— 198 —5. Des Dichters Hund. 1 )
(An Giovanni Colonna.)
Jedwedes Ding erliegt der Zeit; nur das,Was du mir schenkst, gewinnt an Wert und NutzenIm Zeitenlauf. — Ein Hund, an KönigsprachtUnd Königsmahl gewöhnt, auf Purpurdecken5 Nach Prinzenart gewöhnt zu ruhn, der kamAus Spanien in dein Haus. Der Heimat SitteVergafs er schnell, und mehr als Spaniens SchlösserBehagt ihm bald das reiche RömerhausMit guter Kost und langem Schlaf; er fand
10 Im neuen Haushalt alles nach Begehr,Und froh genofs er deines Daches Frieden.Als scheidend ich den Abschiedsgrufs dir sprach, 2 )Gabst du zum Trost mir diesen Weggenossen.Zwar spürt' er wohl, dafs von dem höchsten Platze
15 Er tief hinabstieg; aber willig bot,
Wenn auch betrübt, er seinen Hals der Kette,Bescheiden folgend dem bescheidnen Herrn.
Nun hat er längst die alte Pracht vergessen,Springt frühlich durch das Gras, durchschwimmt den Flufs,
20 Schnappt nach den Wellen, tummelt sich im NassenUnd teilt mein Mahl und meiner Mulse Freuden.Das hohe Schlols, die reichbesetzte TafelEntbehrt er gern, denn mehr Genüsse schafftIhm Brot und Wasser und mein kleines Haus.
25 Wie gut ihm das bekommt! Wie glänzt die Haut,Die reingewaschne! Seine Stirn ist frei,
x ) Giovanni Colonna, »Sohn des „jungen" Stefano Colonna, des ältestenSolines des „alten" Stefano Colonna, war Kardinal am päpstlichen Hofein Avignon und wichtigster Gönner P.s, der vor der Niederlassung mVaueluse im Hause des Kardinals lebte. Eossetti hält diesen Brief fl»den ersten von allen an den Kardinal geschriebenen. P. bedankt sich füreinen Hund, den ihm der Kardinal in die Einsamkeit nach Vaueluse mit-gegeben; da er nach Vaueluse 1337 zog, kann das Gedieht schon in diesemJahre entstanden sein.
8 ) Gemeint ist der Abschied vom Hause dos Kardinals bei P.S Über-siedelung nach Vaueluse.