gewesen sind. Der Mangel der Nachricht von diesen Gebäuden hat daher verursachet/ daß man ausser Griechenland keine andere dvrische Werke gekant hat/ als die untersten Säulen am Theater deSMarcelluS/ am Amphitheater des VeSpasiannS zu Rom/ und an einem Bogen zu Verona.^) §. 8. Die Säulen an dem Tempel zu Girgenti haben mit dem Kapitäl in der Höhe nicht völlig sünf Durchmesser des untersten Endes der Säule/ so wie die zu Pesto, VitruviuS sezet die Höhe derdorische n Säulen aufsiebeu Durchmesser/ oder auf vierzehn Moduli / welches gleichgültig ist; den einModulns ist ein halber Durchmesser der Säule. Da aber dieser Scribent die Verhältnisse in der Baukunst/ so wie am Menschen/ auf Geheimnisse in gewissen Zahlen/ und zum Theil auf die Harmonie bauen will: so konte er von sieben Durchmessern keinen andern Grund als seine heilige Sieben geben/ welches geträumet heisset; so wie diejenigen unter den Neuern thun/ die mit der Septima in der Musik erscheinen. Von sechs Durchmessern einer Säule wäre ein scheinbarer Grund anzugeben aus dem Verhältnisse des FnßeS/ welcher bei den allerältesten Bildhauern als der sechste Theil der Höhe einer Figur angenommen wurde. Von der Höhe der Säulen/ von welchen wir hier reden/ ist die Ursache in dem Plan des TempelS/ nicht in den Säulen selbst/ zu suchen; da ihr Verhältniß nicht durch ganze Durchmesser kan bestim- 1) Chambra»/ in seiner Vergleich«»!? der alten und neuen Baukunst, rechnet aus Unwissenheit das Theater des Palladio zu Nicenza unter die alten Werke. Winckelman. 2) I-. Z. c. i. Z) lG. d. K. 5 N. 4 K. 5§.Z 303 Alte Tempel inet werden; den was über vier Durchmesser ist/ fällt inFuße und Zolle. Ich finde/ daß die Höhe der Säulen der Breite des Tempels gleich ist/ welche allezeit die Hälfte der Länge/ entweder des ganzen TemvelS oder auch der Celle allein/ an dorischen Tempeln war. Also war hier kein gelehrtes Verhältniß von etwas ausser dem Gebäude genommen anzubringen/ sondern es lag in dem Gebäude selbst. §. 9. Wen eine Stelle des PliniuS^) zu verstehen ist / wie ste gelesen wird/ wo er saget „ daß „ in den ältesten Zeiten die Höhe der Säulen das „ Drittlieil von der Breite des Tempels gewesen:" so würden die Säule» noch kürzer als jene gewesen sein. Den wen wir die Länge eines Tempels zu 50 Fuß sezen/ und also die Breite 25/ so würden ungefähr 8 Fuß auf die Säulen kommen. Nehmen wir 2 Fuß zum Durchmesser der Säule»/ so würden sie nur 4 Durchmesser haben. ß. io. Diese Säulen haben eine kegelförmige Veriüngung/ welche ihren Grund weniger in dem Maße derselben als in ihrem Endzweke l>at. Den eine cylüiderirte Form mit gleichen Durchmessern unten und obeu hätte die Steine/ aus welchen eine Säule bestehet / in Gefahr gefezet/ Risse zu bekommen und zu zerspringen/ da die Last des Gebälks vornehmlich auf die Axe des Cylinders würde gefallen sein; die kegelförmige Veriüngnng aber vereinigte die lasttragenden Punkte mehr in Eins. Die Säulen sind nach dorischer Art gereift/ d. i. zwo Au S ho hl u ngen schließen durch einen scharfen Ek/ da an ionischen und korinthischen gereisten Säulen die Eken platt sind. i) I.. 36 e. 23. 5?ect. 56. railo erat coluin- NQrum aItilutZini5 I:tti «.uclinum cleludri. merk. üb. die Baukunst. ?c. I.K. §. 29.Ü zu Girgeitti. 309 §. <1. Da6 Gebälk dieses Tempels bestehet/ wie an andern/ aus drei Gliedern; der Architrave unmittelbar über den Säulen / der Friese und der Cornische. Vitruvius will/ daß die Höbe der Glieder des' Gebälks nach der Länge oder Kürze der Säulen eingerichtet sein soll; l) und der Architrave geben einige neuere Baumeister nicht viel über die Hälfte der Friese: das hohe Altertum aber wußte weder von der ersten noch von der zwoten Regel. Den an dem Tempel zu Girgenti sowohl als an denen zu Pesto ist ^aS Gebälk groß und prächtig/ und stärker/ als es die Höhe der Säulen erforderte/ und dem Auge nach scheinet die Architrave und Friese gleiche Höhe zu haben/ und daß es vermuthlich sei/ wie es scheinet/ wird man unten aus dem Maß des Gebälkes von dem Tempel des' olympischen Jupiters schließen können; die Cornische hat etwa drei Theile von der Höhe der Friese. §. 12. Das Verhältniß derTriglyphen und der Metoven/ oder des vierekigen Raumes zwischen denselben/ findet sich wie an andern bekanten dorischen Ordnnngen; weil sich aber in Rom kein ganzes dorisches Gebäude erhalten hat/ so siehet man nur an icnen Tempeln die Ausnahme der Alten von der Symmetrie in Absicht der Triglyphen über den Säulen an den Eken/ welche nicht auf das Mittel dieser Säulen fallen/ sondern gegen den Ek der Friese geriiket sind/ um den Ek nicht bloß zu lassen. 2) Die Triglyphen an diesen Tempeln sind nicht auf 1) I.. Z. c. Z. 2) Es scheint, dafi Winckelman, als er dieses schrieb/ die Temvel zu Cori noch nicht genugsam 2,) will/ daß die Ekiaule» um ten fünfzigsten Theil diker sei» solle»/ als die übrigen Säule»/ damit sie nicht in dem srcien Lustraume/ dem sie ausgesezt sind/ dünner erscheinen. Le No» behauptet/ daß man an den Eken der Festigkeit wegen Säule» von ovaler Rundung gesejt habe. Fea. Tempel der Alten hatten insgemein kein anderes Licht/ als welches durch die Thüre kam. §. 15. Die Einfassung der Thüren an dem Tem- ^ pcl zu Girgenti ist/ wie an denen zu Pestv/ weggenommen ; aber sie wird vermuthlich oben enger als unten gewesen sei»/ wie VitruviuS die dorischen Thüren vorschreibet: an einem andern kleinen Tempel zu Girgenti/ von den Einwohnern die Capelle deSPHalariS genant/ ist die Thüre also gemachet. Der Zeichner des Paters Pancrazi hat dieselbe/ ich weiß nicht aus was für einem Grunde/ mit einem Banme bedeket/ so daß man auf dem Kupfer (t. 2. 16,) die Form derselben nicht siehet.-) Diese Thüre ist von den Mönchen zugemauert/ und an der Seite gegenübc?/ wo keine Thüre war/ ist eine durchgebrochen. Warum? Weil der Altar nach einer gewissen Gegend der Welt stehen muß. ß. t6. Diese Art von Thüren war nicht/ wie j eS aus dem VitruviuS scheinen könte/ der dorischen Bauart allein eigen, sondern das ganze hohe Altertum scheinet sie vielmals also gemachet zu haben: von den Ägyptern ist eS gewiß; wie an den Thüren aufder isischen Tafel und auf einigen ägyptischen geschnittenen Steinen zu sehen ist. ^') Der Grund davon war die Festigkeit: den die Last > j) ^ All merk. üb. die Baukunst !c. 1 K. ZS §.z 2) AuchGaliaui in seiner Ausgabe des V > tru vi u§ (t. 2. p. 2. wd. >4.) gibt eine Zeichnung davo»/ »edoch ohne den Baum. Dessen ungeachtet ist die eigentliche Gestalt der Thüre nicht recht zu erkennen. Fea. Z> V itruV i u s(>.4. c. (>.) sagt es ausdrüklich von allen drei Arten von Thüren/ deren Verhältnisse er angibt/ nämlich der dorische»/ ionischen und attisch e-n. Fca. <5) Mttmerk. ii b. die Baukunst ic. t K. §. Z6.Z 312 Alte Tempel und der Druk des Gebäudes fällt nicht allein oben auf die Thüre/ sondern drnket auch von beiden Seiten auf die schräg liegenden Pfosten. Z. 17. Die Verzierungen an dem Tempel zu Girgenti und an denen zu Pesto sind/ wie überhaupt in den ältesten Zeiten / groß und einfältig. Die Alten fucheten das Große/ worin die wahre Pracht bestehet; daher springen die Glieder an diesen Tempeln mächtig hervor/ und viel stärker/ als' zu Vitruvius Zeiten/ oder wie er selbst lehret. Die den Alten ganz entgegengesezete Art siehet man an denjenigen Gebäuden zu Florenz und Neapel/ welche nicht lange vor Wiederherstellung der Kunst gebauet sind. Den da man in Italien noch allezeit mehr Begrif als anderwärts von der Bauart gehabt hat/ so entstand aus dieser und dem Geschmake damaliger Zeit eine Vermischung: die Gesimse und Cornischen ließ man unmerklich hervortreten/ weil man im Kleinlichen die Schönheit suchete. Die Einfalt bestehet unter andern in der wenigen Ausschweifung: daher siehet man an unsern Tempeln weder Hohlkehlen noch halbrunde Leisten/ sondern alles gehet nach fast geraden Linien; das einzige Glied an dem Kapitäl ausgenommen/ welches insgemein mit den sogenanten Eiern gezieret ist. Es schweifet an den Tempeln zu Pesto in fast numerklicher ^Nnnde auS/ und hat die Eier nicht. In eben diesem Styl sind die ältesten Altäre und Grabsteine gearbeitet/>) und diese Beobachtung zeiget das hohe Altertum derselben. tz. 18. Unter den Trümmern der ehemaligen 1) Man vcnUeicKe hiermit Fabretti c, Z. n»m, 63? x, 2Zg. c, 10, NUN!, >72, x,6Ag,) Winckclman. zu Girgenti, 312 Stadt Agrigentum ging des Paters Pancrazi vornehmstes Suchen auf die Entdekung des Tempels des olympischen JupiterS/ welchen ihm der größte Haufen von Steinen und die Überlieferung des Namens/ welcher sich unter den Einwohnern erhalten hat/ anzeigete. ^ Man sah nichts weiter/ wie er berichtet/ und es war nicht der geringste Begrif von einem Plan oder der eigentlichen Größe desselben zu machen. AlleS/ was man fand/ war ei» Triglyphe/ als ein Zeichen von dorischer Bauart/ und Höhlungen an einigen Sreinen in Form eines Hufeisens/ welche nach dessen Meinung/ zu bequemer Hebung derselben köiiten gedienet haben. Er gibt uns die Nachricht des Diodorus von diesem Tempel/ und gehet weiter. Mehr saget Fazellns auch nicht. §. tS. Nach dem Bericht des Diodorus 2) war dieser Tempel der größte in Sicilien/ und konte mit allen andern ausserhalb dieser Insel an Größe verglichen werden: er gibt das Maß von der Länge/ Breite und Höhe desselben/ und von dem Durchmesser der Säulen. §. 20. Von diesem Tempel siehet man noch izo den ganzen Plan des Grundes vor Aller Augen ent- deket/ aber ganz mit aufgethürmeten Trümmern desselben umgeben / über welche der Erklärer der sicilia- mschen Altertümer und dessen Gefährte nicht werden hingeschauet haben. Diese Trümmer schließen einen freie» mit Gras bewachsenen Plaz ein / und dieser gibt den Plan des Tempels so deutlich zu erkennen/ daß man an einigen Orten sogar noch die Stufen 1) Man sehe das oben erwähnte Werk des Paters Pancrazi, (t. 2. x->rt, 2. lav, 7. p. 77—7g.) F ea. 2) 1^, iZ. c, 82. i>, 607 > — Auch die Ausgabe Von Ei ch- städt bat: -ro Siebelis. Winckelman 2. ^ Alte Tempel siehet/ die rund um den Tempel gingen: man siehet auch in einer Eke die Grundlage ausgegraben. ß. 2t. Die Länge dieses' Plazes komt mit dem Maße des Diodorus überei»/ welcher die Länge des Tempels auf 34u Fuß sezct; nach dem englischen Maß sind eS 3^6 Fuß; weil dieser etwas kleiner ist als der griechische/ wie ich angezeiget habe. Die Breite dieses Plazes hält 165 Fuß/ welches sich mit dem Maße des Diodorus von 60 Fuß nicht reimet. §. 22. Wen aber die Breite eines Tempels die Hälfte von dessen Länge war/ und t70 die Hälfte von 340/ so komt das izige Maß der Breite/ welche unter Trümmern so genau nicht sein kan- diesem Verhältniß sehr nahe. Folglich knn das Maß der Breite beim Diodorus von 60 nicht richtig sein/ und cS fehlet nothwendig hundert vor der Zahl sechzig. Die geringste Erwägung des bei den Alten bestickten Verhältnisses ihrer Tempel hätte hier Zweifel über die Richtigkeit des griechischen Textes erwekcn solle» / 2) m,d dennoch ist es niemanden eingefallen. Die alten Handschriften/ welche ich in Nom und in Florenz/ bis auf die älteste vom Diodorus in der Bibliothek des Hauses Chigi zu Nom/ nachgesehen habe/ stimmen mit dem gedrukten überein. Man muß sich nicht vorstellen / daß die Griechen/ nach Art einer gewissen neuerbaueten reformirten Hauptkirche in Deutschland/ einen Tempel würden aufgeführet haben/ dessen Breite das sechste Theil seiner Länge gewesen. t) LA »merk. üb. d. Bauk. t K. 2S §.Z ?) Vielleicht war dieses Verhältniß hier nicht anwendbar, da »ach dem Diodorus der Tempel des Jupiters in manchen Stiiken von den gewöhnliche» Verhältnissen ab, wich. Fea. zu Girgemi. Zis Z. 2Z. Die Höhe dieses TempelS/ ohne die Höhe der Stufen umher zu rechnen 755) war ^2tt Fuß. ist von den Über- sezern nicht verstanden worden; den man hat eS für die Grundlage genommen. Der neuliche französische Übersezer hat hier klügeln wollen/ und hat seine Unwissenheit verrathen. Er glaubet/ es sei hier die Cornische gemeinet. Warum? Weil 5-^-? bci ihm auch das Oberste eines Hauses bedeuten soll; welches er aber hätte beweisen sollen. Hernach deket die Cornische nicht das Gewölbe/ wie wir alle wissen/ t) Die Note des Abbe Terasion, Von der Winckel- man liier redet/ lautet, wie folgt: „Im Griechischen »heißt es: ^ , welches Nho- „doman durch iunllüiueulo tamcn ercexto übersezt. z, Aber »ie hat man in der Beschreibung eines Gebäudes >, von derGrundlage desselben / die man nicht sieht, gehandelt. bedeutet übrigens den obern Theil »eines Gebäudes, und das Wort Dom hat davon seltnen Ursprung. Daher musi man untcr hier »den Kranz, den Kämvser des Gewölbes oder 1, Giebels verstehen, dessen Hohe man nicht angeben „ ionte, weil er nicht ausgeführt war." Jansen. Es ist nicht?u zweifeln, daß auch den obern Theil eines Hauses bedeute. Wir haben davon mehrere Beispiele, vornehmlich in der h. Schrift, welche Constan- tini in seinem griechischen Wörterbuchs unter diesem Worte gesammelt hat: und auch der h. Hicronymus est, ^/anil tt-cla. Aber der Abbe Terrasson konte bedenken, daß -s-«^»in der Bedeutung eines flache» Daches aus den Häusern nicht aus den oberen Theil des Tempels anwendbar war, welcher nicht wie eine Terrasse, sondern wie ein Dach, gebildet war. Ich bin Z16 Alte Tempel und griechische Tempel die nicht rund wäre»/ hatte«/ so viel bekant ist/ kein Gewölbe. Z. Die Säulen waren rund von aussen und vier cki cht von innen / nach den Worten des' Dio dorn 6/ an welche sich die lateinische Übersezung mit mit unserm Verfasser der Meinung, daß die «ufferc stufenförmige Grundfläche des Tempels bedeute/ auf welcher die Säulen standen; den indem Diodorus sagt/ das Gebäude fei bis dahin errichtet gewefen, wo nichts mehr als das Dach gemangelt/ so fezt cr damit zugleich voraus/ daß der Kranz des Gebälkes fertig war/ und dieser ist nach dem Zeugniß des Barons Niedcfel wirklich an dem Tempel vorhanden gewesen; den er behauptet ein Stük davon gesehen zu habe». Und wen dieser Theil des Gebäudes fertig war/ weßhalb hätte der Geschichtschreiber ihn bei der Angabe der Höhe des Tempels ausschließen solle»/ von welchem er einen so wesentlichen Theil ausmacht, daß cr bei der Angabe der Maße und Verhältnisse eines Baues nicht zu übergehen ist. Aber es entsteht ein anderer gegründeter Zweifel gegen den Diodorus/ nämlich : warum er blos bei der Angabe der Höhe des Tempels die Unterlage abrechnet/ und nicht auch bei der Angabe der Länge uud Breite, k'anuni peduin OLOI.X Inn- Aitutline porrccUlin cst, ucl I X ver» peäes latitulZiuo Zttollitur. Der Regel nach wird die Unterlage nicht mitgerechnet/ oder wenigstens muß es gleichmäßig bei allen Messungen geschehen; und ich weiß nicht/ warum Diodorus anders Verfahren ist. ist die Unterlage des Gebäudes; aber der Geschichtschreiber hätte sich hier blos des Wortes Unterlage/ bedienen solle»/ das in diesem Sinne häufiger bei ander» griechische» Schriftsteller» vorkpmt, unter andern beim Aristoteles/ (ülluc. ->. I. >v. c, Z.) beim Stra b o (I. >7. >>. >>3g. L.), beim Josephus FlaVius/ ^u>I. I. Z. c. 6. n. 2. I. !2. c, 2. n. 8.) beim P ollur, (I. 9- c. 5. princ. «>?A,n. 2S.) und unter den Lateiner» beim VitruviuS/ (I. Z, c. 2. I> /j. c. 6. I. 5. c. ull.) Fea, zu Girgenti. Z17 eben der Kürze hält> Ekicht inwendig könte heissen/ daß diese Säulen innerhalb der Mauer ekicht gewesen: ein Stük von einer halbrunden Säule von Porvhyr mit der andern ekichten Hälfte derselben findet sich zu Volsena. Ich bin aber viclmehr der Meinung/ daß DiodoruS habe sagen wollen : ^ dieser Tempel habe auswärts halbrunde Säulen und von innen Master gehabt, i) §. 26. Der Umkreis dieser halbrunden Säule» war zwanzig griechische Fuß: das Innere derselben/ welches ebenfalls die Übersezer nicht verstanden haben/ d. i. der Durchmesser der Säulen/ war zwölf Fuß. Wen der Durchmesser einer Säule/ dreimal genommen/ den ganzen Umkreis derselben gibt / hier 36 Fuß/ so wäre der halbe Umkreis derselben 18 Fuß gewesen: da es aber 20 Fuß waren/ so haben die Säulen mehr als einen halben Zirkel gemachet. Aus einigen Stüken der Säulen ist auch dieses Maß richtig befunden: den der Durchmesser derselben gab etwas über 11 englische Fuß/ so aus vielen zerbrochenen Stüken zu bestimmen war. Der Durchmesser der acht halbrunden Säulen an der Facciata der St. Pcter 6 kirche in Rom/ welches die größten Säulen in der neueren Welt sind/ wird ohngefähr neun englische Fuß sein/ woraus man sich also die Größe der Säulen an dem Tempel des Jupiters vorstellen kan. §.26. VitruviuS gedenket unter so vielen Arten von Tempeln keines einzigen mit halbrunden Man lese in der corruvten Stelle des Diodorus/ statt des von Wesseling aufgenommenen: « --i/-!?,-»-?-« mit Heinrich Stephanus: » -!»->-/ 'rü? oder mit Eilhstädt: n --«-v ?i>x Sirbelis. 318 Alte Tempel Säulen; es findet sich auch bei andern Scriben- ten keine Meldung von einem solchen alten griechischen Gebäude. Von Tempeln ist der von der Fortuna Virilis oder St. Maria Egizziaca zu Rom das schlechteste unter allen alten Werken mit dergleichen Säulen/ und das Theater des Mar- cellus und das Amphitheater des Vespasianus haben halbrunde Säulen. §.27. DiodoruS gibt uns ein sinlicheS Bild von der Größe der Säulen an dem Tempel des ZupiterS/ wen er berichtet/ daß in einem einzigen hohlen Reife () derselbe»/ deren 20 an einer dorischen Säule stehen müßen / 2) ein Mensch stehen könne. Die Weite der Reifen an den übrigen Stüken beträgt zween römische Palmen oder Spannen und viertehalb Zoll; ein bequemes Maß für die Breite eines Menschen. Pancrazi beklaget sich/ daß er keine Spur von den Säulen dieses Tempels finden können. Die größten gereiften Säulen aus dem Altertume in Rom sind drei freistehende t) Er gedenket dessen allerdings (I. 4. c. 7. suk Lr>.), wo er sagt, daß es eine Art zu bauen gab, wo auch die Mauern der Cella bis an die Zwischenweiten des Säulenganges umher herausgerükt wurden, s» daß von aussen nur die halben Säulen sichtbar waren, und diese Art nennet er pseullopiii-ipteros, oder salsch geflügelt, eben weil ein solcher Tempel ringsumher Flügel oder Säulengänge zu haben scheinet, und doch nicht bat. F ea. 2) So lehrt Vitruviu s, (I> 4, c, Z. suk lln.) Derselbe nem net an dieser Stelle die Reifen und (l, Z. c. Z.) sti-iges, wobei Galiani bemerkt, daß eigentlich «tnALZ die hohlen Reifen, und stris- die flachen Stäbe zwischen denfelben sind. Wesseling, bei der erwähn« ten Stelle des Diodorus (>, >Z. c, 82,) behauptet, daß in den Manuskripten stngilcs statt strigos stehe. F e a. zu Girgemi. Säulen mit ihrem Gebälke, auf dem Campo Vaccino von römischen Fuß und 6 Zoll in der Höhe/ und 4 Fuß 4 Zoll im Durchmesser : aber die Weite einer Reife ist noch nicht die Hälfte von jenen; den sie ist eine starke Spanne. Die größten Gäulen an griechischen Gebäuden nebst den agrigentinischen waren an einem Tempel zu Cyzicum, welche vier oder Klafter (eine auf sechs griechische Fuß gerechnet) im Umkreise hielten; und diese Säulen sollen aus einem Stüke gewesen sein. >) §. 28. Die Säulen des Tempels zu Zlgrigentum aber waren nicht aus ganzen Blöken gemachet/ sondern aus ungleichen und, nach dem Verhältniß des l) Sirslio I. >4. x> 941. — Strabo sagt vo» diesem Tempel nichts. Dagegen reden von ihm Xiphilinus im Leben des Anton inus Pins (x, 26g.), welches auch in dem Werke des Die Cassius (I. 70. -.4.) angeführt wird, und Zonaras, (^r>n->I> I. >2. xrinc.) Die Säulen des Tempels waren vier Ellen dik, ihre Hohe betrug sunfzig Ellen, also zwölf und eineit halben Durchmesser, aus welchem Verhältnisse man schließen kan, daß sie korinthischer Ordnung gewesen sind. Die Schriftsteller sind über die Zeit, wo dieser Tempel erbauet worden, nicht einig. Aber sie lassen sich in Übereinstimmung bringen, wen man annimt, daß der Bau unter dem Hadrianus augesangen worden, deii Johannes Antiochenus, genant Malalas, sagt (llist. cliron, I. >>. suk lin.) daß er von diesem Kaiser errichtet worden. Dasselbe sagen die Chronika« schreibet'Alerand rin u s und Paschalis; auchWin- ckelman in der Geschichte der Kunst, ^2 B. t K. 2 §.Z Und daß er nachher vom Marcus Au- relius und Lucius Nerus vollendet worden, sagt Aristides Oper. t. i. p. 241.), welcher sich bei Einweihung desselben gegenwärtig befand, und dabei seinen Pancgvrikus ablas, ausdriiklich, Fea u. Fernpw, 32«? Alte Tempel Ganzen/ kleinen Stäken zusammengesezet z und dieses ist die Ursache/ daß die Überbleibsel davon nicht bei dem ersten Blike in die Augen fallen. §. 29. Das Gebälke auf den Säulen bestand aus drei ungeheuren Blöken Stein/ einer über den andern geleget/ welche ei» Ganzes macheten. Die Architrave und die Friese waren/ wie an dem vorher beschriebenen Tempel von gleicher Höhe/ und ein jedes von diesen zwei Gliedern 10 englische Fuß hoch: die Cornische/ von welcher sich nichts erhalten hat/ würde etwa L Fuß in der Höhe gehabt haben. Die Triglyphen waren/ wie ich vorher angemerket habe/ auch hier in die Friese eingefüget/ und aus einem Stüke 10 Fuß hoch: es haben sich ein paar derselben unter deu Trümmern erhalten. Ein einziges Kapital ist ganz geblieben und aus einem Stüke, welches zu messen man eine Leiter ansezen mußte. K. 30. Diese angegebene Maße können mit der Höhe deS Tempels beim DiodoruS übereinstimmend sein, und der Durchmesser der Säulen/ nebst dem angezeigeten Maß des Gebälks verglichen mit der Höhe von t2o Fuß/ der Höhe des Tempels'/ führet uns zur Bestimmung der Höhe der Säulen. Diese können weder so niedrig/ als an dem Tempel der Coneordia und denen zu Pesto gewesen sein / noch auch die Höhe der dorischen Säulen beim Vitru- viuS/ d. i. sieben Durchmesser/ gehabt haben. Den um angezeigete Maße mit der Höhe des Tempels zu vergleichen/ kan man den Säulen nicht mehr und nicht welliger als sechs Durchmesser geben. t) >Ma» sehe die An merk. üb. die Baukunst :c. 4 K. ZI H.1 2) IMa» sehe oben die Note aufS. —tt6.) S) lAnmerk. üb. die Bau kunst ic. t K. 36 §. Note.Z 4) Dieses ist nach dem Vitrnvius (l. 4. c. l.) die Höhe, zu Girgemi. Der Durchmesser der Säulen war, nach dem Dio- doruö/ zwölf Fuß/ und sechsmal zwölf machen zwei und siebenzig. Die Architrave und die Friese hatten zwanzig englische Fuß und die Cornische etwa acht. Die Höhe der Säulen und das Gebälk zusammen würden also an hundert Fuß machen. Die übrigen zwanzig Fuß an der ganzen Höhe/ bis zur Spize des Frontispiz gerechnet/ bleiben also für dasselbe. Den die Frontispize oder Gipfel des Portals waren in den - ältesten Zeiten niedrig/ wie der andere Tempel zu Girgenti und der eine zu Pest»/ an welchen er sich erhalten hat/ zeigen, l) Z. 31. Hieraus würde folge»/ daß man stufen- weiS von der Bestimmung der Höhe der Säulen nach der Breite der Tempel/ wie oben angezeiget worden/ auf sechs Durchmesser und endlich aussieben gegangen sei. Sechs Durchmesser für dorische Säulen scheinet also in den blühendesten Zeiten der Griechen das Verhältniß derselben gewesen zu sein. Den in der 93 Olympias kamen die Karthaginenser zum zweitenmal nach Sicilien/ und Agrigentum ward von ihnen zerstöret; durch diesen Krieg/ saget DiodoruS/ sei die Ausführung des Tempels unterblieben. ?) welche die dorischen Säulen der ersten Zeit müßen gehabt habe». Fea. j) Man sehe den Vorbericht zu den An merk. üb. die Baukunst »c. §. 5.Z 2) Nach dieser von Diodorns siir den Bau deSJupiter- tempels angegebenen Olnmpiade, und aus dem Zu> sainmenhaiige seiner Erzählung läßt stch nicht allein sür dieses Gebäude, sondern auch für den Tempel der Co n- cordia, und für die übrigen Tempel derselben Bauart in andern Gegenden ein bestimter Zeitpunkt festsczen. Diod orus erzählt, daß die andern Tempcl zu Girgenti tercits sertig standen, und daß blos der Bau des Jupiter tem p e ls unterbrochen, auch nachher nie mehr 322 Alte Tempel §. 32. Da ich also glaube/ wahrscheinlich darge- tha» zu haben/ daß die Säulen dieses Tempels weder unter noch über sechs Durchmesser können gehabt haben: so kan also auch der Tempel des vollendet worden. Unter jenen mußte sich also auch der Concordiateinpel befinde», welcher auf dieselbe Art gebauet ist, und nach seinen niedrigeren Verhältnissen muß man ihn sür etwas älter als den Jupiter tempel halten, wie Winckelman sehr richtig bemerkt. Aus der Erzählung Diodors erhellet serner, daß die Griechen, welche damals Girgenti und andere ihnen un> terwvrsene Theile Siciliens inne hatten, die Erbauer dieser Tempel waren. In Italien finden sich gleichfalls Tempel, welche diesen in allen Theilen der Baukunst vollkommen gleich sind; und Diodorus sagt kurz vor und nachher, daß die Griechen auch iniBestze verschiedener Küsten Italiens gewesen. Wen man nun die Zeit, welche zum Bau dieser Tempel erfordert ward, mit der Zeit zusamincnhält, in welcher die Griechen sich in jenen Gegenden niederließe» : so wird sich ergeben, daß diese Tenmel ungefähr um diese Zeit erbauet worden, wo P e- rikles seine herlichen Gebäude in Athen errichtete, unter welchen einige von dorischer Ordnung und von derselben Art waren, wie die in Girgenti und an andern Orten. Um diese Zeit genoß Sicilien des Friedens und befand sich in seinem blühendsten Zustande, fo daß die griechischen Städte jener Insel und Großgriechenlands mit den Prachtgebäuden jenes großen Atheners Wetteifer» koiitcu. Auch darf man sich nicht verwundern, daß dort in so kurzer Zeit, die etwa hundert Jahre umfassen mag, so viele und große Tempel erbauet werden konten, während Perikles allein in fünfzehn Jahren mehrere errichten ließ; und wir wissen, daß die Städte Siciliens durch die ausnehmende Fruchtbarkeit jenes Bodens in kurzer Zeit zu so viel Reichtum und Macht gelangten, daß sie den alten und mächtigen Städten anderer Gegenden furchtbar wurden, wie Diodorus selbst (I. 4. c. 2^!,) von der Stadt Heraklea erzählt, welche auf jener Insel vom Spartaner Dorieus gegründet worden. F e a. zu Girgemi. Z2Z Theseus zu Athen, welcher älter ist, und kurz nach der Schlacht bei Marathon gebauet worden, i) kein« Säulen, nur den Schaft derselben allein gerechnet, von sieben Durchmessern haben, welche Pococke diesen und allen anderen dorischen Gebäuden zu Athen gibt. §.33. Der Tempel, von welchem wir reden, muß Hexastylos gewesen sein, das ist, sechs Säulen vorn gehabt haben. Den sechs Säulen von zwölf Fuß im Durchmesser machen schon 72 Fuß, und fünf Jntercolumnia, jedes zu drei Moduli ober zu anderthalb Durchmesser der Säule gerechnet, machen 90 Fuß, und zusammen 162, welches mit der Breite von 160 Fuß bis auf zween Fuß iiberein- komt. §. 3-i. Von der Mechanik bei Erbauung dieses Tempels finden sich noch die Spuren an einigen großen Steinen des Gebälks. Diese Spuren sind gewisse Aushohlungen in Form eines Hufeisens, wie ich erwähnet habe, an den beiden schmalen Enden der Steine. In diese Aushöhlung wurde ein Strik oder Kette gespannet, und beim Aufziehen dieser großen Lasten von beiden Seiten oben zusammen genommen. Durch solches Mittel rükete man diese Steine dicht an einander ohne alle Hebezeuge, und wen die Steine neben einander lagen, zog man deir Strik heraus, und der Anfang des Einschnittes, welcher oben offen war, wurde alsden mit Holz verschlagen, damit keine Feuchtigkeit hineinbringen konte. ES hat sich noch etwas Holz in einem dieser 1) PZUSÜN, I, I> c> 17. IH. 6.) plularcli, !a ?Iieseo 5ul> Ln. l c, Z6,) Die Schlacht bei Marathon wurde geliefert in der 72 Olymviade. (Lor,i»i .^ttlciz t, 3. x, »4g.) lG. d. K> S V> t K. 2t §.Z F e a. 2) lMan sehe die Abbildung Numer» ZS am Ende dies«? Bandes.Z 32-t Alte Tempel Einschnitte der Aushöhlungen über zweitausend Jahre bis izo frisch und fest erhalte«. Unter den Zeichnungen von alten Gebäuden des berühmten Baumeisters San Gallo in der barberi sehen Bibliothek sehe ich unter den Ruinen des Tempels der Venus zu Epidaurus in Griechenland/ an den Enden der Steine einen ähnlichen Einschnitt/ aber e k i ch t. 2) Dieser Weg/ große Lasten Steine zu hebe»/ und unmittelber im Aufziehen auch an ihren Ort zu sezen/ ist sehr vorzüglich vor der Anweisung des Vitruvi us; 3) und die Säke mit Sand beim Plitt in S/^) nach Poleni Auslegung, 5) scheinen dagegen lächerlich. Z. 35. Man siehet hier/ wie ungekünstelt der Alten ihr Weg zu wirken war/ und die neuere Welt scheinet in der Mechanik mit aller Künstelei und Ausrechnung der bewegenden Kräfte die Alten nicht erreichet zu haben. Man erwäge die ungeheuren Obelisken: die ganze Welt ist voll von den Anstalten/ die Fontana unter dem Pabst SixtuS V. machete/ einen ObeliskuS aufzurichten/ und bei den Alten findet sich kein Wort von ihrer Aufrichtung. Wie vorzüglich der natürlichste und leichteste Weg j) lA»m erk. üb. die Baukunst >c. t K. ts §.Z 2) lEbendas. > K. IS §.Z Z) I., .o, c. S. I^>, 36. c, 14. sect. 21. ö) Oisserta?. sopra »I ?empio 61 Diana ä'Lleso Z, >z. LaMi >Zi 6issei-t. »' vcc^5 lateinische Übersezung des ersten Komma ist: cum nlii n>1 ^aiiel.e5 usc^ue eiZucant. Man lese/ anstatt ?-L? 7-L und überseze eS: Lum nlii »il ^>»riel.es us^ile »zdilicii» kadricsnclis acceäeren^ Im zweiten Komma lesen HenricusSte- i) Die Maschinen des Zobaglia lind in Kupfer gestochen und mit denen des Ritters Domenico Fontana zusammen in einem Foliobande herausgegeben worden. Die Errichtung des Obelisken ist beschrieben von Carlo Fontana in dessen Werke: >1 l'enipio Vatican» (I. 3. «. 4,) und in Kürze in des Milizia Momor, ^Vr- rlii^etti in dem L e b e n des F o II t a n a. Goguet (r. z. siart. 3. I. 2. c, 2> x. 49.) führt das von Herodot (1 .2, c. 125. p. 64.) beschriebene Verfahren an, wie die Äg»»ter die großen Steinblöke zum Bau der Pyrami- den hinaufbrachten, und gibt davon eine Abbildung. F e a. 326 Alte Tempel phanuS und Nhodoman/ anstatt »„xx-us-c-, in circuitu, xios-i, columnis. WessellNg suchet beide Wörter zu behalten / und meinet / man müße oder XISV-ÜV lesen. Ich bleibe hier bei dem gedrukten Text/ und der sprachkundige Leser wird ohne akademische Weitläufigkeit hier einsehen, ob diese Gelehrten den Text verstanden haben/ und welche Erklärung vorzuziehen ist. Der französische Übersezer springet wie ein leichter Tänzer über diese Stelle hin. §. 37. Diese kurze Abhandlung kan auf die nach- läßige Untersuchung der übrig gebliebenen Gebäude in Griechenland selbst zu schließen Anlaß geben. Ein Tempel z. E. wie der zu Suniuni/ dem attischen !) Meines Bedünkens ist Winckelmans Erklärung durchaus unrichtig, und ich begreife nicht, wie sie ihm hat in den Sin kommen können. Ich zweifle, ob er überhaupt den Tert des Diodorus hier verstanden habe. Was hatten die Häuser, welche mit der Zeit ohne Regel und Ordnung neben den Tempel hingebauet wurden, mit der prachtvollen Größe desselben und mit der Idee des Geschichtschreibers zu thun, welcher dieselbe in's Licht zu sezen sucht, indem er sagt, daß jener Tempel von einer neuen und vorhin nicht gewöhnlichen Bauart war? Die- ses Besondere und Neue besteht nach dem Diodorus darin, daß die andern Tempel entweder rings von einer freistehenden Säulenhalle umgeben waren, wie der Tempel der Concordia in derselben Stadt, die Tempel zu Pä> fium, die Tempel der Minerva und des Theseus zu Athen, und mehrere andere; oder daß sie keinen Säu- lengang umher, sondern die bloße Cella hatte», welche von einer einfachen Mauer eingeschlossen war. >, Dieser i, Jupiters tempel (sagt Diodorus) ist von einer >> neuen Bauart, den er hat jene beiden Formen ge- -.meinschaftlich:" die Mauer der Cella war nämlich bis zu Girgenti. 327 Vorgebirge/ auf 47 ganzen Säulen, verdienet mehr Aufmerksamkeit/ als man,in des Fourmont Bericht von seiner Reise in Griechenland findet, l) ES komt alles darauf an/ mit was für einem Auge man die Sachen anfiehet. Spon und die gelehrtesten Reisenden haben vornehmlich Inschriften und alte Bücher gesuchet; Cluver und Holstein gedachten auf die alte Geographie/ und andere haben andere Endzweke gehabt: um die Kunst hat man sich unbekümmert gelassen. Von den alten Werken der Baukunst in und um Rom ist ebenfalls noch viel übrig zu sagen: DeSgodetz hat gemessen; ein anderer muß durch allgemeine Anmerkungen und durch Regeln lehren. 2) 5!<7-5< 7-, Lnixeävcl. ^gvlAünt. vx I^ertio. zur Säulenhalle hinausgerükt, und füllte die Zwifchen- weiten der Säulen ans die halbe Dike derselben, so daß er die vom Vitruvius beschriebene und oben S. Z17 angegebene Form erhielt, und daraus ließe sich schließen, daß dieser Tempel der erste von solcher Bauart gewesen sei. F e a. sMan vergleiche die Stelle Diodors, wie sie oben in der Note auf S. ll7 angegeben ist.1 1) Mei». tlc: 1'L.calZ. cies Iiiscr. t. 7. 3^. eäit. 2) Wir fügen hier die Bemerkungen bei, welche der Baron von Riedefel auf feiner Reise durch Sicilien und Großgriechenland, im Jahre 1767, über diese» Tempel an Ort und Stelle gemacht hat. Derselbe sagt auf Seite 46 seiner Reise: „Daß die von dem D i o d o r u S „ angegebene Länge und Breite nicht übereinstimmen, „ muß vermuthlich ein Schreibfehler fein, weil die übri- ^ gen Verhältnisse genau zutreffen. Die Säule» habe» ,, 42 neapolitanische Palm im Umfange, und ohngefähr 14 im Durchmesser; und jede Reife hat zwei Palm im » Durchschnitte. Ich/ und verschiedene andere Personen, 3?S Alte Tempel „ welche diker als ich waren, konte» bequem darin stehen, „ und die Beschreibung des Diodorus ist richtig, ohn- „ geachtet ste durchgängig für fabelhaft gehalten worden. » Ich suchte unter den Trümmern fo viel Theile der Architektur auf, als mir möglich war; und Folgendes habe „ich gemessen: EinTriglyph ist 12 Palm hoch, 8 „Palm breit; die Cella, so Viel ohngesähr aus den „ Trümmern zu schließen ist, hatte l25 Schritte in der „ Länge. Ich suchte den ganzen Tag ein Stük von der „Cornische, allein vergebens; bis ich endlich den „ folgenden Tag glüklicher war, und ein sehr be- „ schädigtes Stük antraf, das 4 Palm in der Höhe „ hatte, welche Proportion ziemlich mit den übrigen „Theilen, der dorifchen Ordnung gemäß, übereinstimt. „Aus den Stüken der Säulen stehet man, daß, dem „ Diodorus gemäß, solche Halbfäulen, Halbpi- „ laster waren. Ein Kavitäl derselben, welches ich >, messen konte, hat mit dem Theile des Masters 16 „ Palm in der Länge oder der Breite, und 8 Palm „in der Höhe. Die Pilaster bestehen aus Steinen, „welche S Palm im Viereke, zusammen 36 Palm, „groß find; und ich fand zu meiner Verwunderung, „ daß dieselben lli form-, oder Manier» I'usüca waren; „ das heißt, daß die Steine durch eine Vertiefung oder „ Einschnitt von einander verschieden find; dieser Ein- „ schnitt ist einen halben Palm breit und tief. — Die- „ fes ist, was ich mit Gewißheit von den Überbleibseln „ dieses Tempels habe messen können. Mir hat es genug „ gethan, weil ich mir daraus einen Begrif von der „ Größe desselben machen koiite. Ich wünschte die Grö- „ ße von St. Peter in Noni und die Verhältnisse mit „ diesem Tempel vergleichen zu können. Daß der lezte „ prächtiger rind schöner in das Auge gefallen, glaube „ ich ganz gewiß, und nichts kan majestätischer als die- „ ses Gebäude erdacht werden. Stellen Sie sich, mein „ Freund, die Größe der Säulen, die zierliche Form „ des Tempels, welche weit schöner als ein Kreuz, dem „ St. Peter gleichet, ist; die Ansicht des ganzen Ge- „ bäudes, die Festigkeit in den Pilastern, die schöne „ Bildhauerarbeit, wovon D iod orus redet, uud wel- , che izo Völlig zerstört ist, kurz alles zusammengenom- ^men, vor: so glaube ich, daß ein viel edleres Ge- zu Girgenti. „ bäude, als St. Peter in Rom, i» Ihrer Einbildung „ entstehen wird. Nach der Proportion des Triglvphes „ müßte der Tempel/ von dem Fuße der Säulen bis an „ die Spize der Cornische, 150 Palm hock) gewesen „sein." Fea. I^Man vergleiche Winckelmails Brief an Riedesel, L. 2 Jun. 1767.