Druckschrift 
Franz Petrarcas poetische Briefe
Entstehung
Seite
195
Einzelbild herunterladen
 

195

Zum Kriege mit den Nymphen zwangen, das

Vernahm genau ein jeder, wie mich dünkt,

Zu dem der Ruf von meinen Liedern drang,

Zu dem die Volksgunst meinen Namen trug.10 Denn schon zehn volle Jahre kämpfen wir')

Erbittert wilden Kampf. Nicht länger hielt

Sich Troja gegen Hellas, Gallien

Sich gegen Rom. Nichts liels ich unversucht.

Allein, was mich der Sommer hoffen liel's,15 Verdarb der nächste Winter; ständig wuchs

Der Quelle Mächtigkeit, und ich erlag

Der langen Arbeitslast. So stand ich ab;

Aus eignem Triebe gab den Weg ich frei.

Kein Felsenbollwerk, keine Mole mehr20 Versperrt des ungeberd'gen Stromes Lauf.

Nun bricht er tosend sich an alten Felsen.

Die Woge trug des Dammes einen Teil,

Den andren trug der Landmann mit sich fort.

Was einst uns Mühe machte, ward vernichtet

25 Durch eine zweite Müh'.

Allein ich halte

An meinem Vorsatz fest und werd' ihm folgen!So wie des Schiffes Steuermann den KielIn Sturmesnöten bald nach Osten wendet,Bald nach des Nordpols kalten Sternen dreht,

30 Des Ziels gedenkend, wie der Sturm auch rase!So kann ich nie der Übermacht erliegen,Und nicht vergeblich wird mein Ringen sein.Der Kiel soll mir gehorsam steuern lernenNach ganz verschiednen Ufern, immer sollen

35 Den Winden meine Segel offen stehen,

Das Steuer will mit fester Hand ich zwingenIn jeden Kurs, der mir beliebt! - Wenn einstEin lieblich Spiel es war, die muntren NymphenAus eignem Haus und angeerbtem Reich

40 Mit vielem Lärm zu jagen, ist doch Krieg

"*) Da P sich 1337 in Vauoluse ansiedelte, fällt das Gedicht ia 1347.

13*