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Sie tritt mir kühn entgegen, es erfülltIhr Übermut mein Herz mit banger Sorge.
55 Von ihrem Herrschersitze hat bis heut
Kein Mittel sie verdrängt, doch nahm sie einstDie Seele mir durch Einfachheit und AnmutUnd durch der Schönheit Zaubermacht gefangen.Zehn lange Jahre 1 ) hatt' ich schon das Haupt,
CO Das müde, murrend unters Joch gebeugt;Ich war empört, in eines Weibes BandenSo lang zu schmachten. Durch geheime QualVerzehrt, war ich ein andrer längst geworden,Und langsam glimmend war die düstre GlutBis in das Lebensmark hinabgedrungen.
65 Ich rief den Tod, weil der erschöpfte LeibZusammenbrach. — Da griff die FreiheitsliebeMir in die Seele; ich ermannte mich.Zurück ins tiefste Herz drängt' ich den Gram,Das Joch zu sprengen spornt' ich alle Kraft.
70 Ein schweres Werk, die Herrin zu vertreiben,Die ein Jahrzehnt geherrscht, der Feindin MachtZu brechen mit erschöpfter Kraft! — Dies Wagnis,Ich unternahms und Gott hat mir geholfen!Er löste gnädig aus der alten Schlinge
75 Mein Haupt und gab mir Sieg im langen Kriege. —Allein die Feindin, schwer getroffen, legteDie Hand an ihren Sklaven, sehritt zum AngriffAuch unter Schmerzen. Zärtlich süfse Blicke,Die stille Glut entfachen, scharfe Pfeile,
80 Die wonnig schmerzen, — das ist ihre Rüstung!Mit diesem warf auf schon betretnem PfadeSie mehrmals mich zu Boden — was beginnen?Wie ihr begegnen? Nochmals sie bekämpfen?Sie wird mich härter knechten als zuvor! —
85 Drum flieh' ich ohne Ziel durch weite Fernen! 2 )
') Da P. seine Laura nach eigener Angabe 1327 zum ersten Malegesehen hat, so inui's vorliegender Brief nach 1337 geschrieben sein.
a ) Wenn es auch wahrscheinlich ist, dafs hiermit die 1330—1337 nachItalien unternommene Reise P.s gemeint sei, so ist doch, was er über den