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Franz Petrarcas poetische Briefe
Entstehung
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Wie töricht

75 Ist doch der Menschheit Irrtum, fest zu halten,Was fallen mufs, als könnt' es ewig dauern!Drum bricht untröstlich aus des Herzens TiefeDer Schmerz hervor, und Sehnsucht und VerlangenZerreilst die Seele. Niemand zeigt sich dankbar,

80 Der einst das Glück genofs; vergessen istSofort die Herrlichkeit; als bittre KränkungErscheint's, dal's nicht mehr euer ist, was ihrDoch flüchtig einmal nur besitzen durftet.Was euch vertraut ward, das gewöhnt euch an

85 Zurückzugeben mit der gleichen Miene,

Wie ihr's voll Lust empfingt. Und weil den TagDer Wiedergabe niemand kennt, so richtetEuch täglich auf der Herrin Botschaft ein,Die nur verlangt, was Rechtens ist.

Dir wurde

90 Die Bahn gewiesen gleich beim ersten Schritt:Auf diesem Pfade sollst du vieles Leid,Doch wenig Freude finden und die Zukunft,Wie sie auch sei, mit sanftem Blick ertragen."Was auch das Schicksal fügt, die gleiche Lehre

95 Erteilt der Schöpfer jedem Neugebornen,Und immer lehrt Natur die gleiche Satzung:Was süfs im Anfang war, das endet bitter.Was euch das Herz entzückt, vergeht geschwind.Auf kurze Lust folgt ew'ge Bitternis.100 An Reichtum schliefst sich Not; verlassnes AlterBeweint die Kinder, treue Brüder trenntDer arge Tod, den Seelenbund der FreundeZerreifst er plötzlich. Wenn die liebe ScharDich froh umschlofs in langen Glückestagen,105 Wenn heitre Rede von geliebtem MundeBald hier, bald dort so rein, so innig klang,Trat nie das eigne Los dir vor die Seele,Nie die Bestimmung, dafs ein letzter SeufzerDen Kranz von Freunden bald zerreil'sen mufs?110 Wem ist das Morgen, ach, das Heut gesichert?