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Das alles schürt
Des Herzens leise Gluten unablässig,
Und voller Beben spür' ich schon das Feuer,
Das wohlbekannte. — Hatt' ich doch entsagt!
Es war ja Zeit! Und dennoch rüstet wieder30 Mit allen Waffen, goldgezierten Pfeilen
Sich gegen mich der Schmerzenbringer Amor.
Sieh da! Er wetzt den Pfeil auf glattem Schleifstein! ')
Die grimme Spitze prüft er mit dem Finger!
Behaglich spannt er — sieh! — den Todesbogen!35 Er biegt, aufs Knie gestützt, des Joches Krümmung!
Am Strang, der tief verwundet, spielt sein Daumen!
Wohin entfliehnY Was tun? Es halfen ja
Mir weder Meerestiefen, Alpenhöhen
Noch langer Zeit Verlauf — das Alter naht40 Und macht besonnen — dringend fleh' ich also
Um Frieden an den pfeilbewehrten Feind.
Er schlägt ihn ab! Verdoppelt seine Rüstungl
Und sieh! — es ist entsetzlich! — überall
Zu allen Stunden fällt der grause Gegner45 Mit schnellem Flug mich an und ich erbebe,
Voll banger Furcht, dafs er mit neuem Rohrpfeil
Die alte Herzenswunde wieder aufreifst! ■ /
Denn alles steht ihm bei; es wirkt für ihn
Des stillen Platzes wonnevoller Anblick;
') Man beachte die genaue Sachkenntnis, mit der P. das Verfahrenbeim Spannen und Abschiefsen eines Bogens beschreibt. Amor schärftzunächst den Pfeil (lloraz, Carm. II, 8, 15— l(i wetzt Amor Feuerpfeile aufblutigem Schleifstein), dann „bespannt" er den Bogen, d. h. er befestigt dieSeime, welche im Zustand der Ruhe nur an einem Endo des Bogens be-festigt ist und lose herunterhängt, an dem anderen Ende des Bogens.Dies erreicht er, indem er das Knie gegen das biegsame Joch des Bogensstemmt uud die beiden Enden desselben so nahe zusammenbringt, dafs erdas lose Ende der Sehne zu befestigen imstande ist. Nun ist der Bogen„bespannt" und in Gefechtsbereitschaft. Alsdann prüft er mit dem Daumen,ob dio Sehne für einen erfolgreichen Schufs straft' genug angezogen ist.Hierauf erst kann die für den Schills selbst erforderliche Bewegung desZurückziehens der Sehne nach der Brust hin gemacht werden, der Bogen„gespannt" werden. Vgl. F. von Luschan, Über den antiken Bogen; in derFestschrift für 0. Benndorff, p. 189 ff. und besonders Ilias IV, v. 122 ff.