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Den Perlensehmuck am weifsen Halse fürchte,Den zarten Nacken und den Wonneblick,Der noch im Tode mich entzücken könnte!
150 Wär's möglich, dafs zum dritten Mal vergeblichBei meinem Gott ich Hilfe suchen müfste,Der mir schon zürnt, dafs ich an heil'ger Schwelle 1 )Des Ruders Trümmer, Fetzen nasser KleiderVerwahren, dafs mein wächsern Bild zu Füfsen
155 Der Marmortafel ich erblicken müfste,
Gebeugt zum Dankgebete? — Solche SorgenVerfolgten meine Seele; alles dacht' ichIn bangem Geiste durch — sieh, da erschienMir dieser Fels an abgelegner Küste,
160 Der nach dem Schiffbruch sichre Hilfe bot.'-)Ihm strebt' ich zu, und nun, in diesen BergenVersteckt, bewein' ich meines Lebens Irrfahrt.
Doch wieder folgt sie mir, verlangt ihr KechtiBald zeigt den wachen Augen sich ihr Bild,
165 Bald stört es drohend mit erzürnten MienenDen leisen Schlaf, ja oft um Mitternacht,Wenn dreimal ;) ) ich die Türe sorglich schlofs,Drang's durch ein Wunder in mein SchlafgemachUnd fordert herrisch seinen Sklaven wieder.
170 Zu Eis erstarrt' ich; nach dem Herzen wandteAus allen Adern sich des Blutes Lauf,Den Lebenssitz zu schützen — und gewifs,Bei hellem Lichterglanze wäre deutlichDie Totenblässe meines Angesichts
175 Des unerhörten Grausens Bild gewesen.
Ich fuhr erschreckt empor; die Tränen strömten,Vom Lager sprang ich auf, und bis das Frührot
') Die aus dem Schiffbruch Entkommenen weihen ihre Kleider,Euder, auch ihr eignes Wachsbild nebst einer Inschrift, die ihre Bettungverkündet, dem rettenden Gotte. Schon Horaz, Carm. I, 5 benutzt diesBild zur Bezeichnung eines Menschen, der den Gefahren der Liebe entging.
) Der Felsen, an dessen Fufse die Sorgue entspringt.
3 ) Abergläubische Menschen pflegten nachts Türen nnd Fenster sorg-fältig (dreimal, weil drei eine heilige Zahl ist) zu verschliefsen, damit böseGeister und böse Träume keinen Zugang hätten.
F. Friedersdorff, Petrarcas poetlsohe Briefe. a