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Franz Petrarcas poetische Briefe
Entstehung
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Woliin ich angsterfüllt die Blicke wende,

10 Nur Leichenzüge sieht mein banges Auge.Von Klagerufen hallt der Tempel wieder,In dem sich Bahren häufen; weder PrunkNoch Standesvorrecht trennt den EdelmannVom schlichten Bürger in des Todes Reich.

15 Der letzten Stunde Bild erfüllt die Seele,

Des eignen Untergangs denk' ich mit Grausen.Der Freunde Scharen, ach, sie sind dahin!Ihr liebes Antlitz, ihrer Stimme Klang,Vergebens ruf ich sie zurück; es schwinden

20 Die teuren Züge wie ein flücht'ger Traum.Dafs für der Toten Fülle Platz zu findenIn heil'ger Erde Schofs, mich nimmt es wunder.So klagt Italiens Volk, erliegend schonSo vielen Todesstreichen, seiner Helden

25 Beraubt, erschöpft, beweint die gleiche NotDas edle Frankreich, weinen alle VölkerSoweit die Sonne diese Welt bescheint!

Ist's Gottes Zorn, den unsre Sünde sicherSo oft verdient? Hat die Natur allein

30 Sich so geändert, dafs die Luft verdarb?Dies böse Jahr hat auf die arme MenschheitMit Pesthauch sich gestürzt und droht Vernichtung.Ein Todesatem weht aus dicker Luft.Vom seuchenschwangern Himmel schaut ergrimmt

35 Hernieder Jupiter und sendet KrankheitUnd Todestrauer uns in Strömen zu. 1 )Die Parzen reil'sen zornerfüllt in HastDie Lebensfäden ab und würden gern,Wär's möglich, alle insgesamt zerreifsen.

40 Der Himmel, ach, begünstigt ihren Wunsch.Denn endlos seh' ich leiderfüllte ScharenIm Tod erbleichen und zur finstern NachtDes Orkus niedersteigen. Zitternd denke

') P. äufsert an anderer Stelle die selir wahrscheinliche Ansicht, dafsdie Seuche von Kauf leuten aus Indien eingeschleppt sei. Ekloge 9, 50 ff.