Unzuverlaßigkeit der Heilkunde. 69
ben doch alle die große Einsicht des Arztes, der gleichvom Anfange die versteckte Bösartigkeit der Krank-heit entdeckt habe; wird der Kranke aber zufallig her-gestellt, so schreiet man die wichtige Kur als Wun-derwerk aus, und dankt dem Himmel, daß man zueinem solchen einsichtsvollen Arzte geführt wordensey, der eine so gefährliche Krankheit zu bezwingensahig war.
Ganz sicher werden Aerzte aus dieser Klasse ihreKranken nicht vorschlich ohne den letzten Zehrpfennig,ohne die Sacramente der Kirche aus der Welt gehen,sondern sie eher, ohne eine tödtliche Krankheit erlit-ten zu haben, sterben lassen: denn die geäußertenBesorgnisse schlagen den Muth nieder, und die Krank-heit, welche anfänglich unbedeutend war, nimmtnachher erst den gefährlichen Charakter an. Dießist zwar schlimm, allein, was ich nur eben angeführthabe, war es noch mehr. Gönnt mir also, ihr Aerz-te, die ihr euch ohne Wissenschaft, Kenntniß undBeruf der praktischen Heilkunde widmet, und mehrKranke, als ihr bestreiten könnt, besorgen wollet,gönnt mir eure Aufmerksamkeit: denn für euch gehörteigentlich diese Erinnerung, und stellt euch nur stetsvor, daß die Schutzengel derer, die ihr in eurer Kurgehabt habet, vor Gott erscheinen, und euch diejenigenvor Augen stellen werden, die ihr durch einen unzei'tigen Tod aus Vernachlässigung habt sterben, odergar aus Mißkenntniß der Gefahr, unbereitet in dieEwigkeit übergehn lassen.
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