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Franz Petrarcas poetische Briefe
Entstehung
Seite
113
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1137. Neapel. 1 )

(An Barbato da Sulmona.)So wollt' es Gott! Die Stätte meiner Lust,Neapel, ward für mich durch TodesgraunZum Schreckensort. Ach, endlich hofft' ich hierStatt Wandern Rast, statt Tränen Trost! Umsonst!5 Nur herber fliefst die Zähre, grimmer wühlt

Der Schmerz am lieben Ort. Rings weint das Land,Von Leid erschöpft, gleich mir; das SonnenlichtEntschwand den bangen Blicken; finstre NachtVerhüllt den Tag. Nun schafft es tiefen Gram,

10 Dafs ich den Sternengleichen Herrscher kannte,Den König sah, den Erd' und Himmel ehrten,Und dann ihn schnell verlor. Sein edles BildErstrahlt im treuen, dankerfüllten Herzen;Und was mir bleibt, das Zeugnis seiner Huld,

15 Vermehrt das Leid und macht es ewig dauern! 2 )Von dieses lieben Landes LustgestadeBeschlofs ich schnell zu fliehn; allein mich hältDer sanfte Wunsch der Fürstin, und GehorsamErheischt im Grabe noch des Landes Herr. 3 )

*) Im Januar 1343 starb König Robert in Neapel; ihm folgte seinejunge Tochter Giovanna, vermählt mit Andreas von Ungarn, unterstütztvon einem Regentschaftsrat, den König Robert eingesetzt hatte. Dennochbrachen in dem Königreiche die heftigsten Parteikämpfe aus, und zwargrade au dem Hofe selber, den ein ränkevoller Franziskanermünch, ehemalsdes Andreas Lehrer, beherrschte. Der Papst, als Beherrscher dos König-reichs, wünschte die Ordnung wiederherzustellen und beauftragte miteiner Gesandtschaft, die diesem Zwecke dienen sollte, den Dichter Petrarca,weil dieser von 1341 her freundschaftliche Beziehungen zum dortigen Hofeunterhielt. Nach manchen Schwierigkeiten traf P. dort im Herbst 1343 ein,vermochte aber den Wirren in keiner Weise zu steuern.

2 ) Nee regia desunt Munera, quae luctum renovant facientque pe-rennem, heilst der Text. Doch sind andere munera des Königs als derin derDiehterkrönung" erwähnte Purpurmantel nicht bekannt. An Stelledes bestimmten munera ist daher ein unbestimmterer Ausdruck getreten.

a ) Die schnelle, unter den obwaltenden Umständen erklärliehe Abreisesuchte die junge Königin Giovanna zu hindern, ernannte den Dichter auchzu ihrem Hofkaplan. Auf den Erfolg seiner Gesandtschaft hatte dieseAuszeichnung aber keinen Einflufs.

V. Friedersdorff, l'utraruaB politische Briefo. 8