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Das gütig uns gewährt in Freundesländern25 Als Zeitgenossen nachbarlich zu wohnen.Der Zeiten Wirrsal war uns hinderlich,Erst spät, auf kurze Frist, lernt' ich dich kennen,Und rasch entzog mir den ersehnten AnblickMein Schicksal, — doch dafs ich dich einmal sali,30 Hat mir's gewährt, und weilst du nun auch fern,Ich seh' dich vor mir, höre tief bewegtDer Rede weichen Klang, wie mir zur SeiteDie Trümmer Roms, — ein weinenswerter Anblick! —Du mir erklärtest, tränenfeuchten Auges35 Zu mir gewendet, stockend also schlössest:„Sieh diese Reste der zerfallnen Heimat!Sie treu zu hüten ist mir liebe Pflicht.Nie soll des Frevlers Hand den heil'gen SteinenZerstörend nahn, so lange Paullus lebt!" —40 In freudevollem, tiefbewegtem Herzen
Lebt nun dein Wort, ein wahres Fürstenwort,Ein Männerwort, so frei, so stolz, so fromm!Doch um Erfüllung des Gelübdes flehtDie greise Roma nun den jungen Sohn: 1 )45 „Bleib deinem Worte treu! Erbarme dichDer tief Gefallnen! Edlen Herzen ziemtDie edle Sorge, ziemt der Liebesdrang,Der sich des Glücks der Vaterstadt erfreut,Ihr Unglück abwehrt, der mit treuer Hand50 Die Kranke stützt und sie vom Sturz erhebt.Nicht dir, der Vaterstadt gehört dein Leben!Gibt's höh're Pflicht, als diese teure Bürde,Ein guter Sohn, den Schultern aufzuladen!Wer die Verlassne rettet, erntet Ruhm!55 Und hoher Ruhm hat Roma einst geziertIn ihrer Blüte. Zeugen dieses RuhmsSind dort die Mauern. Sie, die kein Jahrhundert,
] ) Nach dem Vorbilde des Syimnachus (Norden, Ant. Kunstp. II, (MG)wird bei P. die Stadt Kom personifiziert als Greisin und redend eingeführt,auch als verlassene Witwe; vgl. die Briefe an die Päpste: I, 2 an Bene-dikt XII., an denselben I, 5 und an Clemens VI., II, 5.
V. Friedersdortt', Petrarcas poetische Briefe. 10