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Franz Petrarcas poetische Briefe
Entstehung
Seite
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55 Das seh' ich wohl, vergiefst manch Freundesauge,Und in der Brust klopft hebend manches Herz.Nun tret' ich auf rings Schweigen alles lauscht.

Da kam ein Wort des grofsen Meisters Maro ! )Mir in den Sinn, das gab der Rede Anfang

CO Olin' allen Umschweif. Denn der SängerbrauehGestattet nicht den Schwall der langen Rede.Wer das vergilst, den trifft der Muse Zorn!Flir kurze Frist rief dennoch ich vom GipfelCithärons sie, und in der Völker Mitte,

05 In Latiums Hauptstadt, baut' ich ihr das Haus!Zu kunstgewandtem Wort erhebt sich Orso,Setzt mir aufs Haupt des Dichtergottes Krone,Und endlos rauscht der Beifall der Quiriten.Kein gröfs'rer Held entstand zu unsern Zeiten

70 In Rom, in aller Welt, als Stefano, 2 )

Colonnas Sohn. Er kündet laut mein Lob,Er kündet's mächtig. Heifs steigt in die SchläfenMir dunkles Rot, Gemüt und Sinn verwirrend.Zu Boden drückt der Lobesrede Last

75 Trotz süfsen Schmeichelklangs. Sie ziemt nicht mir,Dem Fürsten ziemt sie nur, Siciliens Herrscher 1Denn wer bin ich? Nur meines Königs GnadeDank' ich dies Lob. Er schmückte mich zum FestMit seines Königsmantels Purpurfalten, 3 )

1 ) Er begann mit dem Verse aus Virgil, Georg. III, 291. Sed moParnassi deserta per ardua dulcis Kaptat amor. Die Rede, lateinisch, warkeineswegs unvorbereitet, wie es nach der Stelle scheinen könnte; dafürist sie mit Citaten zu sehr überladen. Sie ist abgedruckt: Attilio Hortis,scritti inediti di P. p. 310 ff.

2 ) Stefano Colonna, Haupt der berühmten Familie und Vater desGiaeoino Colonna, des Bischofs von Lombes und intimen JugendfreundesP.s. Auf seiner ersten Heise nach Rom 1337 war P. dem Stefano Colonnabesonders nahe getreten.

a ) Die Fürsten des Mittelalters schenkten oft Prachtgewänder, die sieselbst getragen, an Personen ihrer Umgebung als Auszeichnung, vgl. Jak.Grimm, Kl. Schriften II, p. 184 ff.: Über Schenken und Geben. Alwin Schultz,Höfisches Leben p. 499, vgl. auch Jak. Burckhardt, Kultur der Renaissance.1. Aufl. p. 53.