— 111 —
Wenn jene sie umschlingt, die sie erblickt, —375 So wird auch mir, wenn ich die Schar erblicke,Die uns als Eltern grtilst, ihr froher JubelEin Trost und meines Hauses Hoffnung sein:Was ich besitze, soll mir den VerlustUnd so viel Freude meinen Kummer mildern!
6. Zu viel Kummer.
(An Nieolö von Alifö.)
Parthenope, 1 ) einst Stätte meiner Lust,Mein Kummer jetzt und meiner Seele Schmerz,Mein Auge weint um dich! Hier dürft' ich sonstDes grofsen Königs flammend Auge schaun, —5 Ich such ihn jetzt umsonst, — er ist dahin! —
Tret' ich ins Schlofs, ich schau ihn auf dem Thron; 2 )Eil' ich zum Tempel, betend am AltarErblickt mein Geist den Frommen hingestreckt!Ich seh ihn, wie von hohen Ufers Rand10 Sein Blick die Flut beherrscht, indes sein WortDes Himmels Huld, der Weisen Herz gewinnt.Auf grüner Wiese wandeln seh' ich ihn,Wie er verworrnen Volksstreit weise schlichtet,Zugleich sich selbst erquickend; seiner Feste,15 Wo weises Mafs sich frohem Sinn verbandAn gastlich heitrer Tafel, denk ich dann,Und wie zum Krieg bereit sein Siegesschwert
') Zum Inhalt des Gedichtes vgl. Ep. II, 7. In beiden Gedichtenbefindet sich P. als Gesandter des Papstes am Hofe zu Neapel, nieder-gedrückt von den schmerzlichen Erinnerungen an den verstorbenen KönigRobert und aufser stände, seine Witwe Saneia zu trösten. Er bittet daherNieolo d'Alunno aus Alifö, der Mitglied des höchsten Gerichtshofes inNeapel war, ihn aus dieser trüben Lage zu befreien.
a ) Die Schilderung, die P. von seinem geliebten Könige gibt, istinteressant und anschaulich; Kobert war der treueste Vertreter des Papst-tums. Gregorovius VI 4 , 232 nennt ihn einen glänzenden, aber unkräftigenund auch unedlen Herrseher.