Unzuverläßigkeit der Heilkunde. 63
Man wolle, aber ja nicht aus alle dem, was ichbisher vorgebracht habe, schließen, als wäre ich einFeind der Arzneiwissenschast.
Nein, ich' bin vielmehr überzeugt, daß dieselbeselbst vom heiligen Geist empfohlen wurde, wiewohlman dagegen einwenden könnte, daß die in der hei«ligen Schrift geprießne Arzneikunde nicht so beschaf-fen war, wie wir sie heutiges Tages ausüben.
Es ist allerdings eine ganz ausgemachte Wahr«heit, daß eS Krankheiten giebt, welche die Naturblos für sich allein ohne Beistand eines Arztes nichtbezwingen kann, wie dieß deutlich aus dem Beispielder iustseuche zu ersehen ist. Ich muß auch geste-hen, daß es vernünftig ist, in gefahrlichen Krankhei-ten zur Kunst seine Zustucht zu nehmen, und daßman vielmals aus den geschwinden Wirkungen derangewandten Mittel schließen kann, daß die erfolgteBesserung von ihnen lediglich verursacht wurde, dadie Natur, wenn die Krankheiten derselben überlassenwerden, selten plötzliche Verandrungen zu machenpflegt. Ich geb' auch zu, daß viele Wunderkurendurch Opium, Peruvianische Rinde, Brechmittel,und andre, ihrer Wirksamkeit wegen bekannte, Arz-neien , verrichtet worden sind. Nur darüber bin ichunwillig, daß Aerzte solche Dinge zu versprechenpflegen, welche ihre Einsichten undKräfte weit über-steigen, und daß sie, da sie doch im Finstern tappen,sich rühmen, als ob sie alles bei vollestem licht einzu.sehen vermöchten.
Ich
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