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Franz Petrarcas poetische Briefe
Entstehung
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115 Wenn dir dein Wohl am Herzen liegt, so nimmSofort in Angriff, was du immer wiederHinaus in ferne Zukunft schiebst. ErscheintEs Vorsicht, die Entschließung zu vertagenAuf späte Lebensjahre? 0 wir Blinde,

120 Die tiber's Grab hinaus noch Pläne schmieden!

Du hast erprobt, wie pfeilgeschwind das LebenDahineilt, und du webst ein TruggewebeVon hoffnungsreicher Zukunft und erwartestNoch immer manches von der nächsten Sonne?

125 Bald wird dein Leib ein Frais der Geier seinUnd eklen Würmer! Drum ist jetzt, ist heutDie rechte Zeit, so lang die Glieder regen,So lang du selber dir gebieten kannst,Da noch die holde Freiheit und das Leben,

130 Das plötzlich endet, dir zu eigen sind.

Im schnellen Fluge, sieh', entschwebt die Zeit!Dem Andrang der Sekunden weicht die Stunde,Doch schlägt sie Tag und Nacht in schnelle Flucht.Wenn diese fliehen, kehrt die Mondessichel

135 Die schmale, wieder nach durchmessner Bahn,Und Sonnen führt sie nach sich und den LaufDer langen Jahre schliefst sie ab. Es bringenDie Jahre dann das Alter und den Tod.So eilt die Zeit im ew'gen Wechsel, so

140 Verläuft, nie rastend gleich dem Strom, das LebenUnd iliegt davon und nimmer kehrt's zurück.Ergiel'st ein Strom von hohem FelsenriffMit wildem Wogenschvvalle sich ins Meer,So stürmt er minder schnell dahin; ein Pfeil,

145 Von dürrer Sehne klirrend durch die LuftEntsendet, fährt zum Ziele minder schnell.

Gedenke dran: seit aus der Mutter SchofsDu jammernd, nackt und arm, ein jammervoll,Ein elend Kind zum Lichte stiegest, seit

150 Den ersten Schrei die Lippe bebend tat,Hat Mühsal, Jammer, Klage, Sorge stetsIn deiner Brust gehaust und dir mit Qualen