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Franz Petrarcas poetische Briefe
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10. Dem unbekannten Freunde. 1 )

Wer du auch bist, der Sänger herbes Los,Ihr unverdient Exil entlockt dir Tränen;Du singst ein Lied, der Musen Flucht zu hemmen,Und deine Sprache zeigt, wie tief du fühlst!5 Hab' tausend Dank! Auch für dich selber trägstMit hohem Geist du reichste Frucht davon,Wenn du beklagst, dafs Phöbus' SängertalVerödet liegt, dafs sein geweihter QuellVersiegt, der deinen Durst in Jugendtagen

10 Mit süfsem Trünke allezeit gestillt.

Doch ach! vergeblich läfst die trübe KlageVor mir sich hören. Ach! wie könnt' ich helfen?Wie war' es möglich? Hätt' ich's je gekonnt,So ist's vorbei; des Dichtergeistes Feuer

15 Ist ausgebrannt, von Volkeswut zertreten.Bedarfst des Helfers du bei deiner Klage,So hat das Glück dir diesen Wunsch gewährt.Doch Rettung bringen, da die Musen leiden,Ich kann es nicht, der Schmerz hat mich entwaffnet.

20 Mir blieb allein ein mattes Trauerlied.

So leb' denn wohl, mein unbekannter Freund!Wie wunderbar! Ich lieb' und weifs nicht wen!Doch zeigt sein edles Schweigen edle Art.Welch seltner Mann, der so erhabne Verse

25 Mir schenkt und seinen Namen mir verschweigt!

') Ein Unbekannter hatte nuter Vcrschweigung seines Namens schöneVerse an P. gerichtet, in denen er don Verfall der Poesie und die Ver-bannung der besten Dichter beklagte. P. drückt dem Unbekannten seineFreude und sein Mitgefühl aus, erklärt sieh auch boreit in seine Klageneinzustimmen, doch aufser stände ihm zu helfen, da die Volkswut in ihmdie poetische Kraft ertötet habe.

So wenig wie der Name des Dichters bekannt ist, ebenso wonig istes die Veranlassung seiner Verse. Vielleicht kam der Brief aus Florenz,aus dem ja P. infolge der Verbannung seines Vaters auch verbannt war,und war ein Versuch ihn zurückzurufen, wie Epist. 111, 10; vielleicht istdas Ganze nur ein geistreiches Versteckenspiel.