^1 fUm Vor ^jilvins Kuiri5 (>! (-rsecia zu warnen bemerkt der sehr kundige L. von Klenze in einem Briefe aus San Nicola bei Agrigenti, v. 16 1824, Folgendes; „ Schon in Segeste und Seliuuut waren mir be> „ deutende Verfchiedenheiten mit dem, was ich fand und „ sah/ und dem aufgefallen/ was mir von diesen Denk- i, malen aus den Werken des Houel/ St. Non und be- „ sonders dem Haupt - und Prachtwerk des Engländers „ Wilkins: IVu!ns ok Miß»» Orsecia bckant war. Hiev „ in Agrigenti aber steigerte sich meine Verwunderung „ über die gewissenlose Nachläßigkeit, Falschheit und Man- gelhastigkeit der Darstellungen und Messungen Wil- » kins; und ich entschloß mich um so mehr/ den ganzen „ Umfang der agrigentinischen Denkmale selbst zu messen, „ um sowohl mir als Ander» genaue Rechenschaft darüber i, geben zu können. Durch wochcnlange Anstrengungen „ und mit der nöthigen Hülfe ausgerüstet, gelangte ich zu 5 diefem Ziele / und mit ihm zu der Überzeugung , daß „ Wilkins Werk in allen Theilen falsch/ unbrauchbar „ und gewissenlos nachläßig ist/ so daß ich es sür Pflicht „ achte/ hiemit das Publieum sörmlich davor zu warnen. „Die Form des Ganzen/ die Verhältnisse/ Maße, „Profile/ malerische Ansichten und Benennungen/ al- „ les ist so falsch / daß es fast nicht zu glauben ist/ Willi kins habe jemals diefe Denkmale gemessen; im Gc- „ gentheile scheint es, als habe er seine Maße und For- „ inen etwa nur nach schlechten perspektivischen Zeichnun- i> gen mit dem Zirkel reducirt. „Die Herren Hangel/ Serradifalco und „Hittorsf, welche die steilianische» Denkmale kurz vor mir maßen, werden gewiß eben wie ich sprechen. " Hieraus fuhrt er tüchtige Beweise sür seine Behauptung an, welche er aus seinen Messungen des s»- genantc» Vr abw als des Theron niiiit.Z V o r b e r i ch t. < s. t. Ach bin dem Publico eine Erklärung schuldig über die Geschichte der Kunst/ uud sonderlich der Bildhauerei der alten Völker/ vornehmlich der Griechen/ deren Ankündigung ich vor ein paar Jahren veranlasset habe. Ich hätte damals mit derselben hervortreten können; es wird aber mir und dem Leser nüzlicher sein/ daß es nicht geschehen ist. Den da ich die Beschreibung der tief geschnittenen Steine des stoschischen Musei zu Florenz übernahm/ l) mußte ich mich voir neuem in viele Untersuchungen einlassen / die ich vorher nicht mit gleicher Aufmerksamkeit gemachet hatte. Dieses in französischer Sprache versassete Werk ist zu Florenz gedrukt/ die Vorrede aber und das Register zu Rom/ und es ist ohne diese beiden Stüke an sechshundert Seiten in Quarto stark. Da ich nun nach Vollendung dieser Arbeit meine Geschichte von neuem übersahe/ fand ich dieselbe mangelhaft/ theils an nothwendigen Sachen/ theils an gewissen Beweisen/ und in dieser Überlegung entschloß ich mich/ die Schrift in ein anderes Systema zu bringe». Ich habe mehr Zeichnungen zu nöthigen Kupfern machen lassen/ welche nach und nach gestochen werden; und dieses sind die Ursachen ihrer Verzögerung. §.2. Gegenwärtige Anmerkungen über die Baukunst der Alten sind unter den Untersuchungen erwachsen/ welche ich in mehr als fünf Jahren/ die ich in Rom und in andern Städten von Italien lebe, über alles/ was die Künste betrift/ ge- O Wiese Beschreibung machte Winckelman in den Jahren NS5 und NS?.Z Vorbertcht. machet habe/ und ich habe dazu alle erforderlichen Hülfsmittel gehabt/ sonderlich in dem vertrauten Umgange/ dessen mich Seine Eminenz/ der Herr Cardinal Alexander Albani/ der größte Kenner der Altertümer/ würdiget. §. 3. Über das'/ was ich von der Baukunst geschrieben habe/ kan ein Gelehrter/ welcher die Altertümer aufmerksam untersuchet/ und die erforderlichen Kentnisse dazu hat/ eben so gründliche als ein Baumeister/ reden; und hier kau gelten/ was Aristoteles von den Spartanern saget: „Sie halben „ die Musik nicht gelernet/ aber sie wissen richtig „ von derselben zu urtheilen; " ich verstei.e hier ein zunftmäßigeS Lernen. ES erfordert auch das Studium der Altertümer eine hinlängliche Kentniß und Untersuchung in der Baukunst/ so/ wie es die übrigen beide Künste/ die Malerei und Bildhauerei/ verlangen; und die Betrachtung der alten Gebäude erweket ein Verlangen/ dieselbe genauer zu kennen. §. Man muß sich wundern/ daß viele Denkmale der Baukunst denjenigen/ welche dieselben hätten berühren und beschreiben solle»/ gar keine Aufmerksamkeit erweket haben/ wie es mit den übrig gebliebenen Gebäuden derStadt Posidonia oder Pä- stu m, izo Piesti oder auch Pestv/ am salernitanischen Meerbusen/ die ich in den Anmerkungen Verschiedemal angeführet habe / ergangen ist. Cluverius ist die Gegend von Pesto/ so wie ganz Italien / durchreiset; und er hat alles umständlich beschrieben/ aber er gedenket nur mit einem einzigen Worte der Trümmer dieser Stadt. Eben so wenig Nachricht findet sich bei andern Scribenten des Königreichs Neapel von den Überbleibseln dieser Stadt. Einige Engeländer gingen vor etwa zehen Jahren zuerst da- 1) !. 3. c. 5.^ 2) LlluUa üntitzuaz I. 4 c. i/,.!! VorSericht. 3Z5 hin/ und von der Zeit hat man angefangen/ davon zu reden. Vor etwa vier Jahren hat der Herv Grav GazzoleS aus Parma/ Commandant der Artillerie des Königs von Sicilien/ die Mischen Gebäude genau aufnehmen und zeichnen lasse»/ und sie werden izo in Kupfer gestochen. 2) Vor ein paar Jahren trat der Baron Antonini/ (ein Man von achtzig Jahren / und Bruder des Verfassers von dem beliebten italiänischen und französischen Wörterbuche/ zu Paris in zween Bänden in Quarto gedrukt) mit einer Beschreibung von Lueanien/ zu Neapel gedrukt/ an das Licht/ und er nahm sich vor/ die Überbleibsel der Stadt Pesto, welche zu gedachter Landschaft gehöret/ zu beschreiben. Er war mehr als einmal an dem Orte selbst gewesen, wie er mich mündlich versicherte/ da er nicht weit davon Ländereien besizet: aber dessen Nachricht war so sehr unrichtig/ daß die Blätter/ welche dieselben enthielten/ umgedruket werden mußten/ und der Herr Mar- chese Galiani zu Neapel entwarf dem Verfasser, j) Er war, wie Fea berichtet, aus Piacenza. Fcrnow. 2) Dieser Grav Gazzvla hat den Nuhm, der Erste gewesen zu sein, welcher die Altertümer Pästums durch Abbildungen bekant gemacht hat. Aber die Zeichnungen wurden um verschiedene Jahre früher verfertigt, als Winckelman hier angibt^ den der Canonieus M azzo c- ch i, welcher im Jahre 1754 feine B e m e r k u » g e n übe« Pästui» im A nhange seiner Erklärung der Hera k- leischen Tafeln herausgab, versprach bereits damals (S. 4SS) die Zeichnungen, welche der Grav Gazzola machen lassen, aber erst späterhin gab ste der Pater HZaoli iiit seine» Abhandlungen dazu heraus. Fea. füber den Graven Gazzola und seine Bemühungen der Altertümer Großgriechenlands lese man den sehr interessanten Brief Barthelemys an den Graven Cavlus, iir des erster» Reife in Italiens Z) Das Werk des Anto.nini wurde bereits im Jahre l>754 bei Gessari gedrukt. Zwar vermehrte er es im Jahre 1756 an viele» Stelle», aber ohne die Jahrszahl )» verändern. Fea. 3Zü Vorbcricht. was dieser von Pesto zn sagen hatte. Gleichwohl aber ist ein großer Irrtum stehen blieben: den man gibt vor/ die Stadt sei in die Runde gebauet gewesen/ und es ist das Gegentheil; die Ringmauer ist ein völliges Vierek. Man halte dasjenige/ was in dieser Schrift/ und nur hier allei»/ von den Gebäuden zu Pesto gesaget wird/ mit der Nachricht zusammen/ die ich dem Leser mittheilen will/ so wird sich zeigen/ wie mangelhaft und unvollständig jene sei. §.6. Von der Stadt Pesto/ welche etwa an- derthalb italiänische Meilen von dem Gestade des Meers entfernet ist/ hat sich die ganze Ringmauer mit ihren vier Thoren/ in's Gevierte gezogen/ erhalten/H und diese ist aus ungemein großen Steinen/ 2) welche vierekt oder länglich gehauen sind/ ohne Mörtel zusammengesezet/ so daß die äussere Seite derselben in sechs Flächen/ nach Art der Diamanten/ gehauen ist: auf der Mauer stehen in gewisser Weite von einander runde Thürme. Innerhalb der Mauern und in der Mitte der ehemaligen Stadt stehen zween Tempel und ein drittes öffentliches Gebäude/ welches entweder eine Basilika/ Die Ringmauern des alten Pästums sind freilich nicht i» die Runde gebauet, aber sie bilden auch kein Vierek, sondern eine unregelmäßige Form. Fea. lMan sehe Numero t uurer den Abbildungen.) 2) Ein großer Theil der Ringmauer von Pästum ist zerstört, so daß an einigen Orten kaum die Spuren davon zu erbliken sind; aber der erhaltene Theil derselben ist beträchtlich und zeigt einen mächtigen Bau. Von den Stadtthoren hat sich nur eines erhalten. Fea. lMan kan es unter Numero 2 der Abbildungen sehen.) Z) Die Steine haben 8 bis lv Palm Länge, 4 bis 5 Palm Breite, und Z bis 4 Palm Höhe. Fea. Vvrbericht. »der eine Palästra oder Gymnasiums gewesen ist. Dieses sind ohne Zweifel die ältesten griechischen Gebäude / 2) und nebst dem Tempel zu Girgenti in Sicilien/ und dem Pantheon in Rom/ ist kein anderes Werk der Baukunst/ welches' sich so völlig erhalten hat;^) den der eine Tempel hat vorn und Hinten sein völliges Frontispicium / und auf dem andern ist das Mehreste von demselben geblieben. §. 6. Die zween Tempel sind/ so wie das dritte Gebäude/ Amphiprostyli/ das ist/ sie haben einen freien Sänlengang ringsumher/ nnd vorn nnd hinten eine freie Halles) Der größte Tempel/ und Pater Paoli glaubt, («Ilsüert Z,) daß es ein Portikus oder toscanisches Gebäude gewesen, in dem man öffentliche Geschäfte oder Handel getrieben. Fea. 2Z Pater Paoli, welcher die Abbildungen dieser Tempel mit gelehrte» Abhandlungen begleitet hat, stand in dem irrigen Wahne, daß diese Gebäude voi» hetrurischer Bauart seien, und sein ganzes Bestreben in seinen« Werke gehet dahin, dieser Meinung Wahrscheinlichkeit und Glauben zu verschaffen. Winckel- in a ii hat gleich anfangs ihren wahren Charakter richtig erkaiit^ und da auch die irrige Ansicht des Paters Paoli jezo allgemein anerkant ist, so lohnt es der Mühe nicht, stch bei derselben weiter auszuhalten. Das Werk des Paters Paoli heißt : clell' anüca cittä cli p«5to, 6etta iincora posillonia. Koma, >784 5ol. FerNVW. ZZ Die Soohienkirche in Constantinopel nicht zu vergessen, die zwar jünger ist. Fea. -^) Dieser Zusaz: und vorn u»d hinten eine freie Halle, ist überflüssig, da es stch bei dem freien Säulengange ringsumher von selbst versteht. Auch gebürt ihnen die Benennung k>ni^Iü^rc>8t)'Ii, welche Major in seinem t76S zu London erschienenen Werke über diese Tempel tS. 27, Zl>, Zl,) ihnen beilegt, nach der Bedeutung dieses Worts bei Vitruvius (I. Z. e. 2.) keineswegs; den er nelit jene Tempel amplii- welche blos a» beiden Giebelseiten, vorn Winckclman. 2. 16 338 Vorbericht. welcher weniger gelitten/ bat 6 Sänken vorn und hinten/ und auf der Seite/ die Eksäulen zweimal mitgezählet, i) Der kleinere Tempel hat vorn und hinten/ wie jener/ 6 Säulen/ und 13 auf der Seite. 2) Die Celten dieser Tempel / oder das' Innere derselben / war mit einer Mauer/ wie gewöhnlich/ eingeschlossen/ und die in dem größern Tempel hat vorn und hinten wiederum ihre besondere Halle von zwo Säulen am Eingänge/ und die Ekpilaster/ und zwo Reihen Säulen waren auch innerhalb der Eelle/ eine jede von 7 Säulen/ von welchen noch viele stehen. Die Celle des' andern Tempels hat vor» ihre besondere Halle/ von eben so viel Säulen/^) und innerhalb der Celle gegen das End- ist eine große vierekte längliche Erhöhung/ welches etwa ein Altar gewesen ist.''«) Der und hinten/ Säulenhalle» haben. Nichtiger würden sie xeriptcri zu nennen sein; den so hießen nach Vitruvius die Tempel, welche auf jeder Fronte sechs Säule»/ und an jeder der beiden langen Seiten elf Säulen, die Eksäulen wieder mitgezählet, hatten. F ea. 1) tMan sehe unter den Abbildungen Num. 3.? 2) sMan sehe unter den Abbildungen Num. 6.) Z? Die Zahl der Säulen ist verschieden. In jeder Vorhalle des großen Tempels sind nur zwei, und in der einzigen Vorhalle des kleinen Tempels sind zwei ganze und zwei halbe an den beiden Pilastern oder Ek- xseilern der Cella. F e a. »Man sehe die Abbildungen Num. Zu. 6.Z 4) Ihrer Gestalt und der Art nach, wie sie mit einer Mauer umgeben ist, sman sehe unter den Abbildum gen Num. 6.) zu urtheilen, scheint es mir vielmehr eine »nlicul.i oder Capelle gewesen zu sein, in welcher das Vild einer Gottheit ausgestellt war, wie im Tempel des Jupiter Capitolinus und andern Tempeln. Man sieht dergleichen in so vielen Grundrissen von Tem> »ein des alten Roms, in der von Bellori erläuter- Vorbericht. größere Tempel hat über den untern Säulen innerhalb der Celle noch eine obere Ordnung kleinerer Säulen / welche sich auch großentheilS erhalten hat. 5) Alle Säulen sind dorisch und gereift/ und haben nicht 6 Durchmesser/ wie ich in den Anmerkungen selbst angezeiget habe. 2) Sie sind ausserdem ohne Base/ und die um den größern Tempel haben gegen das Kapital zu zween Ringe umher (coU-irini), dergestalt/ daß ein Theil der Neifen einige Finger breit über dieselbe bis an das Kapitäl hinausgehet. §. 7. Die Cellen sind drei Stufen hoch erhaben/ und so viel höher/ als der äussere Säulenganz der Tempel; und diese Stufen sind wie diejenige»/ welche um den Tempel herumgehe»/ von einer ungewöhnlichen Höhe'/ wie ich umständlicher in den A n- »ierkungen anzeiget) Auf diesen Stufen gehet man in die Cellen/ und die Hallen derselben/ welche in die Länge zwo Säulen und die Pilaster haben/ wie gesaget ist/ sind jedesmal von drei Säulen in der Tiefe. 4) Die Hallen vor der Celle des größeren Tempels haben 42 und einen halben Palm in der Länge/ und in der Breite 24 Palme, 5) An dem im Abbildung der ?r2Amenta vesligli veteris RomN er IzpiilUiuz k'-linesianis etc. und bei Pirailesi, tiel». t. I. tav. 2.) Fea. sMan sehe unter den Nbildungen Num.4.1 2) K. ZZ §.Z Z) stA. 66 §.z 4Z Es ist nicht wohl zu verstehen / was Winckelmaii hier meinet. Entweder hat er die Vorhallen der beide» Tempel mit einander Verwechselt, oder er hat stch Säule» eingebildet, wo keine standen. Fea. IMa» sehe unter den Abbildungen Nu»i. Z u. 6.l 5) Die vordere oder Hauvthalle ist tiefer als die andere; ste ist nämlich 42 Palm breit und 2S Palm lang: Vorbencht. kleineren Tempel ist als etwas' Besonderes zu merken/ daß in der Halle vor dessen Celle die dritte Säule/ in der Tiefe oder Breite/ wie man es nennen will/ auf beiden Seiten auf der dritten Stufe/ welche zur Celle führet/ stehet; und diese zwo Säulen haben unten ihren runden Bund und anch ihre Base (plinlo), welche aber rund ist. Folglich finden sich schon in den ältesten Zeiten dorische Säulen mit der Base/ welches vorher niemand bekant gewesen ist. -) K. 8. Die In t erc o lnm n i a der Tempel haben nicht völlig anderthalb Durchmesser der Säulen/ wie Vitruvius lehret! 2) den der Durchmesser der Säulen an dem größeren Tempel hat 7 und fünf Achtel Palme/ und die Zntercolumnia haben 8 volle Palme/4) und es ist etwas Besonderes/ daß die andere hat gleiche Breite/ aber im innern Raume gemessen nur l7 Palm Tiefe. Fea. t? Der Säule» dieser Vorhalle sind, wie schon vorhin, S. 3ZL, bemerkt worden, zwei auf jeder Seite, und zwei halbe an den Pilastern oder Ekpfeilern der Cella. Alle hatten dieselbe runde Base mit dem Bund, und keine stand unmittelbar auf den Stufen ; unr standen die beiden ersteren auf einem niedrigern Plane als der Plan der Cella, auf welchem die andern stehen. Fea. sMan fehe unter den Abbildungen ?!»>». 6.Z 2) Von dieser runden Basis nimt der Pater Paoli gleichfalls einen feiner vielen Scheingründe, um zu be- weifen, daß diese Tempel nicht griechischer, sondern alth et ruri scher Bauart seien. Er beruft sich dabei auf den Vitruvius (>..?- c, 7.), welcher den tofca- nifchen Säulen eine ähnliche Basis gibt. Fea u. F e r n 0 w. Z) Für die Sänlenstellnng nämlich, welche .er los, engsäulig, neiit, welche die kleinsten Zwischenweite» hat. (I.. 3. e. 2.) Fea. 41 Dieses ist i» der schon erwähnten Beschreibung und Zeichnung Majors sehr verändert. Fea. Vorbericht. die Jntercolumnia des anssercn SäulengangeS um den Tempel herum/ eine vierekte Vertiefung/ oder ein vertiefetes Feld/ einen Finger breit tief alisgehauen habe»/ welches Feld den ganzen Zwischenraum des Fußes der Säulen füllet. Die Säulen innerhalb der Celle dieses Tempels sind von 6 und einem Drittheil Palm im Durchmesser. §. 9. Die Länge deS größeren Tempels ist 386 Palme; die Breite 96. Die Breite der Celle ist und einen halben Palm. Die Länge des kleineren Tempels ist von 76 Palmen / und die Breite Die Breite der Celle desselben ist 28 Palme. Z. io. Das dritte Gebäude hat 9 Säulen vorn und hinten/ und 18 auf der Seite; die Eksäulen zweimal gezählet/'^) und alle diese Säulen haben unter dem Kapitäl einen überaus künstlich gearbeiteten/ schmalen/ in einander geschränkcten Zierat/ welcher an einigen einander ähnlich ist/ an den mehresten aber nichts) Die Länge des Gebäudes ist 206 Palme/ und die Breite 92. Dieses Gebäude 1) Diese Vertiefung ist beträchtlicher als Winckelman sie angibt; den sie beträgt vier Finger breit; aber ste nimt nicht den ganzen Raum der Zwischensäulen ein. Der Pater Paoli («iissen, 4.», >?. — > >6, se^,) vermuthet / daß in diesen Vertiefungen eine Platte von Marmor oder Bronze gelegen habe, um damit den Fußboden zu verzieren/ n»d zugleich den Säulen einen bessern Abstich zu geben/ indem sie sich aus diese Weise aus den, vierekten Raume/ der sie rings umgab/ durch die eingelegte» Tafeln absonderten/ und wie auf einer Basis zu erheben fchienen, Fea. 2) Nach genaueren Messungen beträgt die Länge des großen Tempels 2^0 Paln,/ nnd die Länge deö kleinen 127. In der Breite kommen ste ziemlich mit W i n ek e l m a n s Angabe nberein. Fea. Z) lMan fehe unter den Abbildungen Num. S>Z , I !4>) sagt: „ ?ln der Fronte, die «wir die vordere nennen, entdekt man die Vorhalle, wel- „che in« Innern vermittelst zweier Pseiler gebildet ist, „in deren Mitte drei Säulen stehen. Ob dieses auch eben „so an der hintern Fronte statt gesunden, davon ist keine „Svur zu merken, auch läßt es sich aus nichts abnehmen. „Die Pfeiler lehnen sich an die Mauern, welche nicht „weiter gehen; oder wen ste auch weiter gingen, so er- „strekten sie sich doch gewiß nicht nber die erste der drei „Säulen hinaus, welche in gerader Reihe die Mitte de5 „ganzen Gebäudes einnehmen. Und wen man gleich web „terhin einige Überbleibsel von Mauern gewahr wird, „wie wir beim Nachgraben gesunden haben, so zeiget doch „ihre Dünne und Schwäche, daß sie Von keiner inneren „Cella sein können, sonder» vielleicht bestimt waren, den „Grund zu stüzen, welcher sich gegen die Mitte des in» „neren Plazes etwas erhöhet." Fea. sMan sehe unter den A b bi l dung en Num. S.Z 2) ^Man sehe uttterden Abbildungen Nnni.s u. S.) Z) An den beiden Nebenseiten beträgt der Zwischenraum der Säule» von dem Mittelpunkt der einen zur anderen ll 2/'Z Palm, und an den Giebelseiten beträgt derselbe 10 5/6 Palm. Der Durchmesser jeder Säule beträgt Z l/Z Palm. Dergestalt sind also an den Neben,'eiten die Zwischenweiten der Säulen etwas breiter als ihr Durchmesser, und die an den Giebelseiten sind kaun» so breit. Fea. Vorbericht. 2^>Z ches also von der Negel des Vitruvius abgehet. Der ganze Boden dieses Gebäudes' hat einen sanften Abhang auf beiden Seiten, zum Ablaufe des Ne- gens. l>) K. 11. überhaupt merke man, daß alle drei Gebäude von dem Gebälke auf den Säule»/ oder von der Architrave die beiden unteren Glieder haben, aber das dritte und obere Glied des Gebälkes, nämlich die Cornische, fehlet an allen dreien. ?) Von den Eigenschaften der dorischen Ordnung derselben habe ich in den Anmerkungen geredet. Die Länge und Breite dieser Gebäude sind von der dritten und oberen Stufe, auf welche man zu denselben hinaufsteiget, gemessen, und der Palm ist der neapelschc, welcher größer ist als der römisch e. 3) ß. 12. Ausser den beschriebenen Gebäuden, ist erstlich fast mitten auf dem Plaze der Stadt ein Amphitheater, von welchem noch die untern Ge wölber, und zehcn Reihen Stufen oder Size über denselben, übrig sind. Nach AntoniniS Angeben ist die Länge desselben 165 Palme, und die Breite 120.^) Ausserdem finden sich Spuren von Dieser Abhang ist wohl »»r von den Trümmern und dem Schütte entstanden, die sich in der Mitte deS Gebäudes aufgehäuft haben. Nach Hinwegräumung desselben/ versichert der Pater Paoli, den Boden desselben eben und mit den Nruchstiiken eines Mufaiks belegt gesunden zuhaben. Fea. 2? Winckelman hat sich dessen nicht erinnert, was er vorhin in diesem Norberichte S, ZZ7 gesagt hat. Was von den sämtlichen Gebäuden noch vorhanden ist, zeige» die hiehcr gehörigen Abbildungen. Fea. Z) Der moderne römische Palm hält S Zoll Z l/°2 Linie; der neapolitanische hält 8 Zoll 7 Linieit. Fca. 4) Nach den genauern Messungen, welche Paoli (Taf. 4-i. Vorbericht. einem Theaters) und ausser den Mauern drei Grabmäler von Ziegeln. §. 43. Dieses ist die erste ausführlichere Nachricht von den Altertümern der Stadt Pesto/ so viel ohne Kupfer deutlich anzugeben ist. Man hat mich versichert/ daß zu Bella, ehemals auch Elea genant/^) (von welcher Stadt die eleatische Schule den Namen hat) 16 italiänische Meilen jenseit Pesto / beträchtliche Stüke von alten Gebäuden und halb erhaltene Tempel zu sehen sein: niemand aber hat in Schriften/ so viel ich weiß/ davon Meldung gethan. K. 14. Zu Kroton in Großgriechenland stehen noch weitläuftige Nuinen, welche man izo die Schule des PythagoraS nennet; ausserdem seines Werks) angegeben hat, beträgt die Länge 2jS neapolitanische Palm, und die Breite 1Z2. Fea. Z) Was Winckelma >1 hier für ein Theater hält, ist of> senbar nichts anderes, als ein rnnder Stufe» gang? auf dem man zn einem Brunnen hinabstieg/ welchen man so niedrig angelegt hatte, weil die Röhren desselben mit dem Boden der Stadt in gleicher Höhe liefen. Fea. 2) Lluvcr. Ilal, snt!x>» co- Imme genant, stehen follten. Er koilte aber nichts davon entdeken, und als er in Krotona darnach fragte, fo fand er, welcher Irrtum wahrscheinlich diese Sage veranlaßt habe. Er fand nämlich, daß man sich den Temvel viel kleiner vorstellte, als er wirtlich gewesen, und daß man die Mauer von dessen Cella für ein besonderes Gebäude genommen, welches man die 5cu->I->
  • In dem bekanten Werke: l.es Ruines cles plus I>o->ui MDizuments ris ^lusicrs l!Is. 1770, lul> Zernow. Z-46 Vorbericht. ternahmen zween Maler aus Engeland/ HerrJakob Stuart/ und Nikolaus Revett/ nachdem sie einige Jahre in Rom ihre Kunst getrieben, die Reise nach Griechenland. Ihre Freunde in Engeland brach- ten einen hinlänglichen Beitrag zusammen/ zur Beförderung dieses Vorhabens'/ und dieses war ein Vorschuß oder eine Pränumeration auf die Beschreibung/ welche sie machen würden. Einige zahleten auf viele Exemplare dieses Werks voraus'/ und der Anschlag war etwa auf zwo Guineas'/ das Stük, gemachet. Gedachte Künstler brachten das erste Jahr ihrer Reise mehrentheilS zu Pola und in Dalmatien z»/ wo sie alle Überbleibsel des Altertums genau abzeichneten. Das folgende Jabr gingen sie nach Griechenland/ und verblieben daselbst fast an vier Jahre: sie kamen im Monate December „ach Marseille zurük. Herr DawkinS und Bovery/ welche auf eigene Kosten ein Schif mit allen benö- thigten Sachen zu ihrer kostbaren Reife durch die Levante ausrüsteten/ und denen wir die Beschreibung der Gebäude zu Palmyra zu danken haben/ trafen ihre beiden Landsleute zu Athen an / und munterten diese zu ihrer Unternehmung auf. Bovery/ der Gefährte Herrn DawkinS/ starb auf der Insel Negroponte an einem hizigen Fieber; jener aber fezetc die Reise fort mit Herrn Wood/ welcher das Werk von Palmvra herausgab.^) DawkinS war/ nach seiner Rükkunft in Engelaud/ ein großmüthiger Beförderer der Beschreibung der Altertümer von Griechenland/ und Herr Stuart genoß in dessen Hause zu London alle Bequemlichkeit/ seine Zeichnungen in Kupfer stechen zu lasse»/ wozu er sich zween geschikter Künstler/ 1)1^6 ot k.unäon, 15-53. K.uili5 ol' öaüiec, I^viiäon 1767 Fevnow. Vorbencht. Herrn Strange und Herrn Bezaire, bedienet. Dawkins starb vor ein paar Jahren in der Blüthe seines Alters, und sein Tod ist ein Verlust für die Künste und Wissenschaften. Die Arbeit an dem Werke von Griechenland wurde fortgesezet; eS erschien der Plan von demselben, und eS waren schon vor zwei Jahren die Kupfer zu dem ersten Bande geendiget. Dieses Werk erwartet man izo mit großem Verlangen:^) den es wird weitläuftiger und ausführlicher werden, als die Arbeit des Herrn Lc Roy ist, weil jene so viele Jahre, als dieser Monate, in Griechenland gewesen sind. §. 17. Izo fehlet uns noch eine ähnliche Arbeit über die Gebäude zu Theben und an andern Orten in Ägypten. 2) Dieses hätte Norden unternehmen sollen, wen er Zeit und Kosten dazu gehabt hätte; so würde er der Nachwelt ein nüzlicher Werk gelassen haben, anstatt daß er entweder längst be- kante oder weniger bedeutende Dinge vorträgt. §. t8. Der Leser erlaube mir hier noch mit einem Worte die höchste Pflicht und Verbindlichkeit, die ich auf der Welt habe, zu bekennen. Diese bin t) Den ersten Theil dieses Werks, unter dem Titel: f»I, bekam Winckelman in der Folge zu Gesicht, aber er entsprach seiner Erwartnng nicht, weil man aus ein so unbedeutendes Denkmal, als die Lanterne des D e- mosthenes, oder der T l> u r m derWindeist, so viele Kupfer verschwendet hatte, m» das Werk über die Ge- bür weitläufig zu machen. Fea> sMan vergleiche hieinit den Br. an Heinr. Fneß- >», V. 22 Sept. l 7 64,1 2) sDiesen, Bedürfnisse ist nun durch Denons Werk, durch die prachtvolle Oe?cripti<>n lle , so wie durch die nacbherige Ausbeute von Beljoni, Minu- toli und Ga» abgeholfen.) Vorbericht. ich Seiner Hochwürden dem Herrn Pater Leo Nauch/ Seiner königlichen Majestät in Polen Beichtvater/ schuldig/ einem der würdigsten Menschen/ der mir Vater/ Freund und das Liebste ans der Welt ist. Er allein ist der Grund von der Zufriedenlieit/ die ich genieße/ welche ich niemals fühle oder schmeke/ ohne Erinnerung immerwährender Dankbarkeit: mein höchstes menschliches Verlangen gehet zu ihm / und alle meine Wünsche sind auf ihn gerichtet/ die Gott wolle in Erfüllung gehen lassen. Ein anderes Be- kentniß der Dankbarkeit/ welches ich an einem würdigern Orte abzulegen gedachte/ bin ich zween meiner Freunde schuldig/Herrn Wille/ königlichem Kupferstecher zu Paris/ und Herrn Füeßly/ Maler und Stadtfchrciber zu Zürich. Die Art/ mit welcher sie mir/ ohne mich persönlich zu kennen/ bei- gestanden haben/ machet der Menschlichkeit Ehre. Aber die Bescheidenheit ihrer großmüthigen Seelen Hält mich zurük/ wider ihre Absicht zu handeln/ welche war/ insgeheim Gutes zu thun. Ich empfehle mich allen Liebhabern der Künste/ und meinen Gönnern uud Freunden in Deutschland und in anderen Landern. Roni/ den 4 Der. 1760 .2) t! sMan sehe hierüber die Viogravhie W i n ekelma!i § vor dem t Bande dieser Ausgabe.Z 2) Wiese im Jahre t760 vollendete Schrift blieb »ach bis tief in das Jahr l76I in Wi nckelm aiis Hände» / ehe sie gedrukt wurde, und daher gab er ihr noch Zusäze, wie man aus dein 2 K. tü §. abnehme» kaii.) Inhalt. 1. Daö Wesentliche der Baukunst. Die Materie: Ziegel; Steine; Mörtel und besonders Puzzolana. Die Art zu bauen: (in der Ebene; Die Grundlage Anhöhen/ oder im Meere. Mauern auf der Grundlage (überhaupt. — — — (die Bekleidung der- ( selben. Die Form der Gebäude: Die Form, sonderlich der Tempel überhaupt; Gebäude auf Säulen. Von Säulen überhaupt. (die toscanische; (die dorische; Von den Ordnungen der- lUben/ mvl,'csoiut.r>. ^ ( sammcngcsezete; (ovale Säulen. 250 Inhalt. Allgemeine Erinnerungen über die Form der Gebäude. Die Theile der Gebäude: Auswärts: das Dach; der Giebel/ oder das Frontispieium; (dorische Thüren; die Thüre; (auswärts aufgehende; (Vorhang vor den Thüren. die Fenster. Inwendig: die Deke oder das Gewölbe; die Trepen und Stufen an denselben; die Zimmer. Die Zierlichkeit, und allgemein von derselben. Von aussen an Gebäuden: an dem Gipfel; an Säuleu, und besonders von Karyatiden; a» i-m S-dM- d-r an Fenstern und Nischen. Innerhalb der Gebäude: im Vorsaale; an Dcken und Gewölbern; in Zimmern insbesondere. Zltlm e r k tt ll g e ll über die Baukunst der Alten. Erstes Kapitel. Von dem Wesentlichen der Baukunst. §. i. ^ch theile über die Baukunst der Alten einige Anmerkungen und Nachrichten mehrentheils aus eigener Erfahrung und Untersuchung mit/ und dieselben betreffen zwei Theile, nämlich das Wesentliche der Baukunst/ und die Zierlichkeit derselben. §. 2. Das Wesentliche begreifet in sich vor<- nehmlich theils die Materialieti/ nnd die Art zu bauen, theils die Form der Gebäude und die nöthigen Theile derselben. K. 3. Die Materialien sind Ziegel/ Steine und Mörtel; den vonHolZ/ welches unter den Griechen auch zu Gebäuden dienete/ und zu Tempeln/ wie derjenige war/ welchen AgamedeS und Tropho- niuS dem NeptunuS baueteii/^) wird hier nicht geredet. Die Ziegel waren anfänglich nngebrant/ und nur an der Luft/ aber einige Jahre / getroknet/ und wurden bei den Griechen sowohl als Römern hänsig gebrauchet. Von solchen Ziegeln waren die >) ?av5!>n> I. g, c, i Grabmal der verstöreten Stadt LepreuS in der Landschaft Elis. 5) Aus dem Vitruvius scheinet eS/ daß zu Rom und in der Gegend umher die inchrcstcn Häuser von solchen Ziegeln aufgeführet gewesen/ und dieser Scribent handelt umständlich von deren Zurichtung. 6) PausaniaS aber berichtet/ daß sie von der Sonne und vom Wasser aufgelöset worden. ?) Die Erde zu gebranten Ziegeln wurde mit gestoßenem Tufo/ welchen man izo Sperone nennet/ vermischet und zugerichtet/ welcher gelblich ist/ und im Feuer röthlich geworden sein wird/ als welches die Farbe der Körner innerhalb der Ziegel ist. 8) Sie wurden nicht dike/ aber zum Gemäuer groß gc> ») <-, s, lZ. s.l 2) I I. l o. c> sH, Z. ^ Z) c. Z5. IZ. S.^> ^j) 16. >. 2. c. 27. 7.Z S) lä. I. 5. c. 5. sZ. 4 Z k) I.. 2. c. Z. 7) Ii. 8. c. L. sZ. 6^1 Vitniv. I,c. Pausanias sagt nicht/ daß sie von der Sonne, sondern vielmehr, daß sie von, Wasser, wie Wachs von der Sonne, ausgelost wurden. Siebelis. ») Nach dem Vitruvius wurde zum Taig, woraus man Ziegel streichen wollte, Stroh gemischt, um deu Thon besser zu verbinden. Lucilius I, g. princ,) und ?! 0 nius (V, ) sagen dasselbe. Daß die Jude» in Palästina Stroh hiezn anwandten, steht man bei Ezechiel, (tZ K. lv V.) und die Perser bedienen sich . desselben heut zu Tage noch. (Llwräin, pcrsc. i 1. 2. x. 17g.) F ea. Erstes Kapitel. s.53 machet: ihre Dike ist nieinals über einen starken Zoll, sie sind aber drei bis vier Palme groß, - von welchen auch Vitruvius redet/ und dieneten ^ sonderlich zu Bogenwerken. §. Die ersten Steine zu öffentlichen Gebäuden waren unter den Griechen sowohl als Römern eine Art Tufsteine. Der Tempel des Jupiters zu ^ EliS war davon gebauet;^) ein Tempel zu Girgenti ^ in SicilieN/ die Tempel und Gebäude zu Pesto am saleruitanischen Meerbusen, nebst der alten in's Gevierte gebaueten Mauer dieser Stadt, sind eben- l falls von solchen Steinen aufgeführet. Dieser Stein ! ist von zweierlei Gattung: der eine wird erzeuget durch eine sich versteinernde Feuchtigkeit; er ist weißlich und grünlich, durchlöchert, und daher leichter als andere Steine und als Marmor. Ein solcher Stein ist der Travertino, welcher bei Tivoli ge- ! brochen wird. Die andere Gattung ist eine versteinerte Erde/ und. ist theils schwarzgraulich / theils Sehr vorzüglich ist die Form der Ziegel, welche man in den alten Ruinen von Pozzuoli und Baiä sieht, sowohl zur Verbindung der Mauern als zur Wölbung der Bogen. Abbildungen derselbe» findet man in des Paters P a o li cli po?.2uoli. tav. 67. F e a. 2) Der Bestimtlieit wegen ist über diese Stelle des Vitruvius zu bemerken, daß der P a l m, von welchem derselbe redet, vier Fin ger, deren sechzehn einen Fuß ausmachten, breit war. In den alten Gebäuden findet man weit größere Ziegel. Die, welche zu Bogengewöl- ben dienten, wurden meistens keilförmig gebildet. Fea. Z) pai,5!>n. I. 5. c, l o, lZ' 2.) Der von Pvusanias erwähnte Stein ist Poros, « ein Marmor. Siebelis. ' -i) Wie Mauer ist nicht in's Gevierte gebaut, wie in einer Note zum §.4 des Vorberichts angemerkt worden. ^ 16 * 33-1 Baukunst der Mm. röthlich: dieses ist der Stein, welcher in Italien Tnfo Heisset/ und beim V i t r u v i u s der rothe Stein ist, welcher um Rom gegraben wird, i) Perra>ulc wußte dieses nicht. Z. 6. Jeuer wird über der Erde gebrochen/ und dieser wird unter der Erd- gegraben. Die erstere Gattung findet fich insgemein an Orten, wo Schwefelquellen sind, wie bei Tivoli und bei Pesto; an diesem Orte fällt der schwefelichte Bach in'SMeer, von welchem auch Strabo redet. Der Troll ertino insbesondere wird von dem Wasser des Anis, izo Teveroue genant, welchem man die Eigenschaft zu versteinern beileget, und von den Schwefelquellen hei Tivoli, erzeuget. ES wachsen diese Brüche m weniger Zeit wiederum zu, und man hat mitten in den Steinen zuweilen Steinbrechereisen gesunden, welches dieses beweiset. Auch der Marmor wächset wiederum zu: den man fand eine eiserne Brechstange in einem großen Blöke von sogenantem afrikanischen Marmor, da derselbe für die Kirche Della Morte, hinter dem sarnesischen Palaste, versäget wurde. Noch ausserordentlicher aber ist der Porphyr, in welchem man vor dreissig Jahren eine güldene Münze des' AugustuS fand. >) 2. c, 7. 2) ^,1 Vitruv. >, c. p. 40. n, >. e-!!t, >634- Z) Es ist der Fluß Silarus, von welchem Strabo (I. 6.) Plinins (1.2. c. «cct. ><)6.) und Silius Italiens (>1e kell» pun. I. 8. V, 532.) melden, daß er die Kraft habe, alles zu Versteinern, was man hineinwirft. Man sehe auch des Paters Paoli wo derselbe bemerkt-, daß nahe au den Mauern der Stadt vorbei, auf dcr Mitternaclitfeite, eine Quelle von weiOr Farbe und stinkend von dem mit sich führenden Schwefel «ach dem Meere zufließe. Er gibt eine Abbildung derselben ( tav. ). F«a. Erstes Kapitcl. §. 6. Die zweite Art, nämlich der Tufo, ist/ als erdartig/ viel weicher als jener/ und bei Neapel gibt es eine Art/ welche mit der Axt bearbeitet wird. Eine andere Art von Tufo ist derjenige/ welcher auch bei Neapel gegraben wird/ und Rapillo hcisset; vermuthlich sollte man Lapillo sagen. Dieses ist ein steinichter schwarzer Gries/ und eS werden mit demselben die Estriche in vielen Häusern und auf allen platten Dächern daselbst geleget. Dieser Gries findet sich auch oberhalb Frascati/ bei dem alten Tusculv/ wo er Rapillo genennet wird: cs ist vermuthlich eine Wirkung von einer ehemaligen Entzündung der Gebirge daselbst/ wo man auch Stufenwerke in kleinen länglichen Würfeln häufig findet. Wen die alte römische Geschichte meldet/ daß es zuweilen bei Albano Steine geregnet habe/ so ist dieses wahrscheinlich von einem Auswürfe der Gebirge zu verstehen. §. 7. Der Tufo wurde vor Alters in Quadrat- stiiken gebrochen/ und nicht allein zu Grundlagen gebrauchet , sondern es wurden auch ganze Gebäude davon aufgeführet/ und die Wasserleitungen ausser Rom, welche nicht von Ziegeln sind/ sind von Tufo l) So nennet matt ihn zu Neapel. Fea. A Er findet sich auch in der Gegend um Vellctri, und Doctor Lapi, welcher ihn ausVcrlangen des Cardinals Borgia chemisch untersuchen mußte, fand/ wie der Pater Becchetti berichtet/ dag dieser Ravillv aus Eisen/ das vom Magnet leicht angezogen wurde, aus Alcali, das mit Sauren brauste, und aus verglaster Erde, also aus den nämlichen Bestandtheile»/ wie Pn;; olana, bestehe. Man sehe des Doctors Lavi Abhandlung im (ünrttalo «le' I^etteratl, »It. 1^56. alt. e Fea. Z) !.iv. I. i. c, >2^ n. Z>. 1^ 25. c. 6. n. 7. 356 Baukunst der Allen. gcbauct/ und anch das Innere der Mauern im Co-- liseo. Izo wird dieser Stein in kleineren Stüken, so wie sie die Hake bricht, gegraben/ und dienet zu Grundlage»/ zu Gewölbern/ und zum Ausfüllen/ wie ich unten anzeigen werde. §. 8. In und um Rom wurde auch der Pepe- rino zu den ersten Gebäuden gebrauchet. Dieses ist ein dunkelgraulicher Stein/ härter als der Tuf0/ und weicher als der Travertinv/ kan also auch leichter als dieser bearbeitet werden. Bei den Alten hieß er der albanische Stein/weil er häufig bei Albano gebrochen wird/ welches die Erklärer und Übersezer angeführter Scribenten nicht ange-- merket haben: izo heisset er zu Rom Peperinv/ und zu Neapel Piperno oder Pipierno; vermuthlich von Piperno (?i-iveri>»in), wo eben der Stein häufig gebrochen wird. Aus demselben bestehet die Grundlage des Campidogliv/ im 367 Jahre der Stadt Rom gewachst/ von welcher noch izo fünf Lagen großer Steine über der Erde zu sehen sind/ welche Ficoroni in Kupfer stechen lassen: die mehresten Steine haben sechstehalb Palmen in der Länge. Die Clo aca O Einige waren auch von Peperino erbauet, i> V. das Überbleibsel der Wasserleitung des ^nieno vecckio, welcher in der Stadtmauer nahe an der Porta S. Lorenzo zu sehen ist, und die Wasserleitung der DIlli-ci», Die Leitung der acqu-, vci-gine ist an einigen Stellen, j. B. hinter dem Palaste Bufali, von Travertino. Fea. 2) Vitruv. I. 2. c. 7. ?Iia> I. Z6. c. 22. scct. 48. Z) I.e vvsüg. 6i IVoni» !>nt. I. 1. c g. p. 60. >t) Ficoroni (I. c> p. 42.) gibt in Kupfer die überbleib« sel eines sehr alte» Gebäudes Von Peperino, unweit des tarpejifchen F.'liens, hinter dem Schupeu und dein Stalle des Palastes Cafsareili, l 14 Palm lang und lZ hoch. Von Peperino sind gleichfalls die Neste von dem Unterbau des Capitols, welche man iezv im Hofe des Erstes Kapitel. 