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Der letzton Stunde ins Gesicht zu schaunUnd seines Sterbens ruhig zu gedenken,Der täuscht sich, der ist rasend, der vertrautZu sehr der eignen Kraft! Wie oft ergreift85 Gerechter Schmerz und der Entrüstung Ernst
Mein schwankend Herz, wie sich's gebührt; wie ringenSie mir im Busen, und bezwingen michDurch klare Gründe; doch zuletzt gewinntDie Leidenschaft den Sieg und mein Enschlufs90 Bleibt guter Vorsatz.
Oft mit bittren TränenBewein' ich meine Schwäche, rufe mahnendMir selber zu: Du Tor, was soll das werden?Wo soll's hinaus? du Ärmster, welches ZielErstrebst du auf verschlungnem Pfade? Sicher95 Ist dir der Tod. Was also mühst du dich,Da dir der Buhehafen winkt? WeshalbWillst du auf dürrem Sande Samen streun?Beackern das Gestade? Dich verlocktDer Hoffnung Trugbild, doch du folgst umsonst
100 Im ew'gen Kreislauf ihrer falschen Spur. 1 )
Der Jugend holder Schimmer ist verschwunden,Die Schläfen hüllen langsam sich in Grau,Und immer säumst du, tändelst wie ein Kind,Begehrst das Morgen, doch die Gegenwart
105 Ist dir verloren; immer hängt dein LosVon ungewisser Zukunft ab; du jagstNach dem, was dich nicht angeht, doch das Gut,Das dir erspriel'slich ist, dem bleibst du fern.0 mach' ein Ende deinem falschen Streben!
110 Benütze frisch den Tag, den zu erblicken,
Dein Gott dir gönnt; wer weifs, ob dir noch morgenDie helle Sonne leuchtet. Denn der Tod,Du weifst es wohl, hüllt alles rasch in Nacht,Und überrascht uns immer unverhofft.
') Das Streben nach irdischer, geistiger Grüfte liegt im Kampfe mitder von dem Unglück anscheinend geforderten Weltentsagung, vgl. Pastor,Geschichte der Päpste l 3 , 1—ü.