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So sei in Sicht die sichre Küste, sonstVersinken elend wir im Wogenbraus.
345 Denn wer erreicht der Jahre höchstes Mafs?Wer bringt's auf volle hundert Jahr? Der Leib,Den kärglich die Natur uns schenkt, — der istFür so viel Jahre nicht gemacht. Im SturmEnteilt die Zeit, — das Leben wird zum Tode,
350 Schnell, wie das Lid sich übers Auge senkt.So stecke näher das ersehnte Ziel, 1 )Das alle Welt der Sünden ledig macht,Verdammte freispricht und die Fesseln löst.Nichts Neues wird begehrt, nichts widerspricht
355 Der heü'gen Schrift, die so genau wie du
Kein andrer kennt, wenn man mich recht berichtet. —Wohl kenn ich jene Zeit, da aller WeltDas zehnmal fünfte Jahr geheiligt war,Und merkte mir des Höchsten Worte an:
360 Es soll geheiligt sein, soll alle SchuldErlassen; sei das Jubeljahr geheii'sen! —Du kennst das Wort der Schrift. — 0 gib Gewährung!Mit Seufzern, dir zu Füfsen liegend, flehtDein Rom dich an!
Denn wenn die Länder alle
365 Mir fromme Scharen senden, wenn in Strömen,So weit Italien reicht, aus allen StädtenMir Pilger nahn, zu schaun der Heü'gen Schwellen,Zu schaun die Mutter, die sie heii's ersehnt, —In meine Arme wähn' ich dann zu fassen
370 Dich, meinen Herrn, ob du auch ferne weilst! —Wie eine Mutter, die, getrennt vom Gatten,Zum Trost die Kinder zu sich ruft, und ihn,Der sie verliei's, umfafst zu halten meint,
>) Im Jahre 1300 hatte Bonifacius VIII. ein Jubeljahr halten lassen,das der Stadt Rom durch massenhaft zuströmende Pilger reichen Gewinnbrachte. Der Dichter bittet, das nächste Jubeljahr schon 1350 haltenlassen zu wollen. Die Bitte wurde gewährt. Er beruft sich dabei auf dieWorte 3. Mos. 25,10ff.: Und ihr sollt das fünfzigste Jahr heiligen undsoUt es ein Erlafsjahr heifsen.