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330 Auf ihren Schultern ruht, indes er selbst
Auf hohem Sitz als Herrscher thront, — dafs fromm
Aneas, dafs Achates treu sich zeigt, —
Was soll's bedeuten? Dafs in Waldes Mitte
Die beiden Helden Venus trifft, in Nebel335 Den Leib der landesfremden Männer hüllt
Und Wolken gleichsam mit Gewölk umschliefst —
Was will's besagen? Dafs Iopas singt,
Dafs Bitias voll Kraft mit einem Zug
Die volle Schale leert, was deutet's an?340 Was soll das Unglückspferd? Was soll der Brand
Der Unheilsnacht, des Sinon frecher Hohn?
Was soll's, dafs bei des Sohnes Raserei')
Durch Feindesschwerter ihm die Mutter naht,
Die Göttin, die sofort in finstre Nacht345 Entschwebt, doch seinem Blick die Göttermächte,
Die Feinde Trojas, und ihr Wüten zeigt?
Wohin gerat' ich? Jede Zeile hat
Hier ihren eignen tiefverborgnen Sinn!Hat, andrer zu geschweigen, nicht Horaz350 Den graden und den krummen Weg gezeigt,
Ein Feuergeist, der grofse Männer schuf!
Genug von unsern Sängern! Sollte Orpheus,
Amphion, oder Linus, Phöbus' Sohn,
Musäus, des Gesanges Vater, sollten355 Sie alle, deren Namen Hellas einst
Bewundernd unter Götterbilder schrieb,
Des Ruhmes Unvergänglichkeit durch Tand
Erworben haben? — Keine Erdenhöhe,
Euripides, kommt deiner Hoheit gleich.360 Nichts Grofses gleicht an Gröfse dir, Homer! 2 )
a ) P. ebenda: Aneas will Helena töten, Venus läfst es nicht zu, daja auch bei strengen Censoren die Liebe meistens Entschuldigung findet.Venus entschwindet aber sofort, denn die Lust verweilt nicht unter Ge-fahren. Mit ihrer Entfernung ist die feuchte Wolke geschwunden, diedes Helden Augen umhüllte; nun erkennt er das Nahen der Götter undihren Zorn.
a ) Die ganze Aufzählung griechischer Namen rührt aus Cicero her.P. konnte zu wenig Griechisch, um Euripides und Homer zu lesen. DieVerse 361 ff. finden dagegen ihr Vorbild in Horaz, Epist, I, 2, 12 und 18 ff.