Druckschrift 
Deutsches Namenbüchlein : Ein Hausbuch zur Mehrung des Verständnisses unserer heimischen Vornamen und zur Förderung deutscher Namengebung
Entstehung
Seite
7
Einzelbild herunterladen
 

7

Die Bildungsweise der germanischen Personennamen im be-sonderen, die unter allen verwandten am prächtigsten durchgeführtist, kennzeichnet der erwähnte Gelehrte Fick mit folgenden Worten:Durch die feste Beschränkung auf einen ganz geschlossenen Aus-schuß von Namenwörtern, dnrch eine sast schrankenlose Freiheitin der Zusammensetzung dieser Namenwörter, durch eine syste-matische Umkehrnng der Vollnamen (wie Gangols-Wolfgang),endlich durch eine wunderbar reiche und gesetzmäßige Durchführungder Kosenamenbildnng haben die Germanen ihrem Sinn fürIndividualität und demgemäß für individuelle Benennung inihrer nationalen Namengebung völlig Genüge geleistet; ja mankönnte vermöge einer erschöpfenden Durchführung der germanischenNamenbildunggesetze eine derartige Masse deutscher Rameu er-zeugen, daß noch heutzutage Jeder der SV Millionen Deutschenmit einem eigenen Namen bekleidet werden könnte, wie denn diegesammte romanische Welt sich noch heute in die Fetzen desaltgermanischen Namenprachtgewandes kleidet.

Da die alten Namen gewissermaßen eine bleibende Eigen-heit ihrer Träger bezeichnen sollten, so haben sie wohl sämmtlichihrer Bedeutung nach als Eigenschaftsworte zn gelten. Auchdann, wenn der zweite Theil des Namens ein Hauptwort ist,bildet der Name selbst deu Begriff eiues Beiwortes,

Bei der überwiegenden Mehrzahl der Namen kennen wir diebeiden Bestandtheile der Herkunft und Bedeutung nach; aberdaraus folgt noch nicht, daß wir auch die echte alte Bedeutungdes Namens selbst feststellen können. Die ersten Bildner unsererNamen haben wohl freilich immer gewußt, was sie mit demNamen sagen wollten, aber uns ist es heutzutage sehr oft un-möglich, den alten Znsammenhang der beiden Namenwortemit Sicherheit wieder klar zu legen. Denn dem Gesetze allerWortbildung unterlagen auch die Namen, und so wie die Be-deutungen der einzelnen Theile aller zusammengesetzten Wortemehr oder minder rasch dunkel und unverständlich wurden, soerging es auch den Namenworten: die Zusammensetzung bleibtdurchsichtig nur so lange, als die Bestandtheile derselben in derSprache lebendig sind; sterben diese als selbständige Worte aboder erleiden sie in dem zusammengesetzten Worte durch äußer-liche Vorgänge, (z, B, die Betonung) starke lautliche Verände-rungen, so erlischt die Verständlichkeit der Zusammensetzung,Ursprünglich waren also alle Namen gerade so verständlich wie esfür uns z, B, noch Starkhand ist, aber schon frühzeitig sindzahlreiche Namen ihrem Sinne nach dunkel geworden. Nichtselten geschah es auch dies ist urkundlich durch das sogenanntePolyptichon Jrminos zu erweisen daß man vor allem wünschte,dem Kinde einen Namen zu finden, der die Namen der beiden