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5 Doch ihn bewegte nichts; kein rührend Schreiben,Kein tränenfeuchter Blick der trauervollenVerlassnen Gattin, wenn sie tiefgebeugt,Die Wange nafs von frisch vergofsnen Zähren,Ihm in den Weg trat. Ach, der Türken Mitleid
10 Gewann ich eher als des Gatten Liebe!Wie ich in Staub gesunken dringend flehteUm Hülfe oder doch um Trost im Sterben,Sprach zur Entgegnung er nur glatte Worte,Hielt mich durch nicht'ge Reden hin und speiste
15 Sein armes Weib mit schalem Trostwort ab.
Bald war Erkrankung schuld, dals er nicht käme, 1 )Bald war die Frage peinlich zu erörtern,Ob fromme Seelen, die vom Körper schieden,Des Himmels Wonne sähen; bald betrieb er
20 Verworrnen Rechtes neue Ordnung, bald
Der Sittlichkeit Veredlung, — baute Burgen 2 )
Wahl eines so edlen Gatten über die Alpen geeilt sei, und bittet ihnheimzukehren. „Denn Eom ist dein natürlicher Sitz, wohin dein NainePetrus, wohin tausend heilige Erinnerungen dich rufen." ■— Sie zählt als-dann alle die Sehenswürdigkeiten auf, die damals das Entzücken frommerPilger bildeten, und die ihn alle zur Heimkehr mahnen miü'sten. „Willstdu aber nicht kommen, so segne mich wenigstens aus der Ferne, stelledie verfallenen Heiligtümer wieder her." — Mit eindringenden Wortenschildert sie den Verfall der Tempel, die Not der Kirche und erinnert ihnan seine Pflicht der Hilfe. Endlich bittet sie, der Not zu steuern durchGewährung eines Jubeljahres 1350; dies werde ihr immerhin ein Trost sein.
Das Gedicht ist insofern interessant, als es, zusammengestellt mit devnBriefe de reb. fem. IX, 13, beinahe ein Fremdenführer durch die kirchliehenSehenswürdigkeiten des damaligen Roms genannt werden kann, und dochwird der an sich trockne Stoff durch die Behandlung des Dichters, derseine persönlichen Eindrücke wiedergiebt, wie jeder fühlt, anziehend ge-macht und belebt. — Andrerseits klingt betrübend hindurch die inzwischeneingetretene wirkliche Not Roms und die Überzeugung der Bittstellerinvon der Erfolglosigkeit ihrer Bestrebungen.
Clemens VI. belohnte die Verse P.s mit dem Priorat von S. Nicolaus deMiliarino bei Pisa, Gregorovius VI' 1 , p. 222, Anm. und Rossetti, argomento.
1 ) Über die Gründe des Verbleibens Benedict XII. in Avignon vgl.Ep. I, 2, v. 251 Krankheit, Ep. I, 4, v. 148 ff. visio beatificans, Ep. I, 2, 239Disziplinierung der Geistlichkeit und Frage nach der Armut der Kirche.
2 ) Unter Benedict XII. begann der Bau des päpstlichen Palastes in