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Franz Petrarcas poetische Briefe
Entstehung
Seite
149
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14915. Trostlied. 1 )

(An Giovanni Colonna.)

0 schnöder Tod! Wie oft ist tränenschwerDurch dich mein Auge, matt mein Lied geworden!Wie hast so oft du mit dem Lied die TräneUnd mit der Träne du das Lied vereint!0 arme Menschheit! Elend Los der Menschen!Dafs wir die Teuren, die im Tod erblichen,

') Am 20. November 1347 erlitten die Barone von Koni im Kampfemit dem wunderbaren Tribunen Cola di Kienzi eine schwere Niederlagean der porta S. Lorenzo. Die nackten Leichen von mehr als 80 grofsenHerren blieben dem Hohne des Volkes ausgesetzt. Am schwersten wurdedas Haus Colonna getroffen, dem P. von Jugend auf befreundet war. Esfielen Stefan Colonna der Jüngere und sein Sohn Giovanni Colonna, einblühender Jüngling von 20 Jahren, ferner der Exsenator Pietro Colonnasamt seinem Vetter Pietro, Baron von Belvedere. Den tragischen Toddes Vaters, Sohnes und Oheims schildert Gregorovius VI 4 , 296 ff.

So überlebte der greise Stefano Colonna seine blühende Nachkommen-schaft. P., von lebhafter Trauer, ja von Entsetzen über dies Schicksalerfüllt, vermochte dennoch diese Empfindungen nicht unbefangen zu äufsern.Denn in seiner Begeisterung für die nationale Gröfse Korns und Italienshatte er sich offen und freudig Cola di Kienzi angeschlossen; wohl mochteer sich von ihm abwenden, als seine Handlungen unmöglich mehr zubilligen waren, aber das gute Verhältnis zu den Colonnas war dahin. Errichtete an Kardinal Giovanni Colonna, den Bruder des gefallenen Stefanodes Jüngeren, ein Beileidsschreiben in Prosa nach langem Zögern und anebendenselben vorliegenden langen Trostbrief. Welche Antwort er erhielt,ist unbekannt, doch ein näheres Verhältnis zu Giovanni Colonna entstandnicht wieder, da dieser schon 1348 an der Pest starb. Aber in beidenBriefen, dem prosaischen und poetischen, befindet sich P. offenbar inkeiner entsprechenden Stimmung; er vermag keinen Trost zu geben, daihm die Töne einfachster Herzenswärme fehlen, seine Briefe lassen kalt.Er wehklagt über das Unglück der Häuser, worin es bestanden, sagter aber nicht; er stellt Betrachtungen über Sterblichkeit und Menschen-schicksal an; wie dies aber auf den vorliegenden Fall zutreffe, bleibtunbekannt. Im übrigen ist die Kunst des Aufbaues des Gedichtes zuloben: es erscheinen die Musen und diktieren dem Dichter Betrachtungenund Ratschläge für den Kardinal Giovanni Colonna. Eine für uns er-müdende Aufzählung von Unglücksfällen und tragischen- Ausgängen be-rühmter Männer des Altertums scheint am meisten bestimmt den Empfängerzu trösten.