Unzuverlaßigkeit der Heilkunde. 65
Drittens, daß der Arzt, den wir uns wählen,ein kluger, zu urtheilen fähiger Mann und von ge-lassenem Charakter sey, weil ein semiieS Tempera«ment M dem klügsten das richtige Urtheil hindernkann.
Viertens soll der zu wahlende Art, der Arz«neiwijsenschast, wegen ihrer Gewißheit und Sicher-heit, keine prahlerische iobrede hallen, indem es aus-gemacht ist, daß in derselben keine solche Zuverlä^iakeitStatt findet; und derjenige, der sie so sehr rühmt,muß nothwendig entweder ein Dummkopf oder einBetrüger seyn.
Fünftens ist es gut, wenn ein Arzt nicht sei,ne »Praxis nack einem gewissen und bestimmten phi-losophischen System eingerichtet hat, iluem derselbeauf diese Art mehr Fehlern ausgesetzt ist, als einandrer, der seiner eignen Erfahrung und den Grund»sähen der besten Schriftsteller folgt.
Zum sechsten bemerke man auch diesen Um-stand, ob er recht gerne und viel Recepte, und be»sonders starke Mittel verschreibt, wenn es nicht ir«gend dringende Umstände erfordern, und es da ge-schieht, wo aller Aufschub gefährlich wäre; ich nehm'es für ausgemacht an, jeder Arzt, der seinem Kran-ken viel und oft verschreibt, muß zuvnläßig einschlechter Arzt seyn, und wenn er alles, w<is dieganze Arzneiwijseiischast enthält, auswendig wüßte.
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