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Die sieben Schwestern von verwandtem Stamme 1 )Hältst dn mir vor, — wer kann sie allesamt
125 Genau besprechen! Seneca, den klugen,
Befrag' um ihren Wert! — Jedoch du kennst ihn
Und willst mich nur verlocken ihn zu preisen!-------
Doch mich hat in des Lebens Wechselspiel
Und Kampf der Reih'n der neun erhabnen Jungfraun
130 Allzeit beglückt. — Euch, sanfte Musen, danktDer Sänger tausendmal! Den kühnen Pfad,Der endlos aufwärts zu den Göttern führt,Den wies't ihr mir! 0 führt' er mich zum Ziel! —Zu anderm wendet sich mein Lied; gestatte
135 Ein freies Wort! In ungebundner RedeBehandle, was du willst; ergeh' dich frei,Es ist erlaubt und einfach ist die Müh'!Doch willst zum Gipfel des Parnafs du klimmen,Die Schläfe dir mit grünem Lorbeer kränzen,
140 Lafs deine Verse Takt und Rhythmus zeigen 1 —Es lerne eilen in bestimmtem SchrittDie ungebundne Silbe. Deine ZeitVerschmähe nicht der Kleinigkeit zu opfern.In drei Triumphen zwang August die Welt;
145 Doch Musensang und zartes Lied verschönteDes Helden Ruhm.' 2 ) Der edle Herrscher führteDie Zügel der bezwungnen Welt; er lenkte
J ) Der Gegner hatte P. daran erinnert, dafs doch die Astronomieauch zu den sieben freien Künsten gehöre, deren Pflege also seine Sachesein müsse. Die sieben freien Künste, die als Schwestern gedacht werden,heii'sen: Grammatik, Dialektik, Rhetorik (trivium), Arithmetik, Geometrie,Musik, Astronomie (quadrivium). — P. lehnt es ab, den Wert diesersieben Schwestern zu preisen, verweist dafür auf Seneca und erklärt, fürihn seien neun andere Schwestern, die Musen, im Leben bestimmend ge-wesen. —
2 ) Über die dichterischen Versuche des Augustus vgl. die Ann. zuEp. II, 11, v. 248. P. scheint hier über ein Bruchstück zu sprechen, dasdem August zugeschrieben wurde, und von der Erhaltung der Aeneishandelt, vgl. Nolhac p. 107. (Baehrens, Poet. lat. min. IV, 17Ü.) SchanzII 2 , 1, p. 6 erklärt es ausdrücklich für unecht. In jedem Falle verdient esdas Lob nicht, das P. ihm widmet.