— 206 —
So schön bescheidet, mich so innig liebt, —Kurz, wer so ist wie du, — den schlief« ich froh25 Im Geist mit beiden Armen an die Brustl —
9. Absage an Florenz. 1 )
(An Zanobi da Stada.)
Den Weg zur Heimat geht man leicht, den WegZur Fremde schwerlich leichter. Deine; Freundschaft-)Zieht mich nach Haus; mich zieht zurück der AbscheuVor dieser wohlbekannten Menge. Kann5 Dem Herzen ich gebieten? Es umschliefstMein Heimatsort viel Übles und viel Gutes,In ihm vereint sich Bitterkeit und Lust.Zugleich sie zu ertragen, sie zugleichZu fliehn, ist meine Pflicht, und unzulässig10 Ist jede Auswahl zwischen Gut und Schlimm.
') In dem vorliegenden merkwürdigen Briefe erklärt P. seinem FreundeZanobi auf dessen Einladung, wieder nach Florenz zu kommen, dafs erdies entschieden ablehnen müsse, uud macht seiner Vaterstadt, wenn erauch einiges Gute an ihr anerkennt, die bittersten Vorwürfe. P. war jain der Tat, da sein Vater aus Florenz verbannt gewesen war, selbst imBanne von Florenz, uud bis dahin hatte Florenz noch keinen Versuch ge-macht, seinen berühmten Sohn zurückzurufen, oder gar ihm sein väterlichesVermögen (v. 20) zurückzugeben. Dem Unwillen darüber gibt P. hierbittern Ausdruck. Allein die Stadt Florenz, in der er an Boccaccio,Zanobi u. a. einfliifsreiche Freunde hatte, war nicht im geringsten feindlichgegen ihn gesinnt. Dies zeigte sich, als P. 1350 nach Florenz kam. Erwurde mit Jubel aufgenommen uud sogar 1351 feierlichst als Dozent nachFlorenz berufen, unter Wiedererstattung seines Erbgutes. Wer sollte nunnach Kenntnis unseres Briefes nicht annehmen, dafs P. befriedigt in Florenzeingezogen sei? Dennoch tat er es nicht, trotz Boccaccios eifriger Be-mühungen setzt er sein Wanderleben fort. Vorliegender Brief ist demnachvor 1351 entstanden. Der Brief gibt ein frappantes Beispiel der auf-geregten und inkonsequenten Natur des Dichters, der zuerst über einenicht erlangte Anerkennung aufscr sich gerät, und dann, nachdem er sieerlangt hat, sie gar nicht mehr haben will.
8 ) Die Interpunktion bei Rossetti ist nicht haltbar. Es unifs heifsen:Dulce iter in patriain, dulcis fuga rarior! Ferner: quid facias animae? v. 3.