3^57 massima/ das allerälteste römische Grab« mal bei Albano, und ein anderes von den ältesten Werken der Römer/ vom 368 Jahre der Stadt Rom/ der Ablaß des albanischen Sees (izo >1i LasteUo) sind ans diesem Steine gebauet. K. S. Hn den ältesten Zeiten von Rom muß der Travertino noch nicht bekant gewesen sein: den eS wurden damals sogar die Inschriften in Peperino gehauen/ wie diejenige ist/ wclchedcm L ueiuS Corn e li- usSeipio Barbatus/ dem würdigsten Manne sei» ner Zeit/ welches Lob ihm in der Inschrift gegeben wird/ gesezet wurde. ES ist dieselbe im zweiten punischen Kriege gemachet/ und stehet in der barbe« ri nischen Bibliothek. Sie ist fast von gleichem Alter mit der dnilischen/ welche vermuthlich auch nur in solche Steine gehauen gewesen sein wird/ und in Marmor/ wie aus einer Stelle des Silius vor- Hosvitalsd ella Co n so l a t i o n e sieht, und diePiranesi Qnt. t. 1.) abgebildet liat; deß« gleiche» die Überbleibsel des t u lli a n i sch en Gesäng- nisses, das von Ancus Marcius erbauet/ und von Servius Tullius, oder nach ?lndern von ? u llu s Hostilius, vergrößert und nachher unter den Kaiser» von Travertino wieder hergestellt worden. Der Peperino/ den man »ezo in Rom gebraucht/ wird bei Marino gebrochen. Fea. >) I^iv. I. 5. c. 2. n. >g. 2) LirnioNlii vetustisüima Inscriptio: I,. <^vrn. ckelman spricht von dieser Inschrift auch in seiner Geschichte der Kunst SB. 4 K. t6 §. — Alle diese hier und a» andern Orten angeführten Denkmale beweisen nach >nei»em Dafürhalten nichts anderes, als daß man zu Inschriften und Bildwerken den Peperino früher als denTravertino angewendet habe; keineswegs aber, daß diefer lezrere in den ältesten Zeiten Roms noch nicht bekaiit gewesen sei; (welcher Meinung auch Lapi ist, 35s Baukunst der Alten. gegeben wird: 5) den die Überbleibsel von Marmor sind nicht von derselben Zeit/und Selben us^) und andere Gelehrte wären über das Altertum derselben nicht zweifelhaft gewesen/ wen sie die Inschrift selbst sehen können. Der Marmor wurde spät in Nom bekailt/ aber eher/ als im 676 Jahre der Stadt/ wie jemand vorgibt; 5) den P l i- zillls/ welchen man anführet/ redet von nnmidi- schem Marmor und von den ersten Thürschwellcn aus demselben/ aber er behauptet an eben dem Orte/ daß man vor des Augustus Zeiten in Italien noch nicht verstanden habe/ den Marmor zu sägen/ welches kaum glaublich scheinet. 6) Unterdessen hat der Marmor an zwei Werken aus der Zeit der Republik ohne Säge können gearbeitet werden: eS sind dieselben das prächtige Grabmal der Cäcilia Me- Ksglonsm. mlnci'al. m> s>, 2Z>); da cr ursprünglich zum Bau der Cloaca massima angewendet worden, eines Werks, welches viel älter ist, als das Grab der Scipionen, wie Piranesi (. ic>. k) Zö. c. 6. sect. g. Vielleicht wollte Plinius durch die Worte: non d»m Seltenheit der Kunst, den Marmor zu sägen, aw deuten. Fea. Erstes Kapitel. tella, izo Capo di Vove genant/^) und die Pyramide des CestiuS. Der Peperino/ oder der albanische Stei»/ wurde auch zu der Zeit, da der Marmor in Rom verschwenderisch verbaue? wurde/ zu den vornehmsten öffentlichen Gebäuden gebrauchet: diejenigen/ welche sich ans der Kaiser Zeit erhalten habe»/ sind das Forum transitorium des Nerva/ der Tempel der Pallas auf dem Foro dieses KaiserS/ und der Tempel des A n- toninuS und der Faustina;^) ein kleiner Tempel ausser Rom an dem Lago Plantano / 60 Palmen lang und 30 breit/ von welchem noch die vier Mauern stehe»/ kan vielleicht älter sein. Jene Tempel aber waren mit marmornen Tafeln beleget, wie die Überbleibsel zeigen. §. tv. Die dritte Art Materialien/ derMörtel, wurde von den alten Römern/ wie noch izo allgemein geschiehet/ mit Pnzzolana zugerichtet: diese Erde hatte eben denselben Namen vor Alters/ nämlich I>ulvi» weil dieselbe vermuthlich zu Puteoll/ izo Pozzuoli/ bei Neapel/znerst entdeket wurde. Die Puzzolana ist theils schwärzlich/ theils röthlich; die schwärzliche ist mehr eisenartig/ schwerer und trokener/ als die andere/ und dienet sonderlich zum Wasserbau; den weil sie soröde ist/ bekomt sie Nisse über der Erde: die andere ist t) Das Gebäude ist mit Werkstüke» vo» Travertino bekleidet; die Inschrift und der Fries, welcher rings um- herläuft, und mit Stierköpsen und Festons geziert ist, sind Von Marmor. Fe a. 2) fG. d. K. NB. Z K. 2V §. und ebendas. 22 §. und folg. — 12 V. 2 K. 7 §. Not e.Z ?) Das grökte »och vorhandene Gebäude von Peperino aus den Zeiten der Kaiser, in dem noch jezo davon stcht> baren Theile, ist das Grabmal H a d r i a n s> F ea. IG. d. K. l2 V. l K. 6 S.^I 360 Baukunst der Alten. mehr erdhastig/ und wird zu Arbeiten über der Erde gebrauchet. Jene Art wird bei Neapel gegraben/ doch diese nicht; beide Arten aber werden in und um Nom/ und sonst in keinem andern Theile von Italien gefunden. ES ist aber zu merken/ daß die Alten die röthliche Puzzolana wenig gebrauchet haben/ welche izo hingegen in Rom mehr als die schwarze gesuchet wird. In den Gegenden am Meere in der römischen Landschaft ist sie ebenfalls nicht, und die Alten/ welche zu Antium baueten, werden die Puzzolana von Neapel geholet haben/ wie noch izo daselbst geschehen muß; den eS komt diese Erde mit weniger» Kosten zu Wasser von dorther/ als von Nom auf der Axe dahin. Nach Toscana gehet sie zu Schiffe bis Livorno/ und wird auch in andere Länder verführet. Baptist Alberti redet in seinem Werke von der Baukunst/^) als wen er nur von weitem von der Puzzolana reden höre»/ weil sie ihm/ als einem Florentiner/ nicht sehr be- kaüt sein konte/3) und an einem andern Orte verwechselt er dieselbe mit Rapillo. In Griechenland hat sich diese Erde/ so viel man weiß/ auch Konte man sie aber nicht auf der Tiber und sodaii iU Meere dahin dringen? Fea. Z) Doch war All'er ti auch in Rom, und Baumeister PabstS Nicolaus V. wie V asa ri im Leben des Alberti anfnhrt. Anch sagt Alberti selbst (l, c.) er habe in Rom bemerkt, dao.) uud zwar für alle Gebäude, selbst für die auf dem Lande. Man kaii hieraus dessen allgemeinen Gebrauch abneh- nehmen. Fea. 4) I,. 3. c 16. j>. Zg. Erstes Kapitel. 36t nicht gefunden/ welches auch V i t r » v i u S anzeiget, und der Mangel derselben ist mit Ursache, daß die Griechen nicht, wie die Römer, mit Leichtigkeit Gewölber machen können. ES müsien aber die Griechen einen sehr festen Mörtel zu machen verstanden haben, wie der große Wasserbehälter zu Sparta noch izo zeiget, welcher aus Kieselsteinen bestehet, die mit einem Mörtel verbunden sind, welcher so hart ist, als die Steine selbst. ß. 11. Beide Arten Puzzolana werden gleichsam zu Stein; ja der Mörtel wird harter als dic Steine selbst, welche er verbindet. Dieses siehet.' man an den Trümmern der Gebäude am Gestade des Meers, welche bis in das Wasser hincingebauet sind, zu Pozzuolo, Baja und in dieser ganzen Gegend / im- gleichen zu Porto d'Anzio, dem alten Äntium, wo die alten Pfeiler, welche den Hafen macheten und einschloßen, so wie jene Gebäude, von Ziegeln gebauet sind. Mit Puzzolana macheten die Alten in und um Rom ihre Straßen und Wege, welches noch izo geschiehet. §. 12. Die Lagen der Puzzolana gehen tief in die Erde, und zuweilen an 8» Palmen: ganz Rom ist untergraben, diese Erde herauszuholen, und diese Gänge gehen viele Meilen weit, und solche sind die Katakombe n. Da der Grund 1) H,. 2. c. 6. 2) Z^vntenn, vescript. 6e I'aczueäuc; «lang 6es Iu8d-!xt, t. 16. x. »11. e6it. <1e Paris. 3) pulv'l8 ) 8l »HU-IIN JttiZit) saxuiu est. LeneH. nst. cjUWst. 1. Z. c. 20. 4) Die Gänge der Katakomben sind entstanden durch daß Graben der Puzzolana und anderer Erdarten, auch zum Theil durch das Brechen des Tussteins. (öoldeiü, Osserv. Lvpi-a i cimit. I. 1. c. !. koUariz Lcult. e PiU. SSZI'- t. 1. n. !.) Fea. Winckelman» 2. 16 362 Baukunst der Mm. zu dem Palaste in der Villa des Herrn Cardinals Alexander Albani gegraben wurde, fanden sich drei solche Gänge über einander, daher man genöthiget war, mit dem Fundamente noch tiefer hinunter zu gehen, und es ist dasselbe über 80 Palmen tief geleget. Z. 13. Bei der Art zubauen, als dem zweiten Stüke des wefentlichen Theils der Baukunst, fangen wir billig bei der Grundlage an, welche entweder von großen viere lichten Stüken Tnfo war, wie ich vorher angemerket habe, oder von kleinen Stuken Tufo, welches die gewöhnlichste war, und eS noch izo ist. l) Der Grund dieser lez- teren Art wurde folgendermaßen angeleget, wie man an den Ruinen siehet. Man warf den Mörtel, das ist, Kalk mit Pnzzolana durch einander geschlagen, mit Mulden hinein, und Stüke Tufo darauf, und dieses Hineinschütten des Mörtels und der Steine wiederholete man bis die Grube voll war. Eine solche Grundlage sezet sich in ein paar Tagen, und wird durch die Puzzolana so hart 'ind fcst, daß man unmittelbar nachher darauf bauen kan. Überhaupt ist hier auch bei den Mauern über der Erde zu merken, daß in Absicht der Eigenschaft der Puzzolana allezeit von den Alten mehr Mörtel als Steine gebrauchet sind: auf eben diese Art sind t) Diese Steine hießen bei den Alten Iapi. c. 5. I^iv. I. 6. c. z. 8enec. epiüt. 36,) man muß sich aber darunter weder vollkommen kubische noch vi ereki ch te Stiike vorstellen/ sondern, wie Ga litt ni zur angcführte» Stelle des Vitruvius bemerkt/ nur Steine mit einer Platten Aussenseitc, die oft von ungleicher Größe waren/ uud die wir iezo unter dem allgemeinen Ausdruk behauene Steine oder Quader begreifen. Fea. sAuf Numero 174 der Denkmale sind deren zu s elien, so wie auf Numero 10 der Abbildungen eigentliche Q u a d r at st e i n e.Z Erstes Kapitel. alle alte Gewölber gemachet. Wen das Gerüste oder die Wölbung vorher mit Schale» oder Brettern war geleget worden/ schüttete man/ wie bei Grundlage»/ Mörtel und kleine Steine Tufo oder geschlagene Ziegel/ so wie sie im Aufschütten fiele»/ auf die Bogen des GerüsteS von Brettern/ bis zu einer hestimten Dike/ welche in den diocletianischen Bädern an 9 Palmen ist/ und alsden trug man eine Lage von ebendemselben Mörtel darauf/ um das Gewölbe oben glatt zu machen. Ein großes Gewölbe konte auf diese Art durch eine Menge Menschen in einem Tage geendiget werden. Diese Art zu verfahren siehet man/ wo die Bekleidung abgefallen/ oder die Gewölber gestürzet sind/ am Coli- seo/ in den Bädern des TitnS, des Caracalla, des Diocletianus/ und sonderlich in den weitläufigen Trümmern der Villa Hadriani/ wo sich noch die Lagen der Bretter von den Gerüsten der Gewölber zeigen. K. Dieser geschwinde Weg zu wölben ist iz» nicht mehr gebräuchlich/ sondern Gewölber werden mit der Hand gemachet/ aber noch allezeit mit Tufo und Puzzolana. Die obere Ausfüllung aber/ bis alles mit dem Nüken des Gewölbes gerade wird/ geschiehet muldenweis (a sacco), wie überhaupt bei den Alten. Vermittelst des Mörtels kan man den Gewölben eine Form geben/ welche man will/ und es werden noch izo in Rom einige ganz platt gemachet/ so daß es kaum gewölbet scheinet. Das Gewölbe lässet man einige Zeit auf dessen Gerüste stehen / daß es sich sezen kan. Die Alten sucheten ihre Gewölber/ weil sie dieselben stark macheten, so leicht als möglich zu halten/ und dieses thaten sie auf zween verschiedenen Wegen. Der gewöhnlichste war/ mir Schlaken zu wölben/ welche von dem Berge Vesuvio kamen) Baukunst der Alten. es sind dieselben theils röthlich/ theils graulich. Eine Art von schwarzdunkeler Farbe wird bei Vi- terbo gegraben/ in einer Gegend/ wo siedend heiße Quellen sind/ die auch ein Ei hart sieden/ wen es nur einen Angenblik hineingelassen wird; diese Gegend wird Loilicame genennet/ von bollire, sieden, und das unterirdische Feuer daselbst/ nebst den Schlaken unter der Erde sind Zeichen/ daß ehemals daselbst ein Volcan gewesen sein iniiße. Die Schlafen von Viterbo aber sind nicht sekr tauglich zu GewölberN/ weil sie sehr weich sind. Jene Art Schlaken finden sich offenbar in alten Gewölbern/ und sind auch im Pantheon bei der neulichen inneren Ausbesserung dieses Tempels bemerket worden. Vi- truvius aber übergehet/ wie alle dessen Ausleger/ diese Art zu wölben mit Stillschweigen/ und er gedenket nur im Vorbeigehen der Schlaken vomVesuvio. Da die Natur dieses Berges den Alten wenig bekant war/ so waren auch die Wirkungen desselben nicht untersuchet. §. 16. Gewölber mit diesen Schlaken geleget sind in Neavel gewöhnlich; in Rom aber ist der Herr Cardinal Alexander Albani der erste/ und bis izo der einzige, welcher in seiner Villa zu Rom also gebauet hat. Man verfähret auf folgende Weise. Nachdem das Gerüst zum Gewölbe angeleget ist/ wird der Bogen auf beiden Seiten (le oossie vulw), wie vorher gesaget/ gemauert bis auf das Mittel des Gewölbes'/ oder dessen Rnkcn. Dieser wird mit Schlaken und Mörtel geleget/ und dieser verbindet sich mit jenen/ und dringet sie gleichsam durch/ so daß ein dergleichen Gewölbe kaum zu zerstören ist. §. 16. Der andere Weg/ die Gewölber zu erleichtern/ geschahe mit leeren Urnen oder Töpfen von gebrautem Thone/ welche mit der Ofnung heraus- Ersteö Kapitel. 366 wärts gesezct wurden / und auf und um dieselbe herum wurden kleine Steine und Mörtel mit Mulden geworfen. Diese Töpfe siehet man häufig an den Gewölbern im Circo des Caraealla/ oder wie andere wollen, des Gallienus/ ausser Nom.t) Aristoteles saget auch/ daß man leere Töpfe eingemauert habe/ um in Gebäuden den Schall der Stimme zu verstärken. 2) >) k'ülirctti, Oissert. Z. z>> >66. De Oolumna AVajun. c. 6. >4^. Mehrere nach der Zeit des Fabrett! gemachte Ent- deknngen in diesem Circus, z. B. Medaillen des Caraealla, die man daselbst gesunden, und die auf ihrer Rnkseite diesen Circus zeigen; die Skatue dieses Kaisers selbst und der Julia seiner Mutter, welche unter Clemens XI. aus den Ruinen desselben hervorgezogen, und vom Herzog von Ab ran t es, damaligen vortugiestschen Minister in Rom, gekauft worden, nebst anderen Denkmale» mehr, beweisen zur Genüge, daß es der Cireus des Caraealla sei. (k'icoroui, Vestigiz äi Koni» »nuca I. I. c. 2^j. x. >63. Srlandis Noten zu Nar- dinis kam» auticaz I. z. c. z. x. 63. ll. s.) Feg. 2) !. 2. sect. 2. Derselben Wirkung und der Harmonie wegen wurden sie auch in den Theatern angebracht. (Vilruv. I. >. c. >. I. 5. 5.) Besonders merkwürdig ist, ihrer ähnlichen Banart wegen, die Cupola der Kirche S. Vitale in Ravenna, ein Werk des sechsten Jahrhunderts ans den Zeiten Justin, ans. Sie ist gank aus leeren Röhren gebauet, die in horizontaler Lage eine in die andere gestekt, und so genau und wohl verbunden stnd, daß die Cuxola dadurch nicht nur sehr leicht, sondern auch zugleich von großer Festigkeit ist. Auch in einigen Wölbungen der Saulengänge, welche die runde Kirche S. Stesan 0 auf dem Cölio umgeben, die von gleichem Alter ist, finden fich dergleichen Rohren an den Seite», aber in, fast senkrechter Richtung. Fea. 366 Baukunst der Men. §. 17. Wen die Grundlage des Gebäudes sich gesezet hatte, welches in ein paar Tagen geschiehet, so wurde die Mauer aufgeführet, und von derselben ist erstlich an sich selber, und nachher von jhrer Bekleidung zu reden. Die Mauern von vierekichten Steinen, es sei Tufo, Pepcrino, Traver- tino oder Marmor, wurden ohne Mörtel auf einander geleget, und halten sich durch ihre eigene Last. In ganz alten Zeiten wurden die größten Steine zu Gebäuden gesuchet, und daher kam die Sage, daß es Werke der Cyklopen wären: eben so werden noch izo die Trümmer von dem Tempel des Jupiters zu Girgenti in Sicilien, von den Einwohnern der Palast der Riesen geiiennet. 2) Die Steine sind insgemein so winkelrecht und scharf behauen, daß die Fugen derselben wie ein dünner Faden scheinen, und dieses ist, was bei einigen Scribenten heisset, welche sonderlich an i) ?ai>5!»i. I. 2. c. 20. l§, 6.) c> 2?> ^I. 7>z z) 60 rek> Licul. t, I. Oec. I> I. 6, p> 2/,g. Fazello sagt nicht, daß diese Trümmer der an- gesührten Ursache wegen so genant wurden, sonder» weil die Verschwörung der Giganten gegen den Jupiter in der Säulenhall« gegen Morgen in so vielen Statuen abgebildet gewesen. Eben so nennet man ei» altes Ge> bäude aus Ziegeln zu Kumä den N i ese n te m p e l, wegen einer kolossalen Statue Jupiters, die daselbst gefunden, und im Jahre tü70 zu Neapel dem königlichen Palaste gegenüber ausgestellt worden, wo ste unter dem Namen il Oißante noch jezo steht. ,!i po^uolo; tav. 47. kol> 2g,) F e a. 3) Die übersezer haben dieses Wort durch S >1 m metrie gegeben ; wir finden es aber an den mehresten Srten, wo es beim Pansanias vorkomt, von der genauen Fügung der Steine gebrauchet; z. V. I.'2, c. 25. lZ. 7>) I- c.ZZ. IZ. 4-) e. Zg. IZ, 5.^1 Winckelman. Erstes Kapitel. 367 dem Tempel zu Tegea/ vom SkopaS gebauet/') gerühmet wird. An einem Tempel zu Cyzikum waren die Fugen mit goldenen Leistchen beleget. 2) §. 18. Es ist bekaut/ daß an andern Gebäuden die großen Steine auch mit eingelötheten Klammern innerhalb auf einander befestiget sind/ welche sonderlich zum Marmor von Metall genommen wurden; den das Eisen verursachet an demselben Rostfleken. Alberti hat auch sogenante Klammern oder Keile von Holz in alten Gebäuden ge- gefunden/ 2) und eben dieses har Herr Le Roy 4) in den Trümmern eines Tempels im attischen Gebiete/ und einer meiner Freunde, Herr Robert Mylne/ aus Schottland/ (welchem die englische Nation den Bau einer prächtigen Brüke über die Thames übergeben/) an einem großen Steine vom gedachten Tempel des Jupiters zu Girgenti bemerket. 5) 1) psus.in. I> g, «>4l> s5. 8,? Pa usanias redet daselbst von dem Temxel, welchen Jktinus in Phigalien bauete. Fea. 2) !. Z6. «. iö. seci. 22. 3) arclütetturu, I. Z. c. i i. 6) Flaminius Vaeca (i>s<-morle, n> Zg.) erzählt, dass, um das Nonnenkloster, welches in, Forum deZ Nerva liegt, auszubauen, einige Wcrkstüke von Pcpe- rino herabgeworsen worden, welche mir solchen Klammern von Holz verbunden waren, 5ie aus beiden Seiten die Form von S ch w a l b e n sch w änze n hatten, und so wohl erhalte» gewesen, daß n >n ste au,'s neue brauchen konte; und kcm Tischler habe das Holz gekaiit, aus welchem ste verfertigt waren. Auch Pirane si hat an cinem Grabmale vor der Porta S. Sebastian» hinter Capo di Vove aus der alten appischen Straße Werkstute von Tuso auf 268 Baukunst der Alten. K. 19. Die Stadtmauern aus großen Steinen wurden ebenfalls' ohne Mörtel aufgeführet. Ein besonderes Werk ist ein Theil der Mauern um Fondi im Königreiche Neapel: es bestehet dasselbe aus großen' weissen Steinen / deren Flächen glatt beHauen sind/ aber sie sind alle von ungleicher Form/ von fünf/ sechs und von sieben Eken/ und alle sind sie in einander gepasset. Man kan sich davon aus der dritten Kupferplatte zu dem Vitruvio des Herrn Marchefe Galiani einen Begrif machen/ und aus einem Stnke der alten Mauer um Albanv/ welche Fa- bretti hat in Holz schneiden lassen. Auf eben diese Art waren die Mauern um Korinth und um Eretria in Euböa gebauet/ auch zu Ostia/ einem Orte in Epirus/ fanden sich dergleichen Mauern/ von welchen der ältere San Gallo/ Baumeister/ wie von denselben zu seiner Zeit noch die Spuren waren/ in dessen Zeichnung auf Pergamen in der barberi Nischen Bibliothek die Form und eine geschriebene Anzeige gibt/ und ich habe von diesen Mauern bei Gelegenheit eines geschnittenen Steins in dem stoschischen Museo geredet. diese Weise mit sogenanten Schwalbenschwänzen von Eichenholz verbunden gesellen. Er gibt eine Zeichnung davon. (,'vu». t. 3. tav. 9.) F ea. Diese ist die Art zu Bauen, welche VitruVius (I. 2. c, L.) !>»tic!l und in5ert!l nent. Sie gleicht dem alten Straßenvflaster, wie man es in und ausser Rom steht. ^Abgebildet unter Numero 10. IV, Z Man findet davon sehr alte Überbleibsel an Vielen Srten, und unter andern an einigen Stellen der von Aureli a n u S erbaueten Stadtmauer Roms/ in den alten Mauern von Alatri, da wo jezo Civita liegt, in den alten Mauern von Palä- strina/ Cori und andern Orten mehr, Fea. 2) >^2 Kl. 13 Abth. S7S N.Z Erstes Kapitel. 269 Eine Stadtmauer von solchen Steinen ist auch auf der Säule des Trajanus vorgestellet. §.20. In Bogenwerken/ an Wasserleitungen, Brüten und Triumphbogen wurden die Steine keilförmig gehauen/ welches Per- rault/ ohne Rom gesehen zu haben/ hätte wissen können/ damit er nicht behaupten wollen/ die Alten hätten diese Art die Steine zu hauen/ welche seine Nation I» cous>e g. Von ihm hat Per! rault genommen, was er über diesen Gegenstand sagt. W i n ck e l m a ii. Zilberti irret sich nicht, den was derselbe sagt, ist von dein, wie Winekelman es versteht, sehr verschieden. Er behauptet im Wesentlichen blos, daß das nez- förmige Mauerwerk der Alten oft mit Stellen Von länglich vierekig«n Ziegelsteinen in Form eines Parallelograms unterbrochen sei. Seine eigenen 'Worte lauten, wie folgt: lo !iIie, e pru la^gke. Dieses Wird durch die Abbildung bestätigt, die er davon beifügt. I» Vielen anderen Arbeiten dieser Art machen die Reihen von großen Steinen oder langen Ziegeln zu 6 bis 7 über einander, wie im Amphitheater zu Lucca und zu Arezzo, dieselbe Wirkung, wie Guazzesi bezeugt. (Oissert. in-, toruo snlit. l'ose. oper. t. i. p. 22.) F e a. 2) I.. 2. e. Ü. I. 36. c. 22. seeu Zr. Erstes Kapitel. »7t wohl ganze Gebäude, welche völlig so gemauert sind/ erhalten/ wie unter andern die sogenante Villa des MäeenaS zu Tivoli ist / der Rest von dem Tempel des Herkules daselbst/ die Überbleibsel von der Villa des Lucullus zu Frascati/ und große Stüke Mauern von der Villa deSDo- mitianus zu Castel Gandolfv/ in der Villa Barberini/ zeigen; i) und in andern Ländern ausser Italien befinden sich mehr Überbleibsel von dieser Art Mauerwerke. 2) §.22. Was die Mauern von Ziegeln betrist/ so sind sie erstlich an sich selbst/ und hernach das Übertünchen oder Übertragen derselben zu betrachten/ wohin auch die Fußboden gehören. Die Mauern von den großen Gebäuden der Nömer sind nicht durchaus von Ziegeln, sondern nur mit denselben gefüttert/ und muri s cor«o->, wie man izo redet: das Inwendige derselben ist mit kleinen Steinen/ Scherben und dergleichen/ und mit Mörtel ausgefüllet/ so daß vom Mörtel allezeit das Drittheil mehr ist. VitruviuS nennet diese Art Emplekton; H er redet aber nur von Mauern 5) Der Marchese Galiani bemerkt bei der angeführten Stelle des Vitruvius sehr richtig, daß Von diesem nezförmigen Gemäuer mehr Monumente übrig geblieben sind/ als von andern Arten/ obgleich Perrault eS ohne Grund läugnet, Er glaubt/ daß das leichte Reisse»/ welches Vitruvius »nd Plinius daran bemerken/ Von den nicht horizontalen Lage» der Steine herrühren könne/ aber daß dessen ungeachtet diese Arbeit wegen der Kleinheit der Steine »ud der Menge von Kalk/ die dazu erfordert wird / sehr dauerhaft fei. Unter den in dieser Hinsicht merkwürdigen Gebäuden zeichnen sich vorzüglich zwei zu Vaiä aus / wie Pater P aoli in seinem Briefe an michs §. 45.) bemerkt. Fea. sMan sehe die Abbildung Num. 2.Z 2) IZurniunu, LM. t. 2> ig>. 3) I., 2> c. ö. Z?2 Baukunst der Allen. von Steine»/ nicht von Aicgeln, welches offene bar ist/ da er nach geendigter Beschreibung derselben von Mauern ans' Ziegeln insbesondere zu reden ansängt, wo er dieser Art nicht gedenket, noch dessen Ausleger. Auf diesem Wege zu bauen waren die Römer im Stande so ungeheure Mauern aufzufübren/ welche an !» bis >3 Palmen dik sind. Man hat unterdessen auch in neueren Zeiten dergleichen Mauern/ und zwar von ganzen Ziegeln ausgeführet/ wie diejenige ist/ auf welcher die Cu- pola von St. Peter zu Rom ruhet/ und Palme dik ist. §. 23. Von solcher Arbeit scheinen die Mauern zu Babylon gewesen zu sein: den das Wort «»>»- --i« beim Herodotus/>) welches andere erklärend) deutet aus dieselben. Es konten keim Mauern sei»/ wie sich Herr Wcsseling dieselben vorstellet/von über einand er geworfenen Steinen/ sondern sie werden/ wie bei den Römern/ mit ordentlich ge legeten Ziegeln gefüttert gewesen sein. Ob geschliffene Ziegel im Gebrauche gewesen/ ist nicht zu sagen: izo aber stndet man die ganze äussere Mauer an einigen Gebäuden von denselben geleget/ wie unter andern 1) I., i. c, >gc>. 2) Tuülall,. a«I 25. XVIII. ig5i. 4) Man kan mit Gewißheit versichern, daü das halbrunde Gebäude nahe beim Forum desTrajanus, von welchem Winckelman im 2 Kavitel dieser Anmerkungen redet, und welches gewöhnlich die Bäder des Paulus Ämilius genant wird, von geschlissenen Zie> gelu erbaut ist. Fea. Winckelman hat dieses auch in den zu einer neuen Ausgabe dieses Werks bestimten Zusäjen lh. 32—ZZ.I ai» senihrt. Fevnow. Erstes Kapitel. 37Z an der Kirche la Madonna de' Monti zu Nom; auch die ausser» Mauern des Palastes der Herzoge zu Nrbiiio sind aus geschliffenen Steinen. Diese Ziegel/ welche zu Mauern und nicht zu Fußboden dienen sollen/ werden an beiden Enden breiter als in der Mitten gemachet/ damit man sie fast ohne Mörtel auf einander legen könne: den der Mörtel wird innerhalb/ wo die Ziegel nicht schließen/ geleget. Daher geschiehet eS/ daß an Mauern von geschliffenen Ziegeln die Fugen zwischen ihnen fast unmerklich sind. §. 24. Wen ein Gebäude gegen die Anhöhe ei- , neS BergeS/ oder sonst an ein erhabenes Erdreich aufgeführet wurde/ zog man/ die Feuchtigkeit ab- ^ zuhalten/ dopelte Mauern/ so daß zwischen beiden ein starker Span Naum blieb. Dieses siehet man i am deutlichsten an den hundert erhaltenen Gewöl- bern in der Villa Kaisers Hadriani bei Tivoli; ^ daher diese Gewölber noch izo so troken sind/ daß das Heu viele Jahre in denselben liegen kan. Diese Mauern sind innerhalb mit solcher Sauberkeit gele- get/ und ihre Fläche ist so glatt/ daß man siehet/ die Absicht sei gewesen/ das Anhängen der Feuchtigkeit zu verhindern. Dieses dienet zur Erläuterung dessen/ was VitruviuS davon lehret.^) Per- rault hat sich unter dieser dopelten Mauer, wer weiß was vor ein Werk mit vielen Canäleir »der Rinnen vorgestellet. §. 25. Eine andere Ursache dopelter Mauern war, sich wider den Wind zu verwahren/ welcher bei den Griechen bei den Römern ^.tn^s, 2) HIemone Urkino. Koni. 1724. kol. .c. 3. p. 46. 2) I.. 7. c. 4. L) Vitruv. I. c. Vauklmst der Alten. und izo sc.ii-occo heisset. l) Dieser Wind kömt aus Afrika/ wie bekant ist/ und herschet sowohl über die Küsten von Italien/ als von Griechenland: er t) Winekelma» begeht hier in Benennung der Winde dasselbe Versehen, welches er in der Geschichte der Kunst B. >Z K. lZ §.) begangen hat. Der Wind, welchen die Grieche» die Lateiner ^.si-icus, und die Jtaliäner Ukccciu nennen, ist vom scirocco verschieden. Dieser hieß bei den Griechen ?ü,v/ic,-tx, bei d?>l Lateinern eurouotus und euroausier. Der erste wehet zwischen Süd und West, der zweite zwischen Süd und Sst. Me alte» Seribenten, welche von der Zahl und den Namen der Winde gehandelt habe», stimme» darin übw ei». (Vitruv. I. i. c. 6. ^lin. l. 2. c. 47. sect. 46. Lenec. nalur. c^uTst. I. 5. c. r6. I. 2. c. 22. Veget. 60 rc milit. I. 4. c. Zg.) Und weil wir die De»kmals der alten Kunst betrachten, so finde» !:ir sie aus den Windzeiger» oder Winduhren eben s» vertheilt; z. V. an dem berühmten Thurm der Winde in Athen; ferner auf dem zu Gaeta; auf dem, welcher in der Camxagna di Roma vor der Porta Cavena gefunden und vom Pater Paciaudi erklärt worden, und auf dem, welcher in den Bäder» des Titus gefunden und vom Zlbate Vifconti für das Mufe» >« Pi 0 - Cleme»! t i » u 1» angekauft worden, auf welchem die Namen der iwöls Winde in griechischer und lateinischer Svrache ge« schriebe» stehe». Der likeari» ist vielmehr kalt und besonders stürmisch, wie ihn auch Horaz (I. >. c-i-m. I. V. iZ. c!»»i. Z. V. 12.) u»d Virgil (>Dn. I. I. V. 90.) nennen. Aber der scirocco bringt die hier und am angeführten Srtc der Geschichte der Kunst beschriebe« »e» Wirkungen hervor; in noch stärkerem Grade jedoch thut dies der »ustcr oder der von Süden wehende Wind, der in Nom gewöhnlich nicht vom üciro^co unterschieden wird ; uud daher nennet ihn auch Horaz (I. 2. 5 ->t. 6. v, lL.) mit dem ausdruksvolle» Beiwort austcr, und Statius (S)Iv. I. 2. c. 1. v. 146.) »eilt ihn — — — 8ic plena ma//ANo XMaillur vinct» noto. Erstes Kapitel. Z?6 ist Thiere»/ Gewächsen und Gebäuden schädlich / den cr führet schwere/ dike und feurige Dünste mitstch/ verstnstert den Himmel/ und verursachet daher eine Entkräftung in der ganzen Natur. Zu Methana in Griechenland riß man einen Hahn lebendig von einander/ und es liefen zwo Personen mit diesen Hälfte» um ihre Weinberge herum/ in dem Aberglaube»/ daß dieses ein Mittel sei wider diesen Wind/ welcher ihren Wein verwelke» machete. l) Es zermalmet derselbe Eisen und andere Metalle/ und eiserne Gegatter an Gebäuden an, Meere müßen von Zeit zu Zeit erneuert werde» / wozu die salzige Meerlust auch nicht wenig beiträgt. Das Blei auf der Cu- pola der St. PeterSkirche i» Rom muß alle zehen Jahre theils umgeleget/ theils ausgebessert werden / weil es' von diesem Winde zerfressen wird. 2) Wider den Eittfluß dieses Windes baueten die Alten gegen die Mittagseite vielmals mit dopelten Mauern/ doch so/ daß mehr Raum blieb/ als wo die Mauern blos wegen der Feuchtigkeit dopelt waren: Ausführlicher beschreibt seine schädlichen Wirkungen H i v- vokrates (llll ^<>uiz. sect 2. Z> 6.j) auditum AravantcS) caliLinosi, caput Ai-avi!Nl.. 7. c, 4. Z) Das Verfahren, welches V itru vi u s (l,?. c, >?>) lehret/ ist weit mühsamer als Winekelnia st es hier ahnen läßt, nnd in der That mußte die Bekleidung diker und hoher sein. Fea. Nach Rodes übcrsezung lautet die Stelle des Vitru- vius, wie folgt: „Ist das Gesimse vollendet, so beraxe >, man die Wände sehr grob, puze sie aber nachher, wen „ die Beravmig sast troken ist, dergestalt mit seinem „ Kalkmörtel ab, daß die Breite »ach Schnur und 1, Richtscheit, die Hohe »ach dem Bleilothe, die Winkel „ aber »ach dem Winkelmaße, eingerichtet werden; deii >, »ur also wird stch die Bekleidu»g gut zu den Gemäl- Erstes Kapitel. 377 ES war daher eine übertiinchete Mauer so glatt als ein Spiegel/ und man machete Tischblätter aus solchen Stiiken Mauerwerk. Hn den sogenanten Sette Sale von den Bädern des Titus zu Rom/ und in der Piscina mirabile beiBaja/ ist man nicht im Stande/ von den Wänden und Pfeilern die Bekleidung abzuschlagen/ den sie ist so hart als Eisen/ und glatt wie ein geglätteter Spiegel, t) Zn ge- „ den schiken; und sängt dieser Abpuz zu troknen an, so „ wird noch ein zweiter und dritter gemacht. Je mehr „ dieser Abpuz von seinem Kalkmörtel Grund hat, um >, desto fester und dauerhafter wird auch die Bekleidung „werden. Nachdem, ausser der Beratung, nicht weni- „ ger als drei Aufträge von seinem Kalkmörtel gemacht „worden, so überziehe man die Wände mit einem „ Taige aus grob gestoßenem Marmor, der also anzu- „ machen ist, daß er beim untereinandcrknctten nicht an „ der Kelle hängen bleibe, sonder» daß man diese allemal i, ganz rein wieder ans der Psanne herausziehe. Ist die- >, ser Überzug fertig, fo mache man, bevor er völlig troken „ geworden ist, einen zweiten etwas feinere»; und »ach-, » dem man diesen dicht geschlagen und wohl gerieben, i, einen dritten »och feineren. Sind auf folche Weise die „ Wände mit drei 'Aufträgen vo» feinem Kalkmörtel und „ mit eben fo vielen von Marmorstucco versehen, so st»d sie „ nicht allein vor Rissen und andern Gebrechen gesichert, „ sondern sie werfen auch, wen sie mit Stöken dicht ge- „ schlage», und mit hartem Marmorstaube geschliffen, zu- „ gleich aber beim Poliren mit Farben überzogen werden, „einen schimmernden Glanz von sich." Fcrnow. Jeder sieht, daß Vitrnvins hier von einem Überzüge spricht, aus welche» gemalt werden soll, wie er im Verfolge noch deutlicher sagt; er rath ferner, sie nicht düii, sondern so dik als möglich zu machen. Fea. t) Mit Recht bemerkt der Pater Paoli ( <1! , tsv. 6i. iol. Z/,.), daß diese Härte nicht sowohl der Bekleidung, als Vielmehr dem vom Wasser entstandenen Absaz zuzuschreiben sei, welcher von der äusserste» Härte ist, und den man schleifen muß, um feiner Oberstäche Glätte und Glanz, zu geben. F e a. Lü " 373 Baukunst der Alten. ringern Gebäuden oder in Grabmälern/ wo die innere Seite der Mauer nicht mit gleicher Sauberkeit gezogen ist/ findet sich die Bekleidung an zween Finger dik. Ausserordentlich ist die Nachricht/ ' welche Santes Bartoli^) von Zimmern gibt, deren Wände ganz mit dünnen kupfernen Platten beleget waren. Diese Zimmer wurden zu dessen Zeit/ das ist/ zu Ende des vorigen Jahrhunderts/ ohnweir Marino bei Rom/ entdeket/ an einem Orte/ welcher Alle Fratocchie heisset/ 2) wo ehemals die berühmte Vergötterung des Soll In dessen Nachrichten von entdeketen Alten tümer», welche unter andern zu Ende der Koni» -mi, o nioil, angehänget sind. Winckelman. 2) Wahrscheinlich hat Winckelman diese Notiz, so wie die vbige Anmerkung aus dem Gedächtniß hingeschrieben, und Sa »te ZZartoli mit Flaminio Vacca verwechselt, j Der erste war bekaütlich ein geschikter Zeichner und be> ruhmter Kupferstecher/ aber meines Wissens kein Schriftsteller. Der andere hat im Jahre 5 594 die I>Ieuione 61 Ziomci geschrieben/ welche ?lndreoli der Koma antica des Nardini (kam. >704) angehängt hat; und in diesen Äleinone (n. I»I.z gil't Vacea Nachricht Von einem kleinen Zimmer / welches auf dem Aventino/ der Kirche von S. Saba gegenüber, gesunden worden. Es heißt daselbst! Lavo, clove si I» lul! xer 5si' le niura «lella eittä, essen<><> tulto r>uel Monte neile rixüci e gli snuclu scea- «lessero äi soxr». Fea, Erstes Kapitel. 379 merus, im Palaste Colonna/ gefunden wurde/ und man glaubet/ daß ebendaselbst eine Villa Kaisers Claudius gewesen sei. K. 28. Der Fußboden in Bädern und andern Gebänden wurde zuweilen von kleinen Ziegeln gele- get/ welche senkrecht auf ihre schmale Seite gesezet sind/ und zwar so/ daß sie Winkel mit einander machen/ so wie noch izo gebräuchlich ist/ und alle Straßen zu Siena und in allen Städten des Staats von Urbüio sind auf solche Arr mit Ziegeln gepflastert. Man nennet dergleichen Arbeit PL5L--, von der Ähnlichkeit mit der Richtung der Fischgräten/ und die Alten s^>ic:stuni, weil die Ziegel liegen wie Körner an einer Kornähre/ welches Perrault nicht verstanden hat/^) wie bereits anderwärts bemerket ist. Über diesen Grund wurde ein Mörtel mit gestoßenen Ziegeln geleget/ und über diese Lage vielmals ein Mu- saico gesezet. So siehet man es noch izo in der Villa Hadriani bei Tivoli. Die Alten hatten unter ihren Leibeigenen auch Leute/ die besonders allerhand Arten von Estrichen zu arbeiten verstände»/ welche paviinentsiii hießen. §. 29. Das dritte Stük dieses ersten Kapitels/ welches von der Form der Gebäude und von den Theilen derselben handelt/ hat natürlich zween Säze. Der erste von der Form gehet vornehmlich auf die Tempel/ und diese waren bei den Griechen/ sehr wenige ausgenommen/ in's Gevierte 5) Minmehr im britischen Muses zu London.) 2) l^Eine Probe davon unter den Abbildungen Num. tv.) 3) Do Iz Lzstie , sur j. inscrixt. Sllt. ^c»6, i. i5. 442. 4) l'skula 16. z^o Baukunst der Alten. gebauet/ und zwar so, daß ihre Breite insgemein die Hälfte der Länge war. Daher lehret VitrnviuS, daß ein Tempel/ wen er vorne fünf Jntercolumnia und sechs Säulen habe, auf den Seiten noch einmal so viel Jntercolumnia haben müße. Eben dieses Verhältniß hatte der Tempel des Jupiters zu Agrigentum in Sicilien/ wie ich in einer besonderen Nachricht von diesem Tempel angezeiget habe: 2) den in einer genaue» Ausmessung des Plazes und der Trümmer desselben hat sich gefunden/ daß die Breite 166 Fuß ist; folglich muß anstatt der Zahl 60 beim Diodorus/ 460 stehen. Wo Römer vierekichte Tempel gebauct haben, findet sich eben dieses Maß: ein kleiner Tempel von Peperino/ am Lago Plantanv/ auf dem Wege von Tivoli nach Frafcati/ von welchem oben Meldung geschehen/2) hat 60 Palmen in der Länge/ und 30 in der Breite. Dieses Verhältniß aber scheinet noch nicht in den ältesten Zeiten bestimt gewesen zu sein: den der alte Tempel des Jupiters zu Elis war S ^Fuß breit und 230 lang;^) der Tempel de§ JupiterS/ welchen Tarquinius auf dem Capitolio bauete/ 5) war beinahe eben so breit als lang; es waren nur ^ Fuß Unterschied. §. 30. Von runden Gebäuden/ mit einem Gewölbe oder Cupola/ in Griechenland/ finden sich vom PausaniaS in allem nur 6 angegeben. Eines war zu Athen neben dem Prytaneo: ein 1) 1,, z. c. z. 2) lOben S. Z0t—- Z29.Z 3) tS. ZS9. §. S.Z 4) I. 6. c. !0. l^Z. 2.^1 6) Oi0n^5. Halic. kam. I. 4. c. 6?^ 6) I. 1. c. 5. lZ- Erstes Kapitel. 381 anderes' zu EpidauruS/ ') neben dem Tempel des ÄskulapiuS/ von dem berühmten Bildhauer Po- lykletuS gebauet/ und vom PausiaS ausgemalet; es wurde von dessen Gewölbe Tholus genennet: das dritte war zu Spartas) „nd in dem« selben waren Statuen des Jupiters und der Ve- nuS: das vierte war zu EliS/ 'i) das fünfte zu Mantinea/5) und hieß der gemeinschaftliche Herd; 'L?--«) auch an andern Orten waren ebenso genante Gebäude/ wie zu RhoduS/ 6) und zu KaunuS in Karien: das sechste war der Schaz des Minyas zu Orchomenia. Wen aber auf geschnittenen Steinen, wo der Körper des HektorS um die Mauern von Troja geschleifet wird/ runde Tempel vorgestellet worden/ so ist dieses allein kein Beweis/ daß sie also gewesen sein. Auf dem ungewöhnlichen großen Schiffe/, welches PtolemäuS Philopator/ König in Ägypten/ bauete/ war unter andern ein runder Tempel der Venus;!') t) 16, !. 