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Franz Petrarcas poetische Briefe
Entstehung
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115 Kann Dichtung niedrig achten, der mein Müh'nIch manche Nacht lang ohn' Ermatten opfre.Schon fühlt sie stolzen Mut; dem Herrscherthron')Wünscht sie zu nahn, sie treibt mich Tag und NachtZur Eeise an und bittet: Nimm mich mit!

120 Uns beiden winkt der Heiz Parthenopes, 2 )

Und doch, mit süfsen Banden fesselt unsNoch immer Frankreich 3 ) endlich dennoch nahtDer Tag der Heise, beide treten wirZugleich ins Haus, zugleich vor Augen dir!

125 Leb' wohl, leb' ferner glücklieb, teurer Freund,

Und mein gedenkend lies den Brief, den ichMit flticht'gem Kiel in kurzer Stunde schrieb.

2. Ermutigung.

(An Kardinal Bernhard d'Albi.)

Ich höre, dals den heil'gen Dichtern duDich fleiJ'sig zugewendet, hoher Vater. 11 )

') Die Dichtung, sein Epos Africa, das er dem Könige Eobort zuwidmen versprochen und an dem er in Parma 134142 fleifsig gearbeitethatte, ist von hier an personifiziert zu denken.

8 ) Parthenopo, der Name einer Sirene, die am Strande von Neapelbegraben sein soll. Infolge dessen wird bei Dichtern die Stadt Neapelselbst häufig Parthenope genannt.

8 ) Die Stolle beweist, dafs P. wieder in Avignon und in den altenBeziehungen zu Laura ist. Die hier gehoffte Reise nach Neapel trat er imfolgenden Jahre an, allerdings unter so betrübenden Umständen, wie eres damals nicht voraussehen konnte.

*) Der Kardinal Bernhard d'Albi, Bischof zu Khodez, der alsTheologe, Jurist und Diplomat im Dienste der Kurie sich ausgezeichnethatte, versuchte sich, durch P. angeregt, in lateinischen Versen und wünschteüber seine Leistungen P.s Urteil zu hören. Da der hohe Geistliehe abermehr Eifer als Talent für das Dichten bewies, kam P. in die Lage, ihmein ungünstiges Urteil aussprechen zu müssen. Er tut dies mit Geschickund Vorsicht in dem ersten Briefe, den er an den Kardinal richtet; wohlerkennt er sein löbliches Streben an und weist auf das hohe, schöne Zielhin, das er sich gesetzt habe; doch schon hier ist eine ironische Warnungvor zu grofsem Selbstvertrauen und Uuterschätzung der Schwierigkeitender Dichtkunst (v. 15 ff.) unverkennbar. Zum Schlul's überreicht P. dem