— 50 —
Mit hellem Schein vom Himmel niedersah,Verharrt ich wartend, dann erst fand ich Mut,
180 Vom graunerfüllten Zimmer mich zu wenden. —Zum ßergwald eilt' ich, blickte scheu zurückUnd spähte, oh die Böse, die den SchlafZu stören kam, den Weg zu sperren eilte.Wirst du mir glauben? Wenn der Pein entronnen
185 Die Waldesöde pfadlos ich durchstreife,
Zeigt das Gesträuch (begreife mein Entsetzen)Ihr Bildnis wieder; aus dem Eichenstumpf,Aus klarer Quelle taucht's empor, es leuchtetIm Wolkendunkel, in der hellen Luft,
190 Und lebend steigt's hervor aus hartem Fels.
So deutlich ist's, dafs Furcht den Schritt mir hemmte.Sieh, solche Fallen stellt die Liebe mir!Zu hoffen hab' ich nichts, des Himmels AllmachtKann mich allein aus diesem Strudel retten,
195 Der mich vernichtet; aus der Feindin Macht')Kann nur ein Gott mich reil'sen und vollbringen,Dafs mein Versteck mich endlich sicher birgt.
Genug davon! Doch du willst mehr erfahren! —So lafs dir kurz erzählen, wie alltäglich
200 Mein Leben sonst nach festem Plan verläuft.Es würzen Hunger, Arbeit und das FastenDes ganzen Tages mir das leichte Mahl.Mir dient ein Bauer; wenn ich einsam wandre,Folgt mir mein treuer Hund, des Ortes Öde
205 Hat alle andren von mir fortgescheucht.Verbannt ist alle Wollust, die im GlänzeDer Städte lieber haust und dort die WaffenDes Sinnentaumels schwingt. Statt ihrer wohnenDie Musen hier im weltentlegnen Tale,
210 Vom Bann befreit; ein Fremder stört uns selten,Nur wen'ge lockt der Sorgue Wunderquell.
') Wie stark die Ausdrücke P.s im vorliegenden Falle sind, zeigtv. 195. Er sagt de faucibns kostia, was entsprechend kräftig mit „derFeindin Schlund" zu übersetzen dock nicht angeht.