92 2. Abschnitt. 6. Hauptstück.
Außer diesem einzigen Beispiele des Cornaro,welcher ein hundert Jahr bei solcher sirengen Diätlebte, könnten wir sehr viele auszahlen, welche ihrleben, ohne alle die von Cornaro zu Tage gelegtenund beobachteten Scrupel, noch höher gebracht ha«ben. Seine Cousiitution bedürfte gerade einer sol-chen Einschränkung oder Enthaltsamkeit, welche an-dre Menschen schwerlich zu ertragen fähig seyn möch«ten. Ja es ist auch noch gar nicht ausgemacht,daß Cornaro die Kur seiner krankhaften Umstän»de seiner besondern Diät sollte zuzuschreiben Ursa-che gehabt haben, da sie vielleicht die Natur selbst ge.hoben hat; weil viele von solcher Art waren, welcheden jungem Jahren eigen sind, und mit zunehmendemAlter sich wieder verlieren. Cornaro giebt selbstzu dieser wahrscheinlichen Vermuthung Anlaß, indemer von sich sagt, daß er von einem feurigen Tempe-ramente und sehr zum Zorne geneigt gewesen sey. Danun seine kranklichen Zufälle aus dieser Ursache entsprun-gen seyn mochten; so ist es auch natürlicher, daß siesich mit den vermehrten Jahren durch das verminder-te Feuer verloren haben, als durch seine sirenge Diät,welche doch alle Aerzte für Personen von einem gal-lenreichen Temperamente mißbilligen.
Hippokrates ist weit entfernt, eine großeEnthaltsamkeit zu empfehlen; er sagt in seinem Werkeausdrücklich, daß sie schädlich sey. Er behauptet:der Mangel der Nahrung thue nicht weniger Scha-den, denn das Uebermaß derselben. Hunger, fährt
er