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Mein Unrecht seh' ich ein; ich hin voll LustDer Zeit vorausgeeilt; gar manches Lied,200 So meint' ich, war schon damals mir geglückt.Mir schien's genug. — Wo sind des Varius, 1 )Des Hochgepriesnen, Lieder? Dennoch lebtIn jeder Brust sein grolser Name. — FreilichMit meinem Euhme steht es anders; ich205 Bedarf gar vieler Werke, um zu steigen
Zu Himmelshöh'n, — nichts hin ich ohne sie! —Doch willst du gar, dafs deinem PöbelhaufenMein Werk gefällt, — dann leist' ich gern VerzichtAuf meinen Dichternamen, reifse lieber210 Vom Haupte mir den ernsten LorbeerschmuckUnd werf ihn fort und will für alle Zeiten
Mich ruhmlos bergen in Vergessenheit!-------
Genug! Es folgt der zweite Klagepunkt! —Doch welchen Weg soll ich beschreiten? Soll215 Ich jammern? Soll ich schweigen? Wäre nichtAuf Hohngelächter Hohn die beste Antwort?„Mein Dichten reizt zum Lachen!" — Mag vielleichtMein Leben, ich bekenn' es, dies verdienen, —Doch nimmer hat mein Dichten Spott verdient,220 Das Tränen oft aus ernsten Augen lockte.
Wie hat mein Schicksal traurig sich gewendet!Vom Tau der Tränen sah ich einst die WangenErhabner Senatoren sich benetzen 2 )Bei meinem Sänge, sah die Königsstirn225 Des unbezwungnen Robert sich voll RührungHerniedersenken. — Und der ekle PöbelVerlacht mich jetzt! O böse Schicksalswendung 1 —
') P. scheint den Dichter L. Varius zu meinen, der aus Horaz alsDichter und Mensch gleich bekannt ist.
») P. scheint die Ergriffenheit der Senatoren bei Gelegenheit derDichterkrönung zu bezeichnen. Vgl. Ep. II, 1- Dort ist freilich von emeindichterischen Vortrage P.s keine Kede, der nach unserer Stelle ange-nommen werden müfste. Aber es ist nicht unbedingt nötig, das lateinischeproloquor = vortragen - auf Verse zu beziehen. Über König Kobertv gl- die Stelle aus rer. mem. I, 2, 96 und III, p. 513.
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