Druckschrift 
Franz Petrarcas poetische Briefe
Entstehung
Seite
63
Einzelbild herunterladen
 

63

Erbittert sie und reifst mit eigner HandDes Schlosses Riegel fort; er öffnet weitDas Tor, das krachend aufspringt, und verdoppelt85 Der Ungeduld'gen Wut. In dichtem HaufenUnd unverzüglich stürmen rasend sieHinaus, des Königs Auftrag zu erfüllen!

Mit Schaudern sieht Natur, des Lebens Mutter,Die Wilden nahn, wehklagend läfst die Zügel90 Sie sinken, weicht in fern verborgne StättenZurück und weint. Die Erde bebt, mit GrausenErblickt auch sie den Aufruhr, der VernichtungIhr bringen will; und schwere Klage sendetSie auf zu Jovis Thron. Sie wankt, den Stürmen95 Wird sie zur Beute fallen, wird vom KückenDie himmelhohen Bergen niederwerfenUnd ihr bezwungnes Haupt in tiefster TiefeDes Abgrunds bergen. Sieh! Ein RegenstromErgiefst in ungemessner Flut herab

100 Sich aus den Wolken; laut ertönt das DachVom Hagelschlag, zu Boden sinkt der KranzDes grünen Weinlaubs, auch der Wälder Schmuck,Er sinkt dahin. Von schwarzen Strömen dröhntDie Grotte, wirbelnd reifst des Giefsbachs Strudel

105 Die Felsen mit sich, trüber wird die Flut,Die sonst smaragden glänzte; ausgetilgtIst gänzlich aller Nymphen Jugendreiz,Den du besonders, ein erfahrner KennerDer Schönheit, voll Entzücken lobst.

Es kommt

110 Die alte Sündflut wieder; schon vermagDer Bauer auf dem Acker nicht zu stehn,Den er noch jüngst gepflügt, verzweifelt ringtEr mit der Meeresflut; er sieht den Pflug,Er sieht die Rinder fortgespült, das Dach

115 Herabgerissen, seines Herzens HoffnungIns gleiche nasse Grab hinuntergleiten,Und jammert, dafs Propheten ihn betrogenMit falschem Spruch; gekommen sei der Tag,