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Auch gibst du zu gerechter Klage hierVon neuem Anlals. Welche Sprache führst du!
230 Wie ist sie mafslos dreist! Wie zügellos!Du raubst ergrimmt vom Helikon die Waffen,Du stürmst mit ihnen auf der Sänger Schar,Und unsre Schwerter brauchst du gegen uns!Zumal des Flaccus Waffen! Und doch sollten
235 Dich seine Schriften lehren, wie der Dichter,Der im Verborgnen sein geliebtes WerkWohl zehnmal feilt, sich bald am Kopfe kratzt,Bald an den zarten Nägeln beifst; 1 ) sie solltenDich lehren, an dein eignes Tadelwort
240 Die gleiche scharfe Feile anzulegen!
Man schilt die Dichter lügnerische Narren;Beliebt ist diese töricht tolle Lüge.Allein sie singen lautre Wahrheit, leiderVor tauben Ohren; — doch gottlob, es ist
245 Gestattet, diese Hörer zu verachten.
Der Dichter Streben nennst du deshalb kindisch ?Wie hat dich Kindertorheit in die IrreMit diesem Wort geführt! — So war es kindisch,Was Cäsar trieb, was auch Augustus trieb,' 2 )
250 Der doch der ganzen Welt gebot! — Im HerzenDes Dichters lebt geheime Gotteskraft,Im Dichtungsschleier birgt sich Himmelswahrheit,Und nur ein sonnenhaftes Auge kannDurch diese Hülle dringen, die zugleich
255 Nach aufsen glänzt und zum Begaffen reizt.So kommt es, dafs sie Kindern wobl gefälltNicht minder als verehrungswürd'gen Greisen.Gewifs, zu schwärmen ist des Sängers Recht!
') Horaz, Satir. I, 10, 70 beschreibt mit denselben Worten das Ver-halten eines mit schwerer Mühe arbeitenden Dichters. Vgl. die Heraus-geber und Quintilian X, 3, 21.
a ) Cäsars literarische und wissenschaftliche Interessen sind bekannt,weniger, dafs er auch dichtete. Ebenso schrieb August bekanntlich einTrauerspiel Ajax, vernichtete aber das Manuskript. Über seine sonstigenVerse Suet. vit. Aug. 85.