— 60 —11. Gewitternacht. 1 )
(An Cardinal Giovanni Colonna.)
Was fang ich an? Well mir! Die weite Halle
Des Göttervaters wankt und bebt, erschüttert
In seinen Angeln kracht mit Donnerton
Das hohe Himmelstor; voll Schaudern sah5 Ich fahle, zack'ge Blitze eine Schlacht
In naher Grotte schlagen''') — und dahin
War meine Ruh' in stiller Mitternacht.
Von Feuern glüht der Pol bald dort, bald hier,
Die Wolken bersten; brüllend tost der Donner,10 Ein Höllenschein erregt der Welt Entsetzen.
Des Menschen Herz verzagt, das Tier erbebt.
Entsetzlich schleudert Jovis starker Arm
Aus seiner Himmelsburg die grausen Speere,
Vernichtend Feuer haucht sein Odem aus.15 Die Sterne fiiehn und hüllen Wolkenschleier
Sich um das Strahlenantlitz, wollen nicht
Den Weltenbrand erblicken, der der Menschheit
Zu früh das alte Chaos wiederbringt! —
Der Stern der Venus, der im ganzen Reih'n20 Des Himmelschors am schönsten glänzt, entwich
Vor allen andern, tiefbetrübt zu sehn,
Data seinem milden Wesen die Natur
0 Ein furchtbares Unwetter, das in einer Nacht, losbrach und denDichter vom Lager trieb, gab die Veranlassung zu einer eingehendenNaturschilderung, in der P. zunächst von der antiken Mythologie reichlichenGebranch macht, dann die Wirkung des verheerenden Unwetters in seinerUmgebung beschreibt und zuletzt seinen Freund um ein Mittel gegenähnliche Gefahren, insbesondere den Blitzschlag, bittet. Es ist bekannt,dal's P. durch Stürme, Gewitter, Erdbeben tief erschüttert wurde. Geigerp. 73, Körting p. 211. 240. Ob in der Bitte um Mittel gegen den Blitzwie llossetti annimmt, feine Ironie gefunden worden mufs, ist zweifelhaft.Vergleiche die berühmte Schilderung des Sturmes in Neapel in Epist.familiär. V, 5.
'') Vom Schlummer in seinem einsamen Häuschen in Vaucluse auf-geschreckt, erblickt er die Grotte von Blitzen erhellt, als fände das Ge-witter in ihr statt.