— 13
wenn wir nicht daran gelassen werden. Was hat man nun füreinen Beweis für die Echtheit? Professor Floß spricht vonzwei Berichten, deren genaue Stelle er aber nicht nennt- ersagt, der eine wäre in Paris, der andere in München. Dannaber geht er auf einen griechischen Schriftsteller namens NicephorusCallisti, der ungefähr im Jahre 1330 geschrieben hat. DieserSchriftsteller erzählt zuerst von einem Kleide der Jungfrau Maria.Und was erzählt er? Im Jahre 450 feien zwei vornehme Patrizieraus Konstantinopel nach dem heiligen Lande gewallfahrtet undhätten in dem Hause einer jüdischen alten Jungfrau — die Perfonhatte eine Jungfrau sein müssen, damit sie schon etwas Nonnen-Haftes an sich habe, da Priestertum und Nonnentum über allenandern Menschen stehen — ein Kästchen aufbewahrt gefunden, undKranke mancherlei Art hätten an diesem Kästchen nicht gesund vor-über kommen können, sondern wenn sie durch das Zimmer ge-gangen, seien sie wieder gesund geworden. Das fiel den Leutenauf; sie pilgerten weiter nach Jerusalem, ließen dort ein Kästchenganz so wie dasjenige machen, welches in jenem Zimmer stand undkamen dann mit dem nachgemachten Kästchen zu der Jungfrauzurück. Auf ihr erneutes Fragen, was in jenem Kästchen enthaltensei, sagte ihnen endlich jene jüdische Nonne: Das darin ist dasKleid, was die Jungfrau Maria getragen hat, als sie den Heilandgebar und das thut die Wunder. Da haben denn die beidenfrommen Leute aus Konstantinopel in der Nacht das nachgemachteKästchen an die Stelle des echten gesetzt und haben diese echte mitdem Kleide heimlich mitgenommen, und dann sind die frommenSpitzbuben abgezogen nach Konstantinopel zurück und haben es inihren Augen geheimgehalten. Aber sie konnten es dort nicht langegeheim halten, denn als Kranke in das Haus hineinkamen, wur-den sie gesund, sodaß endlich der Kaiser in Konstantinopel dahinterkam und fragte: was habt ihr denn eigentlich? Da konnten sie esnicht länger verbergen, es wurde ihnen das Kästchen abgenommenund eine prachtvolle Kirche in Konstantinopel gebaut und darindas Kästchen mit dem Kleide der Jungfrau Maria beigesetzt. Dasschreibt der erwähnte griechische Schriftsteller im vierzehntenJahrhundert als eine Legende aus dem 5. Jahrhundert. Das istdie einzige Nachricht auf die hin das Kleid in Aachen als dasechte Gewand der Jungfrau Maria ausgegeben ist. Wie ist nundas Kleid von Konstantinopel nach Aachen gekommen? Die Legendesagt, Karl der Große hätte es von Konstantinopel mitgebracht.Nun ist aber Karl der Große niemals in Konstantinopel gewesen,niemals! Woher weiß man denn, daß das Kleid von Konstantinopeldahin gekommen ist? Angenommen einmal, es wäre echt. Nun