2, c, 27, §. 3.Z -Z Pausanias schreibt, daß auch das vorher genaüte Gebäude in Athen Tholus, genant wurde. V i- truvius (I. 7. xi-sef.) erwähnt eines Gebäudes zu Delphi, welches gleichfalls Th o l u s genant worden, und (1.4. c.7.) gibt die Regeln für den Bau runder Tempel. Fea. 4) 16. I. 5. c. 20. 6.^1 5) 16. I. 3. c. 9. 2.^ 6) Excerpt ?0l^. I. 28. x. 5) 6e bellu iö6. O. 8) I. 9. c. 9) I. 6. c. 9. 382 Baukunst der Alten. so wie auf den Schiffen der Alten runde und zwar gemauerte Thürme mit einem gewöl beten Dache oder Cupola/ aber auch vierekichte ^ gemauerte Thürme, waren. San Galto der altere, in einem Bande seiner Zeichnungen auf Pergament/ in der b ar b erinisch en Bibliothek, meldet von einem runden Tempel des Apollo zu DelphoS. Ob der Tempel, welchen PerikleS zu EleusiS baucte, rund gewesen, ist nicht mit Gewißheit zu sagend) war er aber in'S Gevierte gebauet, so hatte er dennoch eine Cupola und eine Art von Laterne auf derselben; und es findet sich diese und eine Cupola auf dem Tamburo auf einem vierekichten Tempel, welcher auf dem größten Sarkophags aus dem Altertume, in der Vigna Moiranivor dem Tkore S. Sebastians,^') vorgestellet ist. ES ist also der Tamburo keine neue Erfindung. Bei den Römern waren die runden Tempel gewöhnlicher als bei den Griechen: einige waren es aus einem allegorischen Grunde/ wie t) ^Beschreib. d. g «schnitt. Steine ic, 6 Kl. N. 65. lc.^I Man sehe auch die Samluug der Altertümer des Bo< ri oni/ von Venuti erläutert/ wo sich auf Taf. 7Z eine Gemme mit ähnlichen Thürmen auf einem Schiffe findet. Fea. 3) Wahrscheinlich hat W i n ck e lm a n dieses Gebäude/ Von welchen! Plutarchus nichts sagt/ mir cinem andern verwechselt. Bald nach obiger Stelle sagt er vom Sde 0 n, welches gleichfalls vonPerikles erbauet worden, daß es rund und von der Form eines königlichen Zeltes gewesen. Fea. l Nichts verwechselt', Winekelman meint das Telesteri 0 n zu Eleusis, Von dem Plurarchus c>. c.) als von einem Gebäude mit Licht von oben wirklich redet.Z 4) Jezo im Muse 0 Pi 0- Clementin 0 aufgestellt. F ea. Erstes Kapitel. ssz der Tempel Best»/ i) welchen Numa PompiliuS bauete/ so wie eS die Feuerherde/ aus der Be« Nennung des runden Gebäudes zu Mautiuea/ scheinen gewesen zu sein; ein runder Tempel in Thrakien / welcher der Sonne geweihet war/ 2) deutet auf die Nunde derselben. §. 31. Zu der Form öffentlicher Gebäude und Tempel gehören die Säulen/ welche in den ältesten Zeiten von Holze waren/ so wie noch zu Pau sa nias Zeiten in EliS ein Tempel stand/ dessen Dach ohne Mauern auf Säulen von Eichen ru- hete/ 2) und an eben dem Orte war in der Hinteren Halle des Tempels der Juno noch damals eine eichene Säule. 4) Das älteste Verhältniß oder das Maß der Höhe der Säulen war das Dritt heil der Breite eines Tempels/ wie Vitruvins von der tosea ni sche n Ordnung lehret/6) und Pli- niuS überhaupt angibt: 6) dieses aber trift bei zween uralten Tempeln zu Pesto nicht völlig zu/ und die Säulen haben etwas mehr in der Länge.?) Die Säulen der Alten verjüngeten sich nach Art eines Baums / und die Ausschwei fu n g / welche Vitr u- viuS EntasiS nennet/ und bei der er sich weit- >) I^estus, v, Hlacrol,. 8-lturn. I, i. c> ig. 3) ?5ius3n. I. 6. c. 24. ^Z. I6. lZ. . Z 5) 1^. 4. c. 7. 6) I., 36. c. 2Z. sect, 86. 7) über den Unterschied zwischen den Tempeln zu PSstum und den alten hetrurischen Tempeln, welche Vitruvius beschreibt/ sel>e man in dem Werke des Paters Paoli « ber !> ie Ru inen d er Te inp e l v o n P a st u in. (Oi, -erl. Z. n. 22.) F e a. 384 Baukunst der Alten. läuftig aufhält/ findet sich an keiner einzigen Säule von großen Gebäuden/ (einige kleinere etwa von späteren Zeiten ausgenommen) und die Wahrheit zu sagen/ dieser Bauch gibt den Säulen keine Zierlichkeit. Reisen haben schon die ältesten Säulen und bei den Griechen hieß es Kt5>-S5, oder Die Säulen wurden/ wen ihre Große ungewöhnlich war/ von den Griechen auch aus ungleichen kleinen Stüken zusammengesezet oder gemauert/ wie ich an einem andern Orte von den Säulen an dem Tempel des olympischen Jupiters zu Girgenti angezeiget habe. 6) An der vermeineten V illa des Mäceuas zu Tivoli sind die halb hervorspringenden Säulen/ so wie das ganze Gebäude/ mit keilmäßig gehauenen Steinen ausgesezet. Größer als alle übrig gebliebene Säulen von Granit und Marmor waren die von pentelischem Marmor an dem Tempel des olympischen Jupiters/ welche Kaiser Domi- tianns in Athen arbeiten, und zu Rom nach- t) Kaum berührt er dieselbe (I. Z. c, 2. 1.4. c, Z,). Doch gab er am Ende seines Werkes eine Abbildung davon, welche verloren iff. Fea. 2) Piranesi fand die Entasis an der hetrurischen Säule unter den Rmnen eines alten Tempels zu Alba , im Gebiete der Äguier am See Fucino/ wovon er eine Abbildung gibt/ («ZcIIa ÄI.iLsnis. tle' linm. t^v. Zl. ic. all ?>icon2. 10. c. 2. 5>, ^74. ^j) Oioä. 8ic, I. i3. c. öz. S) lüben Zvs. §. 28.Z Erstes Kapitel. 385 arbeiten ließ: den LigoriuS/ welcher Ctüke von denselben gesehen/ berichtet in seinen nngedruk- ten Altertümern in der vaticanischcn Bibliothek, daß diese Säulen im Durchmesser Zv Fuß gehalten; folglich mußten sie wenigstens 80 Fuß hoch gewesen sei»/ wie auch dieser Scribent angibt. 1) plutorcli, poplic, c. IZ. 2) Ligorio in, lS Buche seiner ^»ü^Iülä, welche sich in der genanten Bibliothek unter den ottobonischen Handschris- ten befindet (N. ZZ76.) bei dem Worte l'euixio (Rükseite des Bl. 51.) sagt blos, daß die Säulen jenes Tempels von »cntelischem Marmor unten am Ansänge des Schafts ? Palme gehalten haben ; aber er gibt keinen Beweis davon. Mir scheint es unglaublich, da« dieser Tempel Säule» von solcher Dike gehabt habe. Es ist zu bemerken, daß derselbe, als er zuNespasians Zeiten wieder ausgebaut wurde, «ach dem Ausspruche der Wahrsager nicht größer im Umfange, sondern blos höher erbaut werden durfte, wieTaeitus (»ist. 1.4. c. 5Z.) erzählt. Eben so wird man eS auch nachher gelialten haben, als er aufs neue von Domitianus wieder hergestellt wurde; und wahrscheinlich hat man, um dem alten Plane treu zu bleiben, die aus Athen herüber gebrachten Säulen von pentelischcm Marmor überarbeiten und dünner machen müßen. Die Meinung des Nar- dini (Kon», I. 5. c. iZ. rt-A. 6. p. 267.) und anderer, welche glauben, daß diese Säulen dieselben seien, die man gegenwärtig noch in der Kirche Araeeli auf dem Eavitolio sieht, ist völlig ungegründer, wie der Pater Casimi r i» seiner Geschichte derselben (c. 6. x,. 2ZS ) zeigt. Diese Säulen sind sämtlicb an Höhe und Dike ungleich; überdies sind einige von weissem Granit, andere von rothem, andere von Cipvllino, andere von Pa- vonazetto und anderem Marmor. Größere Sänlen, als die oon Ligorio angeführten, würben auch die gewesen sein, von welchen der Pater Minutolo (Disserl, 7. lle Mtlis. judic. >. c. col. >5g.) sagt, daß ste zu seiner Zeit, d. i. in der Mitte des l7 Jahrhunderts, im Nonnenkloster S. Eufemia (aus Irrtum sagt er S- S u sa»- Winckelman. 2. ^ 7 386 Baukunst der Alten. K. 32. Ich will mich hier nicht in Untersuchung des Ursprungs und der Gründe von den verschiedenen Gliedern der Säulen einlasse»/ sondern wie überhaupt/ also auch hier/ einige Anmerkungen über die verschiedenen Ordnungen derselben mittheilen. ES sind fünf Säulenordnungen in der griechischen und römischen Baukunst/ wie bekaiit ist: die toscanisch e/ die dorische/ die ionische/ die korinthische und die römische. Von alten tosea Nischen Säulen ist/ ausser einer einzigen an dem Emissario des Lago Fucinv/ keine übrig/ und wir wissen von derselben nichts'/ als was Vitru- viuS saget. Tosea Nische Säulen mit Basen siehet man aus einer alten hetrurischen Patera/ ?) von eingegrabener Arbeit/ auf welcher Meleager n a) nahe au der trajanische» Säule ausgegrabeu worden, und von solcher Größe gewesen/ daß sie fast der Eo> lonna Trajana gleich gekommen. Aber diese Schä> jung ist übertrieben, wen jene Säulen zum Forum dci Trajanus gehörten und jener von Granit gleich waren, die im Jal>re I?65 auf der entgegengcsezteu Seite jenes Klosters ausgegrabeu worden, neunthalb Palm im Durchmesser, und den andern fi'inf daselbst bereits gefundene» Säule» ähnlich war, wie W i n ck e l m a n in der K u n stg e> schichte (ll B. Z. K. 27 §>) meldet. Derselbe erzählt auch in einem Briefe an den Baron Niedesel vom 9 Nov. daß man kurz zuvor aus der Straße nach Albano eine Säule von Granit und solcher Dike gefum den,.daß kaum vier Menschen ste umsvannen können, und eine andere ähnliche habe man in den Fundamente» des Palastes Santa Croce in Rom entdekt, aber >ie ihrer enormen Größe wegen dort liegen lassen. Wir übergehen der Kürze wegen mehrere andere Nachritte» von Säulku ähnlicher Größe, die sich bei Autoren finde». Fea. i) I.. 4. c. 7. vempst. >1« Ltrur. reg. t. I. t!>d. 7. Erstes Kapitel. ss? zwischen dem Kastor und Pollux nebst dem Paris sizet. §.33. Die dorischen Säulen aber sehen wir, säst von ihrem ersten Ursprünge/ an gedachten drei alten Gebäuden zu Pest»/ an einem Tempel zu Gir- genti/ und an einem andern zu Korinth; 2) sie sind gleichsam nur der bloße Schaft von andern Säulen. Ihre Form ist kegelmäßig oder konisch verjünget/ das ist/ sie laufen beinahe wie ein oben gestuzeter Kegel zu. Die zu Pesto bestehen aus vier StükeN/ und sie sind/ wie die andern, gereift. Das Kapital derselben ist blos eine flachrundliche Ausschweifung/ da wo spätere dorische Säulen die sogenanten Eier haben/ und auf derselben lieget unmittelbar die Tafel/ AbaenS oder Trapezium g«nant/ welche weiter über jenes Theil hervorspringet/ als an den ältesten Tempeln in Griechenland. Dieser starke Vorsprung gibt dem Kapitäl eine mächtig große Gestalt. Die Höhe der Säulen/ welche 6 Durchmesser des Fußes der Säule haben sollte/ hat nicht 6, und an gedachtem Tempel zu Korinth haben sie nur 4 Durchmesser. 3) §. 3^i>. Die Eigenschaften der dorischen Ordnung sind die Triglyphen oder Dreischlize/ an dem niittelsten oder breitesten Gliede des Gebälks ober der Friese/ die Tropfen an dem unteren Gliede d^s GebälkS/ und die sogenanten Zähne/ welche unter dem Gebälke hän- ») panci'Azi, Licil. t. 2. xart. 2. wv. 11. 12. 1.?. — ?iranesi, tav. 22. iiA. Z. Fea. 2) Ruines 6es plus keaux monum. äe la t. 2. x. xl. 17. p. 44. 3) lue t. z. part. 2. x. »L. ZL8 Baukunst der Alten. gen. An einem der Tempel zu Peste waren die Tnglyphen nicht in der Friese selbst gearbeitet/ sondern besonders eingesczet/ welche bis auf ein , einziges heruntergefallen sind: diese sind alle an l ihren Enden rundlich gehalten/ welches man an anderen Triglyphen nicht siehet. Anstatt der Zähne unter dem Gebälke sind an diesen Tempeln runde Löcher/ und jedesmal drei Reihen von sechs runden Vertiefungen in einer jeden. An dem Tempel des TheseuS zu Athen sind sie hohl/ aber vierekicht/ und jedesmal zwo Reihen.'») Vitrnvius t>. 4, c> 2.) will/ daß dn- dorischen Ordnung die Triglvvhen/ und der ionischen die Kälberzähne eigentümlich seien. Aber/ daß auch der dorischen Ordnung Kälberzähne gegeben worden/ beweiset die Graburne desSeipio Barbatus aus dein 5 Jahrhunderte Roms/ die inan als ein Gebälk betrachten kan/ den sie hat zu oberst den Kran; mit den Kälberzähnen/ u»rer diesem den Fries mit Triglvvhen und Me- , toven / deren jede eine Rosette enthält! und der untere glatte Theil/ wo die Inschrift sich befindet/ kan als der Architrab betrachtet werden. LMan sehe die Abbildung unter Numero Z2 u. An dem Tempel zu Cora, welcher gleichfalls dorischer Ordnung ist/ sieht man Kälberzähne am Kranz über der Thüre der Cella. F e a. 2) Die Trigwpheu fanden sich blos am kleinen Tempel zn Pästum, nicht an den andern Gebäudenwie Pater Paoli (Oiss. 4. 11. 24.) berichtet, obgleich sie in feine» Abbildungen auch den» großen Temvcl gegeben sind/ mil den Trovfen darunter/ von welchen sich aber auch an dem Trigwphen/ der an dem kleinen Tempel übrig geblieben ist/ keine Spur gefunden hat. F e a. Z) So sind sie an dem größten Tempel/ an dem kleineren sind sie berfchieden. fMan sehe die Abbildung unter Numero S u. 7.Z Fea. 4) 1. xl. i ä. Vitruvius sl. 4. Z-) fchreibt bor, daß man tii Tropfen in drei Reihe»/ und fechs in jeder Reihe/ mache. F e a. Erstes Kapitel. 389 » §. 35. Die Triglyphen stehen an dem Orte/ wo in ganz alten Zeiten die Balken der inneren Deken der Tempel auswärts' hervorrageten/ welche ! ebenfalls' auf einem Balken von Holze/ der unmittelbar auf der Säule lag/ rubelen. Und allein Ansehen nach wurde das Gebälke auf die Säulen noch zu Pindarns Zeiten von Holze geleget/ wie dieser Dichter in seinem Näthsel/ wie er es' nennet/ deutlich anzeiget, l) und VitruviuS saget/ daß man die Triglyphen/ als' einen Zierat auf die hervorstehenden Enden der Balken genagelt habe. 5) Dieses' ist eine Muthmaßung:' den dergleichen alte Tempel waren damals nicht mehr/ und er gibt auch von diesem Zierate keinen Grund, es scheinet/ daß man an die Enden der Balken Einschnitte gemachet/ dem Risse derselben zuvorzukommen. Der Nanm zwischen zween Balken/ und also zwischen zween Triglyphen/ Metope genant/ wurde ausgemauert/ wie der römische Baumeister will; in den allerältesten Zeiten scheinen diese Pläze offen geblieben zu sein/ welches dem Gebälke Luft gab. Eine Stelle des Euripides bringet mich ans diese Muthmaßung. Den daOrestes und P y- lades sich berathschlageten / wie man in den Tempel der Diana Taurica gelangen könne/ um das 1) pinilor, IV. v. 475 — 477> Er spricht daselbst von dem Palaste eines Fürsten, nicht von einem Tempel. Fea. 2) I., 4. c> 2. Z) Oder vielmelir, um die Rinnen desWassers nachzuahmen, welches vom Kranze herabsallend daran niederlief; dest deßwegen sezte man unter die Triglyphen, wo jene Rinnen sich endigten, die Tropsen. Mir scheinen jene Einschnitte nicht verhüten zu können, daß die Balken Nisse bekommen, da ste nicht sehr ties sein durste». Fea. ZZo Baukunst der Alten. Bildniß der Gottheit zu entführen/ so schlüget Py- lades seinem Freunde vor/ innerhalb der Trigly- phen/ wo es hohl ist/ das ist/ wie ich eS verstehe, zwischen denselben/ hineinzusteigen. Wilhelm Cant er in seiner Übersezung dieses Trauerspiels gibt diese Stelle ohne alle gesunde Vernunft: vcro iuti-a columnarurn cmlstur»!, <^uc> i?i»ne so ex^Lcliturn cor^ns c>^>ortet clemi>.ter^ Ist es möglich/ daß ein so gelehrter Man/ welcher zumal Italien gesehen hatte/ sich vorstellen können, daß man zwischen den Reisen 2) an den Säulen hindurch und in den Tempel hineinkriechen wollen oder können? Hernach beziehet sich das Wort leer O-v-v) nicht auf das Wort Leib (^«?)/ wie es jener verstanden/ daß man sich enge und leichte zu machen gedacht habe. Den inso« und vaouum , sind von verschiedener Bedeutung; das erste Heisset leer/ wen etwas voll sein sollte/ und dieses sezet nicht allezeit eine Ausfüllung voraus. Das Wort xcvsv stehet hier absolute, und muß mit <--r«> gegeben werden; wo eSleer ist. BarneS hat diese Stelle nicht besser verstanden: er meinet/ ! Pylades habe vorgeschlagen/ zwischen den 1) Ixlüg, in laur, v, 11Z. sWinckelmaii wiederholt diese Bemerkungen in seine» Denkmalen, 4 Thl. K. 206 N.1 2) ci-elatur»! bedeuten nicht Neisen, sondern Bildwerk, erhobene Arbeit; wen nicht Cant er vielleicht columnas cWlatas gemeint hat. F e a. z) x«v«>> A"--» LIeiu. ^Isr. t. 1. I. 2. c. ic>. x. 2ZZ. F ea. Erstes Kapitel. 39! Gäulen (inter ciiumiii») hineinzusteigen; als wett der Raum zwischen den Gäulen verschlagen gewesen/ oder als wen man in den Tempel/ das ist/ in die Celle desselben hineingelangcn können/ wen man innerhalb der Säulen war/ welche aussen um die Tempel herumgingen. Die Metopen waren nach dem eigentlichen Sinne dieser Stelle/ an den ältesten Tempeln/ von welchen uns E u r i p i d e s hier ein Bild gibt/ vermuthlich offen/ und dieses war der einzige Weg/ in diesen verschlossenen Tempel hineinzusteigen. Es zeiget auch das Wort «Zemillere, an / daß man stch herunterlassen müßen/ welches hernach in dem Tempel von oben herunter würde geschehen sein. Brumoy hat hier keine Schwierigkeit gefunden; er saget uns aber bei dieser Gelegenheit in einer Anmerkung/ was ein Triglyphe sei. K. 36. Herr Le Roy sezet in seiner Beschreibung der alten Gebäude in Griechenland drei verschiedene Zeiten der dorischen Ordnung: die älteste/ deren Säulen/ wie die an vorhergedachtem Tempel zu Koriuth nicht über ä Durchmesser haben: die andere Zeit/ in welcher der Tempel des The- seus und der Pallas zu Athen gebauet stnd; und die dritte Zeit, aus welcher der Rest des Tempels deS AugustuS in eben der Stadt ist/ dessen Säulen 6 Durchmesser haben- ES führet derselbe an und vergleichet mit jenen Werken/ was ihm von dorischen Ordnungen und Säulen in Italien bekant gewesen ist^ Man kan aber eine vierte Zeit der dorischen Baukunst hinznsezen/ nnd diese zeiget stch an dem übrig gebliebenen Portale von vier Säulen von Travertino eines Tem- t) Der Säulen sind acht; vier an der Vorderseite, an jeder Seite zwei, und sie haben einen Überzug. Fed. 3S2 Baukunst der Alten. pels zu Cori in dcr Campagna von Rom/ acht italiänische Meilen jenfeit Velletri. Es ist dieses Werk nach einer fehlerhaften Zeichnnng in Finis Beschreibung der Stadt Cori gestochen/ und aus diesem Buche ist das Kupfer genommen/ welches Vulpi in seinem Latio, beibringet.') Ich habe aber Zeichnungen des großen RaphaelS von diesem Gebäude vor Augen / welches gezeichnet und genau ausgemessen worden/ da dasselbe weniger als izo gelitten hatte. 2) Die dorischen Säulen desscl- 1) Volxi ^»itiuni, t. toli. iZ. p. i^jo. Gerade umgekehrt! Dcr Pater Volpi hat z n e r st (im Jahre 1727) sein Werk geschrieben, und die Abbildung am angeführte» Orte mitgetheilt. Aus demsewen hat hernach Fini die Nachrichten/ welche seine Vaterstadt Cora betreffen, gezogen/ und in italiänischer Sprache bekant gemacht, im Jahre 17Z2/ 4. aber/ so viel ich weiß, ohne Figuren. Fea. 2) Diese Zeichnungen befanden sich/ nebst andere» Von alten Gebäuden genommenen / in den, Muse» des berühmten Herrn von Stosch, und macheteu einen Band von etlichen und zwanzig Stiiken aus. Ein anderer Band von ähnlichen Zeichnungen des Navliaels befindet sich in dcr Bibliothek des bor kurzem verstorbenen Thomas Cokc, Lords Leiccster/ welcher sich durch Heraus- gcbuug der Ltnui-n> I^<^>Iis bei der gelehrten Welt verdient gemachct hat. N apbael vcrfertigte diese Zeichnungen/ nachdem er zum Baumeister von St. Peter in Rom ernennet worden; es sollten dieselben dienen zu den, großen Vornehmen/ das alte Rom gleichsam wieder zu erneuern, welches Papst Leo X. gefasset hatte. Man findet hiervon Nachricht in einem Briefe des Celio Ca le a g n i an I a k o b Zicglern, zween Zeitgenossen diefes Künstlers. Es ist dieser Brief/ nebst ander»/ zweien Sendschreiben des h. Clemens beigefüget/ welche betitelt sind: 8. dlemeini« duW ocl (5c>- rintliivs. II15 sukriexN sunt aliquot sinAuIaie? vel nunc >2. Gedachter Brief befindet sich S. Winckelmaii. Erstes Kapitel. bei?/ deren unterer Durchmesser 3 und einen Viertel Palm, und der ödere 2 Palme und » Zolle hält/ haben 7 Durchmesser in die Höhe/ ohne die Base und das' Kapital/ und die ganze Höhe derselben ist 27 Palme und zehen Zolle, i) Sie sind mit h o h- len Reifen / von ihrem Drittheil an; das unterste Drittheil ist glatt und ohne Reifen. Sie haben ihre Base/ welche ausser zwo Säulen z» Pesto keine andern alte dorische Säulen habe»/ und das Kapitäl ist verschieden von den Kapitälern anderer dorischen Gebäude; es' ist vielmehr to scanisch. Diese ungewöhnlichen Kapitäler verursacheten/ daß Raphael diesen Tempel/ ohngeachtet der übrigen Eigenschaften der dorischen Ordnung/ für ein toscanifcheS Gebäude genommen/ wie er in der Unterschrift feiner Zeichnungen angemerket hat. Von dem Mittelpunkte einer Säule bis' zu der anderen sind i» Palmen/ woraus sich die Weite der Jn- tercolnmnien von selbst gibt. Z. 37. Unter dem Portale über der Thüre der Celle dieses' TempelS/ welche izo zugemauert ist/ stehet noch izo diejenige Inschrift in zwo Zeilen/ welche j) Winekelman hat wahrscheinlich des Lc No« Werk nur flüchtig angesehen, sonst würde er gesunden haben, daß derselbe das Verhaltn«!; der dorischen Srdnnng von sieben Durchmessern mit den andern bestiiiit angegeben hat, Lc No>> sagt nämlich/ die dorische Ordnung sei Anfangs sehr niedrig gewesen , von 4 Durchmessern oder wenig mehr / und führt als Beispiel den alten Tempel zu Korinth und den des Theseus zu Athen an; das; sie sodan zu 6 Durchmessern erhoben worden, wie Vitru- Vius meldet, uud daß man ihr endlich zur Zeit des ?lu- gustus 7 Durchmesser gegeben habe, (t, >, x-» l. 2. x. 35. t. 2, 2. p, 4Z,) Fea. 21 Dieses Drittel ist saeettirt. Die Reisen haben übrigens wenig Vertiefung und smd ohne Stäbchen. Fea. Z) Nicht z w ei, sondern sechs. Man sehe oben S. Z42. F e a. 3Z4 Baukunst der Akcu. von andern, die sie copirt haben/in mehrere ab- gesezet/ und theils unrichtig abgeschrieben ist; sie ist folgende: 51. KI. ?. I.. ?VN?II.IVS. vvo^lvinrs. vx. srivx'rvL. Lriv'i^'rix. Es sind hier zum Ersten zwo ganz ungewöhnliche Abweichungen von der Sprache zu merken; ->v»u. v>«rs, anstatt ovo«vii>l, und 5isi>e!» 1Z8. Murator!, IVov. tlies, Ingcr. t. 1. z,. 147. n. 4. 2) ^xian. Inscr. x. 164. n. ». Oruter. Inscr. t. 1. x. »28. n. 7. Z) I. 6. c. 12. n 20. 4) Oe iuvr. c. 37. 6) k'i'einsliein. all. I. I'acit!. 6) Lpitvme 1. 67. Für die Meinung des Freinsheim gegen die ange» nommene Lesart desTacitus gibt es einen andern Grund, den, so viel ich weiß, weder die Conunentatoren noch Erstes Kapitel. Turpilius aber ist vermuthlich eben derjenige/ welcher dem Germaniens eine Statue sezen lassen; 1) den beide Vornamen des Sohns und des Vaters sind ebendieselben. Es wäre folglich dieser Tempel zur Zeit des Tiberius gebanet/ und gedachte zween Personen wurden als Duumviri ernennet zu Errichtung/ Besichtigung/ und vermuthlich auch zur Einweihung dieses TempelS: den zu vielen heiligen Verrichtungen wurden vom Senate zu Rom Duumviri abgeordnet. Vulpi unterstehet sich nicht/ die Zeit der Erbauung dieses Tempels anzugeben: so viel aber ist aus der Bauart gewiß zu bestimmen/ daß cS kein Werk aus den Zeiten der Republik sei. Z. 38. Ich merke hier an/ daß das schöne Stük eines dorischen Gebälks/ welches ehemals zu Zllbano war/ und von Chambray beigebracht worden/?) nir- dle Ausleger vorgebracht habe», nämlich/ daß FestnS, der nachdem Tacitus schrieb/ bei dein Worte Man- lins jenes Decrct der Familie Manlia, welches Li- vius anführt, als noch zu seiner Zeit gültig, oder wenigstens als vorher noch nicht übertreten, wiederholt. Manila: gentis xatricin äecreto iiemo ex ez Hl.ircus »p» xcllatur. c^uoil Alarcus >Iznl>u5 . c>ui Lspiloliuiu a Oal» lis 6esen6erat, cum re^nurn assectasset, ciamnstus neca- iuzqne est. Diese Autorität, vereint mit dem Auszuge des Livius, sollte wohl entscheidend sein, aber die Inschrift des Tempels verdient allerdings, als ein öffentliches Monument, Glauben, und ich bin nicht der Meinung, daß sie älter sei, als jener Marcus M a n- lius Capitolinus, sondern aus viel spätern Zeiten. F e a. >) (Brüter. loser, t. l. p, 2Z6. n. Z. I/iv. l. k. c. Z. n. 5. I. 7. c. 21. n, 2g. Lonf. ^naal. komau. t. Z. I. ig. nun. 764. p. Fea. 2) parali. >Ie lsrcliit. anc. et inock. x. >9. 3S6 Baukunst der Alten. gend mehr zu finden ist; ich kan mich auch nicht entsinnen/ das dorische Grabmal bei Terracina/ welches eben der Scribent vorstellet / gesehen zu haben. Z. 39. Die zweite Säulenordnung, nämlich die ionische/ soll zuerst an dem Tempel der Diana zu EpbesuS angebracht sein. Nach viele» Jahre»/ da dieses Gebäude im Feuer gelitte»/ wurde dasselbe durch de» Baumeister Chersiphron von neuem und sehr prächtig ausgebauet.^ Unter den vielen Säulen desselben waren 36 aus einem Stüke oder Schafte.^) So und nicht anders, glaube ich, miiße diese Stelle des PliniuS verstanden werden/ und ich lese/ anstatt der in allen Ausgaben angenommenen Lesart: <-x iis XXXVI >ino (andere un») » 8cop», durch Verseznng von ein paar Buchstaben: e aus' emcm einzigen Schafte. Ohne diese Verbesserung ist die Stelle ungereimt/ und kan aus vielen Ursachen nicht bestehen. SkopaS war einer der größten Bildhauer seiner und des'PhidiaS Zeit; was hatte derselbe mit der Arbeit an Säulen zu schaffen? Dieses gehöret für Steinmeze. SkopaS/ welcher zugleich ein großer Baumeister war, bauete einen Tempel der Pallas zu Tegea/ an welchem zuerst von k o r inthis ch e n Säulen Meldung geschiehet; 1) j,. Z.1. 2) Vitl-uv, 1,4, c> 1. 3) Nach Strabo (l. 14. war Chersiphron saucb Chresivhro» und Ktesivho» genaiitZ der er^ ste Vauuieister dieses Tempels, de» hernach ein Anderer vergrößerte; und endlich, als ihn H er o str a t u s in Asche gelegt, wurde er von dem Baumeister Di n 0 kra- t es, der auch Alerandria gelmuet und den Berg Nthos in cineStatue verwauiew wolle», wieder hergestellt. Fea. l Man vergleiche hierüber G. d. K SB. 2 K. 25 H.Z Erstes Kapitel. 297 und dieses geschahe in der 96 Olympias. °>) Der Tempel der Diana aber wurde in der 106 Olympias gebauet: es sind also über 40 Jahre zwischen einem und dem anderen Gebäude.^) Diese Zweifel hat SalmasiuS wider die Stelle des Plinius ge- machct, und Poleni hat zulezt alle Schwierigkeiten wiederholet,^) ohne sowenig/ wie jener/ den Knoten aufzulösen. Andere^ welche diesen Punkt berühret haben/ reden allezeit von 36 Säulen, welche vom SkopaS gcschnizet/ vorgegeben werden. 5) ES ist besonders zu merken/ daß ÄppianuS von ionischen Säulen am Arsenal im Hafen zu Karthago Meldung thut>) §. äo. Hier fällt mir ein/ was ich an einem der schönsten Kapitäler aus dem ganzen Altertume/ in der Kirche zu S. Lorenzo ausser Rom, welche ich so/ wie die Säulen alle verschieden sind/ bemerket habe. Innerhalb der einen Volute siehet man in dem sogenanren Auge derselben/ und anstatt der Rose/ welche in der Mitte zu stellen pfleget/ einen Frosch auf dem Nüken liegend ausgestreket/ und in der anderen Volute ebendesselben Ka- t) Im ersten Jahre der S7 Ol»mviade. c?ausa»> l, 3. c,q5. K. Z — 4. Fea. 2) l Der Tempel der Diana zu EvhesuS wurde zuerst zwischen der SV und tvll Olmnviade gebaut / und »ach seiner Einäscherung/ in der Geburtönachr Alexanders des Großen, von der 106 Sl»mpiade an wieder hergestellt.^ 3) Lxci'cit. in Lolin. c. 40. p> 671. /,) Oi^scrt. sopra il tempio cli Oiina 6'I?ie«o, LgZAi <1! Uis-ert. ^»»6. 6> Loitona. t. 1. ^>nrt. 2. I> g. 1 >, 5) KI»>nts^uc. expüli. t, 2. liv. 2. rli. II. p. 34. Er sagt blos, daß von Zü mit Scknizwerk gezierten Säulen eine von der Hand des Skopas gewesen, so wie es auch im Plinius heißt. Fea. 69« Baukunst der Mm pitälS kriechet eine Eidexe um die Nose herum. Da die dortigen Kapitaler von verschiedenen Orten in Rom zusammengebracht sind: so bin ich der Meinung/ daß dieses Kapitäl von den Tempeln des HupiterS und der Juno sei/ welche Metellus innerhalb seines PorticuS durch den SauruS und BatrachuS, aus Sparta, bauen ließ. Es ist bekaiit, was PliniuS erzählet, daß diese Baumeister ihre Namen, welche sie nicht an diese Gebäude sezen durften, durch Frösche und Eid exen, welches die Bedeutung derselben im Griechischen ist, angezeiget haben, und wie er saget, in coluinriarum »piris. 2) Harduin glaubet, daß diese Thiere auf der Vase der Säulen, und auf die rundlichen Glieder derselben, geschnizet gewesen, weil PliniuS an einem andern Orte diese Glieder spirsz nennet. 4) ES ist demselben nicht eingefallen, daß VitruviuS dieselben mit eben dem Worte benen- t) Winckelman gibt dieses Kapitäl auch in den Denk» male», N. 206, und erklärt es daselbst. Aber in Ansehung der beiden Tempel hat er reiflichere Betrachtungen angestellt, die man im 4 Th. K. Z §. der Denkmale nachlesen kau. Die daselbst vorkommenden Betrachtungen widerlegen den Irrtum des Paters Harduin in dessen Note iu der folgenden Stelle des Pli- nius, wo er behauvtet, daß die beiden nach dem Plinius von Saurus und Batrachus erbaueten Tempel der Juno und dem Apollo geweihet gewesen. Er wird aber schon durch die Stelle des PliniuS selbst widerlegt, welcher von den Tempeln des Jupiters und der Juno »u sprechen fortfährt. F e a. sDie Abbildung dieses Kapitals unter Numero 206. der Denkmale.Z 2) 1^. Z6. c. 5. sect. 4. n. ,4. Z) ac> plin. I. Z6. c> 24. sect. 56. not. 7. I., c. Erstes Kapitel. »et-l) ich bin aber der Meinung/ daß Plinius an diesem Orte das Wort -pir-» in seiner eigentlichen natürlichen Bedeutung gebrauche, wo es Kreise bedeutet / wie diejenigen sind/ in welche sich die Schlangen zusammenwikeln; sonderlich da auf einem BegrKbnißaltare in dem sogenanten Paläste Kleinsarnese/ über dessen Inschrift 2) ein jonischeS Kapital von der allerfeinsten Arbeit angebracht ist/ dessen Voluten aus wirklichen Schlangen in einander gewunden sind. Es redet also Plinius hier von den Kreisen ionischer Voluten / und folglich haben die allegorisch vorgestelleten Namen gedachter Künstler innerhalb der Voluten gestanden/ so wie es sich an jenem Kapitale zeiget.^) ES würde eine Kekheit sein zu z. z. Nitruvius versteht unter -pira den Wulst der Basis, und die Basis der Säule selbst, in eben dem Sinne wie Plinius. Auch W i n ck cl m a ii hat e« nachher in seinen Den km a l en (l. c.) reislicher erwogen. Fea. Z? Es ist keineswegs anzunehmen, daß Plinius von den ionische» Voluten und ihren Schnekenwin- düngen rede. Ich bin sogar geneigt, das Gegentheil zu glauben; den es scheinet mir zu klar, daß er vom torus der Basis, nicht von, Kavital rede. Erst, lich gibt er in demselben Buche (c, 24. secl, 56.) auch dem lorus oder der B a si s die Benennung spira, und unterscheidet sie vom Kapital; pi-imui» columiüs spir-s suixlii-s et caxilula Slldita; zweitens nennen anch Bitruvius (I. c.), Pollur (l> 7, c. 27. segiil. 121.), Flavius Josephus I. >5. c. >>. ». 5.) und Festus (v. denselben Theil gleichfalls; im Gegentheil heißt die Sehne ke beim VitruVius vo- luvz. Mit welchem Grunde will man also behauvten, daß sxir» eigentlich und ursprünglich Volute bedeute, gegen die Übereinstimmung aller Autoren, welche von Baukunst der Mm. sagen, daß es besser wäre/ anstatt column.ii um, >v,- ^ zu lesen. ES wären also die Tempel dieser Materie gesprochen haben? Warum will man nicht i lieber sagen, daß spn-a der toruz genant worden/ weil er wie ein Ring um den Schaft der Säule oder der Basis geleget worden, welches Festus zu sagen schein junis uunlicu's in orlzciu convoiutus ; ul> eaciLui timne5 5i»>ilitu Oder weil irgend eine gewundene Arbeit darauf war, wie sich so viele Nasen mit Schniz- werk aller Art sinken, deren einige man bei Piranesi ((lcila magnif. cle' I^VIN. tJV. ) abgebildet findet. Ferner, wer weiß, ob aus diesen Werken Kau, rus und Batrachu § nicht ihre Zeichen auf eine Weise sezen wollen, daß sie nicht so leicht von der Zeit zerstöret wurden, also der Meinung Win ckel maiis entgegen, vorausgesezt, daß der Wulst glatt war. Man töüte auch aus der Erzählung des Plinius selbst ver- ninthen, daß es blos eine Volkssage gewesen; oder wenigstens koiite ma» annehmen, daß jene beiden Knust- > ler die Eidexe und den Frosch wie ein S»mbvl ihres Namens, ans bloßem Vergnügen und ohne unterschied auf ihre Werke gesezet haben, nicht weil es ihnen verboten gewesen, ihre Namen mit Buchstaben auf ieue Tempel zu sezen; den ausser dem torus, von welchem Plinius redet, und dem Kapital in S. L o r e n z o, finden sich dieselben Figuren auch auf einer Rosette, die man in späteren Jahren in der Villa des Cassins zu Tivoli ausgearaben, und die jezo im Museo Pio- Cle- mentino ausbewahrt wird, wo sie von Visconti im ersten Bande seiner Beschreibung desselben (tav,/v,». i v.) abgebildet worden. Es ist jedoch zu bemerken, daß auf dieser Rosette sich auch eiue Biene oder anderes Jnsect befindet, welches sich nicht recht erkennen läßt, da es beschädigt und zum Theil zerbrochen ist. Daraus könte ma» entweder schließen, daß Sau rus und Batrachus bei diesen« Gebäude, wen wir eS ihnen zuschreiben wollen, noch einen andern GeHülsen gehabt haben, der als Zeichen seines Namens eine Biene daraus gesezt, oder daß alle diese Figuren eine andere uns unbekante Erstes Kapitel» 4oi in dem Portieo deSÄetelluS ionisch gewesen.^) Daß auch in andern Voluten allegorische Vorstellun- Bedeutung batteil, wie wahrscheinlich so viele andere Figuren, die an Kapitale gesezt worden; oder endlich, daß ne, wie so manche andere Zieraten ein bloßer Einfall der Künstler gewesen, von dem sich also kein sc i cn- tisischer Grund angeben läßt. Alle diese Muthmaßungen aber sind nichtig, sobald wir bemerken, daß Winckel m a ii vor allen Dingen zuerst hätte untersuchen sollen, ob das Kaoitäl in der Kirche S. Lorenzo, seiner Form »nd dem St»l der Arbeit nach, wirklich in die Zeit des Angustus zu sezen sei. Ich halte es mit mehreren Kunstverständigen, die es genauer betrachtet haben, um einige Jahrhunderte später, wie gleicher, durch die Stelle des Pli»ins verleitet, sich zu Winckelmaiis Meinung neigt. Wen man eZ also sür eine Arbeit späterer Zeit hält, so kan man glauben, daß die gedachten Thiere die Namen der Künstler, die sie verfertigt, oder dessen, dein das Gebäude gehörte, symbolisch bezeichneten, von welchem Gebrauche sich mehrere Beispiele aus alten Denkmalen finden. Am angeführten Orte in de» Denkmalen äussert W i n> ckelm a n dieselbe Meinung, statt coluninilrum, zu lesen, und zeigt sich sast geneigt, eine solche Änderung zu billigen, die aber nach der vorhergehenden Anmerkung, und besonders nach dem Unterschiede, den Plinius zwischen und cüpiwlluul macht, völlig unstatthaft fein würde. Fea. t) Es folgt auch, nach dem was oben gesagt worden, ans der Stelle des Plinius keineswegs, daß die Tempel im Portieu des,Me te l l u s j o n i sch gewesen, so wie man ebenfalls nicht fagen kan, daß das Kapitäl in S. Lo- renzo zu einem der genanten Tempel gehöret habe/ da Plinius nicht bemerkt, wie es wahrscheinlich geschehen fein würde, daß diese Figuren auch an den Kapitälen angebracht gewesen. Diese Folge ließe sich viel eher aus dem Polluv ziehen, welcher (>.7. c. 27. segni. 121.) die Basis der jo» i sch e n Säulen , nent, zum Unterschiede der Basis der dorischen Säulen, die er > 17 * <02 Baukunst der Alten. gen angebracht worden/ beweisen 6 ionische Kapitaler in der Kirche zu S. Maria in Trasteve- re/ in der Mitte von deren Volute» / wo sonst die Nose ist/ ein Brustbild des HarpokrateS/ mit dem Finger auf dem Munde/ gearbeitet stehet. In der Kirche zu Santa Galla/ sonst auch S. Maria in Portico genant/ von dem Portic» des Metelli oder Octavia/ waren noch zu Bcl- lori Zeiten t) Säulen mit ionischen Kapitäler»/ und vielleicht waren unter denselben einige den beschriebenen ähnlich: izo aber sind Pfeiler anstatt der Säulen/ und diese sind barbarischer Weise in der Mitte von jenen vermauert/ wie zu unsern Zeiten in der Kirche zu S. Croce inGerusalemmegeschehen ist. §. An den alten ionischen Kapitälern stehe» die Voluten in gerader Horizontallinie/ und wurden zuweilen nur herausgedrehet an deu Ek- säulen/ wie an dem Tempel deS Erechtheus geschehen:^) in der lezteren Zeit des Atertums aber fing man an/ alle Voluten herauszudrehen/ welches sich unter andern an dem Tempel der Concordia zeiget/ so wie insgemein in neueren Zeiten geschiehet/ und es ist irrig/ wen man glaubet/ Michael Angela habe dieses zuerst gezeiget ES ist auch dieser nicht der erste/ welcher das ionische Kapitäl e r- höhet hat/ sondern sie waren eben so hoch schon , Stz -Ioka!!,, nent. Aber V! truvi u s (I. z. c, Z,) unterscheidet keine Ordnung/ welcher die sxira besonders zukomme/ und wir sehen auch in der korinthischen und zus.imengesezten Ordnung die Basw von zwei Wulste» mit Bildwerk verziert. Fea. i) IVots- sck si-ZAM. vestig. vct. komss. tab. 2. x. >o. , kuines 6es plus I>eaui Iii/Illum. t. I. psrl- z- p. 5l. Z) Uurucqicli!, Vite 6«' xktt. t. i.F. ^S. Erstes Kapitel. 403 an den dioeletianischen Bädern/ und höher als es Vitruvius lehret/^) nämlich das Drit- theil der Dike der Gäulen hoch. ß. ^>2. Uusserordentlich sind diejenigen ionischen Kapitale, welche Raphael auf den Säulen von einem Portale eines Tempels bei S. Nicola in Carcere/ in Rom gefunden/ deren Seiten (ku- stcllini), nicht das Vordere der Voluten (i rtncci), vorwärts gesezet waren/ wie derselbe besonders schriftlich unter einer von dessen gedachten Zeichnungen angemerket hat. 8^3 Nach der ionischen Ordnung kam die korinthische/ und KallimachuS/ der Bildhauer/ soll das Kapitäl auf eine besondere Art erfunden haben/ wie bekant ist. ?) Der Tronc einer herlich schönen Karyatide in dem innern Hofe des farnefischen Palastes trägt auf dem Kopfe einen geflochtenen Korb/ an welchem sich die Spuren von den Blättern finden/ welche den Korb gleichsam beschatteten/ wie Vitruvius den mit AkanthuSblättern bewachsenen Korb beschreibet/ welcher dem Bildhauer zu dem korinthischen Kapitäle das Bild gegeben. 