— 134 —
Das wies er uns, den Sängern, gütig zu!Denn unverändert bleibt die Wesensart.Stets hätte jene vor der Wahrheit Tiefen
285 Entsetzen nur und bange Scheu gefafst, —Stets hätte uns vor dieses Haufens TobenBetrUbnis, Friedenssehnsucht, Ungeduld,Und Widerwillen bis ins Herz erfüllt.So ist für beide Teile wohl gesorgt.
290 Nicht harter Bann verjagt uns aus der Stadt,Wir folgen gern des Herzens freiem Triebe.Hat nicht der Stagirit erklärt, dafs DichterZuerst der Gottheit Spuren nachgeforscht? l )Nennt sie nicht Marcus heilig, 2 ) angeweht
295 Vom Geist des Herrn, der Gottheit höchste Gabe?Doch fern sei jeder Anwalt eignen Stammes,Lais Fremde ehrlich unsre Sache führen!Und doch, der Sieg ist unser, läfst du nurDie Sänger reden in der Sänger Sache! —
300 Wer würde der Heroen Heldentaten,
Wer ihren ernsten Sinn, ja, ihre NamenNoch kennen? Wer durch tausend Müh'n die GeisterZum steilen Pfad der Tugend spornen? WerDes sorgenschweren Lebens düstres Leid
305 Durch Sangeskunst verscheuchen, wenn der WeltDer Geist der Musen fehlte? Tonlos wäreDer Mund der Menschen, unbekannt die TugendTrotz eignen Glanzes, jedes edle Streben,Es wäre tot, und auch der Römer Sprache
310 Entbehrte jenes festen Untergrundes,
Auf dem der Tempel ragt der freien Künste,Die unsren Blick in ferne Weiten lenken
: ) Aristoteles (aus Stagira) würde sicli mit dieser Aufserung in Gegen-satz zu Plato und vielen anderen Philosophen setzen.
a ) Vom Geiste der Gottheit angeweht nennt Cicero die Dichtermehrmals, z.B. pro Archia poeta VIII, 18 und de natura deorum II, 66,167;dafs sie aber heilig und wie durch eine gnädige Gabe der Götter unszuteil geworden seien, sagt eigentlich Ennius, den Cicero pro Archia a. a. O.zitiert.