— 115 —
Doch deines Maro Grab, des Meisters Asche, 1 )Die unvergänglich bis zum heut'gen Tag
45 Jahrhundertlangen Wechsel überstand,
Gleich seines Namens Euhm, die mir so nah,Sie such' ich auf, mein fester Wille ist's,Und mein Barbatus soll mich fuhren, woEin grauser Pfad durchbricht die Bergeswand, 2 )
50 Zu Bajäs heifsem Quell, zum stillen UferDes See Lucrinus, zum Avernerschlund,Dem Schreckensort, von wo der Weg hinabZur styg'schen Flut, zum Reich der Qualen führt, 3 )Wie uns die Sage kündet. — Mir genügt
55 Des Todestores Anblick, seine Schwelle
Vermeid' ich gern; mein Finger nur soll weisenDen Pfad, den einst Aeneas durch die FlutZur Tiefe nabm, den ihn Sibylla führte,Soll weisen nach des Seemanns Ruhestätte,')
60 Der sterbend einem Berg den Namen gab.Dies Land, gepriesen in der Vorzeit Liedern,Ich hab's durchstreift auf königlichen Wunsch.Doch lieber sog mein durstig Ohr den StromDer Königsrede ein; mein Reiseplan
65 Blieb immer Stückwerk, unnütz schien die Zeit,Die fern von ihm und seinem Blick verlief.Hier fand ich Rübe, doch das Schicksal gönnte
a ) Da Virgil auf dem Posilip ein Landhaus hatte und in dessen Nähebestattet wurde, hat die Überlieferung an ein Columbarium dortselbst denNamen: Grab des Virgil geknüpft (p. 6, Anm. 4). Dafs P. diese Stätte be-sucht und dort einen Lorbeer gepflanzt habe, der im 1 9. Jahrhundert nochzu sehen war, wird ebenfalls Überliefert. 1326 soll das Grab Virgils nochwohlerhalten gewesen sein.
a ) Gemeint ist die bekannte Grotte des Posilip, ein aus dem Alter-tum stammender Tunnel.
3 ) Die ganze durch Schönheit und Erinnerungen an das Altertumberühmte Gegend, deren einzelne Örtliclikeiten hier wohl keiner Erklärungbedürfen, wird für den Dichter belebt und interessant durch die Erzählungdes Virgil im 6. Buche der Aeneis, dafs vom Averner See aus Aeneas unterFührung der kymäischeu Sibylla in die Unterwelt hinabgestiegen sei.
*) Das Vorgebirge Misenum, angeblich der Grabhügel des Misenus.
8*