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Franz Petrarcas poetische Briefe
Entstehung
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20 Des schmerzzerrissnen Landes düstrer AnblickErneut die Qual. Wohl stehn die Mauern noch,Doch das Neapel, das ich prangen sahIm Städtekranz Ausonias, 's ist kaumDas vierte Jahr 1 ) das leider! ist es nicht.

25 Es sank das Haupt, die Rüstung fiel, die WaffeEntglitt der kriegsgewohnten Hand. Zu BodenWarf eine Stunde all die starke Wehr.So viel vermag ein Mann, und so viel LeidBringt eines Mannes Tod! Ich war erschüttert,

30 Und wollt' ich sprechen, unterbrach mein SchluchzenDie angefangne Rede, meinen AuftragVermocht ich kaum der Königin zu melden,Als mir Gehör die hohe Fürstin gönnte.Vom Tod des Gatten sprach sie kurz und traurig,

35 Und was mir anvertraut war, wies dem RatDes Königreichs sie zu und hiefs mich warten.

Allein nicht zwecklos soll mein Tag verstreichen,Nicht träger Schlummer mir die Stunde kürzen,Und da der Geist, gebeugt, die Bücher meidet

40 Und sich zu dichten sträubt, durchstreif ich wanderndDies von der Dichtung hochgepriesne Land.Der Freundesachar ist alles rings vertraut,Und jeder ist mich zu erfreun beeifert.

Da steht das Haus, darin Sibylla lebte,' 2 )

45 Die Schicksalskünderin; sein RiesenbauErhebt sich drohend am Avernerufer,Dem schwefelgelben, zwar von Alter morsch,Doch furchtgebietend. Der Prophetin StimmeErschallte sonst aus hundert Pforten, heut

») Ausonia = Unteritalien, die Zeitangabe ist nicht ganz genau. P.war 1341 vor Ostern zum ersten Male in Neapel gewesen; 1343 im Herbstkam er wieder hin.

») An der Südseite des Avernersees bemerkt man Grotten und Gänge,in den Tuffelsen gebohrt. Eine dieser Höhlen hat jetzt den Namen derGrotte der Sibylla. Diese will offenbar P. andeuten. Doch entspricht derSchilderung bei Virg. Aen. VI mehr die Höhle der Sibylle am Ful'se derAkropolis von Cumä. Zur ganzen Stelle vgl. Itinerarium Syriacum.