Druckschrift 
Maximilian Franz, Kurfürst von Köln :
(Geb. am 8. December 1756, gest. am 27. Juli 1801.)
Entstehung
Seite
10
Einzelbild herunterladen
 

W

10

Maximilian Franz, Kf. v. Köln.

nicht, wie der Kaiser wünschte, und der Unwille des leitenden österreichischenMinisters stieg noch höher, als M. F. zu Anfang des folgenden Jahres undsogar nach dem von Preußen zu Basel am 5. April abgeschlossenen Separat-frieden die preußische Vermittlung für Unterhandlungen mit Frankreich in An-^fpruch nehmen wollte. In den Briefen an den Grafen Franz Colloredo findetThugut kaum Worte genug, seinem Aerger Ausdruck zu geben.Der Kurfürstvon Trier", schreibt er im Juni,versucht umsonst den Kurfürsten von Köln zubekehren, der, weil er ein Erzherzog ist, und weil seine Erhebung zum Kurfürstender Monarchie zwei oder drei Millionen gekostet hat, darauf besteht, gegen dieAbsichten des Kaisers zu stimmen und auf dem Reichstage die Vermittlung unddie guten Dienste Preußens anzustehen". . . .O, wenn unfere Maria Theresia,die doch nur eine Frau war, ihr Haupt aus dem Grabe erheben und das allesansehen könnte!" Umsonst versuchte Graf Lehrbach, der im Juni mit einerSendung an den Reichstag beauftragt war, den Kurfürsten umzustimmen. M. F.spricht in einem Briefe an seinen Comitialgesandten, den Freiherr« v. Karg, am26. Juni die Ansicht aus, daß das Reich für die Wiedereroberung der Nieder-lande den Krieg nicht fortzufetzen brauche, und bemerkt am folgenden Tage ineinem Briefe an Lehrbuch unter bittern und hühnischen Aeußerungen gegen denWiener Hof:wenn Preußen sich auch durch den Baseler Frieden sehr ins Un-recht gesetzt habe, so müsse man doch bei einem so mächtigen Reichsstande. dessent>«n2, nlüoill sich leicht in mala (Meia verwandeln könnten, die Staatsklngheiteintreten lassen. Ein Krieg mit Preußen würde jetzt der Untergang des Reichessein, besonders der katholischen Stande."O! Kinder Maria Theresias", ruft Thugut(6. Juli) aus.wie erkennt man in Eurer Kleinlichkeit den großen CharakterEurer Mutter?" Man wird es dem österreichischen Minister nicht verdenken,wenn er, besonders nachdem die preußische Demarcationslinie beinahe die Hälftedes Reiches in Unthätigkeit verfetzt hatte, über die Läffigkeit der Reichsständezürnt. Aber es ist zu viel, wenn er verlangt, daß der Kurfürst von Kölnsich nur als österreichischen Erzherzog und nicht als Fürsten seiner Länder fühlensollte, die eben zu jener Zeit nicht weniger auf Preußen als auf Oesterreich an-gewiesen waren. Aus den mit großer Bitterkeit geführten Verhandlungen desReichstages ging am 3. Juli ein Reichsgutachten hervor, welches dem Kaifervornehmlich, aber doch unter beihülflicher Verwendung Preußens die Einleitungeines anständigen Friedens auf Grundlage der Reichsintegrität übertrug. Eheaber die läfsig geführten Verhandlungen nur den Anfang eines Ergebnisses er-reichten, kam der Krieg wieder zum vollen Ausbruch. Die Franzosen hatten am6. September bei Düsseldorf, am 15. bei Neuwied, am 20. bei Mannheim denRhein überschritten. Unbeschreiblich war bei ihrem raschen Vordringen das Ent-setzen am Oberrhein. Wer fliehen konnte, floh hinter die preußische Demar-cationslinie oder in die Ferne, die Fürsten zuerst. M. F. war dieser traurigenNothwendigkeit durch eine Reise überhoben, die er im August über Arnsbergnach Münster angetreten hatte, wo er am 6. September unter Assistenz derBischöfe von Sens und Limoges drei Bischöfe consecrirte: den Domherrn CasparMax von Droste-Vischering zum Wcihbischof für Münster, den Freiherrn v.-ning zum Fürstbischof von Corvey und den Herrn v. Gruben zum Weihbifchofefür Osnabrück. Erst als die Gefahr in Süddeutfchland durch die Siege Clcr-fayt's bei Bergen und Mainz (11. und 29. October) und die RückeroberungMannheims (22. November) geschwunden war, kehrte er über Frankfurt nachMergentheim zurück.

In einem Briefe vom 31. December 1795 an die Gemahlin des Hofmar-schalls v. Schall fügt der Kurfürst den allgemeinen Wünschen den befondercnhinzu, daß das kommende Jahr sie beide wieder in die rheinische Heimath zurück-

W»M»W^