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70 Der ist, den du begehrst. Ich aber will
Fortunas Huld geniefsen; ich verzeihe
Ihr tausend Ränke, Wundon und Verluste
Für deiner Freundschaft grofse Gabe gern.Dir meines Geistes Wesen zu erklären,75 Send' ich dir diesen Brief, der deinen Irrtum
Dir zeigen, dir die Wahrheit melden soll,
Dafs ich mit schwacher Kraft mich hoch erhob,
Dals deine Güte allzuviel gehofft,
Und allzu reichlich mein Verdienst geschätzt.80 Doch deiner Liebe trau ich unverzagt,
Bin deines Urteils sicher; wenn einmal
Du deine Wahl getan, wirst du sie nicht
Verspätet widerrufen.
Liebe denn
Mich warm, wie einst, und um so treuer nun,85 Je mehr du mich erkennst. Es trennt uns zwar
Der Länder Lage, und in Wort und Werken
Sind wir verschieden. Doch die Liebe fügt
In ein gemeinsam Joch der Freunde Nacken;
Sie knüpft Erhabnes an das Niedre, sie90 Verbindet Herrn und Knecht, Tyrann und Bettler;
Den jungen Hund befreundet sie dem Löwen.
Sie schenkte einst, August, dem Herrn der Welt,
Zu Freunden Dichter wie Virgil und Flaccus;
Sie band in öder, wilder Barbarei100 Euripides als Freund an Archelaus; 1 )
Sie gab dem edlen Scipio ins Herz,
Dals er des Ennius rauhe Gröfse liebte,
Der seinen Lorbeer teilen, der im Leben,
Im Sterben sein Genosse sein, und einst105 Sein Grabmal hüten sollte.*) - Willst du mich
TEuripides folgte „och in hohem Alter einer Einladung des KönigsArchelaus nach Makedonien, wo er auch starb. ,,
») Beicht sichwohl auf die bei V ? £*-£*»• ™\£%*£Bemerkung, dafs Scipio Afncanus der Altere ein ßiiuDichters Ennius unter den Grabmalen der Cornel.schen Geschlechter autstellen liefs.