Druckschrift 
Franz Petrarcas poetische Briefe
Entstehung
Seite
116
Einzelbild herunterladen
 

116

Mir keinen Frieden, rifs mich boshaft los.Mein Sehnen zwar blieb ungestillt, allein

70 Auch das beglückt mich, dafs die kurze LustDer reinen Freude keine Trübung litt.

Zu Schiff dann stieg ich, von des Meeres Höh'Wollt' ich mich satt sehn an des Landes Reiz,Ertrug des heisern Fergen Redeschwall,

75 Der nur Misenum kannt' in dieser Bucht.

Soll ich denn stets aus Büchern lernen? DeuteDu selbst die Landscbaft, opfre gütig mir, Ein seltnes Glück, nur einen einz'gen TagUnd sei mein Gast vom Morgen bis zur Nacht!

8 und 9. Grabinschrift des Königs Robert.

(An Nicola von Alife.)

I.

Ob auch die weite, widerwärt'ge FahrtNacb manchem Abenteuer, mancher Müh'Mich geistig mehr als körperlich erschöpft,Nach Hause brachte, 1 ) Euch vergafs ich nicht!5 Kaum tritt der Fufs auf wohlbekannten Boden,Da greift die Hand, noch zitternd, schon zur Feder.Das Ziel ist hoch, die Kräfte schwach, kein Wunder,Dals ich der Last erliege. Blöden AugesSchaut' ich hinauf in helles Sonnenlicht,10 Doch, lichtgeblendet, schloJ's ich rasch den Blick.Dein Wünschen, Bitten ging zu Herzen mir:

') Rossotti, vol. II, sez. XII, ann. 4 berechnet die Entstehungszeit diesesund des folgenden Gedichtes richtig; P. schrieb es nach seiner Rückkehrnach Avignon, die 1845 im Dezember erfolgte, um endlich ein Versprechenzu erfüllen, dafs er 1S43 bei seinem Aufenthalte iu Neapel nach dem TodeKönig Roberts gegeben hatte. Er entwarf die erbetene Grabschrift undsandte sie mit einem Widmungsgodicht an Nicol6 d'Alife. Unter demnach Hause" v. 4 und demwohlbekannten Boden" ist daher Avignon zuverstehen, ein Ausdruck, der bei dem unruhigen Leben, das P. 13431345geführt hatte, erklärlich ist.