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Franz Petrarcas poetische Briefe
Entstehung
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17. An Giovanni Boccaccio.

0 war' es wahr, war' mir das Los gefallen, Wie du in liebevoller Täuschung wähnst, 1 )Durch Liederklang die Sorgen einzuschläfern,Wie sollte dann von nie betretner Klippe5 Aus Kirrhas Wolkensitz, wie sollte dannVom hohen Rand Kastalias mein LiedSo hold ertönen und dich liebend trösten!Doch frei bekenn' ich's, Liehe flihrt dich irre,Die Götter oft und Menschen täuscht, die stets10 Parteiisch unser klares Urteil trübt.

Doch wenn das Volk sich meiner Lieder freut,Kann das dir Grund zu schwerer Klage geben?Nun kennt sie alle Welt, doch sie entgingenDes lieben Freundes Eifer! Wie verdrieMich!

15 Wie höchst betrübend für die Lieder selbst

Und auch für mich! Das ist die erste Mahnung,Die auf den Weg ich meinen Versen gebe,Dafs sie den Pöbel meiden, sich begnügenMit auserwählter Kenner Lob, dafs sie

20 Dem Ohr des Schmeichlers ängstlieh sich versagenUnd niedrig achten wüsten Beifallslärm!Doch war' das Schicksal meiner Dichtung holdUnd dürft' ich einstmals unvergänglich schweben

') Im .Jahre 1349 etwa wurden von Florenz aus verschiedene An-näherungsversuche an P. gemacht; man wünschte ihn dort zu sehen, viel-leicht festzuhalten, wenn er zur Feier des Jubeljahres l r*50 nach Born zog.Unter diese Versuche sind diejenigen Briefe zu rechnen, auf die 111,7.III, '.) Antwort gaben. So schreibt auch Boccaccio an den hochverehrtenDichter einen Brief voll Anerkennung seiner Dichtungen, indem er be-dauert, sie noch nicht zu besitzen. P. dankt, lehnt das Lob bescheidenab, da es zu hoch für ihn sei und beklagt, dafs seine Gedichte andereneher als Boccaccio zugegangen seien. Doch könne er gegenwärtig, vonder Not der Zeit niedergedrückt, überhaupt nicht dichten. Nach v. 12 ff-könnte es scheinen, dafs B. von italienischen Gedichten P.s gesprochenhatte, doch wie v. 21 ff. zu verstehen gibt, sind lateinische Gedichte, ins-besondere das Epos Africa gemeint.