2) Zu welcher Zeit dieser KallimachuS gelebet hat/ ist nicht 1) Vitruvius cl.Z. c. Z.) will/ dafi der Nbacus dieses Kavitäls die Länge und Breite des Durchmessers der Säule unten an ihrem Sckaste / uud noch ein Achtzehntel darüber habe; die Dike aber/ die Voluten mit einbegriffen, die Halste derselben sei. F e a. 2) Vitruv I. 4. c. 1. ZI ^Sendschreiben über die Geda nken ic.§. l05. die Erläuterung derselben §. jZS.Z 1 4Z Winckelmaü macht in seiner Ku nstg e sch i ch t e (KB. l K. §.) Viele Bemerkungen über die Epoche desselben bei Gelegenheit eines Basreliefs im Muse» Baukunst der Alten. eigentlich zu bestimmen; er müßte aber älter/ wenigstens an Jahren/ als Skopas sein. Den dieser bauete in der 96 Olympias zu Tegea einen Tempel ! der Pallas/ in welchem innerhalb über dorische Säulen eine zweite Ordnung korinthischer Säulen standen/ und an der Niobe/ welche nach aller Wahrscheinlichkeit von der Hand eben dieses Künstlers ist/^) stehet man/ so wie am Äao- koon/ mit dem Bohrer gearbeitet/ wovon eben dieser KallimachnS der Erfinder sein soll. K. Die korinthischen Säulen sollen/ wie bekaiit ist/ 9 Durchmesser in der Höhe haben; die Säulen an dem Tempel der Vesta aber haben mit dem Kapitäl 11 Durchmesser/ welches ein Beweis ist/ daß dieser Tempel gebauet worden/ da man stch schon große Freiheiten in der Baukunst nahm/ und in der Zeit/ wo lange/ spille nmäßige Säulen Mode wurden. §. ^5. In dieser korinthischen Ordnung wurde ' vermuthlich allererst unter den römischen Kaisern eine besondere Art/ die Säulen anzubringen/ erdacht. Das Gebälk selbst wurde nicht auf Säulen ge- sezet/ sondern man ließ von denselben Balken hervorgehendes verstehet sich/ von Stein oderMar- mor/) nnd diese unterstüzete man mit Säulen/ auf die Art/ wie dieselben an dem Tempel der Pallas auf dem Foro Nervä/ und an dem Bogen des ConstantinuS stehen. Ebenso war das Portal an dem Tempel des Kastor und Pollux zu Cap i to li n o, das einige für das Werk des Kolli m a ch»s halten^ den Plinius neiit/ welches aber in Bronze, nicht in M a r.m o r, war. F e a. 1) pausan. I. g. c. 4?. lZ, Z — 4.) ! 2) lG. d. K. S V. 2K. 2S §.Z Z) LEHendas. 8 B. l K. 14 §-Z Erstes Kapitel. Neapel/ izo zu S. Paolo/ Theatiner Ordens; und an dem Tempel des olympischen Jupiters zu ^ Athen / !) welchen Kaiser Hadrianus vollendete / tragen die Säulen auch auf der Seite/ wie dort an dem Portale/ ein hervorgehendes Gebälk. ß. 46. Die lezte Ordnung/ welche die Alten erfunden haben/ ist die zusammengesezete oder die römische/ das ist/ eine Säule mit einem korinthischen Kapitäl/ woran ionische Voluten gesezet sind. Der Bogen des TituS ist das älteste übrig gebliebene Werk/ wo diese Ordnung angebracht ist. §. ä7. Von den Säulen überhaupt ist noch anzumerken/ daß das einzige Gebäude der Alten in Italien/ dessen Säulen jede ihr besonderes Piedestal haben/ ein alter Tempel zu Assisi in Umbrien ist:^) eben dieses siehet man an zweiGebäuden zu Pal- myra/ und an einem Tempel auf dem alten Ausaieo zu Palestrina. 4) §. ä8. Es ist besonders/ daß bei den Alten auch ovale Säulen im Gebrauche gewesen: eS finden sich dergleichen auf der Hnsel DeloS. Herr Le Noy/5) welcher dieses berichtet/ gedenket eines Kapitäls zu einer ovalen Säule/ welches alla Trinita de' Monti zu Rom stehet; es ist ihm t) t. 2. pari. 2. pl. ^3. Xrclüt. 1. 4. c. 26. Dieser Banmeister har ihn höher gemacht/ als er wirklich ist. Fea. Z) Wo<>^, IVuins of xl, 4. Dekgleichen sieht ma» es an einem Tempel auf einem Basrelief/ das fönst in der Billa Medici war, und ie;o in der Galerie zu Floren; aufbewahrt wird. Man findet es abgebildet bei Piranefi, («lvll-» uiagnif, dv' tav. Z3. liA. 1.) Fea. fRumei'o l4 der Abbildungen dicfer Ausgabe.) 5) Kuiues, !. 2. 2. p 5i> xl. 26. Baukunst dcr Alten. entfallen/ daß gegen demselben über ein andere» demselben völlig ähnliches und gleiches stehet. ES finden sich auch in Rom zwo ovale Säulen, und zwar von Granit, in dem Hofe des Palastes Mas- simi alle Colonne, und dem Ansehen nach gehören gemeldete Kapitaler von Marmor zu diesen oder ihnen ähnlichen Säulen, §. 49 Ich füge deu Anmerkungen über die Form der Gebäude der Alten noch ein paar Erinnerungen bei; die eine ist über eine Meinung des Herrn Marchese Galiani zu Neapel/ in dessen überseztem Vitruviv/?) welcher glaubet/ 1)Le Noy gibt am angeführten Orte die Abbildung deS vorgeblich einzige» Kapitals dieser Art, welches aus Trü nita de' Monti steht, aber sehr fehlerhaft, wie Pira- nefi («iella mggnis 2. ) eine genauere Abbildung davon gibt. Derselbe schreibt, daß die-'es Kapitäl mit den er> wähnten Säulen auf der Insel Delos zusammenstimme. Es ist auch nicht unmöglich, daß es von dort hergekoiw men fei; den alle beide wurden vom Cavuliere Gu aldi von Rtmini aus Griechenland gebracht, und im Jahre IS52 dem Kloster auf Trinita de' Monti geschenkt. Diese Schenkung und das Jahr derselben sind in einer Inschrift auf ihrer kleinen Basts bemerkt. Le Roy glaubt, daß diefe Art ovaler Säulen der größeren Festigkeit wegen an den Eken gebraucht worden. Die ovalen Säulen im P alaste M assiini kan man als zwei balbe Säulen betrachten, deren jede an einen dünnen Pilaster Von demselben Granit geheftet ist, welcher sich in ihrer Mitte befindet; und nach ihrer Unebenheit und Rohheit scheinen sie mir Vielmehr eine Arbeit der leiten Jahrhunderte und vielleicht aus derselben Zeit, wo der Palast gebauet wurde, und für den Ort, wo sie stehen, Verfertigt; doch will ich denen, welche sie füs atttik halten, nicht geradezu widerspreche». F ca. s) 2, c. g> x> 76, >1. 1. Erstes Kapitel. 4o? baß Wohnungen für Personen von Mitteln und Vermögen, also auch Paläste (auf dem Lande, wie er vermuthlich hat sagen wollen; den in t) Galiani spricht ausdrüklich von Stadt - und Landhäusern, wie er (I. 7. c> 4, x. 276. n. 2.) deutlich erklärt. Indessen hätte er für seine dreiste Behauptung doch einige» Grund angeben sollen. Im Gegentheil kan man mit größter Gewißheit sagen, daß, sowohl aus dem Lande als in der Stadt, Edle, Bürger und Arme in Häusern von mehreren Stokwerken wohnten. Der sicher- sie Beweis dessen sind so viele römische Geseze, welche verboten, Häuser über eine gewisse Höhe zu erbauen um den Einsturz und anderen Schaden zu verhüten, wie der Redner Sene ca (l. 2. controvers. 2 «r g.) bemerkt, nebst vielen andern, welche von den Baupflichten gehandelt haben; und diese Geseze galten nicht blos in der Stadt, sondern auch auf dem Lande. Varro (->,) und viele andere Schriftsteller mehr. Die beiden Vil» len des Plinius hatten zwei Stokwerke, welches G a> liani nicht hat bemerken wolle», und Winckelmakl wahrscheinlich übersehen hat. Die laur e» tini sch e V i l< lahatte, wieP l iniu s (l. 2. exist. 17.) berichtet, das Land« Haus von einem Geschoß, aber aus einer Seite hatt« es einen Thurm von vier Stockwerken. Die andere Villa des Plinius, in Toscana, hatte das Landhaus von zwei und drei Stokwerke», ohne Thürme, wie derselbe c>-S, exist. 6.) meldet. Jnvenal (sat. >4. v. SS.) spricht von den Landhäusern des Centra niuS »u Tibur, Präneste und Gaeta, die sehr hoch waren. Dasselbe schreibt Sidonius (earn,. 22. v. 209.) von der Burg oder Villa des Pontius Leonti us. Fea. 403 Baukunst der Alten. Städten wissen wir das Gegentheil) insgemein nur ein einziges Gestok gehabt/ und keine obere Zimmer, ES hat derselbe Recht/ nach den Beschreibungen der Landhäuser deS PliniuS: wen ^ aber die Villa Hadriani hier anzuführen ist/ so siehet man augenscheinlich Zimmer über einander/ so wie in den a n to n ini sch e n B äd e rii/ auch in den diocletianischen, wie dieselben vor zweihundert Jahren standen: in einige» Theilen dieses erstaunlichen Gebäudes waren drei Gänge und Zimmer über einander. In den Trümmern einer weil- läustigen Villa unter dem alten Tuftulo/ wo izo die Jesuiten ihre Villa/ alla Russinella genant/ gebauet habe»/ fanden sich Kammern über den Wohnzimmern; jene aber waren niedrig und schlecht/ und schienen nur Wohnungen der Bedienten gewesen zu sein. K. 60. Die andere Erinnerung gebe ich den Liebhabern der Altertümer/ welche theils aus Kupfern urtheilen wollen/ oder wen sie jene selbst betrachten können/ nicht Zeit und Kentniß genug haben / die Zusäze an alten Werken von diesen selbst zu unterscheiden. Man merke/ daß die Tempel und Gebäude auf zwo erhobenen Arbeiten in der Villa MedieiS/ welche in den Admiranda des Bar- toli stehe»/2) größtentheilS neu/ und zwar nur 1) Der berühmte Cardinal A u t o n P e r r e n o t G r an v el- la ließ auf seine Kosten die diocletianischeu Bäder Von Sebastian de O»a, königlich spanischem Baumeister in den Niederlanden , zeichnen, und alles genau ausmessen, und diese Zeichnungen sind von Hi e ro n»mo Cvck, aus Antwerpen, in 26 Blätter» in Folio mit einer meisterhasten Art und großen Sauberkeit in Kuvftr gestochen. Dieses Werk trat nebst einem kurzen Berichte aus zwei Blättern im Jahre 1558 an das Licht, und hat sich überaus selten gemachet. Win ekel man. 2) lad, 4Z,— /,4. Fea, Erstes Kapitel. ^09 von Gyps, zugesezet sind. Den es könte einige unrichtige Begriffe von der Form alter Gebäude geben, und ich sehe/ daß ein erleuchteter Scribent unserer Zeit durch diese Kupfer verführet worden. Wo ein Stier zum Opfer von zwo Figuren geführet wird, ist nichts als dieses bis auf die Beine der Figuren/ und ein Theil des Daches über ihnen alt. Wo ein Stier soll geschlachtet werden/ ist ausser einem Stükc von der knieenden Figur/ welche ihn hält/ nur eine andere Figur/ welche im Grunde stehet/ alt; das Übrige alles istZusaz.^) Eben so verhält es sich mit dem Portal eines Tempels auf einer erhobenen Arbeit von vielen Figuren in dem innern Hofe des Palastes Mattci;^) auf der Friese dieses Portals stehet: imi. c^i-iroi.11,0. Der Tempel ist ein ganz neuer Zusaz/ um dem alten Werke diejenige Maß zu geben/ welche man nöthig hatte an dem Orte/ wo es stehet. Z. 55. Der zweite Saz des dritten Stüks dieses Kapitels von den nöthigen Theilen der Gebäude/ gehet zum ersten auf die inneren/ und zum anderen auf die äussern Theile. §. 52. Die vornehmsten äussern Theile sind das Dach/ der Gipfel/ die Thüren und die Fenster. DaS Dach wurde bei den Alten, welche auch das Verhältniß der Gebäude vom Menschen sollen Das erste dieser Basreliefs befindet sich jezo in der Galerie zu Florenz/ und es ist des Alten mehr daran, als Wi» ekel in an sagt, wen er nicht vielleicht aus Versehen ein anderes meint, welches mit dem zweiten von ihm angeführten an der Vorderseite des Palastes ange- braäst ist, und vom Vartoli nicht abgebildet worden Auch diese beiden enthalten des Alten mehr. Fea. 2) Nontiauc. expl. LuppI, t, 4. I» i-I, iZ.— ^ina<1u2!» Hlonuiu. HIattli. t. Z. tak. Zl). Fea. Wittckelman, -2. 58 Baukunst der Alten. genommen haben/ als' da» Haupt des Gebä'ndeS angesehen/ und verhielt sich zu diesem/ wie sich das Haupt zum Körper verhält. ES war nicht/ wie man jenseit der Alpen auch an fürstlichen Häusern siehet/ oft das Drit theil von der ganzen Höhe der Gebäude/ sondern es war entweder ganz flach/ oder inehrentheils flach gegipfelt/ wie noch izo die Häuser in Italien. Die Einwendung, daß steile Dächer in Ländern/ wo viel Schnee fällt/ nöthig sind/ ist ohne Grund: den in Tirol, wo es nicht an Schnee fehlet/ sind alle Dächer ebenfalls sehr flach. An bürgerlichen Häusern war zuweilen die ganze Cornische, auf welcher das Dach mit ruhet-/ von gebrauter Erde/ und dergestalt eingerichtet/ daß durch dieselbe die Traufe ablaufen konte. Zu diesem Ende waren an derselben in be- siimter Weite Löwenköpfe mit offene m M aule gebildet/ durch welche der Negen herunterfiel/ so wie es VitruviuS an Tempeln lehret. Stüke solcher Cornischen haben sich verschiedene im Hercu- lano gefunden/ und sind in dem Hofe des königlichen Musei zu Portici zu sehen. In Nom war der Ablauf der Traufe an gemeinen Hänscrn insgemein von Brettern gemachet. §. LZ. Der Gipfel hieß bei den Griechen oder und muß nothwendig an den alten Gebäuden und Tempeln fein/ deren Dach mit der Deke ein Dreiek machet: den die Häuser waren nicht alle platt und ohne Gipfel/ wie Salma- siuö behauptet/^) welches sich auf alten Gemälden zeiget. Wen aber der Gipfel auf dem >) I>, Z, c. z 2) plin. üxcrcit, i» Lolin. c. ?!>. t. I. p. FÜZ. 3) Und aus sehr vielen erhobenen Bildwerke». F ea. Erstes Kapitel. Palaste des Cäsars/ als eine Vorbedeutung seiner künftigen Vergötterung angesehen wurde,^) so ist dieses nicht von einem bloßen Gipfel/ sondern von erhobener Bildhauer arbeit/ oder gar von ganzen Figuren an demselben/ wie an den Tempeln waren/ zu verstehen. Pompejus hatte den Gipfel seines HauseS mit Schi fsch nä belir auSgczicret/ welches'/ wie Casaubonns meinet/ durch > tali. z>. 266. Hier ist eine der sogenanten hetrurischen Vasen abgebildet ist, auf welcher stch eine nach 0 >en verengte Thüre befindet. Fea. 2) ot 15.18t. t. 1. p. 107. fBe schreibe d. geschnitt. Steine, t Kl. 2 Zlbth. 3? N.Z Ä Es wäre ein Beweis dieser Beliauvtung zu wünschen, da die allgemeine auch von so vielen Autoren angeführte Sage meldet, daß Nignola die Thüre koriuthi- scher Ordnung an der Kirche von S. Loren;o und Damasv, neben der Cancelleria, gebauet, und auch für die Cancelleria selbst eine Thüre dorischer Ordnung gezeichnet habe, die aber nachher nicht ausgesühret worden; daß er ferner den Theil des Palastes Farnese gebauet habe, in welchem stch die Galerie der Carraeci befindet, nebst vielen Verzierungen an Thüre», Fenster» und Kaminen. Vilo clv' xiü cvlol-ri arclületti> t, 2. p 24.) Fea. ?) piranesi, Lora. lav> I. Erstes Kapitel. sehr alt ist. Endlich bat man diese Thüren auch an korinthischen Tempeln/ wie an denen zu Tivoli/ angebracht. K. 67. Die Thüren der Griechen gingen nichts wie die unsrigen/ einwärts/ sondern auswärts auf; daber geben diejenigen/ welche beim Plau- tuS i) und Terentius aus dem Hause gehen/ von innen ein Zeichen an der Thüre/wie ein großer Kriticus uns bemerken lässet. Den die Komödien dieser beiden Römer sind mehrentheils aus grie- >) .^nipliitr. act. >. sc. 2. v. iL. Lurcul. act. 4. 5c. 1. v. 2) act, 4. sc. >. V. Zg. — Terenz hat sie aus dem griechische» Original des Menander übersezt/ und die Scene ist in Athen. Fea. Z) Aluret. V»r> lect. l. 1. c. 17. — l'uraeli, Olivers. I. 4. c. >5. Sagittarius ( 22.) und Pancirollo (ker. nicruor.ik. I. I. tit. 2Z x, 70.) behaupten/ daß einige zu diesem Zwek ein Elöklein am Thor gehabt; aber sie bringen keinen Beweis dasür bei. Sagittarius glaubt/ S e n e c a (lle ir», I. Z. c. ZZ.) sei der einzige alte Schriftsteller/ der dieses bemerke/ wo er sagt: s?is, aü jsllus: inipulsum? Ich glaube aber/ daß diese Stelle nichts beweise; den erstlich scheint es/daß dieses zu verstehen sei von dem äusser» Klopsen oder Klingel» dessen/ der in's Haus hinein wollte / wie noch jezo üblich ist/ nicht aber dessen, der aus dem Hause hinausgehe» oder die Thüre osnen wollte; in welchem lezten Falle der Hausherr/ der sich darin befand/ davon nicht erschreken koiite/ und es würde nicht nöthig gewesen sei»/ zu klopfe» oder zu klingeln/ um den,/ welcher hinein wollte/ anzudeuten/ daß er sich entferne. Zweitens: »ach der allgemeine» Art/ in welcher Seneca spricht, wen man ihn i»dem Siuiie versteht/wie S a g i ttarius will/ müßte man annehmen/ daß es die übliche Sitte in Rom gewesen fei/ die Thüren nach aussen zu ofnen/ zu einer Zeit/ wo dieser Gebrauch auch in Griechenland schon abgekommen war/ und nur höchst wenige ihn noch beibehielten. F e a. Baukunst der Alten. chischen übersezet/ oder doch Nachahmungen griechischer Stüke. Die Ursache dieses Zeichens von innen war/ daß diejenigen/ welche nahe am Hause vorbeigingen/ sich vor einem Stoße der ausgehenden Thüre hüten könren. Zu Rom wurde in den ersten Zeiten der Republik dem M a r c uS V a ler i u S/ einem Bruder des Poblicola/ als ein vorzügliches Unterscheidungszeichen gegeben/ daß dessen Thüre auswärts ausging/ wie die griechischen/ und man saget/ eS sei die einzige Thüre in Rom gewesen/ die also beschaffen war. Unterdessen siehet man an einigen Begräbnißurnen von Marmors) in der Villa Matt ei Z) und Ludovisi/ an welchen der Eingang zu den elysäischen Feldern durch ei« Thüre vorgestellet ist/ dieselbe auswärts ausgehen; auch in dem vaticanischen Virgilio ist die Thüre also an einem Tempel/ wie noch izo die 1) vinn)-s, Hai. ü.oiu. I. 2. c. Z9. ?1utarcli. ?o- c. 20. Nachher wird es auch in Rom üblich gewesen sein, die Thüre »ach aussen zu öfnen , ohne daß es ein besonderes Vorrecht gewesen; wie man aus dem Rechtsgelehr- ten Scävola schließen kan, dessen noch weiter unten wird erwähnt werden, und der zu den Zeiten des Cicero lebte. F e a. 2) Älontkmc. cxjzl. t. 5. sil, 122. Z) IVIonuii». AIuttiiLeior. t. Z. tak. 63. liA. 2. Dasselbe sieht man auch an einem Tempel in einem Basrelief an der äusseren Mauer der Hauvtkirche in Floren;, abgebildet bei Gori ant. in kir. url> 2. tal). i i.) und an dem Tempel aus dem früher in der Galerie z» Florenz befindlichen Basrelief, welches Pi- ranesi (-leila Aagllif. d> I>. Igö, Loi5!»rxu-n) Wer aber die herculauischen Gemälde hat/ wird auf der ver- meineten Dido eine solche Thüre finden/ an welcher das Gitter oben befestiget ist: eS dienet dasselbe zu Erleuchtung des inneren Gebäudes. An bürgerlichen Häusern war über der Thüre ein freier Stand herausgebauet / welchen man in Italien Ninghiera/ im Französischen Baleon nennet: im Griechischen hieß es In einigen j) Fico ro >'i tle v?3t!A. ^om.->m. I. I. c. 20. p. 1Z2.) gibt als bekant an, daß die antiken Thüren aus Bronze von Genserich/ König der Gotheii/ weggeführt worden, aber er nent keinen alten Autor, der es erzählte. Ihm folgte auch Venuti, (Xccurat. e succ, pius, der die Plünderungen Genserichs erzählt, erwähnt diefer Thüre» gleichfalls nicht. Vorsichtiger zweifelt daher Nardini (kou>. ->»t. I. 6. c. 4. x. 2g5.) blos, daß es nicht mehr die alten Thüren seien; Venuti sezt noch hinzu, daß diese beiden Thüren neuerer Zeit seien aus Zapfen gestellt worden, und daß die alten mit Haspen auf Angeln gegangen. Fea. 2) pilt. (1'LrcaI, t. I. tav. iZ> x, 7Z. Z) v. Bei den Lateinern monianurn oder mirniannm, wie beim Vitruvius (I. 5. c. >.) u. a. daher das italiänische Wort m!gn.i»o entstanden ist. Man sagte auch Solarium, italiänisch Lolariuin und inrxnirlnuni aber »ante man auch die Terrasse oder das flache Dach der Häuser, wie man ste noch jezo in Neapel steht. (Isiäor. vrigln. I. iZ. 5, llicrva. exi5t. io6.) Zea. Erstes Kapitel. Tempeln wurde vor die Thüre ein starker gewürketer Vorhang gchänget, welcher in dem Tempel der Diana zu Ephesus von unten hin ans gezogen wurde; i„ dem Tempel des Jupiters zu Elis aber ließ man den Vorhang von obenherunter. 2) Zn den Häusern waren die Thüren im Sommer mit Flor bespannet.^) t) Buonarroti (Oserv. !stor, üopr. alc. meilsgl SIN, tav. >. ». 6. x. 20.) bat geglaubt/ aus einer Münze des Hadrianus eine Spur eines solchen Vorhanges zu finden/ wo dieser Tempel der Diana/ oder vielmehr die Capelle oder das Tabernakel derselbe»/ vorgestellt ist. Aber er hätte bemerken können, daß jener Vorhang nicht in die Höhe gezogen erscheint, wie Pausa- »ias sagt/ sondern gleichsam von einer Seite flattert. Ein Beispiel eines Vorhanges/ der so mit drei Schnüren in die Höhe gezogen wird/ findet sich in den ist/ wie einige unwissende Scribenten vorgeben; den das Gegentheil beweiset der Rand/ oder die zierliche Einfassung derselben von Metall/welche noch izo zu sehen und keine Arbeit barbarischer Zeiten ist. Da unterPabstUrban VIII. ein langer unterirdischer Ablauf der Unsauberkeiten bis an die Tiber gezogen wurde/ san^ sich 15 Palmen unter dem inneren Pflaster der Rotonda eine große runde Öfnnng zum Ablaufe des Wassers/ welches sich .durch die obere Öfnung in dem Tempel sammeln koiire. Es waren unterdessen einige runde Tempel ohne diese Öfnung. K. 6n. Wen man aus den übrig gebliebenen alten Gebäuden / und sonderlich aus der Villa Hadria- Licht gehabt, wie schon Cia >» pini (Vct. mo»um. t. i. c. 7.) durch die alt?» Gebäude selbst und durch die Zeugnisse alter Autoren weitläufig gezeigt hat. Er bemerkt/ daß in vielen Kirchen zu Rom z. B. die Zensier später- hin verenget worden seien, entweder, um sie auszubessern, oder um sich gegen die Kälte zu schüzen; oder von den Mönche», um vom Lichte nicht in ihren Meditationen gestört zu werden. Fea. 1) Der Tempel des Gottes Terminus, der in dem Tempel des Jupiter Capitoliuus ciugeschlosse» war, hatte vielleicht eine ähnliche öfnung im Dache, durch welche man den Himmel fehen koiire, indem es Sitte war, diefen Gott an einem offenen Orte zu verehren. (I^actanl. v. 2^.) Fea. -520 Baukunst der Alten. ni zu Tivoli/ urtheilen kau/ so liebeten die Alten me»r die Finsterniß als das Licht: den es findet sich daselbst kein einziges Gewölbe oder Zimmer/ welches Öfuungcu zu Fenstern hatte/ und man muß glauben/ daß das Licht ebenfalls durch eine Ofnung des Gewölbes hineingelassen worden; die Gewölber aber find um ihren Mittelpunkt herum eingefallen/ und man kan sich nicht deutlich davon überzeugend) So viel ist gewiß.- daß sehr lange Gänge oder Galerien/ welche halb unter der Erde waren/ und t) Mir scheint, daß die Ruinen der Villa Hadriani keinen Beweisgrund für diese Muthmaßung abgeben können, da man nicht weiß, zu welchem Zweke dieses Gebäude bestimt war. Bei den Autoren finde» wir im Allgemeinen das Gegentheil. P al la d iu s r. c. >2.) schreibt vor, daß die Landhäuser Viel Licht haben müßen, und Bitruvius sagt dasselbe sowohl von den Stadt- als Landhäusern (I. 6. c. 9 ). Äusserst Helle waren die Landhäuser des Plinius, deren oben schriebe«»: Haus (oben S. 4lS.); so wie das Bad des Claudius Etr »scus, welches Statius t I. >. c. 5.) beschreibt: und statt aller andere» Beispiele können so viele römische Geseze diene», welche zeige», wie angelegentlich man bei Stadt- und Landhäusern darauf sah, daß die Nachbarn nicht das Licht derselben Ver- baueten; wie in den Pandekten, dem Coder und den Institutionen zu lesen ist. Lukas Holstein, Marsilius Cagnatus :c. welche über die engcii und sparsam angebrachten Fenster der Alten dieselbe Meinung wie Winckelma» hegte», sind von Donius lengrest. >,c«I 919.)/ vom Pater Min u to l 0 lvis- seit 4. t> ), und einige andere Gemacher die Fenster auf diefe Weise hatte». In andern Gemächcrn werden sie verschieden gewesen sei». Seneca, c>'pist. 8ü.) wo er von dem Bade des S ei v io ?l fri c a n u s dei Ältern zu Liternuni spricht, erwähnt, daß es »ach Art der alten Bäder sehr dunkcl war, und das Licht durch einige üsnimgen emvstng, die eher Rize» als Fettster zu nennen wären; im Gegensaze mit dem Gebrauche sei n e r Zeit, wo sie durch sehr gros« e Fen st er, in welche die Sonne den ganzen Tag hineinstcl, und durch die man, im Bade sizend, Meer und Gesilde übersehen koilte, erhellet waren; in koc b^iaeo Scipionis »lininiss sunt / II1LAI5 muro In^)i6eo tiv. ut sine i»juii!> niuni>uüiiti lunwn -läiuiltcrcnt. 422 Baukunst der Alten. Werkstellen der Maler und Bildhauer/ welches man sonderlich an den Gebäuden der durch den Vesuvius verschütteten Städte gesehen hat. Eben dieses zeiget sich auf einigen erhobenen Arbeite»/ und auf alten herculanischen Gemälden:^) Die Häuser daselbst hatten gegen die Straße zu gar keine Fenster.^) Diese Art zu bauen war nicht zur Neugierde und zum Müßiggänge eingerichtet; sie verschaffet- aber ein viel inizlicher Licht in den Zimmer»/ welche» das Licht ist/ das von oben kömt. Wie vortheilyaft dergleichen Licht auch der Gestalt sei/ kau man daraus schließen / daß die Mädchen in Rom/ welche versprochen sind/ sich dem Bräutigam/ wie man saget/ daß man auch desVitruVius Vorschrift nicht befolg«. So war vielleicht auch das vorhin erwähnte Bad des Claudius Etrufcus eingerichtet, und das Bad d» Fa ustina/ welches die Fenster von solcher Größe hatte, daß sie von der Erde fast bis an die Deke reichten, I» den Bädern des Diocletiauus und andern findet ma» die Negel des Virruvius beobachtet. Man sehe die Abbildungen davon bei Cameron (Dc^cript. >Ie>i Imin, i-,, um zu zeigen, daß die Nachricht, welche Wiw ckelin a n in der G e sch i ch t e d e r Kunst ( t 2 B. 2 K. 2 §.) von einige» gibt, nicht so ganz neu war. Fea. >) ?itt. ö'Lreol. t. I. ^>. 171 — 22g. Virgil. Vatic. II. 2g. 2) Man sehe die Briefe an Bianeoni (S. 3t Z7.), wo sich Winekelmai? über diesen Punkt, sowie auch über die Höhe der Fenster deutlicher erklärt. Fea. Erstes Kapitel. zum erstenmal öffentlich in der Rotonda sehen lassen. Man war auch in Zimmern mit hoch angebrachten Fenstern unter dem Winde und der Luft/ daher findet steh/ daß die Alten vor die Öfnungcn zu Fenstern nur eine Deke gezogen. Auswärts waren diese ihre Fenster nicht/ wie izo/ mit eisernen Gattern verwahret/ sondern anstatt desselben w^r ein von Metall mit Krenzstäben gegossenes Gitter/ welches in Angeln hing/ und auf und zu gemachet werden kon- te; es hieß claUnum. Man stehet dasselbe anf ver- l) Digest, 1, ZZ. tit. 6. I, (^n-ositum ost, 12, Z, 8i do- IN 115 16. ulVian sagt davon nichts i» diesen, auch von den ?luslegern so viel und oft bestrittenen Geseze. Es scheint/ daß er, wen er von Vorhängen der Fenster svricht, mei> »e, daß die Vorhänge in den Zimmern dienten/ dem Tageslichte und der Sonne den Eingang zu verwehren, weil man sie dunkel machen wollte/ wie auch »och heu- ^ tiges Tags geschieht, während man, ihm zufolge / um die Kälte von den Fenstern abzuwehren, Frauenglas in dieselben sezte/ wie auch Seueca sagr (äe xrov!6. c. 4. notur. l^uWst. I. 4. c. ult.) und Plinius der Jüngere, (I. 2. cpist. 17.) IVc^ue spcculüria, schreibt Illpian, veln, c^lica fri^oris causa vet uulln^ >11 6omo suni. Niemand wird sagen, daß jener Stein gedient habe, Dunkelheit zu bewirken, oder das Licht zu Kindern, da seine Beschaffenheit und der Zwek seines Gebrauches war, ein Helles uud reichliches Licht durchscheinen zu lassen, wie derselbe Seneea (exist. go>) so auch M a r t i a l (>. I, exigr. 14. V. z —4. edit. La- dcri. ilj2^.) ll^deinis vl>>ect.i notis spccu^zri!» puros ^.dmittunt et sino tsece diem. (Lons. Lssi!. A. in liexaincr, Iioniil, Z. n. 4. ) Von diesen Vorhängen spricht auch IuVeua l (sat, g. V. I o5.) und andere Autoren. Aber oi'ter erwähut derer/ welche vor den Fenstern der Kirchen dienten, der Bibliothekar A «last a s i u s in denLebender P ä b st e, Feg. 424 Baukunst der Alte». schiedeneit alten Werkens) und im Herculano hat sich ein solches Gitter ganz unversehrt gefunden. An einem runden Tempel auf der angeführeten erhobenen Arbeit in der VillaNegroni gehen Gatter/ i anstatt der Fenster/ auf beiden Seiten der Thüre/ von der Cornische bis auf den Boden/2) «ach Art wie sie sich oberwärtS an einem andern erhoben gearbeiteten Tempel befinden. ES gab auch Säle bei den Alten/ deren große und hohe Fenster bis auf den Boden heruntergingen.^) §. 62. Daß die Römer schon unter den ersten Kaisern Glasfenster gehabt / geben die platten Stüke GlaS/ welche im Herculano gefunden worden, nicht undeutlich zu erkennen. ES redet auch Philo in der Gesandtschaft an den Kaiser Cajus von Glasfenstern. 5) Die älteste Meldung derselben findet sich also nicht beim LactantiuS/6) wie Herr Niroii/ in einem gedrukten Schreiben aus London 1769 an Herrn Venuti gerichtet/ vorgibt. ?) Ich piu. ä'Lrcol. t. >. x. 22g — 261. 2) tMa» sehe unter den Abbild unge »Numero ^—45-^ Z) Hlonttanc. t. 5>. ^1. 1.?». Vitruv, I. 6. c. 6, Diese Fenster hießen bei den Lateinern vulv-e oder ken'.'^ti'N vslvs^az. Plinius der Jüngere (I. 2. 17. ) schreibt von seiner Villa Laurentina: un- Vitruvius am angeführten Orte »eilt ste Iun>in.-> s^ne- stürmn Vlllvnta, welches Galiani passend durch l!nnzez'. Wlan vergleiche oben S. ZS —Z7.^ , hat alles daselbst überweissen lassen, und also ist nichts mehr von dem Gemälde zu sehen. B ellori hat es, in's Kleine gebracht/ in Kupfer vorgestellet. ) 1) Vurimann. L^Il. epist. t. p. 627. ^53. 2) Dieses beweiset nichts; den die Fenster konten auch Von Frauen«;las oder andern Materien sein, von denen in den Anmerkungen zu den Briefen an B>- anconi die Nede ist. Fea. Z) vet. k'lnn. p- i. Winckelmaii bat nachlier in seinen Denkmalen >r8 clausa lencstrse: <)uale s^lvi« luuica Iiokl'i'e solent; suklucent lu^iente crexuscula plia-do, ^ut ulii nvx öliut, nec tamin vrta Ili? <)ua latedras zperct ksdere pudor. Winckelmaii, welcher in Rom schrieb, wo die Ge- wohnbeit ist, in den Nachiuittagstunden zu ruhen, und die Fensterläden, wenigstens der Hizc wegen, zu »erichlic- Erstes Kapitel. 42? die Dckcil/ oder die Gewölber/ die Trepen und insbesondere die Zimmer. ßen, konte sich leicht vorstelle»/ daß SVidius Von etwas Ähnlichem spreche/ und einsehe»/ daß eine solche Dunkelheit durch Vorhänge/ dere» einer zugezogen/ der andere offen war/ nicht zu bewirken sei. Auch Vitruvius (I. 6. c. 7.) schreibt vor/ daß man die Fenster geschlossen halte/ um die Zimmer vor der Sonuen- hize zu verwahren; und dies mußte vermittelst eines undurchsichtigen Körvers geschehe», der fädig war, den Son- ncnstralen und der Wärme den Eingang zu verwehre»/ und dazu war Hol; i» jeder Hinsicht das begucmste und wobiseil- ste Material. Juvenal bestätigt dieie Erklärung. Zwar spricht er von Vorhängen/ aber er sezt voraus / daß diesen- sterschon »ntLäden geschlossen seien/ indem er sagt, daß man mit den Vorhängen die Fenstcrrize» verschließe, so daß auch kein Lusrche» durchdringe; von Licht ist gar die Rede nicht/ da er voraussezt/ es sei Nacht, indem er so aus den auch »och heutiges Tags «blichen Gebrauch anspielt, die Fcuster wohl zu verschließe»/ und deßhalb auch die Vorhänge niederzulassen; er wollte damit blos sage»/ daß/ weil man auch alle mvglicheu Vorsichtsmaßregeln anwende/ um etwas zu verberge»/ was man i» seinem eigenen Hause, selbst zu Nachtzeit, zu thun Vorhabe/ doch die Nachbarn es schon vor Tage wissen wurden. t> < . Oor)cloi>, secremi» «livitis ulluni 5555? putaü? Lervi ut t.ieesiN, juinenta locjiiuntiir, I>r^xjriius ante 6ieni caupc» seiet; suiliet et ?I„;erunt paritcr lidrarius, arclur»>>ß!ri, darptvl'es. Noch andere Autoren sprechen von dunkeln Kammer»/ die wahrscheinlich mit Läden verfinstert worden/ 628 Baukunst der Alten. Z. 6i. Die Dckc war in vierekichten Tempeln insgemein von Holze, so wohl in ganz alten Zeiten/ z. V- Seneea (t!on?ol. -«I l^arc. e. 22.), wo er erzählt, daß Cordus, der Zeitgenosse des S e? a nu s und- Tiberius, sich gestellet, als ob er aus Verzweiflung Hungers sterben wollen, sich deßhalb in ein Zimmer gesperrt, und alle Fenster verschließen lassen, um im Dunkel zu bleiben: >un«n 01,ine pi-secltiili juüüit et üe in tenes-fi-, <.onc1>tlit. ?luch ?l p u l e i u s ( Hlet.in,. I. 2. x. 57. ) svricht von einer Kammer, die durch Ver- schließung der Fenster verdunkelt war: concluve 0I1- seratis ulnliro^uin. P l i n i u s der Jüngere ( I. y epi^t. 36. ), indem er die Lebensweise beschreibt , die er auf seiner tusculanischen Villa führte, erzählt, daß er Morgens beim Erwachen die Fenster noch etwas verschlossen hielt, weil es gleich schon Tag war, um besser im Dunkel nachzudenken, und sie da» öfnen ließ, um das überdachte zu dietiren: evigilo cw slitui'. . . . I^otariuin voco , el «lie J-Inil';.':«, quie for- maverani, 6icto. So redet auch Varro t>le re I°u5t. I. l. c. 5g) von Fensterläden, luricuU an den Fenster» oder Luftlöchern: rotiieeus isur>.'->, wegen der Ähnlichkeit, welche sie mit ihnen, sowohl durch den Gebrauch hatten, als auch weil sie vielleicht öfter nach aussen, gleich die Thüren, geösnet wurde» , wie man aus dem Basre- lies der floreutinischcn Galerie sieht, das Gori tla- «cr. ant. in I^trur. ur>> >>zt. purt. Z. l. 20.) mittheilt. Die Selle des Terentius wird als» eine andere Bi- Bankunst der Alte». Apollo zu Delphi war / als auch in nachfolgenden Zeilen: auch die Tempel der h. Sophia und der Apostel zu Constantinopel hatten solche Deke». Der französische ttbersczer des PausaniuS har sich geirret/ wen er unter andern dem Tempel des Apollo zu Phigalia eine gewölbete Deke gibt: er har das Wort welches hier/ wie inSgc- meiN/4) das Dach bedeutet/ für die Deke genommen: das Dach dieses Tempels war mir Plärren von Stein geleget. Brsagetes Worr heisset an einigen Orten des PausaniaS zwar auch die Deke/ aber mir indem Falle/ wo es zugleich Deke und Dach deutung haben. Er sagt/ daß der Verschnittene mit einem Fächer einem Mädchen fächelte, welches nach dem Bade aus dem Bette lag; womit er vielmehr zu verstehen gibt, daß der Verschnittene ihr Kühlung fächeln, als daß er ihr die Fliegen weg scheuchen wollen. Und gesezt auch, dies lezte wäre seine Absicht gewesen/ so würde es doch nichts beweisen; den einem Schlafenden ^ die Fliegen zu verscheuche»/ war auch ein vielleicht aus Verwnchlichuug entstandener Gebrauch zur Zeit des Kaisers Pertinar, wie D i o im Leben des Severus (I. 7 c. 4-> meldet, in welchen Zeiten man in ?!om auch bei Tage die Fenster zu verdunkel» wußte, wie Svidius und Vitruvins bezeugen. In dem von Ezechiel beschriebenen Tempel zu Jerusalem, vom h. Hi er o u »mu s commenrirt (l^unnocnl. in I. >2. c, 4. cu> 5vi i' .), waren in den Fenster» weder Glas noch Frauettglas, sondern bloße Fensterladen von köstliche-» eingelegtem Holze, und >olche Lädt» scheine» auch die aus dem erwähnten Basrelief der florentinischen G>> lerie zu sein. Fea. 1) ?Iuil. V. v. 82, 2) Lo-Iin. <1c Orig t!onstüMillvi>> 64 et 7Z. 3) i. Z. c. 41. Z. 6. 4) Id. I, 5. c, lv. I. Z. Erstes Kapitel. bedeutet/ wie in Höhlen.^) Unterdessen ist auch dieses Wort bei späteren griechischen Scribenren zweideutig worden/ so wie die leztern römischen Scribenten die Wörter / welche eine platte Dekc von Holz und ein Gewölbe bedeuten/ mit einander verwechselt haben. 2) §. 66. Diese Deken der Tempel wurden zuweilen von Cedern gemachet. Die Deken der Kirchen zu S. H o h a n Lateran, und zu S. MariaMaggi- ore tönten uns von den Deken in alten Tempeln einen Begrif geben. Ich läugnc indessen nicht/ daß eS nicht vieretichte Tempel mit Gewölbern gegeben habe/ so wie es der Tempel der Pallas zu Athm war. Solche Tempel aber hatten drei Navaten, wie izo gedachter Tempel / wie der Tempel des Friedens zu Rom/ und der zu Balbek; und in diesen Tempeln bekam das Innere derselben von den Ge- wölbern/ welche mit Schisböde» von den Alten verglichen werden/ den Namen eines SchifS/4) und man saget/die mittlere und die Seitennavaten. >) III. I. g. c. ZZ. Z. 2. Ich glaube, daß Pausanias hie» auch blos von dem Dache spricht/ so wie anderswo (I. >, I. >5... übrigens laugne ich nicht/ daß zuweilen auch I,il:u»ur. slache D eke, bedeute / wie S » lburg zum P a u sa n i a s > c > g. Z. >.^ anmerkt/ und Win ekel man IG- d, K. NB. Z. K. 2Z§.) den Hesychins bei dem Worte «ersteht. Fea. 2) Lllliuas. iu Vvpizc. p. ZgZ. 8p >n, kelüt. 27. 4) Lsliuas. crcrctt. in Lolia. e. öü, xi L5L. Baukunst der Alten. Dcr Tcmpcl des capitolinischen Jupiters zu Nom aber hatte auch drei Cellen oder Navaten,^) und dennoch eine Deke von Holze,, welche nach der Zerstörung von Karthago vergoldet wurde. ?) K. 66. In Häusern hatten die Zimmer theils platte Deken von Holze/ wie izo überhaupt in Italien/ wen sie nicht gewölbet sind/ und diese Deken/ wen sie blos aus Brettern bestanden/ mit welchen die Balken beleget wurden/ hießen bei den Griechen ; ^) hatten sie aber Zieraten/ welche/ wie noch izo in Italien/ vertiefte vicrekichte Felder waren, so hießen sie I-ikzueariü: den dergleichen Felder wurde» lacus genennet. Oder es hatten die >) >Ze Laplt, c. >3. 2) ?Iin, !, ZZ. c.Z. secl. >3. 4) Diese Stelle ist in der Bibliothek der schönen Wissen schast en -c. (tll B. > St. t60S.) von einem llngenanten kritifirt worden. Es beißt daselbst: 1, Man findet , daß die Deken der Tcmvel und Häuser „ aus Bögen von Steinen oder von Holze find gewölbt „ worden, welche man lvder wie Seßner lic- „ ber lese» will, cuimir!,?) nante. unten an diese Deke 1, wurde noch eine hölzerne angemacht, welche Iscunar oder auch l-i^ur-n-gcnaiit wurde, und zur Zierde diente. So » sagt Jsidor: laijuiüiia «iunt, «jULL z, diese Deke von den IN uschelichten Vertiesungen la- „ cul>u^, griechisch ) und (-1 lacsiu is) „weil sie >»it Striken befestigt wurde. Doch naiite man sie auch mit dem allgemeinen Namen Samara, ! »wie dieses deutlich aus dem Plinins erhellet, der , „vom Pansias i einem Schüler des Pamvhilus, ^ dem Meister des Apelles,) sagt: ( I. Z/,. c. > > ^ „ /,«.) Iacuu:iii» ^riinus s>iiiAf?re nee xl csiuaras ?Qlc cuu> taliler intvrnur! luos luit. Hier Iimmer Gewolber mit Rohr gemachet (voltc ^ czni>->) und die Verfertigung derselben lehretPalladiuS und Vitruvius.