— 243 —27. Parma.
(An Levis, genannt Sokrates.) 1 )
Du sprichst vorgeblich, Freund; mein Herz ist fest,Ich bleibe, wo ich bin; und den EntschlafeBringt nicht der Rhone reifsend schneller StromZum Wanken, nicht die ungehemmte Wut5 Des Mistral, die den Ort erbeben macht,Darin du lebst und einst zu sterben denkst; 2 )Nicht tausend Viergespanne, die bei euchDurch enge Gassen dröhnend, polternd rollen.
Hier fand mein Hoffnungsimker festen Grund.10 Der Liebe sufses Sehnen rufst du wach,
Das soll die Ketten sprengen, die mich halten;
1 ) Schon Im Mai 1341, nach der Dichterkrönung in Eom, war P. mitAzzo da Correggio, der sich in demselben Jahre der Herrschaft in Parmanach Vertreibung der Scaliger bemächtigt hatte, in ein enges Freund-schaftsverhältnis getreten und war bei ihm in Parma bis 1342 geblieben,(vgl. Ep. II, 17 Selvapiana). Auch als er 1343 nach Beendigung semervergeblichen Gesandtschaft von Neapel nach Hause reisen mufste, blieber wieder bei Azzo da Correggio und zwar bis 1345. Dieses Verhältnisdos Dichters zu dem Fürsten, der durch die Art, wie er sich Parmas be-mächtigt hatte, durchaus nicht an gutem Eufe gewonnen hatte, und P.slanges Verweilen an diesem Hofe wurde von manchen seiner Freunde übelvermerkt, (vgl. über diese Verhältnisse Körting p. 185ff.). Zu diesengehörte auch Levis, genannt Sokrates, ein Jugendfreund des Dichters;sein eigentlicher Name war Ludwig, er stammte vermutlich aus Kempenbei Ilerzogcnbusch. P. lernte ihn im Hause der Colonna kennen und bliebmit ihm in stetem schriftlichen Verkehr; er legte seinem Freunde L. wegenseiner besonnenen Weisheit und Milde den Namen Sokrates bei. Letztererblieb bis zu seinem 1361 erfolgten Tode in Avignon, vermutlich als Be-amter der Kirche.
Offenbar hatte Sokrates den Dichter ermahnt, von Parma nach Avignonheimzukehren, hatte ihn mit der Erinnerung an Laura, an seine Freunde,an die Güte des Papstes zu gewinnen versucht; anderseits auch von Azzoda Correggio unvorteilhaft gesprochen, vor ihm gewarnt. P. antwortetauf alle diese Gründe, sie einzeln zurückweisend, wobei er jedoch zu ver-stehen gibt, dafs Lauras Bild noch immer den meisten Einflufs auf ihnausübe, und erklärt sich fest entschlossen, in Italien zu bleiben, dort auchsterben zu wollen.
») Mistral, heftiger Wind, der der Provence eigentümlich ist und dieganze Landschaft in Staub hüllt.
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