Druckschrift 
Franz Petrarcas poetische Briefe
Entstehung
Seite
188
Einzelbild herunterladen
 

188

Das trillernd aus der weichen Kehle dringtUnd gleich der Jungfrau hräutlich zartem GrufsVoll Liebessehnsucht durch das Dickicht schallt.Ich biete ferner weisheitsvolle Bücher,

135 Den Chor der Musen, (das Terrain der Nymphen,Das wir erobert, ist ihr fester Tanzplatz),Mit Ranken reich umsponnen Rebenhügel,Viel honigsüfse Feigen und ein BadIn unsres Flusses Mitte, Vogelschall,

140 Der nimmer endet, in des Berges SchlundDie tief verschwiegne Grotte, und im TalDen kühlen Schatten unterm Waldesdach.

2. Zauber der Töne. 1 )

(An Rinaldo von Villafranca.)

Aus Sternenhöhe stieg ein GeniusZu uns hernieder, ward am Strand der MaasEin Mensch wie wir und blüht' am SeinestromZu zarter, wonnevoller Jugend auf.5 Ihn grüfst die Rhonewelle heut' als Gast.Der Musen Gunst verleiht ihm Zauberkräfte,Und seine Hand beherrscht der Töne Reich.Die Sorgen fliehn, wenn er die Saiten rührt,Die Wälder folgen seines Liedes Klange,

10 Er hemmt die Ströme, heilst die Stürme schweigen.Ihn führt' ich gern von seiner Heimat FlüssenZu unsrer Ströme grünen Ufern hin,Damit auch er das Nafs der hellen Etsch,Des stolzen Po bewundre und entzückt

15 Italiens süfse Lüfte in sich trinke. -

') P. empfiehlt seinem Freunde Kinaldo aus Villafranca, dem Lehrerseines Sohnes in Verona, einen jungen Künstler, der, wie P. hofft, baldals sein Begleiter nach Italien kommen wird. Wer der junge Virtuosewar, ist völlig unbekannt. Das Gedicht ist interessant, weil es P.s Liebezur Tonkunst erkennen läfst.