^) ES wurde die Form des Gewölbes von Holz und Brettern aufgesezet/ und breit getretenes Rohr/ welches durchgcbendS in Italien viel stärker und länger als in Deutschland ist/ auf dieselben gebunden; auf das Rohr wurde» Schlaken vom Vefuvio geleget und befestiget/ und über dieselben wurde Mörtel (vonPuzzolana) getragen/ und die lezte Lage geschahe mit klein gestoßenem Marmor und Gypse. In einigen Häusern der durch den » den offenbar I-icunai-ia und comuriv Verwechselt. Diese la- „ cun-ni-i, nicht die <ü>n>->r!r im eigentlichen Verstände, wur, „ den mit Cälaturen, d. i. mit e r h o b e n e n Figuren ,, ausgelebt, oder gemalt, »der mit Kostbarkeiten ausgeziert, :? daher kommen des Virgils Icc^uenriu Diever- » tieften, runde n und ra ut e»ek i g e n hießen „bei den Griechen nicht, wie W i n ek e l m a i! „ sagt, die De ken. Dieses beweist die Stelle des Jose- vl> us in den Altertn m e r n (! > S.), wo er von den Bret- » t e r n deeDeke sagt, ste wären (2 , ex- 71 csvo) c-. „ (!>. c. au,-"« Aus diesem werden Sie leicht sehcn, was ich wider diese Stelle des Herrn W in ekel- >, man habe. Noch weiß ich nicht, was ich mit den >, Worten machen soll: hatten sie Zieraten, so hießen sie / Virg. ,rn. 1^ v. 627.) nachsagen » wolleil, welcher schreibt: /t,»r, <^uo«I per lintis- „ tickon Wer kan aber glauben, daß aus „ /acuv ÄNd durch ein lächerliches Antisti- >, chon sollte gemacht sein?" Fernow. >) Oo rc ruzt. I. c. >z. 2) 1^. c. 6. Winckelman. 2. 19 Baukunst der Alten. Vesuvius verschütteten Städte haben sich dergleichen Deken gefunden/ welche aber zusammengedrüket waren. Z. 67. Die Treuen in den Tempeln/ welche auf das Dach innerhalb der Mauer führeten/ waren Windeltreven/ wie in dem Tempel des olympischen IupiterSzu Elis/ in der Notonda/ in dem Tempel des Fried en 6 zu Rom/ 2) und in den diocletia- nisehen Bädern, i) In andern öffentlichen Gebäuden/ die Stufen in den Theatern ausgenommen/ hat sich keine Trepe erhalten; den man wird die Stufen schon vor Alters weggenommen habe»/ wie man noch zu unseren Zeiten mit denen/ welche in der Villa Hadriani/ und mit einer andere»/ welche ohnweit dem Palaste von Santa Croee zu Nom entdeket worden/ gethan hat. Jene führete zu einem offenen Gange auf prächtigen Säulen/ ging gerade mit ihren Zlbsäzcn oder NuhepläzeN/ war aber nur acht Palmen breit/ welche Breite einem kaiserlichen Lust- Hause nicht sehr gemäß ist. Eben so breit waren die Trepen in dem vermeineten Lusthause des M. ScauruS auf dem palatinischen Berge/ wie Li- gorius in dem Grundrisse desselben/ welcher sich in dessen Schriften am gedachten Oxte befindet/ anzeiget, >) Pausn». I> 8. c. io. ^Z, 2) Diese halben euren dreiekige» Plan. Fea. Z) IG. d. K. ll B. Z K. 15 §.^! Eine ähnliche Trepe sieht man in dem Überbleibsel eines Tempels nahe bei Girgenti, welche ein Meister- stük in dieser Art ist, wie Baron Niedesel in seiner Neise (l Br. 4l S.) bemerkt. it?o war auch jene, die Lu-cian erwähnt, (iu plulopciiiv Z. -Z.Z und etli> che Jahrhunderte vorher hatte man ähnliche Stiegen im Tempel Salomo»is angebracht. (3 Kön. ü K. S N> Ioz. I. ö. r> 3. n. 2.) Fea. Erstes Kapitel. 4Z5 Z. 68. Die Stufen waren allgemein bei den Alten höher/ als man izo dieselben in Palästen und bequemen Wohnungen zu halten pfleget/ und dieje- j iiigen/ welche um den einen Tempel zu Pesto herumgehen/ (an den andern Tempeln sind sie nicht sichtbar) sind ungewöhnlich hoch: sie haben drei römische Palmen in der Höhe / und zwei und drei Viertheil Palme in der Breite/ so daß man mit Mühe das eine Bein über das andere so hoch heben kan. Eben so hoch sind die Stufen um den erhaltenen Tempel zu Girgenti/ und diejenigen/ welche um den Tempel des TheseuS zu Athen gehen/ scheinen nicht niedriger zu sein. Eben auf diese Art ist die Trepe an einem Tempel in dem vatikanischen Birgitt o angegeben. An der größten Pyramide in Ägypten sind einige Stufen drittehalb Fuß und andere pier Fuß hoch.^) Diese Stufen um die Tempel waren allerdings beschwerlich zu steigen; eS dieneten die- ^ selben aber zu gleicher Zeit auch dem Volke zum Sizen/ weil in den mehresten alten Tempeln nicht viel Raum für eine große Menge Menschen war. Daß das Volk aufden Stufen um die Tempel herum gesessen/ zeigen einige Stellen älter Scribenten an. Pau- sanias saget/^) daß an einem Gebäude ohnweit DelphoS/ wo die Abgeordneten der Städte aus der j) Es sehlt cm Drittel, daß die Stieg?» Von Girgenti undPästum so hoch seien, als Winckelmaü hier angibt, wie aus den A b b i l d u n ge n zu ersehen ist; aber auch schon bei 2 Palm Hohe sür eine Staffel scheint eö UII- begreistich, wie ste i»m Aufsteigen können gedient haben. Fea. 2) 1^0 !n>v. Kuine5 lZ. i.) Baukunst der Alten. Landschaft Phocis ihre Vcrsamlungcn hielten/ Stufen gewesen, welche zuni Sizen gedienet. Auch Cicero redet von einem Tempel ohnweit der Porta Ca- pena/ auf deren Stufen das Volk gesessen, l) Eben so siehet man auf der Tabula Jliaca im Campi- doglio auf zwo Stufen um das' Grab des HektorS herum die Mutter/ Schwestern und Verwandte!: desselben sizen und weinen. Wen aber die Tem- 1) ^c>. I. cpist. i. 2) !''>>!l! ex^iic. Iliac. tal,. nun,, iic». t^vr! ^VIu?. (^u.ir- Nach den Vorschriften/ welche Vitruvins (I. Z. c. Z> I. g. c. 2.) gibt/ sollten dieTrepen nicht sehr hoch sein, obwohl die Ausleger in der Erklärung von einander ab- weichen. Den am ersten Orte sagt er ausdrnklich/ nm» solle darauf sehen / die Stnscn zum Aufsteigen beauem zu machen. Auch Dio i>. ^3- 0. 21.) kair zum Beweist dessen dienen/ wo er sagt/ da» Julius Cäsar bei sei- nein ersten Triumph auf den Knien die Treven deS In p i t e r t e ni p e l s auf dem Capitolio hinausacstiegen, und (I. 60. c. 2Z.) das; Claudius dasselbe gethan. Es wäre nicht leicht gewesen/ dies aus einer beträchtliche!! Zahl von Stufen zu bewerkstelligen/ wen sie sehr hoch gewesen wären. An den Tempel»/ wo die Stufen ringsumher laufen/ würde ich diejenige»/ welche eigentlich zum Hinaufsteigen bestimt waren / von den andern / welche zur Unterlage des Tempels diente», unterscheide»/ so daß jene zur Neguemlichkeit der Hinaufsteigenden niedriger wäre»/ und die aildcrn höher/ wie es der Übereinstimmung und Größe des Gebäudes angemessen war/ ungefähr wie die Stufen in den Theater»/ welche da / wo man saß / höher waren/ als da/wo man hinaufstieg. In der That finde ich / daß an dem Tempel der C 0 nc 0 rdia zu Girgenti auf der Morgeni'eitc, w» ma» zur Vorhalle hiuausteigt/ die Stufen sehr nietn» waren; und von fechs derselbe»/ jede einen halben Palm hoch, find noch Neste vorhanden/ wie Baron Riedesel ci Vr, Erstes Kapitel. pel keine Stufen umher hatten/ wie an runden Tempeln/ so waren die Stufen nur am Eingange: den die Tempel hatten allezeit eine erhobene Base/ sonderlich wo Pilaster angebracht waren. Und da in späteren Zeiten des Altertums die Basen der Säulen hoch gehalten wurden/ so wurde auch dadurch der Eingang erhöhet; daher finden sich an dem er- wähneten runden Tempel in der VillaN egroni zehen Stufen/ welche zu dessen Thüre führen. §. 69. Wir sehen ferner an den Trepen und Stufen der Alten/ daß diese keinen rundlichen Bund gehabt / wie izo die Stufen gearbeitet werden / so daß sie einen rechten Winkel macheten / und eine Schärfe hatten. Die Stufen in der Villa Hadriani waren aus zwo gleichen Tafeln von Marmor in einen rechten Winkel zufammengefezet. Es können also die Stufen/ welche um den Pronaos des Pantheons gehen/ und rundlich sind/ nicht aus dem Altertume fein. §. 70. Von den Zimmern der Alten will ich nicht anführen und untersuchen / was von den alten Scri- 4t S.) berichtet. An dc»! große» Tempel zu Pästuni liefe» hohe Stufen ringsumher; aber zur Bequemlichkeit der Hinaufsteigende» war zwischen jedem Paar hoher Stufen »och eine falfche Mittelstufe angebracht. Diese sind nicht niehv vorhanden, den vielleicht waren sie von Metall oder anderem kostbaren Material/ oder vielleicht sind ste im Laufe der Jahrhunderte zu Grunde gegangen; aber man bemerkt ihre Spur durch ei»e gewisse Vertie-, fung zwifche» einer und der andern Stufe, welche gerade tauglich scheint, eine dritte zu halten, fo daß ans drei Stufen fünf wurden, welches eine begueme Stiege gab, und zugleich dem Temvel zur Zierde gereichte, (paoli. Itovine (Zclla cittii >Ii ?csto, clissert. 3. >1. 49. i>. 104.) Fea. l) lMan sehe unter den Abbildungen Numero 4Z« Bankunst der Alten. benten angezeiget worden/ weil dieses theils schon gesaget ist, theils ohne Kupfer nicht deutlich genug vorgestellet werden kan: ich begnüge mich/ dasjenige anzumerken/ was ich selbst gesehen. Der Alten ihre Zimmer/ sonderlich wo sie schliefe»/ waren vielmals oben rund gewölbet/ wie auch Varro anzeiget: also war dasjenige/ welches Plini us in seinem Lau- rentino beschreibet;^) und man schließet aus solchen Zimmern des zweiten GestokS in der Villa H a- driani/ daß sie zum Schlafen gedienet haben/ aus einer großen Nische in denselben/ welche anstatt des AlkovS gewesen/ wo das Bette gestanden. Des Pütt ins' Zimmer hatte Fenster umher/ in jenen aber komt das Licht durch eine Osnung von oben/ welche vermuthlich die Nacht verschlossen wurde. Z. 7l. Aus den Trümmern der angeführeten Villa auf dem alten Tusculv/ ungleichen aus den Zimmern einer prächtigen Villa bei der Stadt Hercula- num/ wo die mehresten Brustbilder von Marmor und von Erzt in dem königlichen Museo zu Portici gefunden sind/ könte man schließen/ daß der Alten ihre Zimmer nicht sehr geräumlich gewesen. ^) Dasjenige/ wo im Herculano die Bibliothek stand/ und wo eine Menge von mehr als tausend Rollen Bücher gefunden sind/ war so beschaffe»/ daß man fast von ei»er Wand zur andern mit ausgestreketcn Armen reichen konte. In der tusculanischen Villa fand sich unter andern ein kleines Zimmer mit einer 1) Oonject. in Varrvn. linA. lat. 1. 7. 2. 254. 2) 1^. 2. 17. 3) Man vergleiche die Briefe an Vianconi, oben S. 29. u. f.1 Erstes Kapitel. besonderen Abtheilung in beigesezeterForm/ ^ ^— welche veranlasset zu glauben / daß in der äusseren Abtheilung sich die Bedienten aufgehalten : -> war die Thüre in das Zimmer/ und l> die Thüre in den innern Verschlag/ welcher mit einer dünnen Mauer gezogen war. §. 72. Von Kaminen in den Zimmern findet sich keine Spur/ wie bekant ist: in einigen Zimmern der Stadt Herculanum fanden sich Kohlen/ woraus man schließen kan/ daß daselbst kein anderes als Kohlfeuer/ sich zu wärmen/ gebräuchlich gewesen. Man trift noch izo in den gewöhnlichen Bürgerhäusern in Neapel keinen Kamin an/ und diejenigen/ die sowohl hier als in Rom/ auch unter Personen von Stande/ eine genaue Regel der Gesundheit beobachte»/ wohnen in Zimmern ohne Kamin/ und ohne sie durch Kohlen zu erheizen. In den Villen aber/ welche ausser Rom auf erhabenen Orten/ wo die Luft reiner und kälter ist/ angeleget waren/ hatten die Alten die oder stuke vermuthlich gewöhnlicher als in der Stadt. ES fanden sich Stufen in den verschütteten Zimmern gedachter tuseulanischen Villa/ die beim Graben des Grundes zu dem izigen Gebäude entdeket wurden. Unter diesen Zimmern waren unter der Erde unterirdische niedrige Kammern in der Höhe eines TischeS/ allezeit zwei und zwei unter jedem Zimmer/ und ohne Eingang. Die obere platte Deke dieser Kammern war von sehr großen Ziegeln geleget/ und mit zwei Pfeilern unterstüzet/ welche ebenfalls von Ziegeln/ ohne Kalk/ und nur mit Leim gemauert waren/ um sich in der Hize nicht von einander zu sondern. In der oberen Deke dieser Kammern waren vierekichte Nöhren von Thon eingemauert/ welche bis auf die Hälfte der Kammern herunterhingen/ nnd in das Zimmer über dieselben ihre Öfnungen hatten. Solche Baukunst der Alten. Röhren waren innerhalb der Mauern dieses Zimmers fortgeführet/ und hatten in einem anderen Zimmer über jenem/ das ist im zweiten Gestoke/ ihre Öf- i nung vermittelst eines Löwenkopfes von gebranter Erde. Zu den unterirdischen Kammern ging man durch einen sehr engen Gang von etwa zwei Fuß breit/ und in die Kammern wurden durch ein vier- ekichteS Loch Kohlen geschüttet/ deren Hize durch besaget«: Röhren hinaufzog in das Zimmer unmittelbar über dieselben/ dessen Boden von grobem Mufaico war/ und die Wände waren mit Marmor beleget: dieses war die Schwizkammer (5ucl»to>ium;) die Hize dieses Zimmers wurde demjenigen/ welches über jenem war/ mitgetheilet vermittelst der Röhren/ welche innerhalb der Mauer hinaufsteigen/ und in jenem sowohl als diesem Zimmer ihre Ösnungen hatten/ die Hize zu sammeln und auszulassen/ welche in dem oberen Zimmer gemäßiget war/ und nach Erforder- niß verstärket und vermindert werden konte. l) Von dergleichen Stufe»/ Zimmern und Nökren kan man sich aus einigen Entdekungen im Elsaß/ welche Herr Schöpflin sorgfältig aufnehmen lassen/ einen deutlichen Begrif machen/ welche in deni/ was die Hauptanlage derselben betrift/ von den tuseulanischen Zimmern nicht verschieden sind. 1) Man vergleiche die Briefe an Vianconi, oben S. 37 —42.1 2) Lcliöxtlini üluslralaz t. 1. tak. i5. Zweites Kapitel. Von der Zierlichkeit in der Baukunst. §. t. Uufdas Wesentlich e in der Baukunst ist dieZierlichkeit derselben gefolget, von welcher dieses zweite Kapitel handelt/ und von derselben ist zum ersten allgemein und hernach insbesondere zu reden. §. 2. Ein Gebäude ohne Zierde, ist wie die Gesundheit in Dürftigkeit/ die niemand allein für glüklich halt/ wie Aristoteles saget; und das Einerlei oder die Monotonie kan in der Baukunst/ so wie in der Schreibart und in anderen Werken der Kunst, tadelhaft werden. Die Zierde hat ihren Grund in der Mannigfaltigkeit; in Schriften und an Gebäuden dienet sie dem Geiste und dem Auge zur Abwechselung/ und wen die Zierde in der Baukunst sich mit Einfalt gesellet/ entstehet Schönheit: den eine Sache ist gut und schön/ wen sie ist/ was sie sein soll. ES sollen daher Zieraten eines Gebäudes ihrem allgemeinen sowohl/ als besonderen Endzweke gemäß bleiben: nach jenem betrachtet/ sollen sie als ein Zusaz erscheinen/ und nach diesem die Natur des OrtS und ihre Anwendung nicht verändern. Sie sind als die Kleidung anzusehen/ welche die Blöße zu deken dienet/ und je größer ein Gebäude von Anlage ist/ desto weniger erfordert eS Zieraten; so wie ein kostbarer Stein nur wie in einen goldenen Faden einzufassen wäre. i) H.ket,or. I. i. c. 5. ^ Baukunst der Alts». damit er sich selbst in seinem völligen Glänze zeige. <) K. 6. Die Zierlichkeit war an den ältesten Gebäuden so selten/ als an den ältesten Statuen / und man siehet an jenen weder Hohlkehlen noch rundliche Bünde/ so wenig als an den ältesten Altären/ sondern die Glieder/ an welche diese Zierlichkeit nachher angebracht wurde/ gehen entweder gerade aus, oder sie sind wenig gesenket und erhoben. Nicht lange vor Augustu6 Zeiten wurde unter dem Con- sulate des Dolabella/ auf dem Berge Cölio in Rom /an der cl a n di sche n Wasserleitung ein Bogen gebauet/ über welchen der hervorspringende Balken oder Cornische von Travertino, über der Inschrift schräg aber in gerader Linie gehet/ welches in folgenden Zeiten nicht so einfältig gemachet wäre. §. ^l. Nachdem aber die M a n ni g fa l tig ke it in der Baukunst gesuchet wurde / welche durch Senkungen und Erhobenheiten/ oder durch Hohl- und Bogen- linien entstehet/ unterbrach man die geraden Glieder und Theile/ und dadurch vervielfältigten sich dieselben. Die Mannigfaltigkeit aber/ welche sich einer jeden Ordnung in der Baukunst verschiedentlich eigen machete/ wurde eigentlich als keine Zierlichkeit angesehen/ welche in der That so wenig von den t) Lucian, welcher bis in sein dreißigstes Jahr ein Bildhauer gewesen/ vergleicht ( x. 176. n, 2, ZVIomksuc. oiar. ItsI' c> iv. p. 143. Zweites Kapitel. Alten gesuchet wurde/ daß das Wort/ welches diese Bedeutung bei den alten Römern hatte/ nur vom Puzc in der Kleidung gebrauchet wurde; >) in späteren Zeiten deutete man allererst das römische Wort Zierlichkeit auch auf Werke des Verstandes.^) Den da der wahre gute Geschmak fiel/ und der Schein mehr als das Wesen gesuchet wurde/ sahe man die Zieraten nicht mehr als einen Zusaz an/ sondern es wurden die Pläze/ welche bisher ledig geblieben waren/ mit denselben angefüllet. Hierdurch entstand die Kleinlichkeit in der Baukunst: den wen ein jedes Theil klein ist/ so ist auch das Ganze klein/ wie Aristoteles saget. Der Bankunst erging eS/ wie den alten Sprachen: diese wurden reicher/ da fie von ihrer Schönheit abfielen/ welches sowohl von der griechischen als römischen zn beweisen ist; nnd da die Baumeister ihre Vorgänger in der Schönheit entweder nicht erreichen/ oder nicht übertreffen tonten / sucheten fie fich reicher als jene zu zeigen. §. 6. Die überhäufeten Zieraten haben vermuth- tich unter dem Nero angefangen: den zu Titus Zeilen herschete bereits dieser Geschmak/ wie man an dessen Bogen stehet/ und es nahm derselbe immer mehr überHand unter den folgenden Kaisern. Was die Baukunst unter dem Aur eli ann S für eine Gestalt gehabt habe/ zeigen die Paläste und Tempel zn Palmyra: den was daselbst übrig ist/ wurde vermuthlich kurz vor oder zu dessen Zeiten gebauet/ indem an allen dortigen Gebäuden ein und ebenderselbe Styl ist. Ob das ungeheure Stük einer Architrave von Marmor in dem Garten des Palastes > ) (^dl, I. i >, c. 2> Z) Wood (Ruins ok ?alm, p. >5.) sucht die/es weitläufig tu erweist». Fea. ^ Baukunst der Alten. Colonna von einem Tempel der Sonnend) unter besagetem Kaiser gcbauet/ sei/ kan man nicht entscheiden. 2) Z) Die Säulen dieses Tempels/ oder wenigstens acht derselbe«/ waren von Porphyr/ aber schon zur Zeit des Ju- siinianus/ d. i. um den Ansang des 6 Jahrhunderts weggenommen. Da diese Säulen sich noch izo in dem Tempel der h. Sophia zu Constantinopcl / welchen jener Kaiser wieder aufbauete, befinde»/ so könte man sie messen/ und daraus die Verhältnisse uud die Ordnung des S o n n e nt e m p e l s / zu dem sie ursprünglich gehört habe»/ berechne»/ und sie mit dem Stük Gesims/ Von dem Winckelnian spricht/ vergleichen. Fea. 2) Dasjenige Stük/ welches Pal la di o t^rclnt, 1,4. c, > 2,) vorgestellet hat/ ist entweder mehr aus der Einbildung als nach der Wahrheit gezeichnet; den er hat entweder einen Cupido mit Kocher und Bogen aus dem Laub« werke hervorgehen lassen / oder er hat dasienige Stük von diesem Architrav gewählet/ welches zersäget worden/ und aus welchem die Balustrade der Capelle des Hauses Lolvnna in der Kirche S. Apostoli/ und das Pflaster in der Galerie des Palastes Colonna gemachet worden. Chambra» (paral, (je snc. Lt iuo r. 2g.)/ welcher dieses Stiik aus jenem genommen/ hat es von neuem nach seinem Sinne geändert/ und anstatt der Liebe ein Kind vorgestellet/ welches vor einem Löwen erschrikt/ der aus dem Laubwerke hervorzuspringen scheinet. Der Fries von dem einen Stüke/ welches izo nebst der Cornische vorhanden ist/ hat keine anderen Zieraten / als drei große Züge von Laubwerk. Die beiden unteren Glieder dieses Architravs/ nämlich der Balken/ welcher über der Säule liegt und der Fries über demselben aus einem Stüke/ sind dreizehn Palmen oder Spanne»/ uud vier Zolle hoch/ und dieses Stük ist zwei uud zwanzig Palmen und vier Zolle lang. Das andere Stük/ nämlich ein Theil der Cornische dieses Architravs/ aus welchem der Ansang von dem Frontispiz aus einem Stüke mit demselben gearbeitet ist/ hält ungesähr eben so viel in der Höhe und in der Länge, Winckelnian. Zweites Kapitel. §. 6. Die Einfassungen der Thore und Thüren wurden wie aus lauter Kränzen von Blumen und Blättern gebildet/ wie es an dem Tempel zn Bal- bek ist/ 2) und dergleichen Thüren sind verschiedene in Rom übrig. Die Säulen blieben nicht verschonet: die ganze Base mit ihren Gliedern wurde mit Kränzen umgeben / wie die unter den Säulen von Porphyr an dem sogenanten Battisterio Con- sta ntini zu Nom sind / und eine andere Base von ungemeiner Größe in der Kirche von St. Paolo vor Nom / welche neun Palmen im Durchschnitte hat. Eben so geschinzet waren diejenigen/ welche auf dem palatinischen Berge zn unserer Zeit entdeket sind. 5) An den Säulen selbst sing man an mit Stäben in den Reisen bis an das Drittheil derselben; man unterbrach die platten Stäbe zwischen den Reifen in drei bis fünf andere kleinere Stäbchen/ und endlich drehete man die Reifen spiralmäßig/ welche 2) Wahrscheinlich hat ma» mit dieser Bildhauerei die Thüren verziert / weil um» sie in alten Zeiten bei festli- liche!' Gelegenheiten auf diese Weise mit Lorbeer uud anderen, Laube zu schmüken pflegte, wie aus StatiuZ I. 4. c. L. v. zg.) uud viele» ander» Scribenten erhellet/ welche Sagittarius vet?r. c. Zo,) uud Donati (cle'Oil-tici llegli auticlii, l. Z. c. I. «»führe». Zlach dem Scholiaste» des ?lristovha- »es (kIv' Lczari, i8«. p. Angstasius, im L e- be» Pabsts Gregorius IN. ssect. ig4, t. i. i>. >76.) nent sie voluliileü ccilunniT. nach der Lesart der römischen, von Bianchini besorgte» Ausgabe, welcher ebc» so wenig wie so viele andere Notenmachcr bemerkt hat, daß Salmasius (I- e.) vorschlägt v»l>iule5, wie man in der That in verschiedene» Handschriste» lieset, welche von Vianchini dort angesnhrt sind. Fea. Z) Er meint die beide» Säulen, welche in der Capelle des Sacrainents stehen. Diesen ähnlich sind die acht, welche die vier Loggie unter der großen Cnpola zieren, und eine in der Capelle des Crucifires, welche Piranesi ^>IaAnis. l->Znis. ) Fea. 5) In dem Von Winckelman eigenhändig mit Änderungen und Zusäzen zum Behuf einer neuen Ausgabe versehenen Ercmvl a r e dieser A » m erku n- gen, welches wir vor uns haben, sind die hier zwischen den Klammer» befindlichen Worte durchgestrichen. Fernow, Baukunst dcr Mcn. §.7. Diediocletianischen Bäder/ welche vor zweihundert Jahren/ da die Baukunst eine andere Gestalt bekam, noch größtentheils standen/ waren damals die vornehmste Schule der Baumeister in dcr Zierlichkeit : Man siehet zwei Stüke aus denselben von Chambray vorgestellet. >) Nach den Nischen mit ihren Säulen auf beiden Seiten/ und der Cornische oben darauf/ machte San Gallo dcr Ältere zuerst ähnliche Verzierungen dcr Fenster an dem Palaste Farn esc. Die unterbrochene Cornische über hohe Bogen an den Bädern veranlassete/ daß Michael Angelo ebenfalls von der Negel abging/ und auf eben die Art an dem großem Fenster über dem Eingänge des Campidoglio die Cornische unter- brach/ und über diese hinaus das Fenster durch einen Bogen sübrete. 2) Säule»/ welche kein Gebälk/ sondern einen Bogen tragen/ durch welchc sic verbunden sind/ wurden von den neueren Baumeistern auch von jenem Gebäude/ wo sich allein nur dergleichen Säulengängc fanden / genommen. Das halb- ' runde Portal an der Kirche alla Pacc/ an dcr Kirche des NovitiatS der Jesuiten zu Nom/ und an dcr Kirche zu Ariccia/ fand Bernini in den Kupfern befagctcr Bädcr: und man könte vielmehr Nachahmungen / die dorther genommen sind / anführen. §. s. Die Zieraten insbesondere betrachtet/ sind theils ausserhalb / theils innerhalb der Gebäude. Ausserhalb sind diejenigen zu bemerken/ die sich an Tempeln und öffentlichen Gebäuden fanden/ und noch finden; und hier fangen wir an von dem Dache. K. 9. ES wurden schon in den älteste» Zeiten/ 1) 1^. c. ckap. 16 et 29. 2) So sieht man sie auch in den Tempeln zu Valbek. Nuins ot öiildec, xl. 6.) F e a. Zweites Kapitel. auch in Rom/ oben auf dem Gipfel der Tempel, Statuen gesezet, und TarquiniuS Prise ns ließ einen Wagen mit vier Pferden, von gebrauter Erde gcmachct, auf die Höhe des Tempels des olympischen Jupiters zu Nom sezen/l) an deren Stelle wurden nachher goldene, oder vielleicht nur vergoldete gesezet. 2) Auf der Spize des Gipfels an dem Tempel des olympischen Jupiters zu EliS stand eine vergoldete Vie toria,2) und an beiden Seiten, das ist auf den Akroteriis auf jeder Seite, eine ZA. c. 12. scct. ^5. 2) I^iv. I. 29. c. 23. n. Zg. Li vins spricht von goldenen Quadrigen, und sagt nicht , daß sie an die Stelle derer von gebrantein Thon gesezt worden , sondern blos, daß man sie auf den, Cavitolio aufgestellt habe. Es scheint, daß in, Jahre Roms 4Z7 , demselben, wo die Wölfin von Bronze verfertigt wurde, an die Stelle derer von gebrantem Thon andere, vielleicht gleichfalls von Bronze, verfertigt worden. Die Worte des Livius (I. >0. e> iual!rig!z, et in! Leuni siniullieva inluntiuin eninlilnrnin zu!» ulierilius lux-e, posucrunt. Ich glaube nicht, vermuthen zu können, daß Livins hier den Giebel der innern Ca pelle oder iedicula. uud nicht den des Temvels selbst/ meine; den anderswo (I. >5. c. Z2. n. 41.) schreibt er in deutlichen, von diesen verschiedenen >-!usdrüken, daß aus den Gipset der-cilicul-, vergoldete Quadrigen gesezt worden : 60 mulcw ustoruni ioaurulss in Lüjntolio in eella ^vvis s»pra lnsUgium -c-iieulw, et i'.uotieciin elixcs inau- i-aia. Fea. 2) p-lussu. I. Z. e. 10. s§. 2.I 59 * 4^0 Baukunst der Alten. vergoldete Vase. Makrobins redet von einem Tempel des Saturnus/ auf dessen Gipfel Meer- götter (Triton en) standen, welche in Muscheln bliesen. 5) Auf den Akroteriis des Gipfels an dem Tempel des Jupiters auf dem Capitolio standen fliegende Viktorien. 2) §.10. Die spizig zulaufende Cornische des Gipfels wurde oben mit kleinen Zieraten besezet/ welche amazonischen Schilden ähnlich sehen / wie sich an einem Tempel in dem vatikanischen Virgilio zeiget; 2) oft mit einer Art von Blumen und Blättern, wie es sich auf einigen erhobenen Arbeiten findet/ und diese Besazung war vielmals von gebranter Erde; von welcher sich noch Stüke erhalten haben. Zuweilen war der Gipfel vergoldet.^) K. An dem Gipfel selbst waren auch schon in den ersten Zeiten von Rom erhobene Arbeiten/ ebenfalls von gebranter Erde. 5) An griechischen Tempeln und öffentlichen Gebäuden waren Werke reich von Figuren: an dem angeführten Tempel des Jupiters zu EliS war der Wettlauf der Pferde des PelopS und des Önoma u S. 6) An dem Tempel der Pallas zu Athen war an dem vorderen Gipfel die Geburt der Göttinen/ und an dem Hinteren Gipfel der Streit derselben mit dem Neptu- nuS/ vorgestellet. ?) An dem Gipfel des SchazeS der Stadt Megara/ zu Eliö/ war der Streit der Göt- 1) LsturnJl. I. 1. c. 6. 2) <1e Oaxitol. c. i5. x. 191. 3) Kum. 44. 4) 8meiiu5 iol. 6. n. 7. 6) ?!in. I. 36. c. »2. sect. 43 et 46. 1. 36. c. 2. «eet. 2, 6) Z?!- 7-5,? an den Gipfeln. Auf einem Tempel zu Athen/ vielleicht 1) I>I. >. 6. c. 19. s§. g.) 2) 16. I. g. c. 11. tZ. 4.) Z) Dieselbe Kritik wiederholt Winckelmaii in der Kunst- geschickte (SB. ZK. 15 §.)/ indem er sagt, daß jene übersezer für Gewölbe verstanden, wogegen ich bemerkt habe, daß sie unter laijueare eine flache Deke verstehen, wie meistens die vierekigen Temvel hatten. Gewiß ist es, daß jene übersezer die wahre architektonische Bedeutung jenes Wortes nicht verstände» haben, da sie es bald auf die eine, bald auf die andere Weise mit unangemessenen Umschreibungen übertrugen , aber eben /o wahr ist es auch, daß Winckelmaii, indem er sie kritisiren wollen, gleichfalls in zwei offenbare Irrtümer verfallen ist. Der erste ist, das Wort durch Gipfel schlechtweg zu übersezen. Gipfel, jastigiuni, ki-outl>ipi»i<>, ist die oberste Zierde der Vorderseite des Tempels von den Säulen aufwärts, welche einen Triangel bildet; -»-rn aber ist das Giebelfeld, oder der dr eiwi n k e li cht e Raum innerhalb des truvius (I. Z. c. Z.), fo genant von dem Adle r, griechisch welcher darin gebildet wurde, wie schon oben S. gesagt worden. Was Pausa nias unter T» M- Panum versteht, ist durch sich selbst deutlich, indem er von Basreliefs, und «war in Grupen, handelt, welche in keinem anderen Theile der Vorderseite, weder oben Baukunst der Meu. dem Kasror und Pollux gewidmet/ waren Gefäße gesezet/ welche auf die Ningerspiele deuteten : den die ältesten Preise derselben waren in noch nnten, stehen koüten; auch sehen wir es bestätigt durch so viele Überbleibsel alter Tempel in Griechenland bei Le Ro», Stuart u.a. in deren Giebelselde sich erhobene Arbeiten befinden. Was den andern Jrrtnm betrift, zu behaupten/ das, die Worte -vvon einem Gipfel/ oder »ach unserer Erklärung von einem Giebelselde/ verstanden werden/ obwohl sie eine Mehrzahl ausdrüke»/ so hat Winckelman nicht darauf geachtet/ daß Pansa- nias in jenen beiden Stelle»/ ll- >- c. 24. SZ I. S. c, >o. lZ. 2.^1 von zweien Tempeln redet, deren jeder zwei Giebel und zwei Giebelselde r hatte, eiuen aus der Vorderseite/ den andern aus der Hinterseite/ wie man an den Tempel» von Pästum gesehen. Nachdem er also gesagt, daß erhobene Bildwerke sich in beiden Giebelfeldern/ -v befände»/ fährt er fort/ die zu beschreibe», welche sich in dem Giebelselde der Vorderseite/ , uud da» die/ welche sich in dem hittter» Giebelselde/ , befanden. Derselben Ausdrüke bedienet sich auch der Scholiast des Pin- darns (01x>»p. Xlll,)/ uni die nämlichen Theile anzudeuten/ indem er sie von einander unterscheidet. Ebenso müßen wir auch das -v «->?»/?, (I. io> c. 19. Z. 3.) verstehe»/ wo Pausanias von dem Tempel des Apollo zu Delphi redet. Fea. Valkenaer führt Schriftsteller an, welche die Ursache angeben, warum die Giebel so genant worden, toiüiribe I?urix. c. 2». Böttigers Amalthea I 68 !e.) Siebeiis. Ich habe das angesührte F ragme» t des Ka llimach u s i n der Geschichte d er Ku nst f Z B. 4 K. 3t — 32. §.) mitgetheilt/ uud wahrscheinlich gcmacht, daß jene Gefäße aus gebrauter Erde gebildet gewesen, weil solche Vasen den Athleten als Kanipspreife gegeben wurden. Sie kö»»en aber auch von Bronze gewesen Zweites Kapitel. Athen Gefäße mit Ol/^) welches von den heiligen Ölbäumen auf der AkropoliS gemachet war/ wie man diese Gefäße als ein Bild der Spiele auf Münzen und geschnittenen Steinen siehet/ wo Ringer vorgestellet sind. 2) §. 12. Die Kapitäler der Säulen wurden auf mancherlei Weise gezieret/ aber die Neuerungen iu dieser Art sind niemals allgemein angenommen und zur Negel geworden. PtolemäuS Philopator ließ in dem prächtigen Aufzuge/ welchen Atheil äuS beschreibet/^) einen Eßsaal aufführen/ auf dessen Säulen die Kapitäler ans Rose»/ aus Lotus und aus anderen Blumen zusammengefeget waren. An dem Tempel auf dem Foro des Nerva sprang an allen vier Eken des KapitälS ein Pegasus heraus. 4) Der Graf Fede hat bei feinem Land- Hause in der Villa Hadriani bei Tivoli zwei Kapitäler mit Delphinen/ welche vermuthlich in dem sein, wie man aus denen von vergoldeter Bronze schließen dürste, deren beim Tempel des olympischen Jupiters erwähnt wi»d, welche nach meiner Meinung daselbst als symbolische Andeutung der Spiele standen, die dort gefeiert wurden. F e a. sMan vergleiche die Note zur angezogenen Stelle.) t) We schreib. d. ge schnitt. Steine -e. Z Kl. 2Z N>) 2) 8p!»i>>eni. >Ie pi-Wt. et usu llumisni. !. >. >1i55. Z, Z. 1. x. lZ/j. Ajar erhielt, in den zur Leichenfeier des Patroklus vom Achilles angestellten Spielen, ein goldenes Gesäß zum Kampfpreis. kad. 27Z.) Fea. lG. d. K. 3 B. 4 K. Zl §.Z 3) 1^. 5. c. g. Er sagt aber, daß die Kapitale im ägyptischem Ge- schmak gebildet waren. F e a. 4) i5. 464 BaMmst der Alten. Tempel deS Neptunus besageter Villa gestanden/ und eben solche Kapitaler sind in dem Tempel zu Nocera de' Pagani/ ohnweit Neapel. Von solchen Kapitaler» wird figürlich gesaget/ daß sieDelphinen auswerfen ( ?>in. cicrcit. in Lolin. 4?. ^>. 6/>o. 2) Piranesi sclella Müßnis. öe' Rom. tav. 7. etc. hat viele Kapitale von verschiedener Form und mit mancherlei Figuren von Menschen, Thieren, Blume» und den seltsamsten Verzierungen gesammelt, Fea. 3) I. 5. c. 11. n. 42. Vitruv. I. 6. c. >0. L) dlirist. tal». 19.— Eschenburg, in seinem Zusaze zu Lessings Bemerkungen über die Ka r»atiden, (Lessings sämtl> Schriften, l0TH. Z70 u. f.S.) zweifelt, daß die vier hermetischen Säulen eines MercnriustemveIs aus einer Münze deS Kaisers Marcus Aurelius in der Sani- lung der Königin Christinn, welche Winckelman in obiger Stelle nachweiset, Karyatiden seien, wenigstens erhelle es nickt aus der ziemlich unbestimten Abbildung. Havercamp »imt sie in seiner Erklärung für die vier Atlanten. Fern 0 w. 6) Oescript. of t. 2. park. 2. pi. 66- x. 16Z.— I.e llo^, IVlliues monun». I» Zweites Kapitel. den niemand mit demjenigen Verständnisse betrachtet/ daß wir hätten belehret werden können/ von was für Zeit dieselben sind; PausaniaS meldet nichts von denselben. Die angeführete mänliche Karyatide^ in dem farnesischenPalasteist/ wie man vorgibt, beim Pantheon gefnnden worden/ und es ist glaublich/ daß es eine von denjenigen sei/ welche vom Diogenes' ans Athen gearbeitet waren/ und über dem unteren Säulengange in dem Tempel standen/ das ist/ welche anstatt der zweiten Ordnung Säulen waren. Die izige Cornische auf den unteren Sänlen hat zwar nicht denjenigen Vorsprung/ welcher zur Base solcher Figuren/ wie die gegenwärtige ist/ hätte dienen können: man muß aber bedenken/ daß dieser Tempel zweimal im Feuer gelitten/ und wiederum von Marco Anre- Orece, I. I. pl. 6 et Z2. Ltuart, vf Stilen», vol. cliax. 2. pl. lg—20. Eigentlich befinden sich diese sechs Karyatiden an dem Pandr 0 senm, einer offenen Halle am Erechthenstempel in Athen, deren Gebälk von ihnen geragen wird; vier derselben stehen in der Fronte und eine aus jeder Seite. Fernow. 1) Lessing (säm tl. Schriften, lo Th> Z67S.) wundert sich , daß Winekelma >1 von »1 ä n lichen Kar » a> tiden spricht. Aber wir haben schon gesehen; daß er die fignr irte n Säulen, ohne Unterschied des Geschlechts, Karyatiden, Atlant es und Tel am 011 es neüt, obwohl nach der Erklärung, welche Vitrnvius gleich im Ansänge seines Werks von der Entstehung des Karyatiden gibt, sie mag mm wahr oder sabelhast sein, der Name Karyatiden eigentlich nur weiblichen stiizende» Figuren ertheilt werden sollte. Fernow. sMan vergleiche G, d. K. 1! B. 2 K. tv §.1 2) Dieser Tronc einer Karyatide, oder eines Tel am 0- nen, wurde wenige Jahre, nachdem Winckelmai» Obiges geschrieben, nach Neapel gebracht. Fea. 456 Baukunst der Alten. lio und Sep tim i o S ev er o ausgebauet worden; es muß also inwendig eine große Veränderung vorgegangen sein. Es werden unter anderen die foge- naiiten syracusischen Kapitaler von Erzte/ oder vielmehr von syraeusischem Erzte/l) welches eine besondere Art von zusammengesczctem Metalle muß gewesen sein, im Feuer vernichtet sein. Der Tempel der Vesta war mit syraeusischem Erzte gedeket. Die attische Ordnung über den unteren Säulen/ welche ein Werk von wenig vorspringenden Pilastern war, 2) und vor zwei Jahren barbarischer Weise weggenommen ist/ war augenscheinlich der Größe dieses Tempels nicht gemäß: an der Stelle desselben müßen die Karyatiden ehemals gestanden haben. Es trift wenigstens die Maß dersarnesischen Figur mit der Höhe der attischen Ordnung überein/ welche an neunzehn Palmen hat. Diese halbe Figur hat etwa acht Palmen, und der Korb auf dem Kopfe drittehalb. Was einige Scribenten^) bisher für der- 1) ?Iin. I. 34. c. Z> sect. 7. 2) ?«l. I. c. 3) donf. Account of >'! Roman z llie xlnlosopl,. I'rausuct. au 1720. Occenili. Fea. 4) Da das Pantheon von den genanten Kaiser» wieder hergestellt und folglich nach Win eke lmaü s Angabe die Karyatiden hinweggenommen worden, nm dir attische Ordnung an ihre Stelle zu sezen - wie können wir uns einbilden, daß die Karyatide, von der die Rede ist, auf diefe Weise zerbrochen daselbst geblieben sei? Fea. 5) I)en»oiNio5Ü <^allus kos^es, x. 12. Rom. ant. I. 6. c. 4. p. 296. Dem 0» tio fius, oder Mont - Iofieu, denkt stell di« Karytiden an deni Fußgesimse ^»t^lol>->tes) der Säule» des ehedem seiner Meinung nach tieferen und zum Theil ver! schütteten Temvelgcbäudes. N ardin I führt die Meinung Zweites Kapitel. qleichenKar ya tide n angesehen haben/zeuget von ihrer großen Unwissenheit. Eine besondere Art voir Karyatiden war in dem Grabmale der Freigelassenen des SextnS PompejnS/ wo stehende mäil- liche nakte Figuren auf dem Kopfe ein Kapital trugen/ und mit beiden Händen eine stehende Säule hielten, welche aber nichts zu tragen hatte. K. i4. An dem l^cbälke auf den Säulen waren die Zieraten nach Erfordernis der Ordnungen verschieden. Ach habe oben aus einer Stelle des Eu- ripldeS eine Muthmaßung angebracht von dem offenen Raume zwischen den TriglypheN/ an den dorischen Tempeln der ersten Zeit. Da diese Pläze, die MetopeN/ nachher zugedeket wurden/ gedachte man auf ihre AnSziernng. Hierzu gaben die Schilder Gelegenheit/ welche an der Friese des Gebälkes und, wie wahrscheinlich ist/ an die Metopen ausgehänget wurden.