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Beruft man sich! — Man schäme sich zu fragen,Wie viel die Sonne grölser als die Erde,-------
100 Und träge zu vergessen, wie viel edlerDie Seele als der Körper ist. 1 ) —
Der Pöbel,Er schwatzt davon, was Jupiter und Venus,Die Glücksgestirne, was der rote Mars,Was des Saturnus kühler Strahl vermöge. 2 ) —
105 Doch hesser wär's zu lernen, was wir selbst,Was Gott in uns vermöge; wie die LastDes Körpers schwer uns niederdrückt, und wieAm Scheideweg uns Schlingen legt und FallenDer starke Räuber ans dem Höllenschlund. 3 )-------
110 Dafs Luna strahlt, durch Phöbus' Licht erhellt,In stetem Wechsel, nie mit gleichem AntlitzBeim Aufgang wie beim Niedergang, dafs oftIn Dunkel sie verschwindet, dann erneutMit schmaler Sichel auftaucht, bis sie wieder
115 Dahinsiecht, — dafs Merkur, der Götterbote,Ein unbeständ'ger Stern, den Frohen Frohes,
Betrübten Trübes bringt, — ist allbekannt!-------
Doch wer der Seele Nacht erhellt, wie oft
Ihr Wesen schwankt, wie oft im Kampf erliegt, 4 )
120 Das ist uns gleich; auch wem das Glück Gewinn,Wem's Schaden bringt, für wen der Tod ein Glück,Für wen das höchste Unglück ist, nicht minder!
1 ) P. will nicht die Untersuchung physikalischer Gesetze überhauptverwerfen, sondern diesen Bestrebungen nur nicht den ersten Rang ein-räumen.
2 ) Mars als feuriger Kriegsgott, hat angeblich rotes, Saturn, als alter,bösartiger Mann, hat kaltes Licht.
8 ) Über den Scheideweg vgl. Ep. I, 8, v. 17. Der starke Eäuber istder Teufel, der Führer der von Gott abgefallenen Engel, vgl. Ep. 1, 15,186.
') Dem bald gröfser, bald kleiner, bald heller, bald dunkler er-scheinenden Monde wird die Seele mit ihren wechselnden Zuständen, ihrerVerfinsterung (durch Trübsal, Unglaube, Zweifel) entgegengestellt. Wieder Mond sein Licht der Sonne, so verdankt die Seele ihre Erlösung ausNacht, ihre Erleuchtung nur Gott. Aber nur das interessante Naturschau-spiel wird von den Menschen beachtet, der seelische Vorgang nicht.