— 167 —Doch ich will nichts berichten
Als was ich sah. — Es reihen rings umher85 Sich Hügel hier an Hügel, heilse QuellenEntsprudeln hier den Grotten, HimmelstauBelebt die Flur mit segensreichem Nafs.Es bebt die Küste von des Meeres Wucht,Das, wenn es schwillt, mit salz'ger Flut bedeckt90 Die Fluren rings und auch den See; so schleudertNeptun das "Wasser, das er allzu reichlichIn sich geschlürft, zurück auf seinen Bruder. 1 )
Des Berges andre Seite steigt emporHoch übern Acheron; vom steilen Gipfel95 Erblickt' ich selbst hart an des Berges FulsDen düstern See; und alles war so grausig,Genau, wie ich's gelesen! Ich vermifsteNur Charons Nachen; alles andre stimmt! 2 )Unsichtbar bleibt der tiefe Styx, des Orkus
100 Erbarmungsloser Herrscher; ruhig schläftDer greise Fährmann in der Erde Tiefen,Hat müde sich gerudert. Ja, wir wissenNur allzu gut, man kann die Furt durchwaten,Und keiner Ruderstange Stol's bedarf's,
105 Noch dafs am schlanken Mast sich Segel blähen.Ein jeder macht den Weg allein zu Fuls!
Doch deine lieben Augen werden müde,Wenn ich dir alles schreibe; kurz, ich sah,Was nur zu sehen war, und kaum verstrich
110 Ein andrer Tag in meinem Leben froher,
Kaum kehrt ein andrer je so fröhlich wieder,
') Die Stelle beweist, dafs zu P.s Zeit noch der Kanal bestand,durch den Augustus vom Julischon Hafen bei Misenum ans Lncriner- undAvernersee miteinander verbunden hatte; durch diesen gelangte das See-wasser bei geeignetem Wetter bis in den Avernersee. Die vulkanischenVeränderungen der ganzen Küste im 16. Jahrhundert haben diesen Zu-sammenhang der Binnenseen mit dem Meere aufgehoben.
a ) Beachte das Behagen, mit dem P. feststellt, dafs seine Eoiso-beschroibung ihn richtig belehrt hat, — ganz wie ein „moderner Mensch",der mit Baedeker reist.