^) An dem Tempel des Apollo zu des Mont-Josieu nur an, ohne ihr im Ganzen beiz»' stimmen. Er glaubt, der inirtlere Theil des Pant h e- ons habe vielleicht eine den Götter» der Unterwelt gewidmete Vertiefung gehabt, und hier hatten sich vielleicht, an der sie umgebenden Mauer oder Säulenreihe, die Kar»atiden befinden können. ?llo»s Hirt (Oser- >791.4.) siibersezt im l Band des Museums der Altertu m s w i ss e n sch a f t v 0 n W 0 l s und Vuttma ss! zeigt mit vieler Wahrscheinlichkeit, daß die Karyatiden aus den Säulen gestanden haben, wie ihn, der Aus- druk in columnis anzudeuten scheint. Feruow. ^louts^uc. 1. 3. l6 p. Der genaueren Unterscheidung gemäß würden diese Karyatiden gleichfalls zu den Atlanten oder persischen Bildsäulen zn rechnen sein. Fernow. 2) Ich glaube, daß der Ursprung dieser Verzierung einfacher und älter sei. Ohne Zweifel entstand er aus dem Gebrauche, an der Thiire des Hauses oder an einem an- Winckelman. 2. Baukunst der Alten. Delphos hingen daselbst goldene Schilder/ aus der persischen Beute bei Marathon verfertiget/^) und dern öffentlich sichtbaren Srte desselben, irgend ein Zeichen der tapfern Kriegsthaten des Eigentümers als Trophäen und Ehrendenkmal aufzuhängen. Anfangs bestanden dieselben wahrscheinlich in Köpfen, Häuten, Hörnern oder andern Theilen wilder Thiere, die auf der Jagd erlegt waren. Ein Gebrauch, den alle alten Autoren bestätigen, deren Sp anheim mehrere in den Noten zum Kallimachus in via». v. 104. x,-öS.), Casaubonus in den Noten zum Strabo (l, 6, p. Zv2>), Wesseling zum Diodvr von Sicilie» (>. 4. c. 22.) und Sagittarius ( pen angeheftet worden, ist nickt wohl anzugeben. Ich sinde keine andere Autorität, die darüber Licht geben köüte, als den Euripides, welcher in den Bakchan> >) pausan. I. 10. c. lg IH. Zweites Kapitel. diejenige»/ welche der römische Consul L. Mum- mius an der Friese des dorischen Tempels des Juten (v, >210.) schreibt, daß Agave/ die Königin von Theben, ihren Sohn Pentheus rief/ um ihm zu sagen/ daß er an den Triglyphen ihres Hauses/ oder vielmehr des Palastes ihres Gemahls K a d m n s/ den Kopf eines Löwen heste/ den sie mit eigenen Händen auf der Jagd erlegt hatte; aber es war ihr eigener Sohn Pentheus selbst/ den sie i» ihrem Zustande der Wuth getödet hatte: N-v-Z-kvx n-«« 75« '5-/V; ai^k-r-Z-w l.! ul)i esl meus ülius ?enllieus? corrixiens l.I clavis Iioc I-evnis, l^ucm in venstivno capluiu Iiuc ?AV I'l.'l'u. Wahrsck>einlick> versteht Euripides hier unter Trigl»- phen die Balken köpfe/ welche mit dem FrieS correfvondiren / und von dem lateinischen übersezer abge- schmakter Weise durch scuipts la^ucuria gegeben worden. Da das Haus oder der Palast der Agave vermuthlich/ dem Gebrauche der altern Griechen gemäß/ von Holz gewesen/ so werden diese das Dach tragende» Balken/ deren Enden hervorstanden / und zu denen man ans einer Leiter hinansteigen koiite/ geschikt gewesen sein/ etwaS daran zu heften / wo es ihrer Höhe wegen vor Näubern und Beschädigungen gesichert war. Als späterhin die förmliche und regelmäßige Architektur eingeführt wurde/ wo man auch mit Steinen bauet«/ >'o fchloß man die Zwischenräume des Frieses/ welche früher weuigsiens in den Tempeln offen standen, wie aus Euripides i'n'l'our. V. >>z,)/ den W i n ck e l m a n schon vor» hin angeführt hat, und hier aufs neue anfuhrt/ erhellet/ zwischen den Balken/ oder den Steinen/ wel^e die Balken vorstellten; und an den Metopen/ welche jene ös- Baukunst der Meu. piters zu Elis aufhängen ließ/ waren vergoldet, i) Die Waffen des Poeten AleäuS/ welche er in der Flucht zunikließ, und die von den Atheniensem an dem Tempel der Pallas auf dem Sigäo ausgehänget wurden/^) standen vermuthlich an eben dem Orte des Gebälkes. An dem ersten von beiden Orten des Pausanias haben der lateinische und ande- re ttbersezer das Kapital anstatt des Gebälkes oder der Friese desselben genommen/wider die Bedeutung des Worts: den heisset eigentlich ein Stiik des GebälkeS/ welches von einer Säule bis auf die andere reichet/ wird aber hier/ wie anderwärS, entweder für das ganze Gebälke / oder insbesondere für die Friese genommen. An dem Tempel zu Elis wird die Friese durch Umschreibung genennet ^ ^V!I, das ist! der Gür- nunge» schloße», wird man, um mit einigem Zierat ihr leeres Feld, das breiter als hoch war , zu unterbw chen, dieselben Trovhae» oder Zeichen a»geheftet haben, welche man früher an die Valkenkövfe heftete, an denen man nachher, wo sie fast bis zu gleicher Höhe mit den andern Theilen abgesagt worden, zur Zierde die Rinne» mit den Trovfen darunter anbrachte, »m den Ablauf des Regenwassers, welches von dem Kranzleisten daran herablief, nachzuahmen. Fea. 1) ?>iu5l»n. I. 6. c. 10. 2-^1 2) I. 5. c. Z) Vitruv. I. 4. e, Z. 4) I>>. I. c. 2. I. Z. c. i. I. 10. c, 6. Vitruvius, wie auch Galiani tp- >S- n. 2. x. icio. », >. p- n. >,) bemerkt hat, versteht unttr das ganze GesimS; aber anderswo (I. 6. c. 5>.) nimt er es für Architrav, welche Nedentun» es gewöhnlich hat. Ich weis, nicht, wer es iu der , deutuna von Fries gebraucht haben mag; iu den von l Winckelma» angeführten Stelle» des Pausauiai ka» ma» es nicht davon verstehe». Fea. Zweites Kapitel. tel cder die Binde/ welche iibcr die Gäulen um das Gebäude herumläuft. >) An einem andern Orte/ wo eben der Scribent von der Arbeit an der Friese des Tempels' der Juno bei Myeenä redet/ saget er: „dasjenige/ was über die Säulen erhaben „ gearbeitet ist / " Mv«. Vei Anderen heisset die Friese ^«^-7/.-.--;') der italiänische Übersezer des P l u tarchus/ Domi n i chi/ hat an dem Orte/ wo jener von dem Tempel redet/ welchen Perikles zu Eleusis bauen lassen/ das Wortc^vx--!, ebenfalls vom Kapitale verstanden.^) 1) ?ausan. I. c. 2) Iil. I. 2. c. >7. lZ. 3.^1 3) Lilien. 1.5. c.g. n. 33- /,) Oominic^i, le Vito ?Iut2reo, in . i. x. 233. l>. Plutarch 12.^1 versteht ohne Zweisel unter den Architrav, indem er hinzufügt, daß Me tagen es über denselben das oder wie Constantini in seinem Lexikon liest, d. i. den Fries, legte, den so wurde vielleicht ausschließend der Fries der ionischen und korinthischen Ordnung genant, welcher, da er keine Trigl»phen und Metopen hatte, einer Vinde glich, die bei den Griechen und hieß, und daher wird wahrscheinlich das vom Plntarchus erwähnte Gebäude von einer dieser beiden Ordnungen gewesen sein. Der Fries der dorischen Ordnung hieß bei den Griechen , Dreischliz. Wenigstens neiit Enrivides ihn so (Orcst. V. >3^2.) und gibt dem Fries dieser Ordnung den Beinamen dorisch; nnd Aristoteles, (lütlüc. »6 ^Xicoiii. I. 10. c. 3.) wo er das Vasament und den TriglWh als zwei verschiedene Theile des Tempels neiit : wird auch nachher noch, als schon die Metopen hinzugekommen waren, Zrigl»vh genant worden sein, weil w.an glauben will, daß jene Schriftsteller sich des üblichen Äunstausdruks bedient haben; den diesen Namen hat -62 Baukunst der Alten. Unterdessen waren Schilder auch an den Säulen des Tempels des Jupiters zu Nom ausgehänget.') K. 16. Diese wirklichen Schilder gaben Gelegenheit/ daß nachher Schilder von erhobener Arbeit in die Metopen gesezet wurde»/ und diese AuSzie- rung ist auch von den neueren Baumeistern in der dorischen Ordnung beliebet worden/ wie man dieselben nebst anderen Krieges- und Siegeszeichen an verschiedenen Palästen in Rom angebracht siehet. ES wurden aber auch Schilder an dem Gipfel der Tempel ausgehänget/ wie an dem Tempel des kapitolinischen Jupiters.?) Z. t6. An der Friese des dorischen Tempels der Pallas zu Athen sind auf den Metoven Gefechte mit Thieren vorgestellet/^) und an dem Tempel des TheseuS daselbst die Thaten dieses Helden/) Vi- truvius schlägt Donnerkeile vor. 5) Die korinthischen Friese wurden mit Köpfen von Stieren oder Widdern auSgezieret / wie der Tempel zu Me- lasso in Karien;<-) oder eS wurden Opfergeräthe ' angebracht/ wie an der Friese auf den drei Säulen unten am Campidogliv. ?) An der Friese des Tem- cr wohl von Anfang an, wo er »och aus den bloßen Balkenköpsen bestand, geführt. Fea. 1) I^iv. I. c. 2g. o. 5i. 2) I6> I. 35. c. 10. n. ><>. 3) k>ococ^e, t. 2. pJrl. 2. pl. 67. 162. 16. ikid. pl. 6g. x. >6g. 5) Vitruvius (l. 4. c. 3.) sagt, man solle sie auf der untern Flache des Kranzleiste» in den Zwischenräumen anbringen? welche sich zwischen den Gassen, vi-e, und den Tropfen befinde». Fea. 6) ?ococl> 43, 49, 60. 2) Ich will über das Altertum dieses Gebäudes nicht entscheiden ; ein so Völlig erhaltenes Werk von der Römer Zeit an diesem Srte scheint mir bedenklich, da sich in Toscana von alten Gebäuden nichts Ganzes erhalte» hat. Den das Nattisterio in Florenz, welches di« Florentiner sur eineil Temvel des Mars halten, scheint nur denjenigen aus dem Altertume, die dasselbe im Vorübergehen kennen lernen. Alle andere Vattisteria sind, wie dieses, achtekich t, wie das zn Nom und zu Nocera de> Pagani, zwischen Neapel und Salerno. Von dem Gelände bei Siena habe ich, aller angewandten Mühe ohnerachtet, keine weitere Nachricht einziehen können, als daß es im Jahre 1520 in einer angestelleten KirchenVisttation bereits da gewesen ist. Wi»ekelman. Baukunst der Alten. man unsere Asche samlet und beisezet. Auf zwei andern Stüken umarmet SilenuS einen jungen geflügelten Genius des BakchuS/ und nähert sich demselben/ um ihn zu küssen.Von diesem Genius habe ich in der Beschreibung der stoschi sehen geschnittenen Steine gehandelt. 2) Diese erhobenen Werke waren übermalet/ wie sich an einigen deutlich zeiget. §. 17. An der Cornische des Gebälkes standen insgemein Löwenköpfe in einer bestickten Weite/ entweder zum Ablaufe des WasserS/ oder zur Andeutung desselben: an dem Gebälke auf drei Säulen im Campo Vaccino zu Rom hat sich die Cornische mit den Köpfen erhalten. §. 18. Wo an Tempeln oder Gebäuden runde Öfnungen anstatt der Fenster waren/ wurden Kränze von Bändern oder Blumen umher geschnizet. ^') An dem Gipfel des donnernden Jupiters auf dem Capitolio hingen kleine Gloken. 5) K. 19. Der Bogen der Nischen wurde in Gestalt einer Muschel gezieret/ und das älteste Werk, 1) Cavaeevvi (kllccolts <1! swtue, t. z. tav. 46.) gibt die Abbildung davon; es scheint vielmehr/ daß der »ius den Silenus siuze. Fea. 2) s2Kl. tSAbth. I4Z7 —I4Z8N.1 3) Auch an den Ruinen Von Palnuira/ kuins cck ?!>In>. x. 5 — lg.) hat sie sich erhalten/ und zum Theil «n dem Tcmvel des mänlichen Gliiks/ iezo S-Maria Ägyptiaca/ nahe an der Tiber/ (dessen Abbildung bei Desgodetz (I, c. z>, 42,) und am Giebel des Tem- Vcls zu Cora/ wo sie mehr zur Zierde als zum Nuzen dient. Ganz sieht man eine Cornische mit Lowenköpseu am Porticus der Kirche S. Lorcnzo Vor Nom. Fea. /j) Lcaliger. Lonject. Varroü, . >og — i ro. ?) Luei. in c. g>. Zweites Kapitel. woran sich dieses erhalten hat/ ist ein rundes Gebäude in Gestalt eines' Theaters, welches vermuthlich zum Koro Trajani gehöret hat. ') DieserZie- rat findet sich ebenfalls in den Nischen der Gebäude zu Palmyra / und an dem fälschlich sogenanten Tempel des Zanus zu Rom. §. 2t>. In dem PronaoS oder der Halle der Tempel war die Mauer am Eingänge vielmals bemalet/ wie an dem Tempel der Pallas zu Platää, wo Ulysses vorgestellet war/ wie er die Freier der Penelope erlegete. Etliche Gebäude wurden röthlich andere grünlich angestrichen. K. 21. Die Zieraten innerhalb der Gebäude/ als das zweite Stük dieses KapitelS/ wurden an den Tempeln und Palästen vornehmlich zu untersuchen sein/ wen die Zeit nicht alles verstöret hätte: von dem einzigen Pantheon will ich nicht reden/ weil das Innere desselben aus vielen Kupfern be- kaitt ist. Der Vorsaal im Hause/ oder dasjenige Theil/ welches beim Eintritt in dasselbe zuerst in Gemeiniglich die Bäder des Paulus Ämiliui genant. Pi ra n e sl gibt davo» die Abbildung, liom. t. i. tav. 29. lig. i.) Fea. 2) W006, liuiiis ^1. 4» 6. 9. Fc a. Z) I>susan. I. g, c. 4. ^K. Pausanias spricht von den Gemälden des Poly- gnotns und des Snatas, und sagt weder von dem einen noch von dein andern, wie Correvon (I^cur. sur In tlecouv. «le 1 unc. ville «IHercul. t. I. iZ. I>. Z34.) behauptet/ daß sie auf die Mauer gema> let seien/ so wie es auch die des Polpgnotus und anderer Maler nicht waren. Die berühmten Maler der alten Griechen pflegten aus Holztaseln zn malen, und erst sehr spät ward es Gebrauch, auf den Wänden der Häuser »nd Tempel zu malen. I. Z5. c. >v. sccl,, Z7.) Fea. 4) I?3usai>, I >. c. 2ö. I§. L.) ^66 Baukunst der Alten. die Augen fällt/ und bei den Griechen hieß/ >) wurde besonders ausgczieret/ undHomeruS nenner es daher „ das' allenthalben „ glänzende und schimmernde Theil. " K. 22. Die Gewölber/ welche keine vertiefete F elder hatten/ von welchen oben geredet ist/^) wurden insgemein mit GypSarbeit gezieret/ wie man sonderlich an dem Gewölbe eines Bades zu Baja bei Neapel siehet/ wo die Venus Anadyomene/ Tritonen/ Nereiden und dergleichen auf das schönste ausgearbeitet sind/ und sich bis izo unversehrt erhalten haben. Diese Arbeit ist nicht sehr erhöbe»/ und dadurch hat sich dieselbe mit erhalten: wo man dergleichen Werke in neueren Zeiten sehr erhoben gemachet hat/ haben sie insgemein gelitten/ und an dem Gewölbe der St. PeterSkirche/ deren Nosen von Gyps drei Palmen dik sind/ ist dieses fast unvermeidlich. §.23. ES wurden so / wie izo/ sowohl Felder als Figuren an den Deken und Gewölbern vergoldet/ und das Gold an einem verschütteten Gewölbe von dem Palaste der Kaiser hat sich/ ohngeachtet der Feuchtigkeit/ so frisch erhalten/ als wen es neulich aufgetragen wäre. Die Ursache davon lieget in der Dike des geschlagenen Goldes bei den Alten: den bei Vergoldungen im Feuer war ihr Gold/ welches sie auslegeten/ gegen die heutigen Blätter in der Stärke wie sechs gegen einS/ und in anderen Vergoldungen wie zwei und zwanzig gegen eins; wie Buonarroti ausführlicher angezeiget hat. ») Oasauli. in l'Iienzzli. (Hinget, c. 21. ZZo. 2) Ix. S. VII l. v. 4ZS. Z) Eine klciiicProbe davon findet man, wie es mir scheint, in den G e mal den vo nH ercu I an 0, 57. 5!Z,6i,)F ea, 4) Oüsei'vo?, iswr. 5vpi', -ilcun. mcdügl. t»r. Zo. —' z?l. LG. d. K. 7 B. 2 K. I I §.1 Zweites Kapitel. -467 Z. 2-i. Von den Verzierungen der Zimmer hat man sich bisher einen Begrif machen können aus dem Innern der Grabmäler / l) und die im Hercu- sano sowohl, als in den benachbarten verschütteten- Städten Resina/ Stabia/ und Pompeji entdekete Häuser stimmen mit jenen überein. Die gewöhnliche AuSzierung der Zimmer daselbst bestehet nur im Anstriche der Mauern/ und in kleinen Gemälden auf denselben/ welche Landschaften/ Figuren/ Thiere/ Früchte und Grottesken vorstellen: den ehemals waren Malereien anstatt der Tapeten. 3) Die Maler in dieser Art hießen bei den Alten das ist/ Maler von kleinem Kra m e. 1) In dem Grabmale des L. Aruntius und seiner Freigelassene», vornehmlich an der gewölbten Deke, lind Verzierungen in Stucco mit Figuren in den Abtheilungen, Arabeske», Grottesken und anderen Sachen mit aller Sauberkeit und Zierlichkeit auf eine»! in verschiedenen Farben steinartig bemalten Grunde. Die Abbildung da- Vonbei Piranesi rom-n. t> 2. tav. 12.), Fea. 2) Ei" beträchtliches Theil dieser Malereien, welche Win> ckeiman so oft anfuhrt, und mehrere derselben beschreibt und erklärt, ist in den vier ersten prachtvollen Bänden der pitture !»!o bekant gemacht worden. Fea. 3) plutarcli. i» ^Ic!!>, 17^ x. 19g. Plutarchus spricht nicht von diesen Malereien, sondern schreibt blos, daß, als Aleibiades damit »inging, einen Zug gegen Sieilien und Afrika zn unternehmen, viele Athenienser, welche in den Paläster» und Hemicpklen saßen n»d sich unterredeten, die Figur von Sicilien und die Lage von Afrika u»d Karthago zeichneten, ohne zu sagen, auf welche Weise, ob aus die Erde oder an die Wand, oder auf eine Tafel, wie auch bei uns bei dergleichen Unternehmungen wohl zu geschehen pflegt. Aber dieses hat nichts mit dem zn thun, weßhalb Win ekel man die obige Stelle des P l uta r ch us ansührt. Fea. 4) L.il>uui. in x> 2Z> 468 Baukunst der Alteu. §. 2L. Unter dem Gewölbe der Zimmer (andere hatten Deken von Holze) ging insgemein eine kleine Cornische von Gyps umher/ welche zwei oder drei Finger breit hervorsprang/ und nach Beschaffenheit der Gebäude glatt oder mit Blätterwerke gezieret war. ES durchschnitt diese Cornische das obere Theil der Thüre/ welche nach den Regeln der Baukunst drei Fünftbeile der Höhe des Zimmers haben soll/ und dadurch wurde das Zimmer umher in zwei Theile getheilet; das Obere/ welches wie die Friese zu dem Unteren war/ verhielt sich zu diesem/ wie zwei zu drei. Der Raum sowohl über als unter der Cornische wurde in Felder getheilet/ welche höher als breit waren/ und insgemein die Breite der Thüre hatten / welche gleichsam eins von den Feldern war. Diese waren mit Leisten von verschiedener Farbe eingefasset/ und zwischen denselben waren kleine vierekichte oder runde Feldercheu/ in welchen eine Figur oder eine Aussicht gemalet war. Über der Cornische war eben die Eintheilung/ doch so/ daß die Felder breiter als lang waren / welche ebenfalls mit Landschaften/ Aussichten auf das Meer/ und dergleichen ausge- zieret waren. j) Aus diese Weise war vielleicht der Theil des Hauses ge' malt/ das Lneian () beschreibt/ wo er sagt, daß die Gemälde aus den Wänden i» Schönheit der Farben und Natürlichkeit der dargestelleten Sachen einer blühenden Wiese und dem lachenden Anblike des Frühlings sich vergleichen konten. Auch waren daselbst Malereien unithologischer Gegenstände/ unter andern eines/ welches Lueian (Z ?.Z.) aus dem Eurivides oder Sovhokles entlehnt glaubte/ und ein anderes (5-, i>)/ aus welchen: Medea vorgestellt war/ welche mit entblößtem Schwerte und wildem schrekliche» Blike ihre .Kinder ausah/ die zu ilr h'inaus lächelten. Von üeser Malerei wahrscheinlich redet Winckelman in seiner Ee- Zweites Kapitel. 46s ß. 26. Eine auf diese Art eingetheilete und ver- zierete Wand eines Zimmers siehet man in der königlichen Galerie alter Gemälde zu Portici: es ist dieses Stiik über zwanzig Palmen lang und vier- zehen breit. Diese Wand hat/ wie angezeiget ist, Felder unter und über der Cornische/ welche aus Blätrerwerke bestehet. Von den drei unteren Feldern ist das mittelste breiter/ als die auf den Seiten; jenes ist gelb eingefasset/ diese roth. Zwischen denselben gehen schwarze Streifen herunter mit zierlichem Schnörkelwerke bemalet. Mitten in den Feldern sind Landschaften auf rotkem oder gelbem Grunde. Über der Cornische sind vier kleinere Felder/ von welchen zwei auf das mittlere untere Feld fallen: in einem derselben lieget ein Haufen Münze auf einem Tische/ nebst Papier/ Täfelchen/ Tintenfaß und Feder; in dem andern sind Fische nebst andern Eßwaren vorgestellet. §. 27. Auf dem palatinischen Berge wurde im Jahre 172^ ein großer Saal entdeket / von vierzig Fuß lang/ welcher ganz und gar ausgemalet war. Die gemaleten Säulen waren eben so spillenmäßig und ausserordentlich lang- wie die Säulen auf den Gemälden zu Portici. Was sich von Figuren und anderen kleinen Gemälden auf den Wänden dieses Saals fand/ wurde abgenommen / und nach Parma gefchiket/ und diese alten Gemälde gingen mit den übrigen SchäzendeS farnefischen Musei nach Neapel. Da aber alles vier und zwanzig Jahre verschlossen blieb/ hat der Moder alle diese Gemälde zernichtet/ und man siehet zu Capo di Monte in Neapel/ wo be- schichte der Kunst tS V> 3 K. §.); aber Lucia» sagt nicht, daß es ei» Werk des Timomachus sei. F e a. lBriefe a» Vianconi, oben S. 4S », s.Z <470 Baukunst der Alten. sagetes Museum stehet/ nur die ledigen Stüke Mauer»/ auf welchen gemalet war. Eine einzige weibliche Herma oder Karyatide hat sich erhalten/ die etwa halb Lebensgröße ist. §. 28. ES wäre eine Vergleichung zu machen zwischen der Art zu zieren nnter den Alten und den Neueren/ wen man sich durch Kupfer deutlich erklären könte. In dem Plane der Zieraten der Alten herschete allezeit die Einfalt; bei den 'Neuer»/ die nicht den Alten folge»/ ist das Gegentheil: jene sind vereiniget i» de» Zierate»/ welche als Zweige zu einem Stamme gehören; diese schweife» aus / und man findet zuweilen weder Anfang noch Ende. Endlich hat man sogar neuerfundene Schuör- kel/ mit welchen einige Zeit her französische und augspurgische Kupferstiche eingefasset und gezieret werden/ an der vorderen Seite der Gebäude angebracht. Das abscheulichste Denkmal des Verderb- NisseS des Geschmaks ist in Italien selbst und zu Portici bei Neapel. Es hat daselbst der Duca Cara- vita in einem Garten neben den, königlichen Schlosse die ungereimteste» Schnörkel jener Kupferstecher besonders von Steinen aufgeführet/ und diese Frazen stehen/ ein jedes abgesondert von dem andern/ viele Ellen hoch längs den Gängen des Gartens. §.29. Michael Angelv/ dessen fruchtbare Erfin- 1) Nach dem Tode Winckelmails sind Viele andere alte Gemälde entdekt worden. In denen, welche in dem Zimmer nahe am Spital von S. Johan im Lateran gefunden wurden, und welche zu den merkwürdigsten gehören , waren viele kleine Bildcken gemalt, ringsumher mit Blumengewinden verziert. In jedem dieser Gemälde war ein Jüngling in einer ungewöhnlichen Kleidung dargestellt. Auch die Gemälde in den Bädern des Tirus sind nach dem Tode Winckelmails neu entdekt worden. Fea. Zweites Kapitel. -in dung sich in der Sparsamkeit/ und in der Nachahmung der Alten nicht einschränken konte/ fing an, in den Zieraten auszuschweifen/ und Borromini/ welcher dieselben übertrieb/ führete ein großes Ver- derbniß in der Baukunst ein/ welches sich in Italien und in andern Ländern ausbreitete/ und sich erhalten wird/ weil unsere Zeiten sich immer weiter von der Ernsthaftigkeit der Alten entferne»/ und man ist vielmals den Königen in Peru ähnlich/ in deren Gärten die Pflanzen und Blumen von Golde waren/ und deren Größe sich in ihrem verderbten Geschmakc vffenbarete. Fragment einer neue« Bearbeitung i>er Anmerknungen über die Baukunst der Alten. Erstes Kapitel. Von dem Wesentlichen der Baukunst, o §. i. ^sch tbeile über die Baukunst der Alten einige Anmerkungen und Nachrichten mehrentheilS aus eigener Erfahrung und Untersuchung mit/ und dieselben betreffen zwei Theile/ nämlich das Wesentliche der Baukunst/ und die Zierlichkeit derselben. ß. 2. Das Wesentliche begreifet in sich vornehmlich theils die Materialien/ und die Art zu bauen/ theils die Form der Gebäude und die nöthigen Theile derselben. §. Z. Die Materialien sind Ziegel/ Steine und Mörtel; den von Holz/ woraus unter den Griechen in den ältesten Zeiten ganze Gebäude und Tempel aufgeführet wurden/wie derjenige war/ welchen Aga- medes und TrophoniuS dem Neptunus baue- ten/ >) wird liier nicht geredet. Die Ziegel waren anfänglich ungebrant/ und nur an der Luft/ aber einige Jahre/ getroknet/ und wurden bei den Griechen sowohl als Nömern häufig gebrauchet. Von solchen Ziegeln waren die Mauern zu Mantinea/2) und >) pausan. I. S. sc. 10. Z. 2I 14. lc. g> 5 5 ) Baukunst der Alten. zu Eion am Flusse Strmnon in ThracieN/^) ein Tempel zu Panopea/ und ein anderer der Ceres/') beide in der Landschaft PhociS/ eine Halle zu Epidaurus/und ein Grabmal der verstöreten Stadt Le- preuS in der Landschaft Elis. Von solchen Ziegeln sind auch die Häuser zu Lima und Peru aufgeführet. 5) Aus dem VitruviuS scheinet eS / daß zu Rom und in der Gegend nmher die mehresten Häuser von solchen Ziegeln aufgeführet gewesen/ und dieser Scribent handelt umständlich von deren Zurichtung, <-) PausaniaS aber berichtet/ daß sie von der Sonne und vom Wasser aufgelöset worden.?) ß. ä. Die Härte und die schöne rothe Farbe der alten Ziegel komt von der Art des' Brennens'/ und eS ist zu glaube»/ daß die Ziegelhütten ehemals mit hartem Holze geglühet worden/ anstatt daß dieses izo in und um Rom mit Strauchwerk geschiehet/ welches viel Rauch/ und also auch viel Feuchtigkeit verursachet/ und der Härte und der Farbe der Ziegel nicht zuträglich ist. ES ist sogar den hiesigen Ziegelbrennern bei hoher Strafe untersaget/ kein Holz als Strauchwerk zu gebrauchen. Dem ohngeachtet sind die römischen Ziegel vorzüglicher vor denen an den mehresten Orten in Deutschland; die besten aber kommen aus Toscan«/ wo man in der Maremma kein Holz ersparen nöthig hat. Die alten Ziegel wurden nicht dike/ aber zum >) 1,1. I. >c>. ». 4. Z. Z.Z -) 16. i>. Z5. Z. 5.Z Z) 16. >, 2. sc, 27. Z, 7,^ 4) I.I. !. 5, Ic. 5. Z. 4,Z ö) Oarlct, 6Z. k) 1^ 2. c. Z. ?)!>. S. lc. L- 5. 5.Z Fragment. Gemäuer groß gemachet; ihre Dike ist niemals über einen starken Zoll/ ste stnd aber drei bis vier Palmen grosi/ von welchen auch VitruviuS redet/ und dieneten sonderlich zu Bogenwerken. Z. 6. Die ersten Steine zu Gebäuden der Römer waren diejenigen / welche am leichtesten gebrochen werden/ nämlich der Tnfv/ und derjenige/ welcher der albanische Stein hieß. Der Tufo ist nichts anders/ als eine leicht versteinerte Erde/ und ist tl,eils schwarzgraulich/ theils rötblich; es ist der Steiii/welcher beim VitruviuS der rothe Stein Heisset/>) dem Perranlt aber unbekaut war. Dieser Stein wird unter der Erde gegraben und gehauen/ izo nur in kleinen StükeN/ wie sie die Hake bricht/ vor Alters auch in Ouaderstüken/ mit welchen die Grundlagen der Gebäude gemachet wurden: izo dienet dieser Stein zum Ausfüllen in Grundlagen und an Gewölbern; den in der freien Luft tauget derselbe nicht. Bei Neapel wird ein weißlicher Stein gebrochen/ welcher ebenfalls eine Art Tufo und so weich ist / daß er mit der Axt kan bearbeitet werden. Der ganze Berg/ an welchem Neapel lieget/ ist ein solcher Stein/ und er wird daselbst zum Unterschiede von härteren Steinen clolee ge- nennet. Es ist derselbe in ziegelmäßiger Horm und Größe gehauen/ wie noch izo gebräuchlich ist/ an vielen Trümmern der verschütteten Stadt Pomveji zu scheu / sonderlich an den Grabmälern dieser Stadt / an den Hügeln längs der Straße / welche nach Salerno gehet. Die ineliresten Gebäude zu Neapel sind ans diesem Steine gebauet/ auch die Gebäude zu Baja und zu Misenum, die Tempel daselbst ausgenommen. Von Gebäuden aus solchen 1) 1^. 2. c. 7. 2) Vilruvez x. 40. n. 1. cäil. 1664. 4?s Baukunst der Men. Steinen könte in der eigentlichsten Bedeutung die so verschiedentlich erkläret-. Formel auf einigen alten Grabsteinen/ gesaget werden: 8ul, ^sci» posun. Der ro theStein beim Vitruvius könte auch denjenigen bedeuten/ welchen Fabretti den collatini- schen Stein nennet/^) weil derselbe ohnweit des Einflusses des Anio in die Tiber/ d. i. wo ehemals Collatia gestände»/ gebrochen wird. Die drei Lagen großer Steine über die Bogen der marcischen Wasserleitung/ welche den Gang machen/ in welchem das Wasser lies/ sind von dieser Art. ß. 6. Unter der Benennung des albanischen Steins sind izo zwo Arten begriffen: der eine heisset Sperone/ der andere Peperino/ von der Stadt Piperno benennet/ wo er auch gebrochen wird/ und diesen Namen hat diese Art Stein auch zu Neapel. Beide Arten sind sowohl an Farbe unterschiede»/ welche an jenem graugelblich/ und an diesem schwarj- graulich ist/ als auch in der Güte und Dauer. Der > Sperone/ welcher auf dem alten Tusculo gebrochen wird / ist dichter und härter/ als der Peperino/ und dieser/ welcher noch mekr erdartig als jener ist/ ziehet folglich mehr Feuchtigkeit in sich/ welches in großer Kälte / wen diese Feuchtigkeit gefrieret/ verursachen kail/ daß dieser Stein Risse bekomt und plazet. ES wird aber bei Soriano/ nicht weit von Viterbo/ ein Peperino gebrochen/ welcher dichter iß/ und gedachten Fehler nicht hat. Der mehreste wird bei Marino/ und mch bei Albano gebrochen/ und cS sind von demselben die ältesten großen Werke gebauet/ alodieCloaea massima unter den Tarqui- niern/der Ablauf des albanischen Sees auS den ersten Zeiten der Republik/ und die mehresten Tempel/ als der Tempel des An t oninns und der Fau- z.) 27- Fragment. st i n a/ derPallaS auf dcm ForodeSNervo u.s. f. Die Tempel aber waren überall mit diken Platten von Marmor bekleidet/ so daß sie völlig aus Mar« mor gebauet schienen. §. 7. Mit Ouaderstüken von Peperino sind ferner die Erhöhungen auf beiden Seiten der alten römischen Straßen zur Bequemlichkeit der Fußgänger gemachet/und dieses geschahe auf der appischen Straße, wie aus demLiviuS zu schließen ist/>) hundert und vierzig Jahre nach geendigtem Pflaster dieser Straße. Diese Steine waren an einigen Orten mit eisernen Klammern zusammengebunden/'^) welches aber nicht von den ausrecht stehen» den niedrigen Kieselsteinen/ mir welchen die Straßen allenthalben/ wie mit einem Nande/ eingefasset sind/ nach der Auslegung eines neueren Scribenten kan verstanden werden. Die Erhöbung der Straße für die Fußgänger war nur nahe an den Städten/ und ist bei Albano und Terracina an drei Palmen hoch / und eS war dieselbe nicht weiter im freien Felde fortgeführet/ ausgenommen wo tiefe Gründe sind / und das Pflaster vom Wasser konte überflössen werden/ wie man auf der Straße nach Ostia siebet. Folglich war es eine Bequemlichkeit/ um zu Pferde zu steigen/ nur nahe an den Städten und in den Gründen. §. d. Hn folgenden Zeiten / und nachdem die Römer Herren von Tibur waren/ fingen sie an / mit dcm tiburtinischen Steine, welcher izo Traver- tino keisset/ zu bauen. Dieser Stein/ welcher härter als Sperone und Peperino / und weicher als Narmor ist/ und dessen ähnliche Arten finden sich i) I,. 41. c. 32. z) 8tat. Lilv. I. 4. c. Z. v. 4S. Z) kramli, Vi» I> l. c p. Z7. 4so Vaukunft der Alten. insgemein an Orten, wo Schwefelquellen sind/ wie bei Tivoli: den der Saz/ welchen der Schwefel machet/ wird in die Länge zu Stein/^) und der Mangel an Feuchtigkeit machet den Stein löchericht. Es wirket aber der Schwefel auch in Bildung der härtesten Steine und Marmore/ und unter diesen gibt derjenige/ welchen man nennet/ im Bearbeiten einen sehr starken Schwefelgeruch. Ein dem Travertino ähnlicher Stein wächset auf diese Art um Monrcvnlciano / welche Gegend reich an Schwefelquellen ist/ so daß die ganze Oberfläche des Berges unten ausgehöhlet scheinet; und im Gehen bebet. Es versteinert auch die Albula unter Tivoli/ welche in den Fluß Aniv/ izo Teverone/ fällt/ und gedachte Ouellen voller Schwefel helfen zur Zeugung des Travertino. Auch zu Pesto wird ein ähnlicher harter/ aber löcherichter Stein aus dem Echwefelbache gezeuget/ dessen auch Strabo gedenket/^) welcher nicht weit von den Überbleibseln dieser Stadt in's Meer fällt. Diese Eigenschaft des Schwefels/ zu versteinern/ ist von wenigen Scribenten/ die eS Härten tonn sollen/ berüiiret worden. K. 9. Die Brüche bei Tivoli wachsen in weniger Zeit wiederum zu/ und man hat mitten in den Steinen zuweilen Steinbrcchercisen gefunden/ welches dieses beweiset.- Auch der Marmor wächset wiederum zu; den man fand eine eiserne Brechstange in einem großen Blöke von fogenaiitem afrikanischen Marmor/ da derselbe für die Kirche della Morte hinter dem farncsifchen Palaste/ zersäget wnrde. Noch ausserordentlicher aber ist ein Stük einer Säule von Granit/ in welchem man zu Rom vor dreissig Jahren eine güldene Münze des Augu- stus faud/ da man eS zersägete. Diese Münze war 2) Keckel-i «ultwii-. I. i. sect. 4. c 7. p. 298. 2) 5. x. 17 5. eclil.. OssAuI). anno 1567.) Fragment. in dcit Händen des bekanten AntiquariuS Fieoro- ni; folglich muß sich dieser Granit innerhalb dreihundert Jahren erzeuget haben; den nach dieser Zeit wird man schwerlich Säulen in Ägypten haben auShauen und nach Rom kommen lassen. Die Kaiser des vierten Jahrhunderts zersiöreten ältere Werke/ um die ihrigen davon auszuführen. §. 10. Daß der Travertino in den ältesten Zeiten der Republik noch nicht sehr gewöhnlich gewesen/ kan man aus merkwürdigen Inschriften schließen/ welche noch damals in Peperino gehauen wurden/ wie diejenige ist/ welche dem L. Cornelius Seipio BarbatuS oder Nasiea gesezet wurdet) dem würdigsten Manne seiner Zeit/ wofür er bereits in seiner Jugend von ganz Rom erkant wurde/ wie diese Inschrift und LiviuS bezeugen. ES ist dieselbe im zweiten punischen Kriege gemachet/ und stehet in dem Zimmer der Handschriften der barbe- rinischen Bibliothek. Sie ist fast von gleichem Alter mit der duili sehen / welche vermuthlich auch nur in solche Steine gehauen gewesen sein wird/ und nicht in Marmor/ wie aus einer Stelle des SiliuS vorgegeben wird. Den die Überbleibsel von Marmor sind nicht von derselben Zeit und Selbe- nnS4) und andere Gelehrte wären über das Altertum derselben nicht zweifelhaft gewesen/ wen sie die Inschrift selbst sehen können. Der Marmor wurde spät in Rom bekant / aber eher/ als im 676 Jahre 5er Stadt/ wie jemand vorgibt: 5) den Pli- oni8 elogium contirietur. Nomas 1617. 4. 2) 1^. 29. c. 14. Z) tle Oaxitol. e. 33. p. 124. e«Iit. 1617.4,' 4) Alarm. ^run6el. p. io3. 5) Oc»??,?, Iiiser. tlcUa Oolon. ro?tr. Oui!. (Z.0Q1. i63^ 4.) x. 3. Winckelman. Z. 21 432 Baukunst der Alten. tiius/ welchen man anführet/ redet von numidk- sch em Marmor und von den ersten Thürschwellen aus demselben/ aber er behauptet an eben dem Orte, daß man vor des ZlugustuS Zeiten in Italien noch nicht verstanden habe, den Marmor zu sägen/ welches' kaum glaublich scheinet. Unterdessen hat der Marmor in einem Werke aus der Zeit der Republik ohne Säge können gearbeitet werden; und dieses ist die Pyramide des CajuS CestiuS. Von den ältesten griechischen Inschriften wissen wir, daß sie in grob abgehauenem Marmor waren. Wen die Säulen von Travertino sind/ so haben sie eine dünne Bekleidung von GypS/ uin die löcherichten Stellen zu bedekeii/ und dieses siehet man an den Säulen der Kirche von S- Maria Egizziaea zu Nom/an dem sogcnaii- ten Tempel der Sibylle zu Tivoli/ und an dem Tempel zu Cori, §. ii. Zu den Materialien von Stein gehören auch die Schlaken (Pomiee) des VesnviuS/ und ein schwarzer steinichter GrieS/ welcher Napillo Heisset. Diese Schlaken sind dunkelroth oder braunroth/ und manche sind den Eisenschlaken ähnlich in der Farbe, sie sind durchlöchert und leicht wie ein Schwani/ dem sie auch ähnlich sehen. Diese Schlaken/ welche der Schaum von der feurigen Materie des VesuvinS sind/ unterscheide« sich von dem Bim ssteine/welcher auch Pomice Heisset/ ebenso leicht/ aber von kleine« ren Löchern und weiß ist. Dieser findet sich nicht ans dem VesnviuS/ sondern an den Ufern des mittelländischen MeereS/ und häufig bei Neapel und Pozzuolo; daher sehr wahrscheinlich ist/ daß derselbe von dem Ätna in Sicilien komme/ und durch das Meer/ weil er wegen seiner Leichtigkeit schwimmet, 36- c. 6. sect. 3. Fragment. fortgeführet wird. ES wird auch eine Art den ve- snvischen ähnliche Schlaken bei Viterbo gegraben, in einer Gegend/ wo siedend Heisse Quellen sind. Diese Gegend wird Bollicame genant/ von l-olliie, sieden/ und das unterirdische Feuer daselbst / nebst den Schlaken sind Zeiche»/ daß ehemals daselbst ein Vulcan gewesen sein könne: diese Schlaken aber sind weich und nicht tauglich zu der Arbeit/ wovon ich unten rede. §.12. Der Rapillo/ welcher Lapillo heissen sollte/ findet sich sonderlich zu Neapel/ und eS werden die Estriche in vielen Häusern und auf allen platten Dächern mit diesem Griese geschlagen und geleget. Man trift denselben auch oberhalb Frascatr auf dem alten Tufculo an/ wo er/ so wie dort/ vermuthlich eine Wirkung von einer ehemaligen Entzündung der Gebirge ist/ welches aus den bleifarbigen Stufen von vielseitigen länglichten Würfeln daselbst zu schließen ist. Wen die alte römische Geschichte meldet/ daß es zuweilen bei Alba und in derselben Gegend Steine geregnet habe / so kan zu dieser Sage eine noch ältere verdunkelte Tradition von einem Auswurf dortiger Berge Anlaß gegeben Haben. §. 