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Franz Petrarcas poetische Briefe
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Du rufst Erinnrung wach und solltest doch,Dafs ich vergäfse, dringend mich ermahnen.Die holde Anmut, die so schnell vergeht,

15 Der Schönheit wohlbekannten, flücht'gen ScheinHältst du mir vor und stellst die alte ZeitGleich wie ein Denkmal deutlich mir vor Augen.Das eben war's, was mich vou dannen trieb,Der Kampf war aus. und Flucht die einz'ge Kettung.

20 Die Jugendstreiche liegen hinter mir,

Im Sturmschritt eilt der Jahre Lauf zum Ziel.Einst war mir's wichtig, meinen LockenschmuckVoll Kunst zu pflegen und mich aufzuputzenAus eitler Lust, doch das ist abgetan,

25 Das liegt dahinten, das kehrt niemals wieder!Mich lockt ein hohes Ziel. Was störst du mich?Ist's deine Meinung, dafs schon wohlbetagt, 1 )Ein matter Buhle, ich von Liebe brennen,Ihr Joch und ihre Ketten dulden soll?

30 Verhüt' es Gott! Dem Knaben gönnt man gernManch süfse Torheit, Männern ziemt der Ernst.Dafs ich im Mund der Leute war, dafs manMit Fingern nach mir wies, wie reut es mich!Kein Wort davon, ich bitte! Denn noch jetzt

35 Seheint mir ein Tadler meiner Führung, werDem reifen Manne Jugendlust empfiehlt.' 2 )

So soll des Freundes liebes Bild mich locken?Das hat so oft zu dir mich hingezogen:Jetzt zieht das meine dich, wie's ziemt, zu mir.

40 Soll mich des heil'gen Vaters Wunsch bestimmen, 3 )Der oft genau nach meinen Fahrten fragtUnd nach den Gründen meiner langen Säumnis?Von seiner Höhe schaut er milden BlicksAuf seine Schar, der, wenn als letzter auch,

') P. dürfte bei Abfassung dieses Briefes 41) Jahre alt gewesen sein.

J ) Über das flotte Leben, das P. alsAvignoneser Stutzer" geführthatte, vgl. Körting p. 83 ff.

3 ) Nach der gewöhnliehen Datierung dieses Briefes müfste PapstClemens VI. (13421352) gemeint sein.