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Franz Petrarcas poetische Briefe
Entstehung
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30 Die Dichter Lügner nennt, so lügt's! Lafs dichDadurch nicht hindern! Denn wir scherzen nur! 1 )Mit buntem Schein verhüllen wir die Wahrheit,Das Volk durchschaut die Hülle nicht! Erhahnes,Wir bergen's in. der Tiefe gern. Der Mensch

35 Bewundert mehr, was mühsam er gesucht!Weil sich das Gold im Schofs der Erde birgt,Gilt's um so höher, kommt's herauf ans Licht.Entstammt die Perle unbekanntem Strande,So glänzt am Ring sie heller. So erstrahlt

40 Nach Regenwolken auch der Himmel reiner;So grüfst nach Finsternis der Nacht das AugeVoll froher Hoffnung den ersehnten Tag.Wohlan! Wohin der neue Trieb dich führt,Dem strebe zu! Erforsche heil'ge Lieder,

45 Darin der Wahrheit Strahlenbild sich birgt!Des Feuergeistes Schwung enthüllt es bald;Der Nebel teilt sich sacht, und sieh, es leuchtetEntzückend aus der fmstern Wolke vor!Mit kleiner Gabe möcht' ich deinen Weg

50 Dir sehr erleichtern! Du empfängst anbeiIhn, der Virgils verborgne Weisheit kündet,Den Servius. Begrüfs ihn milden Sinns!Er ist vor Alter scheckig, fahl von Antlitz,Und schäbig sein Gewand, beacht' es nicht!

55 So muls ein Alter aussehn! 2 ) Wenig KörnerGestatte ihm zu'n, zu seiner ZeitErgibt sich, wird er recht gepflegt, darausEin endlos Saatfeld. Wenn den Weg bei NachtDes Lämpchens schwache Flamme weisen kann,

*) Über diese Auffassung der Dichtung und die wahre Aufgabe desDichters spricht P. ausführlicher Ep. II, 11, v. 240 ff.

'*) P. hat Servins, den Virgilkommentator, gründlich studiert; vgl.Nolhac p. 10l>. Er legte grofsen Wert auf Eleganz seiner Bücher, diemeist auf Pergament geschrieben waren. Ein unansehnlich gewordenesExemplar zu vorschenken, war ihm unangenehm; er entschuldigt sich dahermit feinem Humor wegen der äufseren Beschaffenheit der Handschrift; vgl.Nolhac p. (il.