13. Die dritte Art Materialien/ derMörtel/ wurde von den alten Römern/ wie noch izo allgemein geschiehet/ mit Kalk und Puzzolana zugerichtet. Diese Erde hatte eben denselben Namen vor Alters/ nämlich pulvis ?utcc>l->l>us, weil dieselbe vermuthlich zu Puteoli/ izoPuzzuolv/ bei Neapel zuerst entdeket wurde. Pbilander glaubet/^) die neueren Römer haben diese Erde von dem Worte xono, Brunnen/ also benennet/ weil dieselbe tief ,i) I.!v. I. i. c. Zi. I. 22. c. Z6. I. 2Z. c 3i. I. 3A. c. g 2) ^nnvt. in Vilruv. I. 2. c. ö. x. 5z. 48-4 Baukunst der Alten. gegraben wird. Die Puzzolana ist theils schwärzlich/ theils röthlich; die schwärzliche ist mehr eisenartig/ schwerer und trokener/ als die andere/ und dienet sonderlich zum Wasserbau; den weil sie spröde ist/ bekomt sie leicht Risse über der Erde; die andere ist mehr erdhaft/ und wird vornehmlich zu Arbeiten in und über der Erde gebrauchet. Jene Art wird bei Neapel gefunden; beide Arten aber finden sich in und um Rom, und sonst in keinem andern Theile von Italien. > Ein glaubwürdiger Augenzeuge versichert mich/ daß eine solche Erde auch bei Metz in Lothringen gegraben wird/ welche daselbst dienet/ mit wenigen Kosten und geschwinde ein Gebäude aufzuführen/ wie ich unten anmerkeil werde. ES ist aber zu merken/ daß die Alten die röthliche Puzzolana wenig gebrauchet haben/ welche izo hingegen in Rom mehr als die schwarze gesuchet wird. In den Gegenden am Meere in der römischen Landschaft ist sie ebenfalls nicht/ und die Alten/ welche zu Antium baueten/ werden die Puzzolana von Neapel geholet haben/ wie noch izo daselbst geschehen muß; den eS komt diese Erde mit wenigeren Kosten zu Wasser von dorther/ als von Rom auf der Are dahin. ES findet sich derselbe sogar nur auf einer Seite der Tiber/ das ist : auf der Seite gegen Morgen oder Mittag / woraus ein wahrscheinlicher Schluß zu ziehen ist/ daß eS eine Erde sei/ welche durch Entzündung entstanden/ die durch den Fluß eingeschränket worden/ und sich jenseit der Tiber nicht erstreken können. Die wirkende Ursache der Puzzolana zeiget auch die Benennung derselben im Neapelschen sil/ sie wird insgemein daselbst ti-1-r» cli t'uovo, Feuererde/ genant/ und wird izo nicht mehr bei Pozzuolo/ sondern um den VesuviuS herum/ und daselbst allein/ gefunden und gegraben. ES gibt Lagen derselben mit Lava/ oder Fragmente mit geschmolzener Materie auS dem Kesuvius wech-- selweift/ sehr tief unter der Erde/ wie sich unter andern in einem Brunnen zeiget/ welchen der königliche Bildhauer Joseph Canartin seinem Weinberge zu Portici 270 neapelsche Palmen tief graben lassen. Es ist dieser Brunnen durch acht verschiedene Lagen von Lava mit Lagen von versteinerter Asche und Puzzolana abgewechselt/ hindurch gearbeitet. §. Die römische Puzzolana wird zu Civita- vecchia von fremden Schiffen anstatt des' Ballastes geladen/ nachdem sie vorher i?'. Rom gesiedet worden; den Mauerwerk in Hafen kan ohne diese Erde nicht gemachet werden. Zu dem izigen Bau und der Vergrößerung des Hafens zu Ancona werden alle Jahre siebenzehntausend Karren / von einem Pferde gezogen/ eingeschiffet/ und die Barken müßen das ganze Untertheil von Italien umfahren. §. >6. Baptist Alberti redet in feinem Werke von der Baukunst/ als wen er nur von weitem von der Puzzolana reden hören/ weil sie ihm/ als einem Florentiner/ nicht sehr bekant sein konte/ nnd an einem andern Orte verwechselt er dieselbe mit Napill 0.5) In Griechenland hat sich diese Erde/ so viel man weiß/ auch nicht gefunden/ welches auch Vitruvius anzeiget/2) uird der Mangel derselben ist mit Ursache/ daß die Griechen nicht/ wie die Römer/ mit Leichtigkeit Gewölber machen können. Es müßen aber die Griechen einen sehr festen Mörtel zu machen verstanden haben/ wie der große Wasserbehälter zu Sparta noch izo zeiget/3) wel- 1) 1^. 2. c. 9. x. 61. 1. 3. c. i.6. x. 96. I'iorent. toi. 2) I.. 2. c. 6. 3) Hist. 6es t. l6. x. il». eäit. ?aris. .4s6 Baukunst der Alten. chcr aus' Kieselsteinen bestehet/ die mit einem Mörtel verbunden sind/ welcher so hart ist/ als die Steine selbst/ welches Belon auch von den Cisternen zu Bncephala saget. §. t6. Beide Arten Puzzolana werden gleichsam zu Stein / und sonderlich im Wasser/ wie auch die alten Scribenten anzeigen. 2) Plinius meldet von der Puzzolana in dem Baue des Hafens zu Ostia. 2) Ja/ der Mörtel wird härter als die Steine selbst/ welche er verbindet. Dieses siehet man an den Trümmern der Gebäude am Gestade des MeerS/ welche bis in das Wasser hinein gebauet sind/ zu Pozzuolo/ Baja und in dieser ganzen Gegend/ ungleichen zu Porto d'Anziv/ dem alten Antium/ wo die alten Pfeiler/ welche den Hafen macheten und einschloßeii/ so wie jene Gebäude/ vou Ziegeln gebauet sind. Mit Puzzolana macheten die Alten in und um Rom ihre Straßen und Wege/ welches noch izo geschiehet. ß. 17. Die Lagen der Puzzolana gehen tief in die Erde/ und zuweilen an achtzig Palmen; ganz Rom ist untergraben/ diese Erde herauszuholen/ und diese Gänge gehen viele Meilen weit/ und solche Gänge sind die Ka takomben. Da der Grund zu dem Palaste in der Villa des Herrn CardinalS Alexander Albani gegraben wurde/ fanden sich drei solche Gänge über einander/ daher man genö- thiget war/ mir dem Fundamente noch tiefer hinunter zu gehen/ und es ist dasselbe über achtzig Palmen tief geleget. Z. i s. Den Kalk mußten einige Provinzen unter den römischen Kaisern als einen Theil ihrer Ab- 1) Ok-ierv. I. i. ck. 67. 2) 8 l^c.40. scct. 76, n> 2.Z Fragment. Haben nach Rom liefern:^) Umbrien/ ferner die Provinz/ welche izo die Marca heisset/ und auch die Terra di Lavoro in Campanien/ gaben dreitausend Karren Kalk / und Toscana achthundert. K.tS. Bei der Art zu baue»/als dem zweiten Stüke des wesentlichen Theils der Baukunst/ fangen wir billig bei der Grundlage an/ welche entweder von großen vierekichten Stnken Tufo war/ wie ich vorher angemerket habe / oder von kleinen Sinken Tnfv/ welches die gewöhnlichste war/ und es noch izo ist. Der Grund dieser lezteren Art wurde folgendermaßen geleget/ wie man an den Ruinen stehet. Man^ warf den Mörtel/ das ist: Kalk mit Puzzolana durch einander geschlagen/ mit Mulden hinein / und Stüke Tufo darauf/ und dieses Hin-- einschütten des Mörtels und der Steine wiederholet«! man / bis die Grube voll war. Eine solche Grundlage sezet stch in ein paar Tagen/ und wird durch die Puzzolana so hart und fest/ daß man unmittelbar nachher darauf bauen kan. Überhaupt ist hier auch bei den ausgefülleten Mauern über der Erde zu merken/ daß in Abstcht der Eigenschaft der Puzzolana allezeit von den Alten mehr Mörtel als Steine gebrauchet stnd: auf eben diese Art sind alle alte Gewölber gemachet- An Mauern von Ziegeln aber/ oder die auch nur mit denselben gefüttert sind / ist das Kenzeichen der guten Zeiten der Bankunst/ wen dieselben mit wenig Mörtel geleget oder verbunden stnd/ welcher vielmals kaum einen Federkiel dik lieget zwischen den Ziegeln/ die nicht zween Finger in der Dike haben. §. 20. Wen das Gerüste zu den Gewölbern vorher mjt Schalen oder Brettern war geleget worden/ schüttete man/ wie bei Grundlage»/ Mörtel und ») Lvö. Ikcvä, t>L. !. >4. tu, H- x- 4«s Baukunst der Mm. kleine Steine Tufo/ oder geschlagene Ziegel/ so wie sie im Aufschütten fiele»/ auf die Bogen des GerüsteS von Brettern, bis zu einer bestickten Dike/ welche in den diocleti anischen Bädern an neun Palmen ist/ und alsden trug man eine Lage von eben demselben Mörtel darauf/ um das Gewölbe oben glatt zu machen. Ein großes Gewölbe konte auf diese Art durch eine Menge Menschen in einem Tage geendiget werden. Diese Art zu verfahren siehet man/ wo die Bekleidung abgefallen/ oder die Ge- wölber gestürzet sind/ am Colisev/ in den Bädern des TituS/ des Caracalla/ des DiocletianuS/ und sonderlich in den weitläustigen Trümmern der Villa Hadriani/ wo sich noch die Lagen der Bretter von den Gerüsten der Gewölber zeigen. §. 2t. Dieser geschwinde Weg zu wölben ist izo nicht mehr gebräuchlich/ sondern Gewölber werden mit der Hand gemachet/ aber noch allezeit mit Tu- fo und Puzzolana. Die obere Ausfüllung aber/ bis alles mit dem Niiken des Gewölbes gerade wird/ geschiehet muldenweis (55-^,0)/ wie überhaupt bei den Alten. Vermittelst des Mörtels kan man den Gewölbern eine Form geben/ welche man will/ und es werden noch izo in Rom einige ganz platt gemachet/ so daß eS kaum gewölbet scheinet. Das Gewölbe lässet man einige Zeit auf dessen Gerüste stehe»/ daß es sich sezen kan. §. 22. Die Alten sucheten ihre Gewölber/ weil sie dieselben stark machete»/ so leicht als möglich zu halten/ und dieses thaten sie auf zween verschiedenen Wegen. Der eine war mit Schlake n zu wölben/ welche von dem Berge Vesuvio kamen/ und man hat dieselben bei der vor ein paar Jahren vor« genommen inneren Ausbesserung des PantheonS/ in den vertiefeten Feldern des Gewölbes bemerket. In Fragment. 489 den Gewölbern der Bäder des Caracalla siehet man diesen Pomice sehr deutlich. ß. 23. Vitruvius meldet nichts von dieser Art zu wölben; es gedenket derselbe nur im Vorbeigehen der Schlaken bei der Stadt Pompeji am Fuße des Vesuvius/5) welche in dem ersten bekan- ten Ausbruche dieses Berges unter dem Nero verschüttet wurde. Plinius meldet/ daß diese Schlaken rötblich seien. 2) In den Mauern von ge- gedachter Stadt siehet man dieselben häufig/ und es würden sich auch in den Gewölbern Spuren davon finden/ wen dieselben durch die Last der Asche ans dem VesuviuS nicht wären erdrüket worden. Palla- dius ist der einzige unter den Alten/ welcher vonDe- ken in Zimmern mit diesen Schlaken geleget redet. In der Art/ die Deken zu machen/ komt dieser Scri- bent mit dem Vitruvius völlig nbereiN/4) und jener ist von diesem nur allein in dem Zusaze der Schlaken verschieden; worans zu schließen ist/ daß solche Deken zu des Vitruvius Zeiten noch nicht bekant gewesen: den PalladiuS hat über hundert Jahre »ach jenem gelebet/ und es werden damals nach dem großen AuSbruche deSVesuvius unter dem Titus/ die Schlaken bekanter/ häufiger und gebräuchlicher geworden sein. Die Schlaken in dem Gewölbe des Pantheons zeigen also/ daß dasselbe entweder unter dem Kaiser Hadrian/ oder unter dem SeptimiuS SeveruS ausgebessert worden/ welche Kaiser diesen Tempel/ da derselbe im Feuer ze« litten/ wieder herstellen lassen. ») I.. 2. e. 6. 2) 1^.. 66. c. 23. 49.^ 3) Oe re i'ust. I. t. e. iZ. 7. c, Z. Baukunst der Alteu. K. 2ql. Gewölbcr mit diesen Schlaken geleget/ sind in Neapel gewöhnlich; in Rom aber ist der Herr Cardinal Alexander Albani der erste/ und bis izo der einzige/ welcher in seiner Villa zu Rom also gebauet hat. Man verfahret auf folgende Weise: Nachdem das Gerüst zum Gewölbe angeleget ist/ wird der Bogen auf beiden Seiten (I<- oossie aell» voll»), wie vorher gesaget/ gemauert bis auf das Mittel des Gewölbes/ oder dessen Rüken; dieser wird mit Schlaken und Mörtel gclcget/ und dieser verbindet sich mit jenen/ und dringet sie gleichsam durch/ so daß dergleichen Gewölbe kaum zu zerstören ist. §. 26. Der andere Weg/ die Gewölbcr zu erleichtern/ geschahe mit leeren Töpfen von gebrantem Thone/ welche mit der Ofnung hineinwärts/ d. i. gegen das Innere der Gebäude zu/ gefezet wurden/ und auf und um dieselbe herum wurden kleine Steine und Mörtel mit Mulden geworfen. Diese Töpfe siehet man häufig an den Gewölbern eines be« deketen Ganges im Cireo des Caracalla/ oder wie andere wollen/l) des Gallieiius/ ausser Noni/ imgleichen in den Überbleibseln eines alten BadeS zu Pisa. Aristoteles saget auch/ daß man leere Töpfe eingemauert habe / um in Gebäuden den Schall der Stimme zu verstärken.^) In gedachtem Circo ist ein Echo/ welches einen VerS dreimal wiederholet. Diejenigen/ welche von den Schall- gefäßen in den Schauvläzen der Alten besonders gehandelt haben/ gedenken der irdenen Töpfe in diesem Circo nicht. Z. 26. Wen die Grundlage des Gebäudes sich 1) k'skrett'i, lle ^kjuse6uct. p. l66. 2) ?rvl)leiu. I. 2. 2.^j 92. eäit. Z) Kavalier. Lelieis. iaLxerclt. Vitruv. x. 233. Fragment. gesezet hatte/ welches in ein paar Tagen geschiehet/ so wurde die Mauer aufgeführet/ und von denselben ist erstlich an sich selber/ und nachher von ihrer Bekleidung zu reden. Die Mauern von vierekichten Steinen/ es sei Tufo/ Peperinv/ Travertino oder Marmor/ wurden ohne Mörtel auf einander geleget/ und halten sich durch ihre eigene Last. In ganz alten Zeiten wurden die größten Steine zu Gebäuden gesuchet/ und daher kam die Sage/ baß es Werke der Cyklopen wären/l) undvon denStcidten SlrgoS und Mycenä wurde es insbesondere gesaget:-) eben so werden noch izo die Trümmer von dem Tempel des Jupiters zu Girgenti in Sicilien von den Einwohnern der Palast der Riesen genant.^) Die Steine sind insgemein so winkclrecht und scharf bebauen / daß die Fugen derselben wie ein dünner Faden scheinen/ und dieses ist/ was bei einigen Scribenten Heisset/ welche sonderlich an dem Temvel zu Tegea/ vom Skopas gebauet/ gerühmet wird) an einem Tempel zu Cyzicum waren di« 1) paiisaii. I. 2> sc. ik> Z. 4.^ 2) Ixliig- ^u>. v. >82 et 1Z01. laur, v. 844. ?roatl. v. >c>gg. llcrc. kui». v. >5 et 944. Z) k^ael!. lier. 8ic. Oec. 1. 1.6. x. 127, edit. psnorin. i56K. 4) pausn». 1.3. l^c. 46. Z. 3—4.^ Die übersezer haben dieses Wort am angeführeten Orte durch Summetrie gegeben; wir finden es aber an den mehreste» Orten / wo es beim Pausan>->s vorkomt/ von der genauen Fügung der Steine gebrauchet. Siehe I. 2. 26. Z. 7.) I. 9. le- 3Z. Z. 4. I. 32. c. Zg. S. Es war dieses Wort in gegenwärtigem Verstände gleichbedeutend mit und diese beiden Worte werden mit einander verwechselt/ so daß »^-,>>1 auch von der Harmonie gebrauchet wird. Winekel- maii. Baukunst der Alten. Fugen mit goldenen Leistchen beleget. S c a« inozzi gibt vor/ und will bemerket haben, daß die Steine des Coliseo zu Nom an ihren äusseren Seiten nicht eher bearbeitet worden/ bis ste selbst auf beiden Seiten genau eingefüget/ im Werke geleget waren/ und daß die äussere Poliruug alsden allererst geschehen sei; daher/ saget er/ komme es/ daß die Pfeiler wie aus einem einzigen Stüke gemachet scheinen. Ich will ihm weder beipflichten/ noch ihn widerlegen. §. 27. ES ist bekant/ daß an andern Gebäuden die großen Steine auch mit eingelötheten Klammern innerhalb auf einander befestiget sind/ welche sonderlich zum Marmor von Metall genommen wurden; den das Eisen verursachet an demselben Rostfleken. Dieses siehet man am deutlichsten an der unteren Platte eines Pilasters des Porticus von dem vermei- neten Tempel deSSerapiS zu Pozzuolo/ wo zween metallene Stäbchen (i>c,ni) hervorstehen/ auf welche die andere Platte eingesezet war. Alberti hat auch sogenante Klammern oder Keile von Holz in alten Gebäuden gefunden/ 2) und eben dieftS hat Herr Le Noy in den Trümmern eines Tempels im attischen Gebietes) und einer meiner Freunde/ Herr Nobert Mylne aus Schottland/ an einem große» Steine vom gedachten Tempel des Jupiters zu Eirgenti bemerket. §.28. Die Stadtmauern aus großen Steinen wurden ebenfalls ohne Mörtel aufgeführet. Ein besonderes Werk ist ein Theil der Mauern um F o »- di im Königreiche Neapel: es bestehet dieselbe aus großen weissen Steinen/ deren äussere sowohl als die inneren Flächen glatt beHauen sind, aber sie sind ») I. 36. i5. sect. 22.^ 2) I. Z. c. 11, x. 80. Z) la I>. 1. x. 4. Fragment. alle von ungleicher Form/ von fünf/ sechs und von sieben Eken/ und also sind sie in einander gepasset. Man kan sich davon aus der dritten Kupferplatte zu dem Vitruvio des Herrn Marchese Galiani einen Begrif machen/ und aus einem Stüke der Mauer von der alten Stadt Alba, welche Fabretti hat in Holz schneiden lassen. ß. 29. Eben diese Arbeit siehet man an Stüken der Stadtmauern zu Cori/ zuPalestrina und zu Ter- racina. Gedachte Mauern der Stadt Alba gehen zum Theil schräg scarp») als Mauern von Bastionen in die Höhe/ und dieses sind die einzigen Mauern dieser Art aus dem Altertume/ von welchen ich Keiitniß habe. Diese Art/ mit vielseitigen Steinen zu bauen/ hatte die genaue Fügung dersel« ben und die Festigkeit der Mauern zum Grunde / so wie die alten Römer in eben dieser Absicht ihre Straßen mit vielseitigen Kieseln pflasterten; eS ist keiner von denselben vierseitig. §. 3». Auf eben diese Art waren die Mauern um Korinth und um Eretria in Enböa gebauet/von welchen der berühmte Baumeister Giuliano San- gallo/ wie von denselben zu seiner Zeit noch die Spuren waren / in dessen Zeichnung auf Pergamen in der barb erini scheu Bibliothek die Form und eine geschriebene Anzeige gibt; er bringet anch jenen ahnliche Mauern einer von ihm genanten Stadt Ostia/ in EpiruS/ bei. Ich habe von diesen 2) Es sind diese Zeichnnnzen in groß Folio, und im Jahre t46Z geniachet/ und haben folgenden Titel: in kui»a. In der co V si!l isch e II Bibliothek zu Rom befindet sich die erste und seltene -Ausgabe des V.uikunft der Alten. Mauern bei Gelegenheit eines geschnittenen Steins in dem sto schi schen Museo geredet. Eine Stadtmauer von solchen Steinen ist auch auf der Säule desTrajanuS vorgestellet. Es ist auch hier ein Thor der uralten Stadt Tarquinia anzuführen/ welches, nebst einem Stüke der Stadtmauer»/ aus großen aber vierekicht gehauenen Steinen aufgeführet ist. Das Merkwürdigste an demselben sind hie und da kleine LükeN/ welche mit Stüken von Ziegeln gefüllet sind / wo nämlich der Stein brüchig gewesen. Eben dieses habe ich sogar an dem alten Pflaster der au- relischen Straße in Toseana bemerket/wo zwischen einigen Fugen der großen Kieselsteine Stüke von Ziegeln hineingeleget sind. Sonst ist von der Stadt nichts übrig als der Name; den die Gegend Heisset noch izoTarquene/ und ist zwo Miglien von Corneto. §.3i. JnB ogenwerken/ anWasserlei tungeil/ Brüten und Triumphbogen wurden die Steinekeilförmig gehauen/ welchesPerrault/ ohne Rom gesehen zu haben/ hätte wissen können/ damit er nicht behaupten wollen/ die Alten hätten diese Art/ die Steine zu hauen/ welche seine Nation !» coupe . 171. Z) 1^. 6. c. ii. Fragment. 495 schiklichkcit der Alten Ursache sei/ daß ma» Archi- traven aus Steinen machen müßen/welche von ei- ner Säule bis zur andern gereichet/ und weil man die Steine nicht allezeit von einer erforderlichen Länge gehabt/ daß man daher die Säulen enger zu sezen genöthiget gewesen. Dieses ist eben so falsch/ als das vorige: den an einem Neste eines der ältesten Gebäude in Rom auf dem Campidoglio / an der Wohnung des Senators/ welches für das ehemalige Tabula r in m oder Archiv gehalten wird/ siehet man von einer dorischenArchitrave den unteren Balken übrig, an welchem die sogena'nten Tröpfen kängc»/nebst acht dorischen Kapitalem. Der Naun,zwischen zweien derselben zeiget an/ daßeinKavi- täl fehlet/ und daß derselben/ so weit die Architrave sichtbar ist/ sechzehen sein müßten. Dieser Balken ist aus kleinen Steinen/ etwa von zween Palmen ei» jeder/ zusammengesezet/ welche gehauen sind/ wie eS izo geschehen würde in gleichem Falle. Z. 32. Die Mauern von kleinen Steinen wurden insgemein mit keilförmig gehauenen Stüken Tufo/ deren Fläche vierekicht ist/ und zuweilen mit eben solchen Kieselsteinen beleget und gefüttert/ und diese Art heisiet bei den Alten os>us renculatum, weil die Lagen dieser Steine nach Art des GestrikS eines NezeS gehen. Diejenigen/ welche diese AuS- fütterung als lange Würfel vorstelle»/ irren sich, l) Vitruvius behauptet/2) daß dergleichen Mauer- Werk nicht dauerhaftig sei; eS haben sich aber gleichwohl ganze Gebäude/ welche völlig so gemauert sind/ erhalten/ wie unter andern die sogenante V i lla des MäcenaS zu Tivoli ist/ der Rest von dem vermeine- l) llell' I. Z. c. g, P-77. Pevrault hat es aus jenem genommen. Winckelma ü. s) I.. 2. e. g. ä?6 " Baukunst der Alten. teil Tempel des Herkules daselbst, die Überbleibsel von der Villa des' LueulluS zu Frascati/und große Stüke Mauern von der V i l l a d e s Domitianu 6 zu Castel Gandolf»/ in der Villa Barberini/zeigen köniien. In der V i ll a Hadri an i sind noch ganze Gebäude so gemauert übrig/ und die Wasserleitung der verstöreten Stadt Minturnum am Flusse LiriS/ izo Gariglianv/ welche sich über eine Miglie erstreket, ist ganz und gar mit so gehauenen Steinen ausgeleget. Auf eben diese Art sind auch die uralten hetrurischen Grotten bei Corneto ausgemauert. In «ndern Ländern ausser Italien befinden sich mehr Überbleibsel von dieser Art Mauerwerke. Diese Mauern aber waren, ausser an Wasserleitungen/ alle bekleidet, so künstlich dieselben auch immer geleget sein ^mochten^/ und viele mit dreifachen Lagen von Kalk und Gyvft/ wie sich an den Gebäuden zeiget. §.33. Was die Mauern von Ziegeln betrist/ so sind sie erstlich an sich selbst/ und hernach das Übertünchenoder Übertragen derselben zu betrachten/wohin auch die Fußboden gehören. ES sind einige der ungegrnndeten Meinung/ daß die Mauern aus Ziegeln von späteren Zeiten der Römer sind/ und in diese Meinung gehet Nardini hinein,^ wen er von der vermeineten elaudischen Wasserleitung innerhalb Rom, wo dieselbe von Ziegel»/ wie ausserhalb Rom von Peperino ist/ glaubet/ daß jene anfänglich ebenfalls von dieser Art Stein aufgeführet worden/ und nur hernach in dem Verfalle der römischen Macht mit Ziegeln überzogen worden; welches gleichwohl der klare Augenschein widerleget. ES sezet derselbe eine größere Pracht in denen von Stein aufgeführten Bogeiy als in denen von Zie» 1) 8vI!oA. Lpist. t. 2. x. 191. 2) »nt. 1. L. c. 4. 5>?. edit. 170^. Fragment. 497 «fcln, worin er ebenfalls irrig ist: den die Arbeit von Ziegeln ist kostbarer/ schöner und dauerhafter/ und die prächtigsten Gebäude in Rom waren von Ziegeln. Gewiß ist/ daß die Wasserleitungen ausser Rom/ sowohl aus der Zeit der Republik als der Kaiser/ von großen Steinen sind; wen aber unter den Kaisern ein neuer Wassergang über eine alte Wasserleitung angeleget worden/ ist derselbe von Ziegeln/ wie sich an dem zweiten und obern Gange der marcischen Wasserleitung zeiget. Überdem unterscheidet sich ein Gemäuer von Ziegeln ans der Zeit der Republik und der ersten Kaiser von jedem in späteren Zeiten gemacheten Gemäuer. K. 34. Die Mauern von den großen Gebäuden der Römer sind nicht durchaus von Ziegeln/ sondern nur mit denselben gefüttert/ und mui-i » cortina, wie man izo redet. Das Inwendige derselben ist mit kleinen Steinen/ Scherben und dergleichen und mit Mörtel ausgefüllet/ so daß vom Mörtel allezeit das Drittheil mehr ist. Diese Art zu mauern ist in Rom und überhaupt in Italien nicht mehr üblich; vermuthlich aber schüttete man zwischen zwo Lagen von Brettern Steine und Mörtel hinein; die Bretter wurden nachher weggenommen/ und man fütterte die Mauern auf beiden Seiten mit Ziegeln. Eben so wird noch izo zu Metz in Lothringen gemauert/ welches vermöge der puzzolanhaften Erde geschehen kan; nur mit diesem Unterschiede/ daß daselbst die geschwinde aufgeführeten Manern nicht/ wie bei den Alten/ mit Ziegeln pflegen gefüttert und beleget zu werden. VitruviuS nennet diese Art Emplek- ton; i) er redet aber nur von Mauern von Steinen/ nicht von Ziegeln/ welches offenbar ist/ da er/ nach geendigterBeschreibung derselben/ von Mauern aus i) l.. ». c. g, 21 * 4ss Baukunst der Alten. Ziegel» insbesondere zureden anfängt/wo er dieser Art nicht gedenket- noch dessen Ausleger. Es ist zu merken / daß die Puzzolana zu diesem Mauerwerke nicht gesiedet wurde. Auf diesem Wege zu bauen, waren die Römer im Stande so ungeheure Mauern aufzuführen/ welche an 9 bis 13 Palmen dik sind. Man hat unterdessen auch in neueren Zeiten dergleichen Mauern, und zwar von ganzen Ziegeln aufgeführet/ wie diejenige ist/ auf welcher die Cupola von St. Peter zu Rom ruhet/ und Palmen dik ist. Z. Z5. Von solcher Arbeit scheinen die Mauern zu Babalon gewesen zu sein: den das Wort beim Herodotus/^) welches andere erklärend) deutet auf dieselben. Es koüten keine Mauern sein/ wie sichHerr Wesseling dieselben vorstellet/^) von über einander geworfenen Steine»/sondern sie werden/wie bei den Römern/mit ordentlich gelegeten Ziegeln gefüttert gewefenscin. Mitgeschliffenen Ziegeln waren in Rom/ unter andern Gebäude»/ die Mauern des halben Zirkels von den soge- nanten Bädern desP. Ämilius/ und die Mauern des Theaters' der Stadt Minturnum/ an dem Flusse Liris/ izo G a rig li a n 0/ beleget und gefüttert. Diese Mauern sind noch izo so schön und scheinen als wen sie kürzlich gemachet wären. Aus geschliffenen Ziegeln sind auch in neueren Zeiten Kirchen und Paläste in Rom aufgeführet; es sind auch die äusseren Mauern des Palastes der Herzoge zu Urbino ans solchen Ziegeln.^) Diese Ziegel/ welche zu Mauern und nicht zu Fußboden dienen sollen/ wer- ,) l.. z. v. iSo. 2) Lu8t.al.1i. XVIII. Z>. iLH!« 3) Olssert. p. 4). 4) Uemorie 172^- tvl. c Z. P. 46. Fragment. den an beiden Enden breiter als in der Mitten ge- machet, damit man sie fast ohne Mörtel auf einander legen könne: den der Mörtel wird innerhalb/ wo die Ziegel nicht schließe»/ geleget. Daher geschiehet es/ daß an Maliern von geschliffenen Ziegeln die Fugen zwischen ihnen fast unmcrklich sind. §. 36. ES ist bekant / daß die Ziegelbrenner ihren Namen auf großen Ziegeln mit einer Form eingedruket / und es sindet sich von denen/ welche drei bis vier Palmen lang und eben so breit sind/ selten einer ohne eingedrukten Namen des Meisters. Zuweilen ist auch zu dem Namen desselben der Name des Herrn gesezet/ dem sie dieneren. Philan- der redet von solchen Ziegeln/ wo zu dem Namen des ZiegelmeisterS gesezet war/ daß er dem berühmten Asinius Po llio gcdicnet/) und dergleichen finden sich mehrere angemerket. -) Zuweilen ist auch das Consulat/ unter welchem die Ziegel gemachet worden/ eingedruket/ wie ich verschiedene derselben gesehen/ welche in der Villa des Herrn Cardinals Alexander Albani vermauert worden. §. 37. Wen ein Gebäude gegen die Anhöhe eines Berges/ oder sonst an ein erhabenes Erdreich aufgeführet wurde/ zog man, die Feuchtigkeit abzuhalten/dop elte Mauer«/so daß zuweilen zwischen beiden ein starker Span Nanm blieb. Dieses siehet man am deutlichsten an den hundert erhaltenen Ge- wölbern in der Villa Kaisers Hadriani bei Ti- voli; daher diese Gewölber noch izo so trokcn sind/ daß das Heu viele Jahre in denselben liegen kan. Einige dieser Mauern sind innerhalb mit solcher Sauberkeit geleget/ und ihre Fläche ist so glatt/ daß man ?) .Vnnotat. in Vitruv. 1.2. c. i. p. 2) k^lcomeri, sopi-a l'Iscri?. ä'un mattone, xlunta Baukunst der Alten. siehet, die Absicht sei gewesen, das Anhängen der Feuchtigkeit zu verhindern. Dieses dienet zur Erläuterung dessen/was Vitruvius davon lehret.l) Perrault hat sich unter dieser dopelten Mauer wer weiß was für ein Werk mit vielen Canälen oder Rinnen vorgestellet. -) An anderen Gebäuden aber / die frei stehen sonderlich in gedachter Villa / finden sich dennoch dopelte Mauern / aber der Zwischenraum ist etwa nur zwei Finger breit. In den Bädern des Titus sind solche Mauern etwa drei Zolle von einander. Die St. Peterskirche hat ebenfalls dopelte Mauern / aber so, daß zween Personen bequem zwischen beide»/ um die ganze Kirche/ unten sowohl als zu oberst/ gehen können. ß. 38. Wen aber an dem Abhang des Erdreichs aufgeführete Gewölber ohne dopelte Mauern sind/ so haben dieselben keine andere Absicht/ als eine gleiche Höhe mit dem erhabenen Erdreiche zu gewinnen/ und auf solche Gewölber wurde das Gebäude aufgeführet/ welches an den Gewölber« unter dem sogenanten Tempel der Sibylla zu Tivoli augenscheinlich ist. Es hießen dieselben sulisuueuones, und wen Cicero/ in der Rede für den Milo/ im- manes 8ulislr»euoncs der Villa C l a u d i i anführet/ so meinet er solche Gewölber. Z. 39. Eine andere Ursache dopelter Mauern war, sich wider den Wind zu verwahren/ welcher bei den Griechen bei den Römern ^k>ic»s, und izo sci^i'occo Heisset. Dieser Wind kömt aus Afrika/ wie bekant ist/ und herfchet sowohl über die Küsten von Italien als von Griechenland: er ist Thieren/ Gewächsen und Gebäuden schädlich; den er führ« >) i.. 7,-c. 4. z) Xä Vilritv. l. c. Fragment. soi schwere/ dike und feurige Dünste mit sich/ sonderlich wo derselbe über stehende Sümpft hinführt; er verfinstert den Himmel/ und verursachet daher eine Entkräftung in der ganzen Natur. Zu Methana in Griechenland riß man einen Hahn lebendig von einander/ und es liefen zwo Personen mit diesen Hälften um ihre Weinberge herum/ in dem Aberglauben/ daß dieses ein Mittel sei wider diesen Wind/ welcher ihren Wein verwelken machete. ES zermalmet derselbe Eisen und andere Metalle/ und eiserne Gegatter an Gebäuden am Meere müßen von Zeit zu Zeit erneuert werden, wozu die salzige Meerlust auch nicht wenig beiträgt. Das Blei auf der Cupola der St. PeterSkirche in Rom muß alle zehen Jahre theils umgeleget/ theils ausgebessert werden/ weil es von diesem Winde zerfressen wird. Wider den Einfluß dieses Windes baueten die Alten gegen die Mittagseite vielmals mit dopelten Mauern/ doch so/ daß mehr Raum blieb/ als wo die Mauern blos wegen der Feuchtigkeit dopelt waren; man ließ einen Raum von etlichen Fuß breit. Dieses hat der Herr Cardinal Alexander Albani in einem seiner prächtigen Lusthäuser zu Castel Gandol- fo nachgemachet. §. Zu Aufhebung großer Lasten beim Bauen bedienete man sich unter andern eines RadeS, innerhalb welchem Leute liefen/ wie dergleichen auf einer erhobenen Arbeit vorgestellet ist/ welche auf dem Markte zu Capua eingemauert stehet. §.Von der Bekleidung der Mauern ist zu merken/ daß dieselben an öffentlichen prächtigen Gebäuden mit gleicher Sauberkeit geleget wurden/ sie mochten betragen werden oder nicht/ und wen ») p-müan, I> 2> sc. Z4. Z> Z.) s) In Lzmpani«. lHicr unter Numer» tt dcrbbi Idung e n.) 502 Baukunst der Alten. die Bekleidung abgefallen ist/ siehet die Mauer aus/ als wen sie gemachet worden/ bloß zu erscheinen. Dieses gilt auch von Mauern von Ziegeln / die mit marmornen Platten beleget waren/ wie an dem Vorsprunge des PorticuS am Pantheon. Das Betragen der Mauern geschahe mit mehr Sorgfalt als izo; den es wurde bis an siebenmal wiederholet/ wie VitruviuS anzeiget / jeder Auftrag dicht geschlagen / und zulezt mit gestoßenem und fein geredetem Marmor überzogen; eine solche Bekleidung ist dennoch nicht über einen Finger dik. Es war daher eine übertünchete Mauer so glatt als ein Spiegel/ und man machete Tischblätter aus solchen Gtüken Mauerwerk. Hn den sogenanten Sette Säle/ oder in dem Wasserbehälter der Bäder des Titus zu Rom/ und in der Piscina mirabile bei Baja/ welches ebenfalls ein Wasserbehälter war/ ist man nicht im Stande/ von den Wänden und Pfeilern die Bekleidung abzuschlagen/ sondern sie ist so hart als Eisen/ und glatt wie ein geglätteter Spiegel. In geringeren Gebäuden oder in Grabmäler»/ wo die innere Seite der Mauer nicht mit gleicher Sauberkeit gezogen ist/ findet sich die Bekleidung an zween Finger dik. Ausserordentlich ist die Nachricht/ welche Santes Bartoli von Zimmern gibt/ deren Wände ganz mit dünnen kupfernen Platten beleget wäre»/?) so wie es der Tempel des Jupiters zu Antiochia mit vergoldeten Blechen war. Diese Zimmer wurden zu dessen Zeit/ das ist/ zu Ende des vorigen Jahrhunderts/ ohnweit ,) I^> 7. e. Z. Z) In dessen Nachrichten von entdeketen Altertümer», welche unter andern zu Ende der kom» sniica e angehänget sind. W i n ck e l in a n. Z) I^iv, I. 41, c> 26, Fragment. 603 Marino bei Rom/ entdeket/ an einem Orte, welcher ehemals »c! liovill-»«, Ulld izo !>Ue Vistocclne heisset/ wo die berühmte Vergötterung des Home» rus/ im Palaste Colon na/ gefunden wurde/und man glaubet/ daß ebendaselbst eine Villa Kaisers Claudius gewesen sei. ß. ^2. Eben so besonders war die Bekleidung der Mauern mit diken Tafeln von Glas'/ in einigen Zimmern der Villa Kaisers AntoninuS PiuS bei Lanuvium/ izoCittaLavinia/ welche der Herr Cardinal Alexander Albani im Nachsuchen unter diesen Trümmern entdekete/ und dieses waren vielleicht Sviegel. Von einem solchen Zimmer meldet auchVopiscuS. i) Georg FabriciuS behauptet/ daß inden Badern des Agrippa Bogen nebst Fußboden von Glase gewesen/2) welches man an seinen Ort gestellet sein lässet; was er selbst gesehen/ waren kleine Stüken GlaS/ welche daselbst ausge- graben worden. §. ä. Der Fußboden in Bädern und anderen Gebäuden wurde zuweilenvon kleinen Ziegeln geleget/ welche senkrecht auf ihre schmale Seite gesezet sind/ und zwar so/ daß sie Winkel miteinander machen / so wie noch izo gebräuchlich ist/ und alle Straßen zu Siena und in allen Städten des Staats von Urbino sind auf solche Art mit Ziegeln gepflastert. Ja dergleichen Pflaster war ehemals in dem neuen Rom/ und auch zu Florenz bis in's drei- zehente Jahrhundert/H da man anfing/ die Straßen in dieser lezten Stadt mit großen breiten Kieselsteinen zu belegen. Man nennet dergleichen Arbeit »coltello, oder auch -xiii-t xesce, von der Ähnlich- ») 8almas. in Vopisc. p. 4. k. 2) N.0M. p. 2!0. H) LaltNnucci, ZVot'iaie üe'protess. äise^nv. t. » p. 3o. Baukunst der Alten. kcit mit der Richtung der Fischgräten/ und die Alten opus spic-ttum, weil die Ziegel liegen wie Körner an einer Kornähre/ welches Perrault nicht verstanden hat/ wie bereits anderwärts bemerket ist.^) ! Über diesen Grnnd wurde ein Mörtel mit gestoßenen Ziegeln geleget/ und über diese Lage vielmals ein Misaico von kleinen weissen würfelichten Steinen gese- zet. Hier ist zu merken/ daß die musaischen Arbeiten der Alten nicht aus lauter harten Steinen bestanden/ wie man insgemein glaubet und schreibet/ sondern sie nahmen dazu auch GlaS von allerhand Farben/ wie man izo arbeitet. So siebet man eS noch izo in der Villa Hadriani bei Tivoli. Die Alten hatten unter ihren Leibeigenen auch Leure/ die besonders allerhand Arten von Estrichen zu arbeiten verstanden/ welche psviiNenwrii hießen. Der ganze Boden des herculanischen Theaters (oder die Cavea/ Parterre/ wie wir es izo nennen) war aus großen Tafeln von Giallo gepflastert/ ja in der Villa Hadriani war ein Teich von . . . Palmen in der Länge/ und von .... in der Breite/ mit eben diesem Marmor ausgeleget. In demselben fanden sich viele Köpfe der Samlung des CardinalS Polignac. §. 44. Das dritte Stük diefeS ersten Kapitels/ welches von der Form der Gebäude und von den Theilen derselben handelt/ hat natürlich zween Theile. Das erste Theil begreifet die bürgerlichen Wohnungen und die öffentlichen Gebäude in sich/ und weil qn Wohnungen nur in der Zeit/ wo die Pracht überHand nahm/ Säulen angebracht wurde»/ so ge- ' höret dasjenige/ was von diesen insbesondere zu 1) HI. ?a kem.-tics. 5ui' puely. Inscr. änlich lZan? les I <1luviuin, von unter freiem Himmel. Z. -56. Der Haupteingang eines Palastes von der alten Stadt Stabia führete in einen Flur (v<-suk»lui»), welcher insgemein rund war/ wie derselbe in dem Palaste des Diocletianus zu Spalatro ist/ wo das Licht von oben in denselben fiel. In jenem war eine vierseitige Cisterne/ deren Dach auf vier Säulen ruhete. Von hier ging mau in die Stufen/ die aber nicht in gerader Linie auf den Eingang stießen/ sondern seitwärts waren. Um die Stufen war ein Wassercanal geleitet. Aus dem Vestibulo ging man in das Atrium/ welches der geräumigste Saal in dem Palaste der Alten war; und ^ so wie jeneS/ das Vestibuluni/ den Gottern gewidmet wurde/ so war dieses mit den Bildnissen der Voreltern ausgezieret. An dem dio c le ti a n i sch en Atrio ging man in den Kryptoporticus/ welcher >517 englische Fuß lang war/ nach den neuesten Ent- ' dckungcn des Herrn Adams. Längs dem Atrio waren hier auf beiden Seiten fchmale Gänge/ wel- ! Wiiickclmai,. Z. 22 506 Baukunst der Alten. che sn^roiics und sonderlich mesanl-L hießen/ und diese waren ebenfalls von der Deke her erleuchtet. §. ^17. Dasjenige Lusthaus oder Villa im alten Herculano/ wo die alten Schriften gefunden sind/ schloß einen großen Teich ein, welcher 252 neapel- sche Palmen lang und 27 breit war/ und an beiden Enden war derselbe in einem halben Zirkel gezogen. Nund umher waren Gartenstüke/ und dieser ganze Plaz war mit Säule»/ von Ziegeln mit GypS übertragen/ besezet/ deren 22 an der längsten Seite und io in der Breite standen. Oben ans diesen Säulen gingen Balken bis in die Mauer/ die um den Garten gezogen war / und dieses machete eine Laube/ so wie es noch izo um Neapel in der Campania Fc- lice gewöhnlich ist. Unter der Laube auf einer Seite waren Abtheilungen znm Waschen oder Baden/ eine halbrund/ die andere winkelicht/ wechselweise. / Inhalt des zweiten Bandes. Schriften über die hereulanischen Ent- dekungen. Seite. Briefe an Bianconi ..... 6—114 Nachrichten von den alten Handschriften / die sich in dem königlichen Museum zu Portici befinden ........... 7 Nachricht von den Häusern der Alten, und besonders denen zu Herculanum .... 29 Nachricht von den hereulanischen Gemälden . 45 Nachricht von den Bildsäulen von Bronze zu Herculanum 59 Nachrichten von den marmornen Bildsäulen zu Herculanum ......... 64 Nachrichten von andern beträchtlichen hereulanischen Altertümern ........ 69 Nachrichten von einigen Altertümern von Pompeji/ Stadia/ Pästum und Caserta . . 79 Nachrichten vom königlichen Museum auf Capo di Monte in Neapel/ und der Bibliothek von S. Gio vann i Carb on a ra ... 86 Nachrichten von einigen in Rom und den umliegenden Gegenden ausgegrabenen Altertümern ....... 90 Sendsch reiben von den hereulanischen Entdekungeil/ an den NeichSgra- ven von Brühl ijL — 2S4 Nachrichten von den neuesten hereulanischen Entdekungen/ an .Herrn Heinrich Füeßly in Zürich . ' 135—.300 -5ov Inhalt. Seite. Anmerkungen über die Baukunst der alten Tempel zu Girgenti in Sici- lien ......... . 301—329 Anmerkungen über die Baukunst der Alten ......... .331 — Vorbericht 333 Inhalt ............. 3^9 Erstes Kapitel. Von dem Wesentlichen der Baukunst . . 351 Zweites Kapitel. Von der Zierlichkeit in der Baukunst Fragment einer neuen Bearbeitung der Anmerkungen über die Baukunst der Alten 473 -.506 c. <^> X. . j L'^ X^V/^0, . .?> K-^V/0, ^ ^I^ovi-oic ^e-s^?I0?!KI^I. !<^i.^rlxi^^ W ^/V^IL 0VX0VI^/>>4^0 ^V5/). kc>/vis7>i-?^Lip