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Franz Petrarcas poetische Briefe
Entstehung
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Ich unvermutet in des Wildes Lager!Wie oft ward schon dem hohen GeistesflugeZum Friedensstörer selbst der kleinste Vogel,Bis ihn.der Fittich schnell von dannen trug!

290 Dann ist mir lästig, wer auf schatt'gem PfadeEntgegenkommt, wer leise mich begrül'st;Denn andren, hohen und erhabnen DingenGeb' ich mich hin. In tiefes WaldesschweigenVersenkt sich meine still entzückte Seele

295 Und unerträglich ist mir andres Rauschen,Als dafs der klare Bacb im Sande rieselt,Ein leichtes Lüftchen um mein Schreibzeug spielt,Und ich der Lieder Rhythmus leise summe.Oft mahnt des eignen Körpers längrer Schatten

300 Zur späten Heimkehr, tadelt mein Verweilen,

Oft zwingt die Nacht, den Schritt zurückzulenken.Dann zeigt den Weg und warnt vor scharfen DornenDer Abendstern, und, wenn die Sonne schied,Der milde Mond. So leb' ich, so beschäftigt;

305 Und wenn mein Herzenskummer schwiege, meint' ich,Ich sei vollkommen glücklich, ja, es hätteEin Glücksstern in der Wiege mir geleuchtet.

8. Die Grabschrift der Mutter. 3 )

Nimm den Trauergesang, entschlafene Mutter, entgegen,Neige hernieder das Ohr, wenn nicht im Himmel die Tugend,Würdigen Lohnes gowii's, auf andere Ehre verzichtet.

*) Eletta dei Canigiani, Petrarcas Mutter, Gattin des Notars Petracco,starb 1826, als Petrarca 22 Jahre alt war. Sie hatte nur ein Alter von38 Jahren erreicht (vgl. Geiger, Petrarca IV, 4, Anm. 1 p. 276). P. kehrte1326 von Bologna heim, wegen des Todes seines Vaters; gleich daraufverlor er die Mutter (Rossetti, sez. III, Ann. 19). Das erhaltene Gedichtauf den Tod der Mutter ist das älteste von seinen lateinischen Gedichten.Geiger a. a. 0. sagt mit Recht, das Gedicht verrät den jugendlichen Dichter;Körting, p. 50 nennt es eine allgemein gehaltene, schablonenmäfsige Lob-preisung, welche warme und natürliche Empfindung gar sehr vermissenläfst. Es enthält 38 Verse; soviel Jahre als die Mutter gelebt hatte, sovielVerse widmete ihr der Sohn (v. 85). Bei Geiger, p. 255 ist der Anfang