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Franz Petrarcas poetische Briefe
Entstehung
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PlötzlichHat eine Ritze, kaum dem Auge sichtbar,

35 Ganz fein und dünn, im Bauwerk sich gezeigt.Wie ich's gewahre, fang ich heftig an,Den Meister und sein Ungeschick zu tadeln,Mit vielen Worten. Doch der spricht bedächtig:Dals sich der Boden, schwer belastet, senkt,

40 Kann Menschenkunst nicht hindern. Kurze ZeitBedürfen Fundamente, neu gelegt,Um solcher Last zu trotzen. Freilich nichtsIst völlig unbeweglich; was der MenschAuf Erden baut, kann nicht unsterblich heii'sen.

45 Doch diese Mauern halten sicher aus,

So lang du lebst und deine Enkel leben!" 1 )Ich war verblüfft, dann sprach ich still zu mir:Verachte nicht den ungeschickten Mahner;Er spricht die Wahrheit. Sieh doch an, du Tor,

50 Des eignen zarten Körpers schwachen Bau!Bring dich in Sicherheit, so lang du kannst;Denk an dein eignes Heil vor allem andern!Dein Haus wird stehn; dein Körper wird zerfallen,An einem Tage wirst du beide räumen!"

55 Ich schwieg betroffen; mein begonnen WerkWollt' ich aus Angst verlassen; doch es hieltDie Scham mich ab; mit Fingern hätte jaDas Volk auf solch zerfallnen Best gewiesen.So dräng' ich hastig auf des Bau's Vollendung.

60 Doch mit sich selbst zerfallen schwankt mein Herz.Bald find' ich Lust an Catos knappen Räumen, 2 )An jene kleinen Gärtchen denk' ich gernWie Curius, der Held, sie einst besafs 3 )

x ) Das Haus lag nach Eossctti im borgo di 8. Giovanni Nr. 9 undstand noch zur Zeit der Herausgabe seiner Übersetzung. Der Maurer hattealso recht.

2 ) Die überlieferte Lesart Catenis hat Eossetti in Capenis verändert;mir scheint die Änderung in Catonis näher liegend.

s ) Cato und Curius werden hier, wie so oft, als Vertreter der alt-römischen Einfachheit verbunden genannt. Auch ihre Landhäuser lagennahe beisammen, doch war das des Curius, als aus älterer Zeit stammend,