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Ein Jahr schon 1 ) weil' ich hier; allein es fandenKaum ein bis zwei Mal die ersehnten FreundeIm stillen Tal sich ein. So unterliegt
215 Die Liebe der Entfernung! Doch besuchenMich oftmals Briefe, die in langer NachtAm Feuer einsam mit mir plaudern, einsamZur Sommerszeit im Schatten mit mir sitzen.So hab ich tags, so hab ich nachts Gesellschaft.
220 Unmöglich ist es, mündlich zu verhandeln:
Denn Dornen, Schnee und mein bescheidner TischSchreckt alles ab. Längst haben in der StadtDie lieben Freunde, die getreuen DienerSich an Komfort gewöhnt; sie lassen mich,
225 Der ihnen Schlichtheit predigt, sehnöd' im Stiche.Und treibt einmal die Liebe wen zu mir,Bringt er mir Trost, als säfs ich im Gefängnis,Und macht sich schleunigst fort, verwundert sich,Dafs ich die Lust verschmähe, die im Herzen
230 Doch jeder für der Güter höchstes hält.
Sie ahnen nicht, welch andre Lust und FreudeIch hier geniefse im geheimen KreiseDer Männer, die aus allen ErdenländernUnd allen Zeiten sich hier eingefunden.
235 Durch Wort und Geist in Krieg und Frieden sindSie hochbevühmt und doch so anspruchslos,Dafs sie, mit einem Winkel meines HäuschensZufrieden, mir Gehorsam nie verweigernUnd stets zur Stelle, nie verdrossen sind,
240 Und gehn und kommen, wie ich will und wünsche.Ich darf sie fragen nach Belieben, willigErteilen Antwort sie in Vers und Prosa!
Die einen kllnden der Natur Geheimnis,Den besten Rat im Leben wie im Sterben
245 Die andern; manche preisen Heldentaten
Aus grauer Vorzeit, manche bringen NachrichtVon ihren eignen, längst vergangnen Werken.
l ) Abfassungszeit des Gedichtes also 1338.
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