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Unzuverläßigkeit der Heilkunde. 55Zehntes Hauptstück.
Nachdem ich bereits so viele Kapitel abgehan»delt habe, welche darin übereinkommen, daß sie dieUngewißheit der Arzneiwissenschaft beweisen; so wirdman ganz natürlich die Frage auswerfen, wie es dennmöglich ist, daß die Erfahrung und die Bemerkun-gen so vieler Jahrhunderte uns noch bis ißt nicht ge.lehrt haben, was schädlich und was nützlich sey? Ichhabe dieß bereits durch das beantwortet, was ich vonder Ungewißheit der Erfahrung gesagt habe. Die.sem aber füge ich noch bei, daß die in einigen Schrift,siellern gesammelten Bemerkungen, weit entfernt,un< eine richtige Belehrung zu geben, vielmehr unsnur irre führen, und so mangelhast gefunden werden,daß sie nicht einmal diesen Namen verdienen. Vielebetreffen nur einen einzigen Fall, in welchem einePerson auf mancherlei Art betrogen werden kann.Bisweilen kann die Unlauterkeit einen Arzt dazuvermögen, daß er den guten Erfolg seines angewand.ten Mittel bei einem Kranken prahlerisch rühmt,hingegen die erfolgte Fehlschlagung bei., zwei andernverschweigt.
Ueberdieß können auch die Umstände nicht sogenau erzählt werden: denn es giebt deren mehrerein einer und eben derselben Krankheit, welche einArzneimittel entweder zuträglich oder schädlich machenkönnen. Vielleicht ist auch eine größre Menge Mit-tel gegeben worden, und es kann nicht anders, als
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